Wäre Kanada ein Smoothie, dann wäre er grün

Eins – Über resolute Schweizer, Fatburger und die grüne Stadt Vancouver

Ich glaube Niall Horan verfolgt mich. Als ich ins Auto zum Flughafen gestiegen bin, lief seine neue Single im Radio und als ich in Kanada am Flughafen ankomme, läuft sie ebenfalls. Kanada kommt mir vor wie eine Mischung aus Fatburger- und McDonaldsläden, aber auch unglaublich grün mit veganen Kuchen- und Smoothieshops an jeder Ecke. Während sich unsere Musikauswahl kaum unterscheidet, hat Kanada andere tolle Specialfeatures wie Straßen, bei denen man nur geradeaus fahren kann, ohne je nach rechts oder links abzubiegen, Bäume, bei denen jeder einzelne Ast mit Lichterketten umwickelt wurde (muss echt Stunden gedauert haben) und Kinder, die ihre grünen Socken so weit hochziehen wie nur irgend möglich und dabei pinke Flipflops mit Strasssteinen tragen – vielleicht bin ich doch nicht so weit weg von zu Hause, wie ich ursprünglich dachte. Fangen wir am Anfang an.

Seit zwei Jahren plane ich jetzt mit meinem Freund einen Aufenthalt in den USA zu machen. Unser Visum deckt den Zeitraum von drei Monaten ab (was übrigens auch die höchstmögliche Aufenthaltsdauer ist) und da meine Eltern die ersten zwei Wochen mit uns unterwegs sind und wir noch nicht ganz in unsere drei Monate fallen, haben wir beschlossen, ein paar Tage in Kanada zu verbringen. Auch wenn ich die nicht-wirklich dreidimensionale Fliegersimulation über den Flugzeugbildschirm Richtung Grönland ziehen sehen konnte, kam mir der Flug gar nicht so lange vor. Wir hatten gutes Essen, eine gute Filmauswahl und Stefan und ich führten eine Fernbeziehung für über zehn Stunden. Immerhin wissen wir jetzt, dass unsere Beziehung das aushält (alles andere wäre auch traurig gewesen…). Außerdem haben wir kreischende Kleinkinder hinter uns überlebt und auch die klassischen Mitmenschen, die nach vielen Jahren Fluggeschichte immer noch nicht kapiert haben, dass man hin und wieder mal die Luken dicht macht, wenn man gegen die Zeit fliegt. Zum Trost kann man zwischendurch immerhin coole Artikel im Lufthansa-Katalog aufkaufen, wie beispielsweise diesen praktischen und handlichen Schinkenschneider für nur 5,969 EUR! (Irgendwie war ich ja schon kurz versucht, dieses Gerät zu bestellen, nur um zu gucken, ob sie es wirklich im Flugzeug vorrätig haben und wie es im Anschluss den Gang blockiert. Abgesehen davon… kann ich an der Grenze festgenommen werden, wenn ich sowas transportiere?
Zollbeamte: „Haben Sie irgendetwas zu verzollen? Waffen? Nahrungsmittel? Drogen?“
Ich: „Öh…also ich hätte hier meinen Schinkenschneider dabei…“
*Beamter bekommt ein zuckendes Auge*: „The Germans are crazy, man!“)

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Aber lassen wir das arme Gerät mal beiseite: Vancouver hat auf jeden Fall den schönsten Flughafen, den ich bisher gesehen habe, mit hohen Steinwänden an denen Wasser hinunterrauscht, Teichen und aufwendig angelegten Beeten. All das zeigt umso mehr, dass Kanada und England immer noch die Verbindung über das Commonwealth teilen. Nicht alle Personen im Flughafen schienen ebenso beeindruckt von der Umgebung zu sein wie ich. Wir mussten eine Weile auf die Koffer warten und die Schweizerin hinter mir hatte schon nach fünf Minuten die Hände in die Hüften gestützt, den missmutigen Blick auf das Band gerichtet und teilte ihrem Mann schließlich mit: „Wenn unser Koffer in zehn Minuten nicht da ist, nehmen wir einfach irgendeinen!“

Glücklicherweise erhielten wir unsere Koffer, ohne dass die Schweizerin sie uns wegschnappte (zu meiner Belustigung wurde ihr Koffer noch vom Kontrollteam am Flughafen eingesackt). Wir holten unseren Leihwagen, einen Chevrolet Pacifica, der so ziemlich jeden Komfort bietet, der möglich ist; selbstschließende Türen, Fernseher für Kinder, Getränkehalter in allen möglichen Positionen und Fliegengitter an den Scheiben und -wie alle Wagen hier- natürlich ein Automatik.

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Vancouver kommt keinem von uns besonders groß vor beim Fahren ins Zentrum, was erstaunlich ist, schließlich hat die Stadt über 600.000 Einwohner. Alles blüht, ist grün durch Parkanlagen und bunt durch angelegte Dachterrassen und die Autos werden auf den großen Glasflächen der Hochhäuser gespiegelt, wenn man an ihnen vorbeifährt. Es gibt dennoch nicht so viele Blocks, dass ein einengender Eindruck entsteht. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Stadt lässt einem Freiraum zum Atmen, wohingegen andere Städte erdrückend wirken.
Unser Hotel ist klein, aus Fachwerk und geht zwischen den großen Gebäuden darum herum ein wenig unter. Zum Sandstrand an der Küste läuft man nur fünf Minuten und hat von dort eine tolle Sicht auf die Brücke, die die Stadtteile miteinander verbindet und die Berge in der Ferne. Wenn man nach draußen tritt, hört man zuerst Möwen und Entengekreische und Hundegebell; nur hin und wieder mal ein Feuerwehrauto. Die Seitenstraßen werden von angelegten Beeten gesäumt, die von einzelnen Gärtnereien gesponsert und gepflegt werden.

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Das größte Beispiel für ihren Pflanzwahnsinn ist vermutlich der Stanleypark. Er erstreckt sich über 400 Hektar in der Mitte der Stadt und ist weder weit von den Shoppingmeilen, noch vom Hafen entfernt. Bis heute hat Kanada übrigens den größten Exporthafen in Nordamerika, weshalb man viele Containerschiffe sieht, im Kontrastprogramm aber auch Motorboote, Yachten, Segelboote und Kreuzfahrtschiffe.
Wir sind jedenfalls erstmal unten an der Bucht entlangspaziert bei angenehmen 17 Grad mit Blickrichtung zu den North-Shore-Mountains. Nach 11 h Flug tut ein bisschen Bewegung und Ruhe ganz gut, auch wenn mein Vater und mein Freund mehr Zeit damit verbrachten, über Treibholz und Dachterrassen zu sprechen.

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North-Shore-Mountains

Wieder zurück in der Comox Street haben wir unsere Sachen verräumt und in unserem Apartment den Kühlschrank nach unserem kurzen Supermarktausflug aufgefüllt (wo wir von einem Jungen gefragt wurden, ob man Honig einfrieren kann. Keine Ahnung warum wir so aussahen, als würden wir die Kompetenzen für so eine Antwort besitzen…). Der anschließende Besuch bei einer Kette namens „Fatburger“ war unbedingt notwendig, um abends nicht noch kochen zu müssen. Natürlich trafen wir dort erstmal Deutsche, die Hotdogs und Pommes bestellten, statt das Nationalgericht Poutine. Dazu komme ich aber ein anderes Mal.

Die Comox Street ist übrigens auch wieder eine der Straßen, in die man weder von links noch von rechts einbiegen kann – ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie wir überhaupt hier angekommen sind…

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Unser Apartment hat zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Küche mit der interessantesten Ausstattung aller Zeiten. Ich meine…wer braucht keine Soja-Chilisauce, Thunfisch in allen möglichen Variationen und koscheres Salz?! Für diese Specials konnten dann sogar Zimmertüren und Klobürsten weggelassen werden! Apropos Türen…unser Sicherheitsschloss an der Haustür ist sehr hightech und gibt Geräusche wie eine Bohrmaschine von sich, was die ersten drei Mal schon ziemlich irritierend war. Dafür klingen die Ampeln hier wie zwitschernde Vögel. Ich bin gespannt, wie grün es noch wird 😉

 

Was könnt ihr an grünen Städten empfehlen?! Hinterlasst mir doch einen Kommentar (Funktion direkt oben unterhalb des Titels vom Blogeintrag!)  Bis morgen 😉

Tipps:
Die Gegend, in der das Hotel liegt, ist super nah an den Hauptattraktionen und trotzdem ruhig. Es gibt in der Nähe ein paar Supermärkte, den Strand, Restaurants und in ca zehn Minuten steht man im Stanleypark. Ich würde beim Buchen etwas suchen, dass nah am Park liegt; es spart euch viel Gefahre mit dem Auto oder der Bahn.

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