Stanleypark – Ein Farbcocktail in Vancouver

Zwei – Über Jetlag, blaue Papageien und Stanley Park

Der Flug vom Tag davor sitzt mir relativ übel in den Knochen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich um 6 Uhr morgens hellwach bin. Wir frühstücken um 7, was für unsere Verhältnisse wirklich früh ist und haben dadurch sogar die Möglichkeit, das koschere Salz für die Rühreier zu verwenden (es schmeckt übrigens wie normales Salz… nur für den Fall, dass irgendjemand hier überlegt hat, es zu kaufen 😉).
Das Wetter ist angenehm klar, als wir in Richtung Stanleypark spazieren und wenn die Sonne gerade nicht scheint, hat man um die 15 Grad, was bei der Strecke zu laufen sehr angenehm ist. Es ist schwer zu schätzen, wie groß der Park wirklich ist, weil es mehrere separate Eingänge gibt und der Park selbst etwas verwinkelt erscheint, egal wie großflächig die Rasen sind und wie dicht die Bäume stehen. Wenn man die Wege entlangläuft, schlägt einem eine wilde Geruchsmischung aus Rhododendren, Tannennadeln und Hibiskus Blüten entgegen und die Farben sind so intensiv, dass es mich hin und wieder in den Fingerspitzen zuckt, meine Sonnenbrille herauszuholen.

Kanada Mam 102

Da der Park so weitläufig ist, begegnet man in den verwinkelten Gebieten kaum jemandem, sieht höchstens mal einen Jogger oder einen Spaziergänger mit seinem Hund. Mammutbäume schießen in die Höhe und Bambussträucher dichten die Seiten zur Stadt ab, was den Eindruck hinterlässt, als wäre man an einem völlig anderen Ort. Leider wurden in einem großen Sturm 2006 eine Menge Bäume beschädigt, sodass sie nur noch halb, oder teilweise gar nicht mehr, erhalten sind. Die Kanadier haben die meisten dieser beschädigten Bäume allerdings stehen lassen, solange Hoffnung auf neue Triebe besteht. Zwischen all den Bäumen entdeckt man hin und wieder Skulpturen, die an Schriftsteller, wie zum Beispiel den englischen Dichter Robert Burns, erinnern oder Erinnerungsschilder an Gefallene.

 

Allgemein muss ich nochmal sagen, dass Vancouver unglaublich gepflegt ist. Man sieht im Zentrum und in den Parkanlagen kaum Müll herumliegen und wer Abfall falsch entsorgt, kann dafür hoch bestraft werden. Auch die Hunde müssen an der Leine geführt und hinter ihnen muss hergekehrt werden, was mit cool designten Schildern festgehalten wird.

 

Unser Weg führt vorbei an der „Lost Lagoon“, einem See mit kleinen Inseln und einem Sandstrand, an dem man Muscheln und Treibholz findet. Darum herum erstreckt sich eine Joggingstrecke sowie mehrere Fahrradwege. Beides wird viel benutzt und wir werden von einigen ambitionierten Joggern überholt, die bei genauerem Hinsehen eher an Darsteller aus „The Walking Dead“ erinnern und so wirken, als wären sie die nächsten Kandidaten für einen Erinnerungseintrag auf einer der Bänke um den See (vermutlich mit Aufschriften wie: „Eigentlich lief sein Leben ganz gut bis es bergab ging“). Ein Stück hinter der Lost Lagoon, wurde auch eine der wichtigsten Attraktionen Vancouvers gebaut: Das Vancouver Aquarium.

Kanada Mam 128
Vor dem Aquarium in der Schlange 🙂

Es öffnet an diesem Freitag um 10 Uhr und ist ein großes, kreisförmiges Gebäude mit bullaugenförmigen Vertiefungen im Dach und Brunnenanlage vor der Tür. Wenn die Sonne scheint, bündelt sich das Licht in den Fenstern und fällt nach unten, sodass man wie in einer Theaterperformance dasteht. Um Punkt 9:59 Uhr kommen dann drei riesige Reisebusse angefahren, aus denen begeisterte Asiaten steigen, die Kameras zücken und sich wie Piranhas ihrem Ziel nähern.  Ihre Kinder sind strategisch pink angezogen um sich von der Umgebung (dem Grün im Inneren des Gebäudes) abzuheben. Zumindest gilt das für die tropische Zone des Aquariums, in dem sich ein kleiner Urwald befindet. Der Eintritt kostet pro Person 40$, was nicht gerade billig, für Kanadier aber durchschnittlich ist und wenn man einmal drinnen steht, war einem der Eintritt das auch wert. Es ist das erste Mal, dass ich blaue Seesterne, blaue Papageien und giftgrüne Frösche mit roten Augen sehe. Abgesehen davon hat das Aquarium einen großen Außenbereich mit Ottern, Delfinen und Seelöwen. Ich habe mich auch ein bisschen in das Faultier der Tropenzone und die Froschabteilung verliebt, wobei die meisten Frösche nur so groß wie eine Fingerspitze sind (dafür aber relativ tödlich).
Was Snacks im Aquarium-Café angeht, sind die Kanadier eher ungesund veranlagt. Man kann überall Minidonuts kaufen, die mit ordentlich Zucker und Streuseln versehen wurden (immerhin werden die nicht auch noch mit koscherem Salz bestrichen). Die Kinder finden die Donuts jedenfalls super und stopfen sie in sich rein, während sie Delfin Helen zusehen, der wild im Wasser herumspringt und Ringe fängt. Die Shows werden unter anderem aber auch genutzt, um auf das diesjährige Thema des Aquariums aufmerksam zu machen, nämlich den Problemen mit Plastik im Meer und der Tatsache, dass viele Tiere Verletzungen durch die herumschwimmenden Plastikteile erleiden. Auch der Delfin war Opfer der Plastiknetze und Eimer, die im Wasser herumtrieben und kann aufgrund der vorigen Verletzungen, nicht mehr freigelassen werden. Ich würde hier gerne mehr Bilder zeigen, allerdings hat das Aquarium darauf hingewiesen, dass Bilder nur privat verwendet werden können, weshalb ich keine Fotos mit Tieren zeige.

Kanada Mam 134
Mein Freund fand es besonders lustig sich im Aquarium in die Unterwasseraussichtspunkte für Kinder zu stecken

Nach einem Kaffee lassen wir das Aquarium hinter uns und laufen zu den „Totempfählen“ (Totem Poles), die früher von den Ureinwohnern genutzt wurden, um ihre Häuser innen und im Eingangsbereich gut abzustützen. Sie sind bunt, hoch, haben meist Tiersymbole eingeschnitzt und stehen an dem äußeren Zipfel des Stanleypark mit Blick auf Grünflächen und das Wasser.

Kanada Mam 172

Auf einigen von ihnen sitzen Vogelfiguren oder Bären. Da die Piranhas uns gefolgt sind (echte Piranhas gibt es übrigens im Aquarium und das sind wirklich hübsche Fische mit goldenen Flossen), beschließen wir relativ schnell, unseren Abstecher aus dem Park zurück in die Innenstadt zu machen, wobei wir am Wasser entlang mehrere Piers inklusive den „Vancouver Rowing Club“ passieren. Außerdem haben wir mittlerweile echt Hunger und laufen eine der größeren Shoppingmeilen namens Robson Street hinunter. Es ist eine der Straßen, die zeigt, dass Kanadas größte Einwanderungsgruppe die Chinesen sind. Wenn man nach Essen sucht, ist gefühlt jeder zweite Laden ein Ramen- oder Asia-Noodles-Shop. Es gibt dazwischen aber Koreaner und Japaner (voll abwechslungsreich!). Wir haben dann mitten zwischen Reis, Nudeln und Jasmintee noch einen Inder gefunden. Ziemlich unscheinbar von außen, aber sehr nett von innen mit roten Lampions und kleinen Glaslampen über den Tischen. Die Bedienung war sehr nett und brachte uns einen „Pitcher“ kanadisches Bier, wobei das Glas im ersten Moment aussieht wie eine Kreuzung aus einer Vase und einem Pokal. Ein Pitcher entspricht ca 1,90 Litern. Es ist zwar nicht das klassische Getränk zum indischen Essen, aber das hat am späten Nachmittag dann auch niemanden mehr interessiert. Mein Freund war lediglich etwas schockiert über die Tatsache, dass er für Bier immer noch seinen Ausweis zeigen muss, die Bedienung wirkte aber selbst etwas peinlich berührt, nachdem sie gemerkt hat, dass er 32 Jahre alt ist.

20180519_012215
Wir sind noch ein paar Straßen hinunter spaziert und haben uns die einzelnen Shops angesehen, eigentlich auf der Suche nach einem Navigationsgerät, mussten dann aber aufgeben, da einfach alles in Kanada verdammt teuer ist. Zum Beispiel veganer Kuchen (den die Männer reingestopft haben, weil sie nichts anderes mehr im Café hatten) oder Regenjacken (mein Freund hat zum Glück eine reduzierte Jacke gefunden. Er war irgendwie der festen Überzeugung, dass er drei Monate in den USA ohne Jacke verbringen kann, beziehungsweise in einer alten Jacke ohne Kapuze, die er viel zu dick findet). Vielleicht ist das bisher die einzige Sache, auf die man sich festlegen kann: Kanada ist teuer und wenn man etwas Schnelles zu essen braucht, sollte man am besten einen Ausflug zu Fatburger machen. Oder nur zum Supermarkt gehen.

Über ein Kommentar würde ich mich freuen! Vielleicht habt ihr ja auch irgendein größeres Aquarium gesehen, was zu empfehlen ist?

Preise:
Vancouver Aquarium: 22$ Kind, 30$ Jugendliche & Studenten & Senioren, 39$ Erwachsene.
Website: http://www.vanaqua.org/

Tipps:
Der Inder in der Robson Street ist wirklich sehr gut und bietet ein Mittagsmenü für ca 9$ pro Person an.
Website „Taste of India“: http://www.a-taste-of-india.com/

4 Kommentare zu „Stanleypark – Ein Farbcocktail in Vancouver

  1. In Kanada war ich zuletzt 1980. An Vancouver habe ich nur noch rudimentäre Erinnerungen. Habe die Stadt damals als die schönste empfunden, die ich je erlebt habe. Habe in einer sehr großen Jugendherberge übernachtet, die in der Nähe des Meeres lag. Deine Schilderungen erwecken jetzt wieder Erinnerungen, wobei mir klar wird, dass ich den Stanley Park ebenfalls besucht hatte. Das war mir überhaupt nicht mehr bewusst. Insofern bin ich dir dankbar, dass du diese Lücke durch deine interessanten Ausführungen wieder schließen konntest. ich wünsche euch weiterhin einen tollen Aufenthalt in Canada und USA.

    Achim

    Gefällt mir

    1. Hallo Achim! Vielen Dank für deinen Beitrag, ich habe bisher keine Jugendherbergen in der Gegend ausprobiert, aber nur gute Erfahrungen in der Gegend gemacht, was Hotels angeht. Ich denke in der Stadt wurde auch einiges neu gemacht wegen den Olympischen Spielen 2010; es ist sehr modern aber trotzdem wirklich grün! Ich hoffe, du hast auch nochmal die Gelegenheit dorthin zu gehen! Das Aquarium kann ich auf jeden Fall empfehlen, es gibt dort wirklich viele Tiere, die ich vorher nirgendwo anders gesehen habe!

      Alles Liebe,
      Lilian

      Gefällt mir

  2. Huhu 🙂 ich komme leider jetzt erst zum lesen, klingt aber sehr aufregend was du da erlebst. Vancouver scheint eine sehr schöne Stadt zu sein, so wie du sie beschreibst. Ich würde auch gerne einmal in meinem Leben nach Kanada 😀

    Ach übrigens, Stefan sieht aus als würde er in einem UFO oder dergleichen sitzen xD 👾

    Liebe Grüße, Veri

    Gefällt mir

    1. Hey Veri,

      Vielen Dank fürs Kommentieren 😀 Ich fand Vancouver als Trip auch echt schön (aber es ist definitiv teuer dort!). Vllt schaffen wir es ja irgendwann nochmal zu zweit dorthin?!
      Ja du hast recht, er sieht echt aus, als würde er feststecken wie ein Astronaut 😀

      Alles Liebe und schlag dich gut mit der BA!!!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s