5 Dinge die in England vorkommen und so niemals in Deutschland passieren würden

Fünf Wochen in England zu verbringen, hat sich als eine der schönsten und interessantesten Erfahrungen erwiesen, die ich zusammen mit meinem Freund bisher erlebt habe. Ich habe so viel gelernt, dass ich nicht denke, dass ein Blogeintrag dafür ausreichen kann. Brechen wir es also auf die wichtigsten Punkte herunter: Nachmittagstee ist nicht nur eine Erscheinung aus Serien wie „Downton Abbey“ oder Klassikern wie „Stolz und Vorurteil“, nein, er muss definitiv jeden Tag abgehalten werden und normalerweise auch mit Milch, Cookies oder kleinen Kuchen. Kleinere Straßenhinweis- oder -verkehrszeichen sind vornehmlich dazu da, um hübsch auszusehen (das tun sie definitiv, da sie die unterschiedlichsten Formen haben und überall angebracht werden können – auch auf Höhen, die absolut nicht aus dem Auto heraus erkennbar sind).

Ich weiß jetzt, dass englische Handwerker ein Haus arbeitstechnisch komplett anders angehen als das in Deutschland der Fall wäre und dass „M&S“ (Marks&Spencer), der englische Supermarkt, mindestens fünfzehn Wege gefunden hat, ein Sandwich auszufüllen (davon sind mindestens fünf Kombinationen mit Hühnchen). Ich habe so viel zu den Themen „Gärtnern“ und „Kochen“ gehört wie schon lange nicht mehr, sehr viele nette Leute getroffen und eine Menge Dackel gesehen, die in gestreiften Mänteln durch Greenwich geführt wurden und durch ihre Outfits noch mehr nach einer Wurst aussahen, als das ohnehin bei eingepackten Dackeln der Fall ist.

Obwohl unsere Länder dieselbe Routine im Aufstehen, zur Arbeit gehen, Urlaub machen und Freizeit verbringen, aufweisen und teilen, gibt es doch so viele Unterschiede. Sie treten genau dann auf, wenn wir all diese Dinge tun. Hier sind einige der Beispiele, die mir gezeigt haben, wie unterschiedlich wir unser Leben angehen.

1) Linksverkehr

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Einige Dinge im Verkehr können einen am Anfang einfach nur dazu bringen, ständig den Kopf zu schütteln. Es reicht nicht aus, dass man beim ersten Mal, wenn man selbst nach England fährt, vollkommen mit dem Fahren auf der richtigen Fahrspur, riesigen Kreisverkehren und den überall präsenten Busspuren konfrontiert ist. Nein, es gibt anscheinend auch keine strikten Verkehrsregeln. Auf die Frage in unserer Gastfamilie hin, ob es eine Vorfahrtsregelung gäbe, hieß es lediglich: „Die Person auf der wichtigeren Straße fährt zuerst.“ Logischerweise waren wir die ersten Tage etwas davon überfordert, zu erkennen, was als „wichtigere“ Straße einzuordnen ist. Glücklicherweise muss dazu gesagt werden, dass die Engländer sehr geduldige und rücksichtsvolle Fahrer sind, die sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen… es sei denn, es schneit.

2) Schnee

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Durch unsere Ankunft im frühen März dieses Jahres, wurden wir in den ersten zwei Wochen unseres Aufenthaltes immer wieder mit Schneeschauern konfrontiert. Eine Tatsache, die in England sehr selten vorkommt, vor allem in Englands eher warmem Süden. Der Schnee rief jedenfalls die höchste Warnstufen (amber warning) auf den Plan, da: Überall am Straßenrand Autos standen, die von der Fahrbahn abgekommen waren (die Autos wurden nach mehreren Tagen mit Absperrbändern „gesichert“ und nach mehreren Wochen abgeschleppt), Züge fielen wegen eingefrorener Weichen aus, in den Nachrichten wurden Personen gezeigt, die von ihren traumatischen Erlebnissen im Supermarkt berichteten und aussagten, dass kaum noch Wasser vorrätig wäre. Die britischen Zeitungen beschrieben den Schnee nur noch als “the Beast from the East” in einer Art, die an Lord Voldemort aus Harry Potter erinnert und immer wieder wurde betont, dass etwas wie dieser Schneefall ja seit Ewigkeiten (1991 um genau zu sein), nicht mehr vorgekommen wäre. Das rechtfertigt auch, warum es in England keine Schneepflüge, keine Schneeschaufeln und keine Winterreifen gibt. Außerdem ist der Schnee ein guter Grund, nicht zur Arbeit zu gehen – auch wenn er bereits wieder auftaut…

3) Arbeit –  genauer Handwerker bei der Arbeit

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Ich werde nicht so tun, als ob wir Deutschen die motiviertesten Menschen aller Zeiten sind, wenn es ums Arbeiten geht. Natürlich haben wir Leute in unseren Reihen, die gar nicht arbeiten, mehr damit beschäftigt sind, krank zu sein als gesund (seltsamerweise sind viele dieser betroffenen Personen zwischen 20 und 30 und haben ein wirklich „hartes“ Leben an den Wochenenden…) ABER (und ja, ich muss das in Großbuchstaben schreiben), auch wenn wir an einem Montag nicht zur Arbeit fahren, , sagen wir davor Bescheid. Einige von uns nehmen diese Verantwortung so ernst, dass sie mehrfach nachfragen, ob es in Ordnung ist, nicht in zur Arbeit zu kommen, nur um zu versichern, dass sie schnellstmöglich wieder da sein werden. Andere kommen zur Arbeit,  wenn sie kaum noch in der Lage zu reden, zu stehen und… nun ja, zu arbeiten (ich bin mir nicht sicher, ob das für uns spricht…).

Wie dem auch sei: Wir fühlen uns vielleicht ein bisschen zu verpflichtet zu arbeiten, während die Briten die Sache etwas lockerer sehen. Ich werde für diese Episode meine Lieblingshandwerker der letzten Wochen anführen, die das Haus unserer Gastfamilie „bearbeiteten“.

Während des Aufenthaltes trafen wir auf Stuckateure, Zimmermänner und Fliesenleger, die alle eine große Gemeinsamkeit teilten: Sie arbeiteten, ohne wirklich zu arbeiten (ich muss dazu sagen, dass es einige wirklich Aktive unter ihnen gab, aber ich versuche hier ja eine generelle Übersicht zu geben). „Arbeiten“ bedeutete, morgens um acht oder neun anzufangen (wenn man überhaupt arbeitete, weil…ja…der Schnee, der Dackel braucht eine neue Decke, die Kinder haben noch nicht fertig gefrühstückt…). Falls man nicht kam, war ein Anruf nicht unbedingt notwendig, es hieß dann:  „Wenn sie könnten, würden sie schon auftauchen.“ Jeder deutsche Eigenheimbesitzer, der Arbeiter, die nicht erscheinen, beschäftigt, hätte am zweiten Tag einen Herzanfall bekommen.

Die Fahrt zu unserem Haus selbst schien auch schon ein ziemlich anstrengendes Unternehmen zu sein, weshalb man dringend bei der Ankunft eine Kaffee- oder Teepause machen musste. Anschließend checkte der einzelne Arbeiter, ob noch andere Arbeiter aufgetaucht waren – falls nein, wurde sich darüber beschwert, wie unzuverlässig und faul die Anderen waren. Man grummelte dann etwas vor sich hin und schnappte sich anschließend die Arbeitssachen aus seinem Auto – die meisten davon würde man zwar nicht brauchen, aber egal- und begann in Bereichen des Hauses zu arbeiten, in denen man eigentlich schon gearbeitet hatte und die zwei Tage zuvor als „fertig“ deklariert worden waren. Um die Mittagszeit herum brauchte man eine weitere Pause für Tee, die sich bis zu einer Stunde ausdehnen konnte, ohne dass sich jemand darüber beschwerte. Zudem mussten im Nachbarort in einem fabulösen Pub „die absolut genialsten Worker-Sandwiches“ gekauft werden. Eine Menge weitere Teezeiten konnten folgen, davon abhängig, wie lange man am entsprechenden Tag arbeitete. Aber spätestens um vier Uhr mussten die meisten wieder nach Hause, weil man sonst ja im Stau landen könnte und dafür eigentlich wirklich keine Zeit hatte. Wenn man eine Baustelle verlässt, heißt das aber nicht, dass man die Dinge, die man morgens aus dem Auto geladen hat, wieder einlädt.

Wie sinnlos diese Art der Arbeit auch sein will…man hat meistens eine Menge Spaß mit den Singfähigkeiten der Bauarbeiter (die meisten von ihnen tendieren zu Hits aus den 80ern), ihrem Charme, ihrer faszinierenden Gelassenheit, mit der sie eine Tasse Tee im Putzstaub sitzend trinken und ihren endlosen Monologen, die alle dasselbe ausdrücken sollen, Zitat: „I’m too old for this s***!“

Nach einigen Tagen sieht man aber doch, dass echte Experten am Werk waren – selten haben wir innen besser verputzte Wände gesehen (und das ist ernst gemeint).  Der Aufzug, der übrigens nach fünf Wochen immer noch nicht funktionierte und  immer dann, wenn er neu programmiert war, nur ein Stockwerk aufwärts fuhr aber nicht mehr herunterkam, stammte übrigens von einer deutschen Firma…..

Wobei: deutsche Küchengeräte, deutsche Fensterscheiben, eine Schweizerische Vorhangfirma, die das Zuziehen und Öffnen von Vorhänge und Jalousien automatisiert  – all das ist schwer „in“.

4) Essen und Trinken

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Wenn man in einem kaffeeverrückten Land wie Deutschland aufwächst, entfällt einem häufig, wie viele ungewöhnliche Teesorten es eigentlich gibt. England ist das perfekte Gegenbeispiel. Ein Ausflug in die Shops führt einen zu Zimt-Apfel-Tee, Lebkuchen-Tee, Ginseng-Algen-Tee und vielem mehr. Wenn man mal von ihren seltsamen Titeln absieht, muss man feststellen, dass die meisten von ihnen sehr gut schmecken und oftmals weniger aromatisiert sind. Trotz alledem habe ich auch in vier Wochen nicht gelernt, warum Tee in einem solchen Ausmaß konsumiert wird. Mit meinem Freund habe ich in unserer Gastfamilie einen Durchschnitt von sechs Kannen am Tag gezählt. Normalerweise wird dabei mit „English Breakfast Tea“ gestartet, der noch vor dem Frühstück gekocht wird – meistens durch einen Wasserkocher auf dem Nachttisch (!). Zum Frühstück gibt es dann eine weitere Kanne, zusammen mit einer Tasse Kaffee, vor dem Mittagessen gibt es nochmal Tee, weil man ja länger darauf wartet, dass das Essen fertig ist und nach dem Essen muss es wieder Tee geben, sozusagen als Nachtisch. Wenn man dann diese vier Kannen intus  hat, kommt der klassische „Afternoon Tea“ (übrigens häufig in Kombination mit Kuchen) oder der „British Cream Tea“ (in Kombination mit Scones und Clotted Cream). Die letzte Kanne folgt dann nach dem Abendessen, am besten man nimmt sie mit ins Schlafzimmer um gleich am nächsten Morgen ein Utensil für den Frühstückstee zu haben.

Ich muss sagen – nach zwei Wochen hatte ich mich an circa vier Kannen gewöhnt… die sechs habe ich bis zum Schluss nicht durchgestanden ;). Allerdings erklärt der britische Teekonsum auch, warum es so viele öffentliche Toiletten gibt! Und auch zu beobachten: Der Kaffeekonsum nimmt zu, vor allem bei jüngeren Leuten.

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Was das Essen betrifft, so kann ich nur sagen: Glaubt nicht alles, was über die englischen Nationalgerichte und die englische Küche erzählt wird. So vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert und es gibt eine Menge Hausmannskost, die einfach zuzubereiten ist und sehr gut schmeckt (der Großteil davon ist besonders gut, wenn man ihn in Pubs isst). Wir hatten Pies (kleine Teigtaschen, die meistens mit Gemüse oder Geflügel gefüllt sind), Cottage Pie (eine Art überbackener Auflauf aus Kartoffelpüree und Hackfleisch), Scones (kleine Brötchen die üblicherweise mit Marmelade und Clotted Cream (einer Art Sahnecreme) gegessen werden), gebratenen Fasan, und auch die englischen Würstchen und Steaks sind deutlich besser geworden. Der klassische Sunday Roast ist in den Pubs zurück und fantastisch. Und Fisch an der Küste ist immer vom Feinsten.  Zu empfehlen sind außerdem die Milchprodukte, indisches und asiatisches Essen durch den hohen Anteil der indischen und asiatischen Bevölkerung und die Patisserien…wobei letztere dafür sorgen, dass man nach seinem Aufenthalt eventuell ein paar Kalorien mehr abarbeiten muss…

5) Wochenendfreizeit

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Während das Wochenende in Deutschland oft eine hektische Mischung aus Arbeit, Familienbesuchen, Partys und Grillen darstellt, haben die Engländer eine Tradition, die uns deutlich mehr Entspannung bringen könnte. Sie nutzen die Tage häufig für Besuche in Parkanlagen, Burgen, alten Herrenhäusern und das Wandern auf offiziellen Wanderwegen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Eine Besonderheit ist der „Public Footpath“ oder „Public Bridelway“ – immer wieder sind die kleinen grünen Hinweisschilder mit dieser Aufschrift an Straßen  zu sehen. Vorzugsweise scheinen sie direkt in eine undurchdringliche Heckenlandschaft, in einen Wald ohne Wiederkehr oder auf eine Wiese zu leiten, auf der drei Ochsen oder eine Herde Ziegenböcke auf ein touristisches Jagdobjekt warten – trotzdem kommt man erstaunlicherweise immer irgendwo an. Diese Wege müssen immer für alle zugänglich sein und führen, da sie so alt sind, sogar ab und zu über Privatgrund. „Stiles“ werden erklettert, um über Zäune auf Wiesen zu gelangen, über die die Wege führen, oder man öffnet und schließt „Gates“.

Es gibt übrigens lokale Wanderführer, die Trips entlang von Public Footpaths beschreiben – mit interessanten Richtungsangaben nach dem Motto  „an der alten Eiche mit dem herunterhängenden Ast rechts abbiegen“ oder so ähnlich. Die meisten der historisch oder landschaftlich bedeutenden Ausflugsstätten, wozu auch Parks und Küstenabschnitte zählen, werden von Organisationen wie dem  „National Trust“ oder „English Heritage“ geleitet, die dafür sorgen, dass historische und landschaftlich bedeutende Orte erhalten bleiben. Viele Ehrenamtliche kümmern sich um die Besucher. Die Eintritte sind nicht immer billig, lohnen sich aber allemal, wenn man einen Tag seine Ruhe haben, die Familie treffen und picknicken will. Picknicken ist in Parks auf vielen Rasenflächen nach wie vor erlaubt. Weiterhin gibt es Veranstaltungsplätze (zum Beispiel für Vogelflugshows oder mittelalterliche Turniere) und nette Cafés mit Essensangeboten, sowie Shops mit ungewöhnlichen Dekoartikeln (Gargoyles für den Garten und Terrasse, der ultimativen Gartenkelle mit Handgriff für Ladies, Gummistiefeln mit aberwitzigen Mustern etc). Ein paar meiner Vorschläge für schöne Ausflugsziele, möchte ich im nächsten Blogpost vorstellen.

Ich würde mich über ein paar der Geschichten freuen, die ihr vielleicht im Ausland erlebt habt und die sich von Deutschland ebenfalls abheben! Nutzt doch einfach mal die Kommentarfunktion!

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2 Kommentare zu „5 Dinge die in England vorkommen und so niemals in Deutschland passieren würden

  1. Hey, wie immer sind deine Texte äußert interessant und spannend zu lesen und hin und wieder muss man doch grinsen bei den kleinen eingebauten Witzchen 😁 echt toller Beitrag, freue mich auf den nächsten!

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    1. Hey, mir viel gerade erst auf, dass ich gar nicht geantwortet hatte. Vielen Dank fürs Folgen und das Kompliment. Ich hoffe du liest zwischendurch weiter, wenn dir die Uni die Zeit lässt 😉

      Alles Liebe

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