Schmuckstück Victoria

Drei –  Über Victoria Island, BH-Bars und Darth Vader

Da wir unser Apartment leider nur für zwei Tage mieten konnten, haben wir beschlossen, einen Tag auf Victoria Island zu verbringen. Victoria selbst ist die Hauptstadt von British Columbia und eigentlich nur mit dem Schiff erreichbar. Zum Hafen in Richtung Nanaimo, der ersten Stadt bei der Ankunft auf Victoria Island, muss man erstmal aus Vancouver heraus und an der Küche entlang fahren. Es gibt die Option, direkt aus Vancouver zu fahren, allerdings kostet die Fahrt aus der Stadt circa 200 Canadian Dollar mehr. Wenn man die zeitlich längere Strecke wählt, ist es allemal die Fahrt wert. Man sieht von der Straße über das Wasser und in die Whistler-Mountains und passiert eine Menge alleinstehende Häuser und natürlich auch einige Blocks. Nach circa 30 Minuten erreicht man dann die Einordnungsspuren nach Nanaimo, wo man in einer langen Schlange auf die Weiterfahrt wartet. Das Wetter lässt heute etwas zu wünschen übrig und man wird vollgetröpfelt, sobald man die Hand aus dem Fenster streckt. Abgesehen davon ist es schon eine ziemliche Ironie, wenn man bei Nieselregen und zwei Stunden Wartezeit auf das „Karma-Café“ zu seiner Rechten blickt, das lediglich aus einem lädierten Container besteht.
Ursprünglich hatten wir ja die Hoffnung, auf eine frühere Fähre zu gelangen, allerdings wurde unser Fahrstreifen durch ein Auto blockiert und der in khaki-gekleidete Officer daneben zuckte nur resigniert mit den Achseln, um uns anschließend mitzuteilen: „The driver’s been missing for the last two ferries. We don’t know where he is.“ Möglicherweise ist er im Karma-Café verloren gegangen, wer weiß. Auf derselben Spur sind auch mehrere Fahrradfahrer unterwegs, denen es in Kanada erlaubt ist, auf dem Standstreifen der Autobahnen zu fahren (etwas gruselig wenn man aus dem Fenster schaut und im ersten Moment denkt, sie hätten sich verirrt).
Irgendwann schaffen wir es dann doch noch aufs Schiff, das vollgestopft ist mit Schulklassen, Touristen und dem Bandwagen der „Wicked Campers“, auf dem fettgedruckt der Slogan: „Good girls get fat. Bad girls get eaten“, steht. Sie selbst sind allerdings nirgends zu sehen.

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Das Schiff bietet eine relativ große Auswahl an Essen, wobei niemand von uns wirklich Hunger hat. Mein Vater beschließt auf den letzten Metern der Schifffahrt noch das Nationalgericht „Poutine“ auszuprobieren. Und so kommt es, dass wir alle von dem Geruch vollgenebelt werden, der ein bisschen an ein Fastfoodrestaurant gekreuzt mit  Kino-Nachos erinnert. Das Essen besteht aus Pommes, Käse und Bratensoße und kann wahlweise mit Ketchup und Mayonnaise „geupdatet“ werden, damit es nicht zu „trocken“ ist. Nach dem Probiertest muss man sagen, dass es gar nicht so schlecht schmeckt, wenn man Käse, Ketchup und Mayonnaise weglässt (aber die Bratensoße ist gut!). Poutine wird hier übrigens klassisch zu allen Gerichten gegessen, meistens als Beilage. Man kann es aber auch zum Frühstück (?!) bestellen.

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Wenn man dann erstmal in Nanaimo ist, braucht man noch gute zwei Stunden nach Victoria. Die Stadt ist vor allem bekannt für ihre Lage, die Chinatown und das verhältnismäßig alte Stadtzentrum mit vielen Pubs und Bars. Unser Hotel für die Nacht liegt ein Stück außerhalb des Zentrums und gehört zu der Kette „Sandman Hotels“. Im unteren Gebäudeteil befindet sich der „Shark Club“ und da ich zu unserer Beschämung mitteilen muss, dass wir alle Sharknado B-Movies gesehen haben, beschließen wir, am Ende des Abends nochmal dort vorbeizugehen.

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Die Stadt erstreckt sich an der Küste der Insel entlang und bietet eine tolle Aussicht auf Berge, Schiffe und Wasserflugzeuge. Parken ist dort nicht ganz so einfach, allerdings finden wir am Hafen, neben einem Club namens „Flying Otter“, einen Parkplatz. Mein Vater überlegt eine Weile den Otter aufzumischen, indem er dort einen frittierten und flambierten Otter bestellt, der mit Fell und in Honigmarinade gegrillt werden sollte. Zum Glück können wir ihn davon abbringen, bevor wir vom Parkplatz geworfen werden und schaffen es in wenigen Minuten in die Innenstadt. Ein kurzer Abstecher in die Chinatown bringt einen in den Nebel von Räucherstäbchen und engen Gässchen mit Bambusgewächsen und Lampions.

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Orientalisch klingende Musik dringt aus den Lautsprechern, die über den Eingangstüren befestigt sind und auf den Bänken sitzen einige Männer, die Blockflöte spielen. Chinatown ist auch einer der Orte, die von den Einheimischen als „heimgesucht“ beschrieben wird, da man manchmal angeblich Geister sehen oder hören kann, die aus der frühen Zeit Victorias stammen, als es noch Spielhöllen und Opiumhöhlen in dem Stadtviertel gab. Besonders geisteranfällig ist dabei die „Fan Tan Alley“, in der einst ein Mann seine Freundin ermordete und dann die Gasse hinunter floh. Von der Stadt werden auch viele „Ghost Walks“ angeboten, da es viele Geistersichtungen gab, aber mit nur einem Abend ist für uns leider keine Tour mehr mit drin.

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Ursprünglich wollten wir ja dank einer Empfehlung direkt zum „Bad Johns Club“ laufen, allerdings bleiben meine Mutter und ich in einer uralten Bibliothek hängen und als wir wieder nach draußen treten, spielt ein als Darth Vader verkleideter Typ, Geige und wird von einer Oma angepöbelt, dass er nicht so einen „Shit“ sondern mal was „Richtiges“ spielen soll. Anschließend rennt besagte Oma zu meinem Freund und teilt auch ihm mit, dass da was gemacht werden muss und der Geiger unbedingt besser spielen soll (worauf Stefan ja echt Einfluss hat) und meint, dass sie sich da auskennen würde, weil sie selbst Geige spielt. Als Stefan ihr mitteilt, dass er nichts von ihrer Tirade versteht, schnaubt sie vor sich hin und dackelt davon. Dafür spielt Darth Vader fröhlich weiter.

Der „Bad Johns Club“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man nach Victoria reist. Ich habe schon einige Bars und Kneipen gesehen, aber dieser Ort strahlt die Abstürze sämtlicher Generationen und Nationen aus. Lasst euch nicht abschrecken – wenn man hineingeht, ist es erstmal ziemlich düster – sobald sich die Augen an das Licht gewöhnt haben, erkennt man von oben bis unten zugekritzelte Wände, kleine Tische und an der Decke hängen befestigte BHS mit Namen oder sonstigen Aufschriften darauf. Der gesamte Raum – und so groß ist er nicht- vermittelt die Trägheit, die man nach dem dritten Bier erlebt, gemischt mit der Wahrnehmung des Pegels, bei dem man der festen Überzeugung ist, mindestens elf Finger zu haben.

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Auch erinnert das Ganze an einen Westernsaloon durch die Holzwände und die Erdnüsse auf den Tischen und dem Boden. Das Bier ist sehr gut und sogar wenn man allein unterwegs wäre, würde es bestimmt nicht langweilig werden, weil man den Blick nicht von den Wänden um sich herum lassen kann. Einige der Aufschriften sind mir ein bisschen zu präsent im Kopf geblieben, wie: „Little D. is going to be a bride, so we take her out on one last ride!“ oder Feststellungen, wie „Cocaine is a hell of a drug!“ und dazwischen tiefgründige Fragen wie: „Hey! Do you like raisins?!“
Irgendwie ist man schon ein bisschen versucht, selbst etwas an die Wand zu kritzeln, aber es war dort, wo wir saßen, nur noch Platz neben „Joe loves bums!“ und das hätte ich etwas deplaziert gefunden.

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Essen gibt es in diesem Pub nicht, allerdings extistiert an der Hauptstrasse ein großartiger Irish Pub namens „Irish Times“. Sogar wenn man dort nichts essen oder trinken möchte, sollte man einmal darin gestanden haben, denn das Gebäude an sich hat seinen ganz eigenen Charme mit golden-verschnörkelten Lampenschirmen, Holzvertäfelungen und einer kleinen Eckbühne, auf der an diesem Abend irische Volksmusik gespielt wird. Die Stimmung ist schon beim Eintreten aufgedreht; die Leute klatschen und wenn du nicht mitmachst, wirst du auffordernd angetippt. Das Essen ist übrigens eines der besten, was wir seit langem hatten. Sie machen eine perfekte Guacamole, ein gutes Chashewhühnchen und auch einfache Gerichte wie Macaroni mit Käse.

Wir haben einen sehr schönen Abend mit Musik im Hintergrund, viel Gejohle und einem leicht angetrunkenen Opa, der mir beim Rausgehen die Schulter tätschelt: „You’re a pretty little thing!“ sagt und davon spaziert. Ich muss über die Aussage wirklich lachen, weil „little“ für meine 1,75m wirklich die Untertreibung überhaupt ist. Vor allem, weil die kanadischen Frauen im Durchschnitt um die 10 bis 15 Zentimeter kleiner und überall in der Bar präsent, sind. Auf dem Rückweg zum Flying Otter haben wir noch einen schönen Sonnenuntergang, der sich orange auf dem Wasser spiegelt und sich in dem Farbton bis zu unserem Hotel hält. Wir setzen uns in den Shark Club, wo eine asiatische Familie Hochzeit feiert und wir zum ersten Mal ein Getränk namens „Mexican Bulldog“ trinken, das aus Sekt, Tequila und Corona besteht. Mit etwas wie dem schläft man am Abend umso besser, egal wie laut die Party im unteren Stockwerk wütet. (Ich muss ja nicht erwähnen, dass wir wieder unsere Ausweise zeigen mussten, oder? Stefan wird langsam etwas frustriert :D).

Ich würde zu gerne auf einen „Ghost Walk“ gehen. War von euch schon mal jemand auf einem, den er empfehlen kann?

Tipps:
Die Parksituation in Victoria ist nicht einfach. Es gibt in der Innenstadt zwar Parkhäuser (diese sind aber klein und schnell voll) und Parkbuchten, die sind allerdings auf eine Stunde begrenzt. Parkt am besten direkt unten am Hafen und lauft nach oben in die Stadt! Die Plätze unten bieten eine längere Aufenthaltsdauer und werden nur nicht so oft benutzt, weil sie von oben schnell übersehen werden.

 

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