Gigantische & Glitzernde Wüste

Gigantische & Glitzernde Wüste

Dreiundzwanzig – Über den größten Baum der Welt, die irrealste Stadt der USA und Fake-Elvisse

Kalifornien ist definitiv einer der vielfältigsten Staaten der USA. Wir haben Seen wie Lake Tahoe gesehen, Vulkane im Lassen Nationalpark, die Küste mit Riesenstädten wie San Diego, LA und San Francisco. Für den letzten Abschnitt machen wir uns auf zum Sequoia und Kings Canyon Nationalpark, in dem die breitesten Bäume der Welt stehen, unter anderem der größte Baum überhaupt: The General Sherman Tree. Nach Sequoia zu kommen war um diese Jahreszeit gar nicht so einfach. Viele Strecken hatten Zwischenfälle durch Waldbrände und der nächstgrößere Park, Yosemite, war durch 17 Brände gleichzeitig betroffen, weshalb man auch ihn nicht durchfahren konnte. Sequoia bleibt glücklicherweise offen und wir können an  mehreren Ranger-Kindern vorbei ins Innere des Parks fahren. Auf den ersten Blick sieht die Gegend des zweitältesten Nationalparks von Amerika nicht aus, als würden irgendwelche Bäume in ihr wachsen. Es ist eine schöne Landschaft mit Canyons, wilden Flüssen und teils hüfthohem Steppengras. Dazwischen schlängeln sich Serpentinen mit Backsteinmauern hindurch und man entdeckt Monumente wie den Moro Rock, die man von der Strecke aus sehen kann.

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Die Straßen sind für amerikanische Verhältnisse eher eng, aber wenn man Aussichtspunkte sucht, erreicht man immer wieder welche am Rand und die meisten davon haben auch Parkplätze. Erst wenn man den Anstieg hinter sich lässt und in die Nähe von Moro Rock und den Crystal Caves kommt, erreicht man auch das Gebiet der Mammutbäume. Zunächst gibt es keine großen Unterschiede zu den Redwoods an der Küste. Nach einigen Kurven gelangt man aber näher zu „The General Sherman Tree“ und die Bäume werden breiter und das Holz der Rinde leuchtet bei der Sonne in einem braunrot, das an Mahagoni erinnert. Wenn man aus dem Auto steigt, fühlt man sich winzig und das nicht nur wegen der Bäume sondern auch wegen der schier unendlichen Weite von Waldgebiet. Es ist, als hätten die Serpentinen den Stein, die Flüsse und die Canyons im Tal einfach verschluckt. Die Menschen sind jedenfalls mit gezückten Kameras und in Massen unterwegs als wir auf dem Main Trail in eines der Kernstücke vom Gelände hineinlaufen – immer auf der Suche nach dem größten Baum. Natürlich ist das nicht allzu einfach, wenn rundum alle Bäume enorme Höhen erreichen und man die Wipfel kaum noch erkennt. Letztendlich findet man den General Sherman durch Hinweisschilder und rennende Asiaten. Ich würde nicht sagen, dass er wesentlich größer ist, als die Bäume um ihn herum, aber durch seine freistehende Lage wirkt er umso massiver und ohne Zweifel beeindruckend. Legt man den Kopf in den Nacken, erkennt man die weit oben ansetzenden Äste und einige hektisch-herumfliegende Vögel. Der Baum hat eine Höhe von 83 Metern und ist 11 Meter breit. Ich kann gar nicht beschreiben, wie klein man sich daneben fühlt.

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Am schönsten ist die Stille, die sich trotz der vielen Versammelten an dem Ort hält, was mich an eine Kirche denken lässt. Irgendwie erscheint es richtig, dass ein Baum, der auf bis zu 2500 Jahre geschätzt wird, dieselbe Ehrfurcht erfährt, wie ein geheiligter Ort. Wenn man den Baum schließlich umrundet hat, kommt man auf eine Kreuzung mit unterschiedlichen Wanderwegen. Einige führen weiter hinauf in die Berge zu Moro Rock, andere führen ins Waldgebiet hinein, wo man durch die Allee der Giganten streift. Die Luft hier oben hilft übrigens auch ein bisschen beim Abkühlen, aber für den Extremfall kann man sich natürlich ins Tal verziehen, wo einige Leute mit Picknick Decken und Klappstühlen am Wasser sitzen.

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Da sich unsere Zeit im Inland dem Ende zuneigt, machen wir uns auf den Weg zum letzten Stop der Countryside, Las Vegas. Durch lange Streckenabschnitte von Orangenbäumen, Wüste und Windparks, ist es so dunkel geworden, dass man weder Sterne sieht, noch das Flimmern der Hitze. Sie ist aber weiterhin spürbar – sogar als wir am Rasthof gegen 11 Uhr abends anhalten und der Wüstenwind uns wie ein Föhn durch die Haare fährt. Je näher man Vegas kommt, desto heller und bunter wird die Nacht. Das Licht von tausenden – sorry, Millionen- Glühbirnen erhellt die Dunkelheit, sodass man sich einbildet, in einem verrückt beleuchteten Einkaufszentrum zu stehen. Eins ist sicher: Wenn auch nur eine Stadt in amerikanischen Filmen nicht übertrieben dargestellt wird, dann ist es Vegas. Denn die Stadt wurde als übertrieben konzipiert. Irreal ist wohl das zutreffendste Wort, wenn man sich vorstellt, dass eine künstliche Glitzerstadt mit 630 000 Einwohnern mitten in der Wüste Nevadas liegt, mit quasi nichts drum herum. Bei Tageslicht passiert man höchstens drei Ortschaften, bestehend aus circa 10 Häusern, von denen mindestens die Hälfte leersteht. Dafür ist Vegas  in Amerika der Punkt, der über 40 Millionen Touristen im Jahr anzieht und wo die Straßen nachts fast schon überladen wirken an Security Personal, Touristen, Einheimischen und natürlich Fake-Elvissen. Anreisen kann man bei den Hotels rund um die Uhr und die Casinos bleiben mit ihren Roulettetischen auch durchgehend zugänglich. Da es die letzte Nacht auf unserem Trip mit unserem Leihwagen ist, haben wir deutlich schicker als sonst gebucht und übernachten im „Paris Las Vegas Hotel“, das von außen zumindest teilweise den Eiffelturm nachahmt. Teuer sind die Zimmer in Vegas nicht, dafür rechnen die Hotels und Resorts teilweise verrückte Abgabesummen an die Stadt ab. Wir hatten eigentlich ohne große Erwartung gebucht und stehen schließlich im schicksten Zimmer des gesamten Urlaubs: Einer riesigen Suite, Kingbett mit Blick über die Stadt, da die Seiten des Zimmers Glasfronten haben und einem Marmorbad mit Dusche und Badewanne. Bevor wir ins Bett fallen, gehen wir aber noch einmal nach draußen, denn man hat Vegas vermutlich nicht in seiner Fülle erlebt, wenn man nur tagsüber unterwegs ist. Im unteren Teil unseres Hotels befindet sich ein riesiges Casino mit Restaurants, Modeshops, Bars, Spieltischen, halbnackten Tänzerinnen und bemalten Decken. Wenn man durch die Gänge läuft, sollte man nicht meinen, dass es schon nach ein Uhr nachts ist, weil die Decken durch die blaue Farbe und helle Beleuchtung eindeutig an draußen erinnern. Tritt man vor die Türen des Eiffelturms, tauscht man das Klingeln der Maschinen gegen den Bass der Musikplattform über sich ein. Dort spielen bis morgens DJs mit wildem Neonlicht .

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Gegenüber liegt das Bellagio, bei dem jeden Tag die Springbrunnenshow der Bellagio Fountains abgespielt wird. Wasserfälle erheben sich zu Opernmusik in die Luft und im Hintergrund sieht man Luxushotels die vom Baustil aus ans antike Griechenland oder Italien erinnern. Nichts von der Kulisse passt zum Rest der USA, abgesehen von den Fastfoodketten und den Hochhäusern in der Gegend. Fährt man durch die Stadt, sieht man eine gigantische goldene Pyramide, eine Art Disneyschloss, eine kleine Kopie des London Eye und mehrere Gondeln im venezianischen Stil, die im künstlich angelegten Fluss vor sich hingondeln. Je länger man in der Stadt ist, desto mehr hat man den Eindruck, sich in einem riesigen Freizeitpark zu befinden. Besonders abstrakt ist übrigens auch das Hotel Bellagio von innen. Man betritt eine gold-schimmernde Marmorhalle mit Glasblumen an der Decke und erreicht durch sie einen riesigen Saal mit großen, auf Schienen fahrenden Schwänen, wild glitzernden Kronleuchtern, winkenden Puppen und Banjo-Musik. Ich habe keine Ahnung, wie die Wahrnehmung dieser Szenerie mit Drogeneinfluss ist, aber ich fand es auch ohne schon beeindruckend-verstörend.
Sehenswert in Vegas ist vor allem das „alte“ Vegas. In der Freemont Street stehen die ersten Casinos und Hotels. Mit am berühmtesten ist das „Golden Nugget“, das -wie der Name schon sagt- von der Form an eine Nuss erinnert und einen an das Eichhörnchen Scrat von Ice Age denken lässt. Abgesehen davon fühlt man sich der Geschichte der Stadt hier etwas näher, da die Gebäude älter sind, die Musik vor vielen Jahren stehen geblieben ist und einige Diner für ihre nie veränderten Rezepte angepriesen werden. Vegas etablierte sich als Großstadt übrigens nur durch den Bau des Hoover Dam 1931 und die Legalisierung des Glückspiels, was viele Touristen und Banditen in die Gegend lockte. Die Freemont Street macht heute aus dem Banditen-Image eher Spaß, aber zum damaligen Zeitpunkt haben Gangs die Stadt regiert und man konnte nach einer bestimmten Uhrzeit kaum noch auf die Straße gehen. Auch heute noch zählt Vegas als viertkriminellste Stadt in den USA.
Es gibt aber auch Positives: Die Freemont Street ist  im Sommer eine gute Adresse, weil sie immer überdacht ist und die Hitze ein bisschen erträglicher macht. Wenn man einen Ort sucht, an dem man Fake-Hochzeitsfotos, Bilder mit Strippern und knapp angezogenen Frauen (mit Katzenschwänzen!!!) machen kann oder sich von Fake-Elvis in der pinken Hochzeitskapelle trauen lassen will, ist man hier bestens aufgehoben.  Vegas gehört übrigens weltweit zu einer der Städte mit den meisten Hochzeitskapellen, weil hier die Eheschließungsgesetze ziemlich unkompliziert sein sollen.
Und ein weiteres Highlight ist mit Sicherheit die Zip-Line, die über den Köpfen der Passanten hergeht und die die Leute von unten betrachtet wie Superhelden aussehen lässt. Auch wenn sie für Superhelden ein bisschen viel kreischen. Eigentlich wollte ich diese Zip-Line Aktion auch ausprobieren, aber auf unserem Weg dorthin, bliebt über unseren Köpfen ein Mädchen auf der Strecke hängen und musste (mit viel Beifall der Passanten) gerettet werden. Da hab ich dann doch beschlossen, lieber auf dem Boden zu bleiben. Ist Vegas eine Reise wert? Definitiv. Ich glaube nicht, dass man hier häufig gewesen und mehrere Tage da bleiben muss, aber die USA OHNE Vegas zu machen wäre weniger beeindruckend gewesen und definitiv auch ein bisschen schade.

Was ist eure Meinung zu Vegas?

Preise:
Sequoia Nationalpark: 35$ pro Auto (Ohne Annual Pass)
Website: https://www.nps.gov/seki/index.htm

Tipps:
1) Wie im Lassen Nationalpark gibt es in Sequoia ebenfalls ein Dark Sky Festival.
2) Es gibt aufgrund der engeren Straßenverhältnisse ausnahmsweise Größenbeschränkungen bei Fahrzeugen (https://www.nps.gov/seki/planyourvisit/placestogo.htm). Geht sicher, dass ihr diese prüft, falls ihr mit einem Wohnmobil unterwegs seid.
3) Falls ihr die Crystal Caves in Sequoia besichtigen möchtet, könnt ihr die Karten dafür an den Rangerstationen kaufen. DIREKT VOR ORT KEIN VERKAUF.
4) Der Crystal Cave ist geöffnet vom 25.Mai bis zum 30.September.
5) Weitere empfehlenswerte Pfade im Sequoia Park: Big Tree Trail, Congress Trail.
6) In Vegas unbedingt die alte Freemont Street besuchen!!!

Highway 101 – San Diego bis Big Sur

Highway 101 – San Diego bis Big Sur

Zweiundzwanzig – Über San Diego, das Geisterschiff Queen Mary und Hearst Castle

Ich weiß nicht genau, warum es in Richtung der mexikanischen Grenze in Kalifornien so teuer wird, aber offensichtlich ist San Diego einer der preishöchsten Orte an der Westküste. Von den Großstädten aber auch eine der schönsten, was man zugeben muss. Die Fahrt vom Inland nach San Diego ist eine ziemlich trockene Angelegenheit. Kakteen und Meilen gerader Highways können nach spätestens drei Stunden ziemlich langweilig werden. Da wir zu Beginn des Urlaubs die Küste bis San Francisco hinunter gefahren sind, haben wir uns aber trotzdem entschieden, den Großteil der Westküste zu beenden. Wenn man auf den Beton vor sich starrt, flirrt hier die Hitze. Lichtblick ist für uns der Balboa Park im Stadtzentrum , den man schon von weitem durch seine Grünflächen erkennen kann.
Macht nicht wie wir den Fehler direkt in den Park hineinzufahren, das beschert euch am Anfang zwar einen unglaublichen Blick aus dem Auto, aber kostet euch im täglichen Verkehrsgedrängel nur Zeit. Von den Seitenstraßen vor dem Eingang zu parken und hineinzulaufen, wird euch vermutlich einiges ersparen. Der Ausstieg nach mehreren Stunden Hitze ist übrigens gar nicht so schlimm wie zunächst befürchtet. Vermutlich liegt es daran, dass San Diego ebenfalls eine Küstenstadt ist oder daran, dass der Park mehrere Steingebäude mit Unterführungen hat. Balboa Park ist mit Sicherheit nicht der typische Park. Es gibt natürlich reine Grasflächen mit Bänken, Blumen und alten Bäumen, aber vor allem sind es die geschichtsträchtigen Häuser, die einem das Gefühl geben, vor langer Zeit in Rom gelandet zu sein. Die Säulen der Gebäude erinnern an den griechischen und römischen Stil und tragen Verzierungen, die einen an Spanien denken lassen. Das liegt daran, dass San Diego durch den für Spanien arbeitenden Portugiesen Juan Rodriguez Cabrillo entdeckt wurde und er es zum Besitz der Spanischen Krone erklärte (mal davon abgesehen, dass schon lange vor ihm die Indianer in dem Gebiet gelebt hatten). San Diego erhielt zunächst den Namen „San Miguel“, wurde aber von einem spanischen Kartografen 1602 in San Diego de Alcalá umbenannt. Spanien verlor San Diego später zwar an Mexiko und Mexiko verlor die Stadt wiederum an die USA, aber die Kunst und die Gebäude der ersten spanischen Siedler blieben erhalten und man sieht diesen Einfluss bis heute.

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Zugegebenermaßen sind wir etwas „starstruck“ (wie die Amerikaner sagen), als wir den inneren Parkbereich betreten. Zentrales Stück des Parks ist eine lange Straße (Der El Prado Pedestrian Walkway), an der sich Museen und alte Stadthäuser entlangreihen. Die Straße wurde für die Panama-California-Exposition 1915-16 gebaut, die die Eröffnung des Panamakanals feierte und die erste Ausstellung auf dem Gelände wurde.
Die Gebäude rundum sind aus massivem Sandstein gebaut worden und ihr bekommt oft einige überraschende Sichten auf Innenhöfe mit Balkonen, tiefhängende, gusseiserne Leuchter und kleine Restaurants oder Cafés, die in den Höfen ihre eleganten Glastische aufgebaut haben. Vor allem aber muss man sagen, dass der Stein die Hitze deutlich abhält. Also so lange ihr in den Gängen entlanglaufen könnt, nutzt es aus! In der Mitte der Straße erlangt man auch die Sicht auf mehrere Brunnen, alle aus Stein mit den unterschiedlichsten Skulpturen. Der letzte Brunnen am Ende der Strecke schimmert türkisblau und nicht selten stapft ein Kind mit großer Begeisterung in Richtung Wasser los. Der letzte Brunnen markiert zudem auch den Standpunkt vom „Science“ und „Natural History Museum“. Letzteres gehört zu den ersten Museen in San Diego und wurde 1874 von mehreren Naturalisten in der Stadt gegründet.

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Für alle Leute, die eventuell mehrere Tage in der Stadt verbringen, ist es mit Sicherheit sinnvoll den Explorerpass zu kaufen, mit dem man mehrere Attraktionen gleichzeitig abdecken kann. Es sind auf jeden Fall ausreichend viele Dinge auf dem Gelände, die man sehen möchte. Da wäre einmal das San Diego Kunstmuseum an der Straße, das eine große Ausstellung zur Kunst des 19. Und 20. Jahrhunderts hat. Es gibt  das Casa de Balboa in der Nähe einer Gartenanlage, durch die man schlendern kann und den botanischen Garten mit uraltem Gewächshaus. Vor diesem erstreckt sich eine große Fläche mit Palmen und mehreren Wasserbecken wie dem Lily Pond, in denen Seerosen treiben und wo man Goldfische sichten kann. Der Eintritt ins Gewächshaus ist frei und ihr solltet davon dringend Gebrauch machen, da sich nach dem Betreten ein fast irrealer Blick auf die Holzkonstruktion über einem auftut.
Balboa Park hat so viele Punkte, die sehenswert sind, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. Das AeroSpace Museum liegt in einer Nische neben dem Park, ebenso der Japanische Garten sowie der kleine Kunsthandwerkermarkt, wo Maler, Töpferer und Näher ihre Produkte ausstellen. Sehr schön ist auch die sichelförmige Freilichtbühne mit griechisch-aussehenden Säulen und Kirchenteil, aus dem man im Vorbeilaufen Orgeltöne hören kann. Über einen Teil des Parks führt eine Zip Line mit bunten Gondeln, von denen aus man die gesamte Anlage mit der Hauptstraße des Parks sehen kann. Und, besonders erwähnenswert, am Eingang des Parks ist das Kannibalen Museum, das zur Geschichte des Kannibalismus berichtet.

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Für uns ging es danach weiter in Richtung Los Angeles; die Küste hier ist größtenteils flach und besteht aus Sandstrand und nicht selten aus faul herumliegenden Robben. Wir stoppen bei der Queen Mary in Long Beach, dem sogenannten Geisterschiff. Die Queen Mary hat mittlerweile den Nachfolger Queen Mary 2 und diente unter anderem als Kriegsschiff im Zweiten Weltkrieg zum Waffentransport und später zum Heimbringen der Soldaten. Vor dem Krieg und auch einige Zeit danach war es aber vor allem für Luxusreisen und hochkarätige Passagiere, wie das britische Königshaus, bekannt. Es ranken sich viele schaurige Geschichten um die Besatzung und vermisste Passagiere, was die Queen zur offiziellen Nr. 1 der Gruselattraktionen in den USA macht. Man kann tägliche Ghost-Haunting-Touren buchen, sogar bis spät in die Nacht hinein und wer es auf die Spitze treiben möchte, kann seit 1967 sogar dort übernachten oder einfach dort essen gehen. Beeindruckend ist es auf jeden Fall. Erstens gleicht das Schiff von allem, was man hört, der Titanic, zweitens sieht man auch jetzt noch wie urtümlich und schick die Decks und Bars sind. Oben an Bord gibt es sogar die sogenannte Hochzeitskapelle mit Blick über das Meer und man kommt sich beim Schlendern durch die Gänge vor, als befände man sich in einer anderen Zeit. Vor allem diejenigen von euch, die sich für das englische Königshaus interessieren, sollten hier begeistert sein – Es gibt eine eigene Ausstellung zu Princess Diana.
In Los Angeles selbst waren wir quasi nur auf der Durchfahrt. Mit dem Auto durch dieses sechsspurige Labyrinth (6 Spuren auf beiden Seiten wohlgemerkt!) zu fahren, ist unglaublich verwirrend und würde vermutlich jeden Fahrer auf Dauer in den Wahnsinn treiben. Bis wir es zum Walk auf Fame schaffen (und wir waren eigentlich nicht allzu weit entfernt) vergehen bestimmt 50 Minuten. Wir parken in einer Seitenstraße und spazieren dann Richtung Innenstadt, wobei man nicht weit gehen muss, um die Sterne auf dem Boden zu finden.

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Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich eigentlich, dass es sich beim Walk of Fame um eine lange Straße handelt, auf der die Sterne angebracht wurden. In Wirklichkeit ziehen sie sich aber kreuz und quer durch`s Zentrum und von all dem in den Medien aufgebauschten Glamour, merkt man nicht besonders viel – vermutlich, weil die Straßen kaum geputzt werden und der Smog trotz des guten Wetters in der Luft hängt (ich gehe trotzdem nicht so weit, die Aussicht als „Walk of Shame“ zu bezeichnen). Wir beschließen LA noch eine Chance zu geben und machen uns auf den Weg zum berühmten Hollywood Zeichen in den Hollywood Hills, das in den sandigen Bergen über der Stadt thront. Man muss auf jeden Fall zugeben, dass die Häuser schicker und die Straßen deutlich gepflegter werden, je näher man dem Zeichen kommt. Die Gassen winden sich eng und ziemlich unamerikanisch die Berge hinauf und viele Häuschen erinnern einen an die italienische Toskana mit vielen Topfpflanzen, gusseisernen Balkonen und Terracottaanstrichen. Das Hollywood Zeichen kommt auch während der Fahrt immer wieder in Sicht und ist definitiv ein Hingucker, nicht, weil es groß und strahlend weiß ist, sondern weil man sich an so viele Filme und Filmszenen erinnert, wenn man hinüber späht. Es ist auf jeden Fall verständlich, warum es sich so lange in der Stadt gehalten hat, auch wenn es über die Jahre hinweg mehrfach restauriert werden und komplett neu aufgebaut werden musste. Das Hollywood Zeichen wurde erstmals 1923 von einer Maklerfirma aufgestellt, die Grundstücke in „Hollywoodland“ verkaufen wollte – es ging nicht lang bis es ein Symbol für die Filmszene wurde und deutlich länger angebracht blieb als die zunächst geplanten eineinhalb Jahre. Einige Veränderungen an dem Zeichen mussten später aber doch vorgenommen werden – zum Beispiel wurden die Lichterketten rund herum abgenommen und das „Land“ von „Hollywoodland“ entfernt.
Es gibt jetzt nicht sonderlich viele Parkmöglichkeiten in der Gegend, aber wenn man der Straße in die Berge hoch folgt, sollte man immer irgendwo einen Platz finden, der einen guten Fotopunkt abgibt.

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Von LA düsen wir auf dem Highway 101 weiter bis zu Hearst Castle. Wir übernachten in San Simeon und genießen die kühle Luft, die vom Strand zu uns hinüberweht. Vermutlich der erste Ort, an dem im Sommer zur Abwechslung nur 22 Grad herrschen. Es ist nun nur noch ein Katzensprung bis zum Eintrittsgebäude von Hearst. Das Schloss thront mit seinen 165 Zimmern und 8400 Quadratmetern Fläche weit oben in den Bergen und man fährt mit Bussen über das Anwesen, wobei man einen Blick auf Bergziegen, das Meer, eine alte Ranch und die ursprüngliche Obsttplantage von Hearst erhascht. Das Schloss selbst kommt erst zum Schluss richtig in Sicht, wenn man die weißen Stufen zum Eingang erreicht. Ich habe selten einen Ort gesehen, der mehr aussieht, als wäre er aus einem Märchen entkommen. Der Erbauer William Randolph Hearst und die Architektin Julia Morgan haben bis 1947 ganze Arbeit geleistet mit ihren Türmchen, Dachverstrebungen, Statuen und exotischen Pflanzen. Blickt man über die Kulisse hinweg, erkennt man Brunnen, verwinkelte Gasthäuschen und die unterschiedlichsten Fliesen auf dem Boden. Im Hintergrund schimmert das Wasser, man hört Bienen summen und ein Hauch von Wind geht über eine sonst eher trockene Landschaft. Und so schön wie die Außenanlage ist, ich könnte nicht sagen, dass der Innenbereich dagegen verblasst. William Hearst war ein Sammler von Antiquitäten. Nach dem Krieg ließ er absolut alles aufkaufen, was er an europäischen Antiquitäten bekommen konnte – dazu gehörten ganze Deckenabschnitte, Möbel, Bücher, Lampen und was man sonst noch so alles finden kann. Er kaufte sie in Auktionshäusern und es brauchte einen Zug mit über 30 Wagons, um die Möbel nach San Simeon zu verfrachten. Hearst führte aber auch neben dem Bau noch ein äußerst aktives Privatleben. 1903 heiratete er die Katholikin Millicent Willson mit der fünf Kinder hatte und die mit ihm zusammenwohnte, bis er sich eine Mätresse, die Hollywoodschauspielerin Marion Davies, nahm. Diese blieb bei ihm bis zu seinem Tod im Jahre 1951. Er finanzierte seiner Frau ein Schloss in New York und baute seiner Geliebten eine Ferienwohnung am Strand, da sie Schauspielerin in Hollywood war, feierte sie dort ausgelassene Partys und lud auch viele bekannte Größen der 20er und 30er Jahre nach Hearst Castle ein. Darunter fielen beispielsweise Cary Grant, Charlie Chaplin und Winston Churchill. Währenddessen führte Hearst von zu Hause und über Dienstreisen mehrere Zeitungen und hatte rund um Hearst Castle einen Zoo mit exotischen Tieren wie Löwen und Tigern, die alle in Schach gehalten werden mussten.

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Das Schloss ist nicht frei zugänglich, man muss im Voraus Touren buchen, wobei man bestimmt zwischen fünf unterschiedlichen wählen kann. Ich hatte dadurch trotzdem nicht das Gefühl zu viel zu verpassen, da eine Tour mindestens 60 Minuten geht und man von so vielen Eindrücken ziemlich erschlagen ist – im positivsten Sinne. Wir haben die Upstairs Suites Tour gebucht mit Blicken in die schicken Gästezimmer, Marmorbäder und eine wunderschöne Bibliothek mit wandhohen Regalen und gotisch-geschnittenen Fenstern. Überall erhascht man Blicke auf die unterschiedlichsten Skulpturen, eingekaufte Gemälde und Balkone mit griechischen Säulen und Buntglas in den Fensterrahmen. Die Zimmer ähneln sich nicht besonders in ihren Stilen – und trotzdem passt alles zusammen wie ein abstraktes Kunstwerk. Als wir wieder draußen stehen, ist die Sonne blendend hell und wir werfen noch einen Blick auf die zwei Pools, die zur Anlage gehören und den Tennisplatz hinter dem „Haus“. Ein Bad im Neptune Pool muss eine der unglaublichsten Sachen gewesen sein – man ist umringt von schlanken weißen Säulen, die sichelförmig den Pool umgeben und an ein Amphitheater erinnern und der Boden ist hellblau gestrichen mit verschnörkelten dunkleren Elementen, was das Wasser noch türkiser wirken lässt, als ohnehin schon. Die noch größere Überraschung ist allerdings der Innenpool. Von außen sieht das Gebäude ein wenig nach einer Fabrikhalle aus. Von innen ist es ein gekachelter Traum aus Blau- und Goldtönen, die sich vom Becken bis hoch an die Decke erstrecken. Es ist ein verwinkelter Bau mit Sprungbrettern und mehreren Pools und Umkleideräumen und kann von der Optik jeglichem Thermalbad Konkurrenz machen. Baden darf man hier leider nicht mehr – die letzte Person, die in den Genuss kommen durfte, war Lady Gaga 2014, die hier ihren Artpopfilm G.U.Y drehte.

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Unser letzter Abschnitt bis hoch nach Big Sur war die reine Küstenstraße. Wir fahren entlang an flachem Sandstrand und dann immer weiter hinauf in die Klippen und Berge der Gegend. Es gibt kaum Abbiegungen entlang der Strecke und man fährt mindestens zwei Stunden träge Serpentinen und hat einen der schönsten Blicke aufs Meer und mit Glück auch auf die Wale im Wasser. Die Sonne spiegelt sich bei gutem Wetter unter einem und macht den Ausblick noch blauer, als er ohnehin schon ist, beim Nebel liegt die Feuchtigkeit in der Luft und man hat den Eindruck, durch Wolken zu fahren. Falls man in diesem Abschnitt der Küste übernachten möchte, sollte man weit im Voraus buchen, da es kaum Hotels und Motels gibt. Ein sehr schöner Essenspunkt ist aber die Lucia Lodge, die auch Zimmer anbietet. Das kleine Café und Restaurant ist über dem Meer in die Klippen genestelt und hat einen der weitesten Blicke auf das Wasser. Abgesehen davon wurde es als einer der besten Orte ausgezeichnet, um Fish und Chips zu essen. Billig ist es nicht, aber das werdet ihr in dem gesamten Küstenabschnitt auch nicht finden. Dafür habt ihr eine Terrasse mit Meerluft oder einen Blick aus der Glasfront im Speiseraum.

Was ist euer liebster Ort in Kalifornien?

Preise:
1) Queen Mary: Erwachsene 32$ – 47$, Kinder 25$-37$ (Je nachdem welche Tour man auswählt)
Website: https://www.queenmary.com/tours/attractions-night/
2) Hearst Castle: Erwachsene 25$ bis 100$ (je nach Länge und Tourauswahl), Kinder 12$ – 17$
Website: http://hearstcastle.org/
Tourauswahl: http://hearstcastle.org/tour-hearst-castle/daily-tours/

Tipps:
1) Außerhalb von Balboa Park in San Diego parken.
2) Sonntags gibt es oft freie Konzerte bei der Freilichtbühne von Balboa Park.
3) Die Queen Mary hat ab 18 Uhr abends freien Eintritt – allerdings ist sie dann nicht komplett zugänglich. Man kommt allerdings trotzdem auf die Hauptdecks und kann die einzelnen Gänge und Cafés einsehen.
4) Hearst Castle liegt ein bisschen im Nirgendwo. Es gibt nur nahe Übernachtungsmöglichkeiten in San Simeon, alles andere ist mindestens zwei Stunden entfernt.
5) Essenstipp am Highway 101 in Richtung Big Sur: Die Lucia Lodge.

Für Interessierte:
Das Musikvideo „G.U.Y“ von Lady Gaga, das in Hearst Castle gedreht wurde: https://www.youtube.com/watch?v=ohs0a-QnFF4

Das Grand Canyon Railway Package – Mit dem Zug zur Schlucht

Das Grand Canyon Railway Package – Mit dem Zug zur Schlucht

Einundzwanzig – Über Fort Worth, den Grand Canyon und Williams

Natürlich kann man die USA nicht bereisen, ohne den Grand Canyon zu sehen – zumindest schaut von den Amerikanern jeder einen etwas irritiert an, wenn man es nicht tut. Von unserem letzten Ziel zum Grand Canyon ist es aber ein drei Tages Trip und wir haben beschlossen, zumindest einen Zwischenstopp einzulegen. So kommt es, dass wir in Fort Worth in Texas pausiert haben und das nicht nur, um behaupten zu können,  ein Steak in Texas gegessen haben. Nein, wir wollten unter anderem dorthin, weil die Fort Worth Stockyards den alten Westernstil mit am besten präsentieren. Die Stockyards liegen außerhalb der eigentlichen Stadt Fort Worth und sind seit den 1910 ein sehr aktives Touristenziel. Es ist eine der wenigen Ausflugsdestinationen, wo man wirklich in den wilden Westen einsteigt. Der ganze Bezirk hat nur altmodische Holzhäuser, Bretterveranden und wild blinkende Reklamelichter, die aber reichlich schräg hängen. Zweimal am Tag werden die Büffel durch die Stadt getrieben und man kann auch, wie der Stadtsheriff, von einem Büffel durch die Gegend getragen werden.

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Oder man wählt die urtümliche Pferdekutsche, die die Hauptstraße hoch und runter fährt. Hin und wieder hört man Gitarrenmusik aus einem Saloon kommen und natürlich hat man eine riesige Auswahl an Westernkleidung und allem möglichen Zubehör, was die Wild-West-Pferde betrifft.

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Die Rodeoarena und das zugehörige Museum sind zu besichtigen oder man geht in den Streichelzoo nahe der ursprünglichen Eisenbahnschienen. Aber natürlich ist unsere Mission unter anderem, ein Steak zu essen und wir entscheiden uns für das Cattlemen`s Restaurant. Dort wird das Steak direkt in dem Raum gegrillt, in dem man isst und das Licht ist so gedämmt, dass man sich wie in einem Pub fühlt. Das Fingerfood ist ebenfalls sehr gut und wir lernen, dass „Hot Rolls“ kleine Brötchen aus Sauerteig sind. Die Amerikaner haben übrigens nicht nur die drei bei uns gängigen Stufen rare, medium und well done für Steaks, sondern eine ganze zusätzliche Skala von Zwischenstufen, die man auf einer Art Thermometer auswählen kann. Wenn man dort isst, merkt man auf jeden Fall, dass sie ihre Steakkunst perfektioniert haben.

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Der Grand Canyon war für uns von Anfang an eins der wirklich großen Ziele. Nicht nur, weil der Canyon weltweit bekannt ist, sondern weil wir vor der Anreise das „Railway Package“ gebucht haben. Es ist eine von den teuren Sachen, für die wir uns entschieden haben, aber nach circa zweieinhalb Monaten „on the road“ waren wir etwas besessen davon, irgendwo ohne Schaben, Ameisen oder Spinnen zu übernachten. Das Paket umfasst ein Hotelzimmer, eine Zugfahrt und Essen und man kann dies über die Eisenbahnwebsite buchen. Es fällt etwas günstiger aus, wenn man die Jahreskarte für den Nationalpark besitzt. Wir kommen jedenfalls morgens in Williams an und können direkt beim Bahnschalter unsere Tickets für den Zug und die Check-In-Karten fürs Hotel und das Essen abholen. Um 10:30 Uhr geht es dann auch schon los. Man fährt mit einer Diesellock für zweieinhalb Stunden Richtung Grand Canyon und kommt dann auch direkt im Rim Village an. Die Fahrt ist nicht unbedingt die Spektakulärste von der Aussicht (obwohl man durchaus mal ein paar Tiere erspähen oder die Berge in der Ferne sehen kann und hin und wieder halbnackte Leute aus ihren Wohnwagen winken sieht). Ich lege euch diese Art an den Grand Canyon zu kommen, aber trotzdem sehr ans Herz. Nicht, dass es nur freie Snacks und Livemusik in diesem altmodischen Zug gibt, nein, man bekommt auch schnell seine Cocktails geliefert, wird per Lautsprecher über die Gegend und die Aktivitäten am Canyon informiert und sitzt richtig bequem in den alten Sitzen. Wir haben uns kein bisschen gelangweilt und die Kinder im Zug hatten eine super Zeit, als sie auf den Instrumenten der Musiker rumklimpern durften. Beim Zug kann man übrigens unterschiedliche Kategorien wählen – da wäre zum Beispiel die normale Passagierklasse (Coach & Pullman Class), die First Class, die Observation Dome Class, die Luxury Dome Class und die Luxury Parlor Class – bei der man sogar nach draußen gehen kann. Wir sind mit der Dome Class zum Canyon gefahren und man sitzt darin hoch erhoben mit Glasdach, es ist schön ruhig und man sieht sehr weit – ich würde es auf jeden Fall wieder so machen.

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Man bekommt übrigens auch Karten zum Grand Canyon im Zug und die alte Zeitung „Territorial Times“, die über die aktuellen Gefahren am Canyon, aber auch über die Entwicklung der Eisenbahn und den Nationalpark im Allgemeinen berichtet. Man erfährt beispielsweise, dass die Bahn seit 1901 in Betrieb ist und 1989, nach 21 Jahren Pause, durch das Ehepaar Biegert wieder für den Tourismus geöffnet wurde. Die Wagen mussten nach der Pause allerdings wieder renoviert werden und es gab viele Reparaturarbeiten betreffend der Gleise.
Am Canyon angekommen fühlt man sich beim Aussteigen einem Hitzeschock ziemlich nahe. Wir sind schließlich zur heißesten Zeit des Jahres dort und Arizona ist nach wie vor dafür bekannt, dass Wüstensträucher durch die Gegend rollen und die Luft sich wie ein Föhn anfühlt. Da man oben nach einem neuen Gesetz keine Wasserflaschen mehr kaufen kann, gibt es entlang des Canyons Wasserspender – ist natürlich praktisch, wenn ihr etwas dabei habt, wo ihr das Wasser hineinfüllen könnt. Nicht auszutrocknen ist gar nicht so einfach, oben am Canyon gibt es nämlich nicht sonderlich viel Schatten. Es ist ein unglaublicher Blick, wenn man die Mauern am Rand der Schlucht erreicht und in eine schier unendliche Weite der unterschiedlichsten Farben blickt. Wenn man nicht selbst auf einer Klippe mit eben diesem Stein stehen würde, wäre die ganze Sache noch irrealer. Und die Farben vor einem wechseln noch mehr, wenn die Wolken über die Schlucht hinwegziehen. Je nachdem wo man steht, kann man violette, rote, orangene und graue Felswände ausmachen, aber der Canyon hat ja auch nicht umsonst den sogenannten „Rainbow Rim Trail“. Es ist ein wahres Naturschauspiel den Wolken zuzusehen, einen Blick auf den Colorado River im Tal zu werfen oder unter den seltenen Bäumen zu stoppen, die ihre knorrigen Wurzeln tief im Felsen vergraben haben. All das wirkt vor allem so beeindruckend, weil der Canyon natürlich sehr groß ist. Er zieht sich fast 450 Kilometer durchs Land und ist fast eine Meile tief. Die Dimensionen sind nur schwer vorstellbar – sogar wenn man direkt davor steht.

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Wie immer an großen Touristenattraktionen sind die unglaublichsten Menschen auf den Pfaden unterwegs. Wir sehen wieder Menschen mit Flip Flops sowie andere in Kostümen. Es gibt sogar ein Paar, das seine vier Hunde im Kinderwagen kutschiert; einer davon hat eine Art eigenes Bobbycar, auf dem er die Hügel hochgeschoben wird. Only in America. Auf dem Weg zu den einzelnen Aussichtspunkten erfährt man übrigens auch viel zu den einzelnen Gesteinsschichten im Canyon, denn diese Steine werden auf Sockeln ausgestellt mit Jahresangaben daneben. Wer mehr Informationen haben möchte, kann natürlich auch ins Visitor Center im Rim Village gehen. Da erfährt man alles über die Bildung des Canyons, die unterschiedlichen Tierarten in der Gegend und über die Touren, die am Canyon angeboten werden. Es gibt auch Informationen zu den Indianern, falls ihr im alten Hopi House vorbeischaut. Aber denkt daran, den Kopf beim Eintreten einzuziehen, denn bekannterweise waren die Indianer nicht sonderlich groß. Das Reingehen ist eine schöne Überraschung, weil man einen guten Überblick über den Indianerschmuck bekommt, Seifen kaufen kann, die direkt in der Gegend hergestellt wurden und Kacheln mit bunten, indianischen Motiven ausgestellt sind. Abgesehen davon hat das Hopi House mit die beste Buchauswahl über den Canyon, zumindest von allen Souvenirshops, die ich gesehen habe.

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Wenn ihr Glück habt, sehr ihr sogar vor dem Eintreten eine der indianischen Musik- und Tanzvorführungen die mehrfach am Tag stattfinden. Zwei Sachen im Canyon Village möchte ich noch erwähnen. In dem Restaurant Bright Angel Lodge befindet sich auch ein Ausstellungsraum für die sogenannten Harvey Girls. Sie gehören definitiv zu meinen Lieblingsthemen aus diesem Urlaub. Die Harvey Girs wurden von Fred Harvey ins Leben gerufen. Mr Harvey war ein junger Mann, der in den 1870er Jahren aus England auswanderte und beschloss, sein Glück in den USA zu versuchen. Er reiste mit der Eisenbahn und war schnell genervt von den Zuständen in den Zügen und der Tatsache, dass es nahe dem Canyon kaum Hotels und Restaurants gab. Seine Vorschläge wurden bei den lokalen Behörden und von den schon existierenden Hotels abgelehnt, er hatte aber Glück und konnte nach einiger Zeit in Santa Fe sein erstes Hotel mit Restaurant errichten. Es war nur eins von vielen, die er über die Jahre hinweg eröffnete. Besonders erfolgreich wurde er schließlich mit seinen „Harvey Girls“. Dabei handelte es sich um junge, intelligente und sehr hübsche Mädchen, die in den Hotels arbeiteten und vom Westen des Landes in die Einöde gebracht wurden. Die Gegend um den Grand Canyon herum war dafür bekannt, dass nur Männer in den Wüstenminen arbeiteten, von Frauen war weit und breit nichts zu sehen. Die Harvey Girls an sich waren also schon Grund genug, um ins Restaurant oder ins Hotel zu kommen. Sie hatten für die damalige Zeit ein gutes Einkommen und Verträge für fünf Monate; viele von ihnen heirateten Siedler und Arbeiter, weshalb die Bevölkerung in der Gegend wachsen konnte.

Zweite Sache, die ihr euch am South Rim anschauen solltet, ist das El Tovar Hotel, das bei seinem Bau zu einem der schickesten Hotels im Süden ernannt wurde und zudem sehr gutes Essen anbietet. Solltet ihr planen, dort essen zu gehen, kann ich nur eine Reservierung im Voraus empfehlen. Es ist vermutlich das teuerste Hotel in der Grand Canyon Gegend, aber wenn euch nach Luxus ist, dann ist es die richtige Wahl und zweifelsfrei hat es eine der schönsten Aussichten überhaupt.

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Auf der Rückfahrt mit dem Zug sitzen wir dann in der First Class. Wir bekommen Countrymusik mit der Gitarre zu hören und werden von Banditen überfallen, die zunächst auf Pferden neben dem Zug herreiten und schließlich sogar aufspringen, um durch die Abteile zu spazieren und uns zu „berauben“. Dicht auf ihren Fersen ist ein schnauzbärtiger Sheriff, der das Abteil mit den Worten: „Have you seen someone who smells like he crawled through a horse and came out at the wrong end?“, betritt. Auch wenn man nicht das Hotel mitbucht, kann man natürlich trotzdem Tickets für den Zug erwerben – wir haben auf jeden Fall nur die beste Erfahrung damit gemacht.

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Wobei wir auch das alte „Railway Hotel“ geliebt haben. Es ist eines der verwinkelsten Gebäude, die wir auf der Reise sehen, aber das tut seiner Eleganz keinen Abbruch. Da es vor wenigen Jahren komplett renoviert wurde, sind alle Zimmer auf dem neuesten Stand und man fühlt sich nach so vielen Wochen unterwegs in den seltsamsten Motels, hier wie im Paradies. Im Gebäude nebenan gibt es dann auch das Abendessen. Es ist ein riesiges Buffet mit Pasta- und Grillstationen und man bekommt musikalische Begleitung durch – will jemand raten? – Countrymusik.

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Wenn ihr schon den Zug nehmt und aus Williams startet, solltet ihr die Stadt unbedingt auch einmal zu Fuß durchqueren. Williams ist vermutlich der bekannteste Ort an der berühmten Route 66 und er hat die vielseitigsten und buntesten Souvenirs, die man sich vorstellen kann. Auf Tankstellendächern thronen alte Autos, die Restaurants haben alle Grillstationen und über die Stadt selbst führt eine Zip-Line in der Form eines Autos. Und falls ihr den Ort Richtung Westen verlasst, kann ich nur empfehlen, einen Halt beim alten „Route 66 Museum“ zu machen, das direkt an der Strecke liegt.

Weitere Tipps für die Gegend? Wie waren eure Erfahrungen am Grand Canyon?

Preise:

Railway Package (Preise variieren je nachdem welche Zugklasse und welche Zimmerkategorie ihr nehmt): Zwischen 450 und 700$ (Paket umfasst Zugfahrt hin und zurück von Canyon, Hotelzimmer und Verpflegung)
Website: https://www.thetrain.com/offers-packages/
Grand Canyon ohne Zug und ohne Jahrespass:
Website: https://www.nps.gov/grca/index.htm

Tipps:

1) Railway Package im Voraus buchen, dann kann man hin und wieder Sparangebote abgreifen.
2) Sonntags fährt statt dem Dieselzug eine alte Dampflock.
3) Falls ihr später im Jahr da seid, gibt es bei der Eisenbahn die Aktion „Polarexpress“, was extrem empfohlen wird und bestimmt besonders mit Kindern ein Highlight ist (uns wurde erzählt, dass sogar Santa Clause hier seinen Auftritt hat).
4) Wasserflasche selbst mit hoch auf den Canyon nehmen – es gibt nur Wasserspender, aber ihr könnt dort keine neuen Flaschen kaufen.
5) Es gibt natürlich noch weitere Ausflugsmöglichkeiten im Canyon. Man kann sie entweder zum Zug-Paket dazubuchen oder sie selbst organisieren. Dazu gehören Touren auf Pferden oder Eseln in den Canyon oder Rafting und Kanu fahren auf dem Colorado River.

Old Orleans

Old Orleans

Zwanzig – Über das Flair, das Weltkriegsmuseum und die Geschichte von New Orleans

Irgendwie war ich mein ganzes Leben lang überzeugt, dass New Orleans, die sogenannte Crescent City (Mondsichelstadt) und Wiege des Jazz, eines von Amerikas Glanzstücken sein muss. In Wirklichkeit ist es aber vor allem ein Ort, dem man den früheren Glamour ansieht. Der Teil von Louisiana, in dem New Orleans liegt, ist vor allem flach und von Wasser umgeben. Grün würde ich ihn nicht unbedingt nennen. Dass es einmal anders war, wird auch klar, wenn man sich in die Geschichte der Gegend einliest. Einst war New Orleans nämlich von reinem Sumpfgebiet umgeben, welches 1910 von Mr Baldwin Wood mit Pumpen trockengelegt wurde, um die Stadt zu entwässern. Heute fährt man über meilenlange Brücken mit reiner Sicht aufs Wasser zur Linken und Industrie auf der Rechten und man merkt zunächst gar nicht, wie man in die Stadt hinein gelangt.
New Orleans ist ein Puzzle aus Straßen, verwitterten Parkanlagen und vereinzelt stehenden Holzhäusern, die nicht unbedingt zu ihren Nachbargebäuden passen müssen. Am schönsten ist das French Quater in Downtown, ein Netz aus verwinkelten Straßen, gusseisernen Balkonen und mit dem großen Marktplatz Plaza d`Armas in der Mitte. Im French Quater befinden sich auch nach wie vor die ältesten Gebäude der Stadt, auch wenn längst nicht mehr alle aus den ursprünglichen Kolonialzeiten stammen. 1795 gab es in der Stadt erst ein, sechs Jahre später ein zweites großes Feuer, was zu vielen Wiederaufbauprojekten führte und die Gebäude zum Teil etwas jünger als die Stadt selbst macht. In diesem Viertel sieht man, wie schön es hier einmal gewesen sein muss, aber das Image hält sich auch nur in dem Bereich, in dem nach wie vor Touristen unterwegs sind.

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In den Seitenstraßen mischen sich bunte Häuser und enge Gassen, über den Köpfen der Fußgänger baumeln Hängepflanzen und Katzen starren mit wachsamen Blick von den Balkonen auf die Passanten. Die Häuser haben häufig verschnörkelte Holzfassaden, Veranden auf denen ein einzelner Schaukelstuhl steht und schräg angebrachte Hausnummern. Die Gebäude um den Marktplatz herum zeigen dagegen schicke gusseiserne Geländer, langgezogene Balkone sowie Terrassen und gepflegte Steinwände. Über die Straßen fahren schwarz-rote Pferdekutschen und man hört das Klappern der Hufe und das Tröten der Fähren, die im nahe gelegenen Hafen ablegen. Viele der Häuser wurden mit Innenhof angelegt, was einem überraschende Blicke in kleine Gärten und auf Terrassen garantiert. Die meisten davon sind gefüllt mit Skulpturen, Brunnen und wild durcheinander platzierten Topfpflanzen. Viele von den Toren zum Innenhof stehen aber auch offen und darin spielen Straßenmusiker den Jazz für den die Stadt in den Zwanzigerjahren bekannt geworden ist.

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Die beste Sache an New Orleans sind mit Sicherheit die vielen kleinen Läden, die sich dicht an dicht aneinanderreihen und sich alle in ihren Produkten unterscheiden. Vintage-Kleider hängen neben Lederjacken, Kappen neben Sommerhüten, Peeptoes stehen neben Flip-Flops. Es gibt Cafés, die Crêpes verkaufen, daneben Chinarestaurants und Smoothieshops. Am Hafen bekommt man einen Blick auf den Mississippi, vermutlich vor allem bekannt als Handlungsstrecke für die Schiffe oder durch Mark Twains Roman „Huckleberry Finn“. Geschichtlich verbinden viele Menschen in New Orleans den Fluss mit der großen Flut von 1927, bei der über 100.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verloren. Die Flut wurde ausgelöst durch Regen, der über ein halbes Jahr konstant andauerte.
Wer die buntesten Souvenirs und  etwas Außergewöhnliches haben möchte, kann auch in die Voodooshop an der Ecke des Marktplatzes gehen oder Zigarren mit einem leicht benebelten Shopbesitzer testen. New Orleans ist ein bisschen das, was man mit den einfachen Anfängen vom Tellerwäscher zum Millionär verbindet – es hat den Aufstieg aber nicht ganz geschafft. Die Luft ist vor allem drückend und von all den Orten, an denen wir waren, ist diese Stadt mit Abstand die Heißeste. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir das letzte Mal der Schweiß den Rücken runter gelaufen ist und wir nur in Gebäude gegangen sind, um eine Klimaanlage abzupassen. Aber immerhin ist für die Zukunft klar, dass New Orleans mit Sicherheit kein Ort ist, den man im Sommer besuchen sollte. Ich bin sicher, dass es eine ganz andere Sache ist, für die Faschingsumzüge vom Mardi Gras im Februar dabei zu sein – aber da sind die Preise mit Sicherheit auch höher.

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Bevor wir in kühlere Gebiete geflohen sind, haben wir noch einen Abstecher zum Markt gemacht – dort hat man immerhin ein Dach über dem Kopf und bekommt ein bisschen was von den Straßenkünstlern mit, die ihre Malereien ausstellen und schwungvoll ihre Waren anpreisen. Sie gehen übrigens davon aus, dass man handelt. Alles andere wäre eine Beleidigung. Danach sind wir erstmal ins Weltkriegs-Museum vor Ort gefahren, eine große Anlage mit mehreren Hallen zum 2.Weltkrieg, Bürgerkriege, Vietnam und Pearl Harbour. Wir haben in der Flugzeughalle gestartet, wo mehrere Maschinen, wie die „Gal Sal“, von der Decke hängen und Bildschirme von den Flügen und Piloten berichten.

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Es sind auch Fahrzeuge ausgestellt, hauptsächlich Tarnwagen und in den anderen Gebäuden kann man Jeeps und kleinere Panzer ausmachen. Im zweiten Gebäude erfährt man dann alles zur Propaganda und der Entwicklung des zweiten Weltkrieges. Es gibt sogar einen aufgebauten Zug, in dem man „mitfahren“ kann durch die Zeitgeschichte und wo man eine einzelne Person zugewiesen bekommt, die man quasi durch den Krieg begleitet. Das funktioniert übrigens über die ganze Ausstellung hinweg mit einer Keycard, die man an die unterschiedlichen Boxen in den Ausstellungsräumen halten kann. Es ist ein sehr allumfassendes Erlebnis in diese Kriegszeit einzusteigen und ich habe selten ein hochwertigeres Museum gesehen. Es gibt viele Übersichtskarten, mit denen man die Flieger oder U-Boote im Krieg nachverfolgen kann, auf Leinwänden sieht man abgespielte Filmsequenzen und Videos und es ist eine sehr realistisch nachgestellte Kulisse. Bei Vietnam verwandeln sich die Ausstellungsräume in einen Dschungel und beim zweiten Weltkrieg durchquert man zunächst die heile Welt eines Haushalts vor dem Krieg.

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Man läuft durch Räume mit ausgestellten Koffern, die damals von Soldaten mit in den Krieg genommen wurden und hört Fliegerlärm über einem, wenn man die Pearl Harbour-Ausstellung betritt. Es ist insgesamt ein wirklich beeindruckendes und auch interaktives Museum – ich würde es auf jeden Fall empfehlen, wenn man Zeit in der Stadt verbringt. Von dem ganzen Rumgerenne waren wir danach übrigens ziemlich ausgelaugt und haben beschlossen, etwas essen zu gehen. Wir haben uns für ein kleines, indisch-asiatisches Restaurant, nicht weit von Downtown entschieden, weil wir zu diesem Zeitpunkt nicht ganz so erpicht auf „Gumbo“ waren. „Gumbo“ ist ein typisches Südstaatengericht, das am ehesten einem Eintopf ähnelt und aus der kreolischen Küche stammt. Es wird hier in den meisten Restaurants angeboten und es gibt unzählige Variationen, wobei die meisten mit Fisch oder Hühnchen gekocht werden.

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Falls ihr den das „Silk Road Restaurant“ besuchen möchtet, solltet ihr es dringend im Navigationssystem eingeben, es ist nämlich nicht einfach zu finden und sieht durch all die Hängepflanzen vor den Balkonen sehr versteckt aus. Das Essen ist aber natürlich der Hauptgrund zum Reingehen und die Bar bzw. das Restaurant ist in jenem alten Stil, den man in Filmen über New Orleans sehen und worüber man in den Büchern lesen kann. Viele hohe Fenster, Holzvertäfelungen an Decken, Bretterboden und Theken mit langem dunklem Holz, sowie verschnörkelten Wendeltreppen. Im Hintergrund läuft natürlich Jazz, hin und wieder auch mal Blues und das Essen ist himmlisch, nicht nur weil man Verhungern war. Näher kommt man vermutlich nicht ans alte New Orleans heran.

 

Welche Stadt in den USA wolltet ihr immer schon sehen?

Preise:
National World War II Museum: 28$ Erwachsene, 24$ Senioren, 18$ Militär, Kinder und Studenten
Website: https://www.nationalww2museum.org/

Tipps:
1) Zum Essen gehen: Silk Road Restaurant (2483 Royal St, New Orleans, LA 70117, USA. Website: https://www.silkroadnola.com/).
2) New Orleans auf keinen Fall im Sommer besuchen, sondern vielleicht wirklich im Februar, wenn Karneval ist. Falls ihr doch im Sommer dort seid – Wasser mitnehmen!!!

9 Ziele auf dem Weg nach Florida – Ab South Dakota

9 Ziele auf dem Weg nach Florida – Ab South Dakota

Neunzehn – Über Grandfather Mountain, Konzerte in Amerika und die Everglades in Florida

Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, haben wir hier streckentechnisch einen großen Sprung gemacht. Ich wollte dennoch alles in einen Beitrag fassen, da wir überall nur kurze Stopps auf dem Weg machen konnten. Übrigens hat sich das Wetter auch ganz schön auf unserem Trip zur Ostküste verändert. Die Hitze ist geblieben, aber dafür wurde es tropisch heiß und wir bekamen plötzliche Regenschauer ab, die sich wie ein Monsun über die Autobahn ergossen. Auf dem Weg zu Amerikas „Sunshine State“  haben wir auf jeden Fall einige sehenswerte Orte entdeckt.

Eins: Sioux Falls (South Dakota)

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Unser erstes Ziel war es, für ein Konzert nach Cincinnati zu gelangen. Der Weg durch South Dakota, Indiana und bis nach Ohio hat sich aber eine Weile hingezogen und wir haben ziemlich spontan in Sioux Falls gestoppt. Auf den ersten Blick ist das Städtchen nichts Besonderes, aber wenn man beim Navigationssystem den „Falls Park“ eingibt, gelangt man ziemlich schnell an einen beeindruckenden Aussichtspunkt. Vor einem erstreckt sich ein breites Flussbett mit mehreren Wasserfällen, die sich zwischen rotem Gestein hindurch schlängeln und mit ziemlichem Tosen unter den Brücken der Parkanlage entlang gleiten. Im Park sieht man außerdem die alte Mühlenanlage, ehemalige Arbeiterhäuser und es gibt ein Gebäude mit kostenlos zugänglichem Aussichtsturm, wo man von einer hohen Plattform aus das ganze Gelände überblicken kann. Zu empfehlen ist auch das Sioux Falls Overlook Café in einer alten Steinhalle, von dem aus man direkt aufs Wasser und die Brücken sehen kann. Es gibt dort übrigens auch sehr guten Kuchen und fürs schnelle Mittagessen Sandwiches und Avocadotoast.

Zwei: Cincinnati (Ohio)

IMG-20180715-WA0008Wir sind nach Ohio gefahren, um ein Konzert in Cincinnati von Lindsey Stirling und Evanescence anzusehen. Es war überraschend, wie klein Ohio verglichen mit all den anderen Staaten ist. Zumindest braucht man nicht so lange, um ihn zu durchfahren. Cincinnati selbst erscheint ziemlich verwinkelt und auch etwas unübersichtlich, aber die Gebäude sind schön und es gibt viele kleine grüne Inseln rund um die Stadt. Auf einer davon fand dann auch das Konzert im Riverbend Music Center statt, wo wir uns am Abend einfinden mussten. Das war auf jeden Fall eine super Erfahrung mit zwei Bands plus Vorband, die alle zusammen fast drei Stunden gespielt haben. Außerdem sind die Amerikaner ein sehr begeistertes Publikum, was mittanzen, grölen und singen angeht. Würde es jederzeit wieder mitmachen!

Drei: Lost River Cave (Kentucky)

IMG-20180716-WA0000Ja, im Staat Kentucky gibt es mehr als nur Kentucky Fried Chicken…es gibt auch nicht frittierte Hühner! (Okay, Spaß). Wir sind von Ohio einen Staat weitergefahren, um zum Lost River Cave zu kommen, etwas, das Stefan seit Beginn der Reise machen wollte. Amerika hat ein großes Höhlensystem, aber nicht viele davon beinhalten Wasser. Der Lost River Cave hat allerdings einen unterirdischen See mit kleinem Wasserfall und liegt auch nicht allzu weit entfernt von den Mammoth Caves, dem weitläufigsten Tunnelsystem der Erde. Als wir bei der Höhle ankommen, ist es tropisch feucht und in der Luft hängt noch der Regen der letzten Tage. Irgendwie macht das den Ort nur noch mystischer mit all dem Dampf und Nebel. Man spaziert ein Stück zwischen den Bäumen hindurch ins angrenzende Tal, wo der Eingang zur Höhle liegt und man an einem Fluss entlang läuft. Die Höhle sieht aus wie aus einem Abenteuerfilm, sie wirkt relativ hoch, aber man kann nicht in sie hineinsehen und vor ihrem Eingang befindet sich ein altes Mühl-Häuschen. Daneben, im Eingangsbereich unter den den Felsen, ist eine steinerne Plattform erkennbar über der ein gläserner Kronleuchter hängt. Es ist ein überraschend schöner Kontrast, den man sicher nicht häufig sieht. Am interessantesten ist allerdings die Geschichte dahinter. Die Plattform diente ursprünglich als Bar und war einer der beliebtesten Ausflugspunkte der damaligen Zeit. Die Leute liefen abends den steilen Klippenweg hinunter, um dort tanzen zu gehen und auch im Sommer blieb die Bar dank der Höhle immer schön kühl. Den anderen Barbetreibern oberhalb der Höhle hat das Ganze allerdings nicht gefallen und sie haben so lange auf den damaligen Bürgermeister eingeredet, bis dieser das Gesetz erließ, dass unterhalb des Straßenlevels kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Dem Erfolg der Bar in der Höhle, tat dies allerdings keinen großen Abbruch. Sie verlegten ihr Hauptquartier nach oben an den Straßenrand, aber zum Tanzen gingen die Leute weiter den Pfad nach unten – später auch fürs Ausnüchtern bekannt. Wer die Stufen des Treppenabschnitts nicht mehr hoch kam, musste bis zur Ausnüchterung unten bleiben. Die Bar ist heute allerdings geschlossen. Der Lost River Cave wird nun von einer Non-Profit-Organisation geleitet und gereinigt, man kann die alte Bar, die Plattform und die Bühne aber für Hochzeiten mieten.
Mit dem Boot sind wir schließlich mit Tourführer in die Höhle hinein gefahren. Wir hatten erstmal ein kurzes Schockmoment, als wir gemerkt haben, wie tief die Decke über dem Wasser hängt und wie weit man den Kopf einziehen muss. Die Tour an sich geht nur fünfundzwanzig Minuten, aber es ist sehr beeindruckend wie hoch die Höhle ihrer Mitte ist und wie sehr es rauscht, wenn man in Richtung Wasserfall kommt. Stalaktiten und Stalagmiten gibt es nur kleine, da viele durch Überflutungen zerstört wurden. Dafür kann man die Gesteinsschichten genau erkennen und wenn man Glück hat, sieht man ein paar Frösche, die mit der Flut hinein gekommen sind.

Vier: Grandfather Mountain (North Carolina)

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North Carolina ist definitiv einer der grünsten Staaten, die wir durchfahren haben und ein absolutes Muss für jeden, der die Ostküste macht. Wir waren einen Tag in Gegend der Blue Ridge Mountains, wo der Grandfather Mountain liegt. Es ist der höchste Berg in der Umgebung, auf den die Mile High Swinging Bridge gebaut wurde, die eine 360 Grad Sicht über die Gegend gibt und eine Meile über der Erde thront. Es ist eine Hängebrücke mit Stahlgeländern, die einen über die Täler und anderen Berge der Gegend sehen lässt. Man gelangt über sie zu mehreren großen Felsbrocken, auf denen man bequem sitzend ein Buch lesen oder einen Snack essen kann. Besonders empfehlenswert ist dabei der Pfad vom Parkplatz aus, der zwar steil ist, aber sehr außergewöhnlich, weil man nur über riesige Steinklötze läuft, die wie Treppen angeordnet sind. In dem Park gibt es außerdem noch ein Museum, das über die Tiere der Gegend erzählt und ein Habitat mit Bären, Elchen und Berglöwen.

Fünf: Blowing Rock (North Carolina)

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Wenn ihr gerade schon in der Gegend seid…. fahrt die paar Extrameilen nach Blowing Rock. Der Ort liegt mitten in den Bergen und ihr erreicht ihn über eine der schönsten Strecken Amerikas, den Blue Ridge Parkway. Wenn es irgendeinen Ort gibt, der fotogener ist, würde es mich schwer wundern. Die Häuser sind alle klein und bunt, es gibt eine hübsche Shoppingmeile mit weißen, aneinandergereihten Häusern, einen Park mit Pavillon und viele gotisch-aussehende Kirchen. An der Hauptstraße kann man viele Cafés finden, die selbstgemachtes Eis und Fudge verkaufen und es gibt einige versteckte Läden in den Untergeschossen der Gebäude. Ich hoffe, ich schaffe es nochmal in die Gegend zurückzukommen.

Sechs: Charlston (South Carolina)

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Die Stadt ist hauptsächlich bekannt für ihre alten Plantagenanlagen, die man besichtigen kann. Es gibt außerdem ein historisches Stadtzentrum mit Kolonialhäusern und alten Pferdekutschen. Und es liegt am Meer und hat zum Teil sogar weißen Sandstrand. Wir haben uns ein bisschen an der Küste im Reichenviertel verfahren und es ist unglaublich, wie viele riesige Häuser dort herumstehen und wie auch die neuen Gebäude noch immer etwas vom Kolonialstil der früheren Zeit in sich tragen.

Sieben: Miami (Florida)

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Bei dem tropischen Wetter bin ich ein paar Tage nicht ganz gesund gewesen, weshalb wir nicht allzu aktiv waren. Wir sind durch Jacksonville und Palm Beach gefahren, wo man auf allen Seiten Palmen und Strand sieht. Miami setzt das eigentlich nur fort. Wir waren zwischendurch in Sawgrass Mills, dem drittgrößten Einkaufszentrum Amerikas, wofür man nicht allzu weit ins Zentrum fahren muss. Es ist im Sommer in Florida auch so heiß, dass man es draußen kaum noch aushalten kann. Das Shoppingcenter war auch ziemlich überraschend mit fliegenden, elektrischen Minifeen, einem großen Außenbereich mit der New York Cheesecake Factory und wir haben uns in der Mall unsere Zähne bleichen lassen – ziemlich spontan und nicht komplett weltbewegend, aber auf jeden Fall sehr sichtbar.

Acht: Everglades City (Florida)

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Wer schon einmal in Florida war, weiß, dass sich der Everglades Nationalpark ganz im Süden von Florida befindet. Dort befindet sich die längste Autobahn, die übers Wasser und zu den Inseln The Keys führt. Wir haben dennoch entschieden, bei der Hitze nicht so weit zu fahren und waren stattdessen im Everglades Nationalpark auf Bootstour. Die Everglades sind ein weites Gebiet von kleinen Inseln im Wasser, die alle mit Sträuchern bewachsen sind und zwischen denen fliegende Fische, Seekühe und Krokodile leben. Nicht, dass wir all diese Tiere gesehen hätten, aber über unseren Köpfen sind auf jeden Fall ein paar Flamingos vorbei geflogen.

Neun: Devil’s Den Prehistoric Spring (Florida)

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Dies war ein Ort, den ich seit Reisebeginn sehen wollte. Leider konnte ich ihn nicht komplett besichtigen, weil ich krank war, aber ich komme hierfür garantiert zurück. Devil’s Den ist eine unterirdische Höhle mit See, die glasklares Wasser hat und fast komplett rund ist. Um die Höhle zu besichtigen, muss man dort tauchen gehen und nein, in dieser Gegend ist das nicht zu kalt, da das Wasser im Sommer nie richtig abkühlt. Dafür standen wir bei der Besichtigung im warmen Monsunregen, um von oben immerhin einen Blick nach innen zu erhaschen.

 

Kann einer von euch noch weitere Stopps im Inland oder an der Küste empfehlen?

Preise:
Lost River Cave: 20$ pro Person
Website: https://lostrivercave.org/
Grandfather Mountain & Swinging Bridge: 20$ Erwachsener, 18$ Senior, Kind 12$
Website: https://grandfather.com/things-to-do/mile-high-swinging-bridge/
Everglades Boottour: 35$ pro Person
Website: http://www.evergladesnationalparkboattoursgulfcoast.com/
Devil`s Den Tauchen: Zwischen 15 und 20$, evtl. mehr wenn man dort die Ausrüstung leiht.
Website: http://www.devilsden.com/

Tipps:
1) Devil`s Den für tauchen unbedingt vorher organisieren. Wenn man spontan vorbeikommt, beträgt die Wartezeit bis zu 5h. Man kann sich direkt vor Ort Taucherausrüstung und so weiter ausleihen. Nebendran ist auch ein Campingplatz, wenn man eine Übernachtung plant. Wenn man nur mal das Gelände ansehen will, kann man sich am Shop ein Besucherband holen und von oben in die Höhle hineinsehen. Schnorcheln ist übrigens erst ab 18 erlaubt.
2) Lost River Cave: Ihr braucht keine langen Sachen zum Anziehen in der Höhle, es ist eine der wenigen Höhlen, die eher schwül-warm sind.
3) Grandfather Mountain ist eine echt coole Erfahrung aber auch wirklich teuer für eine Hauptattraktion. Ich würde den Trip nur machen, wenn ich mehrere Tage in der Gegend bin und auf dem Gelände auch das Habitat und das Museum ansehen möchte.

Noch nicht gesehene Attraktionen auf der Strecke, die weit oben auf der Liste stehen:
1) Mall of America (Indiana)
2) Ruby Falls (Tennessee)
3) The Biltmore Estate (NC)
4) Linville Falls (NC)
5) Savannah (Georgia)
6) Downtown Miami (Florida)
7) The Keys (Florida)
8) Georgia Aquarium (Georgia)

Monumente im Grünen – Wyoming & South Dakota

Monumente im Grünen – Wyoming & South Dakota

Achtzehn – Über schaulustige Großmütter, Spearfish Canyon, Devil`s Tower und Mount Rushmore

Nach Yellowstone fahren wir weiter in Richtung Osten, bis man den hoch aufragenden Devil`s Tower in einem ansonsten relativ flachen Land sieht. Der Tower ist das erste historische Monument Amerikas und umgeben von Nadelwald und grünen Feldern. Es handelt sich dabei um einen riesigen Steinklotz aus Magma, der 265 m in die Höhe ragt und dabei so uneben wie nur möglich wirkt. Der Stein ist unglaublich gerade mit geriffelten Seiten und flacher, unbewachsener Krone. Wenn man zwischen den Hügeln zum Turm hinauf fährt, kann man auf der Fahrt vereinzelt Personen ausmachen, die an den Seiten klettern. So verrückt wie das auch aussehen mag, es ist offensichtlich möglich, eine so steile Fläche zu erklimmen. Als wir auf den Turm zulaufen, sitzt eine Rentnerin auf einer Bank davor und beobachtet die Kletternden. Auf unseren Blick in Richtung Turm, zuckt sie nur die Achseln und sagt: „Mal gucken, wer heute stirbt.“ Da fragt man sich schon, wie häufig das vorkommt und wie häufig sie vor diesem großen Stein hockt. Um den Turm herum führt auch ein Pfad, der fast kreisrund und von riesigen Gesteinsbrocken umrahmt ist. Der Tower war früher nämlich noch um einiges höher und hat über die Jahre einiges an Stein verloren. Das ändert allerdings nichts an dem beeindruckenden Ausmaß, das er noch immer hat. Und es lässt einen mit beunruhigtem Gefühl zurück, wenn weit in der Höhe jemand über deinem Kopf herumklettert. Der Turm gilt übrigens auch als ursprünglicher Ort der Grizzlybären und wird von den Indianern bis heute als heilig empfunden. Man kann dort Touren besuchen, die von den Mythen rund um den Berg erzählen oder an Rangerprogrammen teilnehmen, die einen Überblick über die Gegend geben.

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Nicht weit von Devil`s Tower liegt der Spearfish Canyon. Es ist eine unglaubliche grüne Gegend mit vielen Blumen, unterschiedlichen Bäumen und hohen Felswänden, an denen zum Teil Wasser aus den Bergen hinunterrinnt. Man sieht hin und wieder kleine Wasserfälle und am Rand geparkte Autos, wo viele Pfade in den Canyon führen. Der Canyon hat so viele Serpentinen und ist so verwinkelt, dass man die Roughlock Falls fast nicht findet. Aber ihr solltet euch unbedingt die Mühe machen sie zu suchen, da die Anlage mit den Wasserfällen relativ neu angelegt ist und man einen langen Pfad am Wasser entlanglaufen kann.

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Der Park hat mehrere Stellen, wo man picknicken oder baden kann. Und natürlich sind die Hauptsicht die Roughlock Falls oder Bridal Veil Falls, die man von mehreren Plattformen aus sehen kann. Es gibt nur wenige Orte, an denen man so abgekapselt und entspannt sitzen kann und wo man nichts anderes als Wasserrauschen hört. Wir waren bei fast vierzig Grad in der Gegend und trotzdem war die Temperatur in diesem Park noch erträglich. Spearfish Canyon liegt übrigens in einem Areal mit unglaublich vielen Attraktionen. Nördlich Devil`s Tower, südlich die Badlands (Berge, die so bunte Steine haben wie eine Marswelt), westlich mehrere Tropfsteinhöhlen und östlich die Monumente Crazy Horse und Mount Rushmore. Alles zusammen ist nicht an einem Tag machbar, aber dafür kann man, wenn man in der Gegend übernachtet, mehrere Sachen sehen ohne die Hotels zu wechseln. Wir hatten leider den Zeitdruck, weiter in Richtung Ohio zu fahren und hatten schon eine Weile für den Tower und den Canyon gebraucht.

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Aber was wäre eine USA Tour ohne Mount Rushmore? Es ist vermutlich das bekannteste Denkmal in den USA und auch in unzähligen Filmen und Dokumentationen zu sehen. Die vier in Stein gemeißelten Präsidentenköpfe sind auch schon von weitem grob zu erkennen, wenn man hoch in die Berge fährt und danach Ausschau hält. Es ist schwer zu sagen, ob wirklich Mount Rushmore oder nicht doch die Natur darum herum das eigentliche Highlight ist, denn die Natur selbst ist wunderschön. Die Orte haben Westernsaloons, es gibt kleine Museen und in den Wäldern liegen versteckt einige Blockhäuser. Mount Rushmore selbst kostet keinen Eintritt – hat dafür aber eine Parkplatzgebühr, die auch für einen kurzen Stop schon fällig wird.

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Wir stehen letztendlich vor einem großen Steingebäude mit einer Allee aus Marmor, in den die Namen der einzelnen Staaten und ihre Einstiegsdaten eingelassen wurden. Über unseren Köpfen hängen die einzelnen Flaggen der Staaten und auf großen Informationstafeln stehen die Namen derjenigen, die beim Bau des Monuments geholfen haben. Der Künstler Gutzon Borglum entwickelte 1927 das Design für die vier Präsidenten, die seiner Meinung nach die einzelnen Epochen des Landes prägten. Es hat letztendlich 400 Arbeiter gebraucht, um das Denkmal in 14 Jahren fertigzustellen. Von da an kann man Lincoln, Jefferson, Washington und Roosevelt in Stein gemeißelt betrachten.

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Die Wand, die sich vor einem erstreckt, ist jedenfalls massiv und die Köpfe sehen noch um einiges größer aus, als auf den offiziellen Bildern, die man sonst so sieht. Abgesehen davon ist es wirklich erstaunlich, wie detailgetreu die Gesichter sind. Am überraschendsten ist übrigens eine riesige Bühnenanlage unterhalb der Gesichter am Fuß des Berges, die ihr von der Grand View Terrace aus sehen könnt. Es ist eine Freilichtbühne in Arenaanordnung und stellt euch vor, wie der Klang in den Bergen sein muss! Ich wünschte, ich hätte Zeit gehabt, ein Konzert hier zu besuchen. Man kann übrigens auch hier einen „Presidential Trail“ in die Bergen laufen und kommt so näher an die Gesichter heran. Und wenn man am Schluss eine Pause machen will, kann man sich im Café neben den Staatssäulen noch ein Eis oder ein Stück Kuchen holen.

 

Welches Zeichen repräsentiert für euch Amerika?

Preise:
Devil’s Tower: 20$ (pro Fahrzeug, ohne Jahrespass)
Website: https://www.nps.gov/deto/index.htm
Mount Rushmore Parkplatz: 10$
Website: https://www.visittheusa.de/destination/mount-rushmore-national-memorial

Näher am Welt(kn)all

Näher am Welt(kn)all

Siebzehn – Über den Yellowstone Nationalpark, Touristentorturen und Thermopolis

Wenn ich einen der irrealsten Orte der Erde benennen müsste, wäre der Yellowstone Nationalpark bestimmt unter den Top 3. Es ist einer jener Orte, wo man hinter jeder Kurve etwas Neues erkennt und nie weiß, welches Wetter man erwarten soll. Stefan und ich fahren um die Mittagszeit in Richtung Westeingang und reihen uns in eine lange Schlange Autos ein. Da Yellowstone mit Yosemite und Grand Canyon vermutlich der bekannteste Nationalpark in den USA ist, ist er auch ziemlich voll. Man sollte definitiv einiges an Zeit einplanen und vorher klären, wo man abends für die nächste Übernachtung sein muss, da es nicht viele Möglichkeiten im und um den Park gibt.

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Yellowstone ist das letzte, intakte Ökosystem der Erde und der älteste Nationalpark der Welt (1872 gegründet). Er enthält Vulkane, Geysire, Flüsse und Seen und es leben Grizzlybären und Wölfe in freier Wildbahn. Ich finde nicht, dass die Berge, an denen wir vorbeifahren, unbedingt nach Vulkanen aussehen. Wenn man aber an die einzelnen Aussichtspunkte auf dem Weg gelangt, erkennt man die Geysire und vor allem die bröslige Vulkanerde. Ein Grund, warum der Park trotz seiner extremen Weitläufigkeit (8987 km² ) trotzdem so überbesucht wirkt, ist die Tatsache, dass man sich mit dem Auto von Punkt A zu Punkt B bewegt. Es gibt zwar Pfade, die man laufen kann, aber die Hauptattraktionen liegen an der Straße und mehr Pfade zu erschaffen, fällt vermutlich wegen dem Vulkanuntergrund weg. Yellowstone ohne Auto? Ziemlich unmöglich – vor allem nicht ohne Tourführer. Die Hauptattraktionen sind glücklicherweise aber sehr übersichtlich gestaltet und man läuft über Holzwege und Plattformen zu Geysiren und Quellen. Bei Letzteren handelt es sich um kleine Krater, in denen kochend heißes Wasser brodelt. Im weißen Vulkansand leuchten sie in allen Farben des Regenbogens und lassen einen mit der Frage zurück, wie die Natur etwas so Unwirkliches zwischen rauem Stein und weiten Nadelwäldern schaffen konnte. Es wäre um einiges glaubhafter, wenn man den Planeten gewechselt hätte. Die unterschiedlichen Farben entstehen dabei übrigens durch Bakterien und Algen, die aufgrund der vulkanischen Quellen entstehen.

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Wir starten bei Madison, wo man nicht weit entfernt mehrere Quellen sehen kann und hellblaues, glasklares Wasser verlockend in der Sonne schimmert. Auf einmal ergeben die Unglücksfälle im Park einen Sinn. Ranger erzählen von Teenagern, die tagsüber den Park besichtigt und sich Stellen zum Baden gemerkt haben, dann abends wiederkamen und sie verwechselten. Das Wasser kann einen am lebendigen Leib kochen – die Schilder auf den Stegen zu beachten, ist also äußerst sinnvoll. Abgesehen von den offensichtlichen Punkten wie dem Boden und dem Wasser, gibt es außerdem viele Wildtiere im Park, auf die man Rücksicht nehmen muss. Man kann in Gebüschen Elche und Hirsche erkennen und oft auch Herden von Büffeln, die durch die Prärie in der Mitte des Parks ziehen. Warum manche Personen ihre zweijährigen Kinder direkt vor einen Büffel setzen oder neben einem auf der Straße halten, um Bilder zu machen, geht zwar nicht ganz in meinen Kopf, aber ist trotzdem weit verbreitet. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass überall Schilder stehen mit Warnungen, wie sehr man sich den Tieren nähern sollte, oder?

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Aber zurück zu den Vulkanen. Hören tut man eigentlich nur das Puffgeräusch, wenn ein Geysir in die Höhe geht. Riechen kann man beispielsweise den Mud Vulcano am östlichen Ausgang des Parks, der wirklich überirdisch nach Schwefel stinkt und wie ein Urzeitmonster braune Blasen wirft (zumindest stelle ich mir ein Urzeitmonster so vor, aber ich neige ja auch zu B-Movies…).
Durch die aufsteigende Hitze läuft man im Park oft durch Dampfsäulen und merkt dadurch umso mehr, wie heiß es eigentlich in der Umgebung ist. Auch wenn der Wind hin und wieder über die Landschaft fegt, bringt er keine wirkliche Abkühlung, sondern sorgt für weitere Kappen und Hüte, die in den Pools vor sich hinschwimmen oder an Klippen hängen bleiben. Yellowstone ist ein sehr raues Land mit den roten Gesteinsarten aus dem Grand Canyon, grauen Gesteinsbrocken, die an Elefanten erinnern und wildem Wasser, auf dem keiner wagt, eine Bootstour zu machen (obwohl es bestimmt auch einige intelligente Aktionen in diesem Bereich gab).

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Die bekannteste Attraktion ist mit Sicherheit der Old Faithful Geysir, der als einziger Geysir im Park eine Taktung hat und praktischerweise alle 30 Minuten ausbricht. So versammeln sich die Leute im Tal auf langen Bankreihen und erdulden in der Hitze ihr Schicksal bis zum Ausbruch. Der Old Faithful liegt zudem neben einem der bekanntesten Hotels der Welt – oder sollte ich eher sagen, das Hotel liegt neben dem Geysir? Schließlich war dieser eine ganze Weile vorher da. Das Hotel von dem ich rede, ist das Old Faithful Inn. Es ist ein gigantisches Holzhaus gefühlt mitten im Nirgendwo, das bestimmt über sechs Stockwerke hat. Während es von außen riesig und wie ein klassisches Blockhaus wirkt, ist es nach Betreten eine große Überraschung, vor einem filigranen Netz aus Querbalken und tiefhängenden Leuchtern zu stehen. Mit Geigenmusik im Ohr und den Kopf in den Nacken gelegt, kann man über sich einzelne Stockwerke und Plattformen zählen, die viele Sitzplätze erahnen lassen. Man muss kein Gast sein, um eintreten zu dürfen. Es gibt für die Öffentlichkeit einen Souvenirshop und dazu auch ein Restaurant im ersten Stock. Gast zu sein, ist übrigens gar nicht so einfach. Nach allem, was ich gelesen habe, müssen Reservierungen im Durchschnitt mindestens ein Jahr im Voraus erfolgen – es sei denn, manche Personen sagen spontan ab. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, einmal hineinzugehen, auch wenn man vielleicht nur einen Tee trinkt und dabei in einem gigantischen Wildledersessel versinkt.

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Um den ganzen Park zu sehen bräuchte man vermutlich mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Es gibt auf allen Seiten etwas zu sehen. Besonders schön ist der Morning Glory Pool mit hellblauem Wasser und grellgelbem Rand, der nach einem exotischen Cocktail aussieht. Und beeindruckend ist auch der Devils Thumb, eine Gesteinsformation, aus der wilde Geysire sprudeln und man ein unterirdisches Rumpeln hört. Ich wäre gerne länger davor gestanden, aber es hat von einem Moment auf den nächsten in Strömen zu regnen begonnen und sogar wenn man rennt, landet man durchweicht im Auto.

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Wir waren erst spät auf dem Weg aus dem Park hinaus und die Strecke vom Osteingang Richtung Cody ist bestimmt einer meiner liebsten Streckenabschnitte seit wir unterwegs sind. Weite Klippen ragen rechts und links vor einem auf. Die Felsen sind rot, lila, weiß und zwischendurch erhascht man einen Blick auf glatte Seeflächen und zusammengedrängte Büffelherden. Manchmal sieht man auch kahle Hänge, aber zwischen den abgebrannten Baumstümpfen zieht sich mittlerweile auch  wieder helles, grünes Gras hindurch. Kurz vor dem Ausgang bekommen wir sogar noch einen Blick auf drei Bären, die oben auf einem Felsen hocken und gelangweilt vor sich hin kauen. Logischerweise Grund für viele Touristen mitten auf der Straße anzuhalten, auszusteigen und sich darüber aufzuregen, wie unpraktisch die Bären doch für Fotos stehengeblieben sind (ist ja auch wirklich asoziales Verhalten von ihnen).

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Man fährt bis Cody nach dem Ausgang bestimmt noch anderthalb bis zwei Stunden. Zunächst in Serpentinen Berge hinunter, dann irgendwann durch Täler mit Farmland und vereinzelten Bauernhöfen. Zu unserer Irritation thront auf einem Hügel sogar ein gigantisches Blockhaus im skandinavischen Stil, das ohne wirklichen Zweck mitten im Nichts steht (für Interessierte…. es ist zu verkaufen!). Cody ist wie Jackson Hole eine Westernstadt und ebenfalls nur einer der wenigen Orte auf der östlichen Seite des Parks. Hauptsächlich ist es bekannt für sein Westernmuseum und die Rodeo Arena, in der jeden Abend um 8 Uhr die Rodeo Show losgeht. Man kann die Tribünen gar nicht übersehen, wenn man in den Ort abbiegt, da es mit Abstand das größte Gebäude ist. Es gibt zudem eine lange Hauptstraße mit bunten Shops, Leder- und Sattelzubehör und einigen Restaurants, die ihre Steaks bewerben.

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Eine besondere Sache gibt es übrigens noch auf dieser Seite des Parks. Circa eine Stunde von Cody entfernt befindet sich Thermopolis, eine kleine Gemeinde, die eigentlich nur aus Felsen und drei Thermalbädern besteht. Die Stadt liegt in einem Bergkessel mit hoch aufragendem, rot-grauen Gestein und die Thermalbäder grenzen teilweise direkt an den Berg an. Es gibt zwei Bäder, die Wellnessanwendungen und Rutschen anbieten, weshalb sie meistens relativ voll sind, aber es gibt auch ein öffentliches Bad von Thermopolis. Dieses ist für alle Besucher frei, da die Indianer vor langer Zeit bei der Abgabe ihres Landes verewigt haben, dass es für alle Zeit kostenlos für alle Menschen zugänglich sein muss. Es ist ein kleines Bad mit zwei Becken, aber schön angelegt und völlig ausreichend, wenn man mit Muskelkater in den Beinen eine kurze Pause braucht. Anschließend kann man übrigens noch zwischen den Quellen durch einen Park spazieren und über eine Hängebrücke in die Berge laufen. Und wenn man sich dann genug entspannt hat, kann man in Richtung der sogenannten Badlands weiterziehen.

 

Wart ihr schon einmal im Yellowstone Park? Was waren eure Eindrücke?

Preise:
Yellowstone (mit einem Fahrzeug, ohne Jahrespass): 35$
Website: https://www.yellowstone.org/?gclid=CjwKCAjw8O7bBRB0EiwAfbrTh2ck9IHJgyVCcao_4cidAlPAsAPQpuHty4RZD8QA3QCA2Yyx1oYf2hoCHPAQAvD_BwE

Tipps:
1) Übernachtungstechnisch in der Gegend: Idaho Falls, Rexburg und wenn ihr ein bisschen früher bucht evtl auch Cody oder Jackson Hole.
2) Immer ausreichend Wasser mitnehmen – im Park wird es im Sommer bis zu 45 Grad heiß.
3) Eine Kappe kaufen, die gut sitzt. Damit meine ich, dass sie quasi am Kopf festgetackert werden sollte, ansonsten stehen die Chancen, dass man sie verliert, relativ hoch.