Tiramisu-Tour – Sechs Stunden im Jeep

Sieben – Über Nipple Mountain, den Mars und die Kreativität von Namensgebung

Für Personen, die sich schon immer dem Wilden Westen näher fühlen wollten, ist die Umgebung vom Bryce Canyon vermutlich ein wahr gewordener Traum. Wir schlafen eine Nacht in einem Hotel außerhalb, bei dem die Häuser aussehen wie Westernbars  und die Namen tragen, wie „Wrangler“, „Horse“ und „Saloon“. Die Zimmer in den Hotels und Motels sind übrigens immer sehr weitläufig geschnitten; für uns Deutsche ist es nur etwas irritierend, wenn die Zimmer „Twin Beds“ (also zwei Betten) haben. Das liegt scheinbar daran, dass es so gut wie nie Apartments zu mieten gibt, sondern die meisten Familien ein Zimmer zusammennehmen. Der nächste Nationalpark neben dem Bryce Canyon ist der Capitol Reef Nationalpark, der weit weniger von Touristen belagert wird. Das könnte mit der Tatsache zusammenhängen, das der Park größer und weniger gut befahrbar ist. Die Straßen sind nicht geteert und ohne ein geländetaugliches Auto sollte man sich nicht in die Gegend verirren. Die Straßen werden von den Rangern in der Umgebung gewartet und kontrolliert, weshalb man wohl auch einen Blick auf die Schilder am Parkeingang, mit all ihren Warnhinweisen, werfen sollte. Wir haben im Voraus eine 6-stündige Jeeptour gebucht, die von einem kleinen Unternehmen ab diesem Jahr angeboten wird. Sie holen uns direkt am Capitol Reef Resort ab und da wir sechs Personen sind, brauchen wir zwei Jeeps. Unsere Tourguides und Fahrer haben beide übrigens außergewöhnliche Namen; Skylar und Rockwood – sie klingen allerdings immer noch ziemlich normal als Skylar mitteilt, dass er einen Bruder namens „Canyon“ hat. Auf unsere irritierten Blicke hin zuckt er die Achseln: „Meine Mutter war kreativ.“
„Immerhin kannst du von dir sagen, dass du einen Canyon in der Familie hast.“
Er schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen an: „Warum sollte man das wollen?!“

Wenn man mal davon absieht, dass Rockwood mehrere gebrochene Finger hat, während er den Jeep fährt, ist die ganze Fahrt natürlich auf Sicherheit ausgelegt; schließlich wurden sogar Kühlboxen voller Bier angeschnallt. Wer vorher noch nie Jeep gefahren ist, sollte sich auf eine Menge Geruckel einstellen und wird am Ende einige Schritte mehr auf seinem Schrittzähler haben, ohne je seine Beine in Bewegung gesetzt zu haben (damit will ich jetzt niemanden, der einen Step-Tracker benutzt, dazu animieren einfach mehr Auto zu fahren…).

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Obwohl die Nationalparks nicht weit voneinander entfernt sind, haben sie völlig unterschiedliche Steinformationen und Farben. Man nennt die Gegend zwar „Red Canyons“ Areal, aber während Bryce in rot und orange strahlt, ist Capitol Reef eine Mischung aus grau, rot, orange, weiß und ja, teilweise sogar violett. Man kommt sich vor, als wäre man irgendwo auf dem Mars ausgesetzt worden und völlig auf sich allein gestellt. Ich bin ziemlich sicher, dass irgendwo in dieser Gegend auch der riesige Wurm aus „Dune – Der Wüstenplanet“ wohnt…

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Wir sehen auch nicht allzu viele andere Autos im Park, was erstens vielleicht daran liegt, dass das Wetter nicht ganz so mitspielt, wie wir es uns vorgestellt haben, zweitens ist die Gegend ziemlich unübersichtlich und wenn man kein Fahrzeug hat, das durch Bäche fahren kann, sollte man es vermutlich lieber lassen. Wir erfahren auf jeden Fall viel über die Umgebung durch unsere Fahrer und stoppen zuerst bei einem Canyon, wo wir etwas über Goosenecks lernen. Goosenecks sind die nach rechts geprägten Kurven in den Canyons, die durch ehemalige Flüsse entstanden sind und durch das Wasser geformt wurden. Durch sie sehen die einzelnen Gesteinsschichten noch mehr danach aus, als wären sie aufeinander gestapelt worden. Der älteste Stein, Sandstein, ist dabei 280 Millionen Jahre alt.

IMG_0310Wir stoppen auch bei einem kleinen Mormonenhaus, das 1882 von einem Siedler namens Elijah Cutler Behunin gebaut wurde und seitdem Behunin Cabin genannt wird. Das Haus hat nur einen einzigen Raum, in dem die Familie mit 11 Kindern gelebt hat (vermutlich in gestapeltem Format). Sie zogen damals aber bereits nach einem Jahr wieder aus, da die Gegend zu isoliert und von der Flut gefährdet war. Die Familie ging danach in ein Dorf namens Fruita. Die Besonderheit hierbei ist, dass bei diesem Dorf seit damaliger Gründung die Regel gilt, dass alle Früchte, die auf dem Dorfgelände wachsen, kostenlos konsumiert werden dürfen (allerdings darf man sie nicht mitnehmen).
Skylar erklärt uns zudem, dass die Schilder in Fruita und im Canyon zum größten Teil falsch ausgezeichnet wurden und die Leute hier allgemein in der Namensgebung von Orten nicht sonderlich kreativ sind. So gibt es zum Beispiel eine Stadt namens Blank, weil ihnen einfach kein Name eingefallen ist und einen Ort namens No Tom, weil die Personen im Ort beschlossen haben, dass der Ort nicht nach jemandem benannt werden soll, der dort schon wohnt. Scheinbar war Tom nicht im Ort vertreten.

Amerika 2 122Mit den Jeeps holpert man von dem Eingang des Parks ein gutes Stück in die Mitte, damit man näher zu den Attraktionen gelangt. Am bekanntesten ist dabei der Temple of the sun und der Temple of the moon. Falls ihr schon einmal in Mexiko wart, könnten euch diese Namensgebungen schon bekannt sein, denn sie wurden auch für die aztekischen Tempelanlagen benutzt. Der Sonnentempel ist dabei übrigens immer der Größere der beiden. Anfassen darf man die Attraktionen aber nicht mehr, da die Ranger eine zu hohe Einsturzgefahr darin sehen. Die Tatsache, dass das Material so bröcklig ist, ist auch der Grund, warum in der Umgebung keine Gebäude mit dem Stein gebaut werden – er ist zu instabil und zu bröselig in der Bearbeitung. Auch in früheren Zeiten wurde er nicht dafür verwendet; die ersten Einwohner haben ihn aber zum Teil zur Herstellung von Farben benutzt und einige Zeichnungen auf den Stein gemalt. Die Forscher in der Gegend sind deshalb immer wieder mit Freilegungen von Skizzen beschäftigt, wobei der Großteil von ihnen sich eher mit den Mineralablagerungen im Stein befasst. Die Ranger der Umgebung haben dafür eine Menge mit der Entfernung von touristischen Skizzen an den Wänden zu tun, die die Leute selbst natürlich als uralt betiteln. 

Amerika 2 131Neben den Tempeln befindet sich ein weiterer, kleinerer Berg; für uns definitiv die eigentliche Hauptattraktion. Der Glass-Mountain ist ein Hügel bestehend aus Glasscherben, die aufeinandergestapelt in die Höhe ragen und in den unterschiedlichsten Farben schimmern. Wenn irgendetwas nicht so aussieht, als wäre es von dieser Welt, dann ist es wohl dieser Berg (Skylar erwähnte übrigens, dass in dieser Gegend besonders viel Alienforschung betrieben wird – es schien nie glaubwürdiger als hier). Das Seltsamste daran ist, dass bisher nie geklärt wurde, wie Glass Mountain entstand und er ist auch der einzige Berg im Tal, der Glas aufweist.

Amerika 2 114Weiter im Park fährt man vorbei an vielen Felsformationen, die alle ihren eigenen Namen, wie beispielsweise Nipple Mountain haben und passiert tiefliegende Täler und die unterschiedlichsten Pflanzen. Wasserstellen gibt es kaum welche und auch Hoodoos sind selten – vermutlich wegen der Zusammensetzung des Steins. Tiere sehen wir auch nicht viele; es gibt einige Rinder und Vögel, ansonsten ist die Gegend aber hauptsächlich bekannt für Schlangen (sehr beruhigend…).

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Wir sehen kurz vor dem Ende der Tour noch eine große Aussichtsplattform bei der man weit über den Canyon blickt; allerdings ist er so gigantisch, dass man vermutlich nie alles sieht. Auf dem Rückweg befindet sich auch einer der verrücktesten Aussichtspunkte bisher – eine Art Marslandschaft mit runden Hügeln, die man nur bei gutem Wetter befahren kann. Die Berge sehen aus als wären sie mit Kakaopulver bepudert worden und erinnern mich an Tiramisu. Sie wirken auch dann noch unecht, wenn man neben ihnen steht.

IMG_0330Im Tal vor der Ausfahrt steht zudem noch ein riesiger, verrosteter Truck mit einer großen Bohrmaschine auf dem Anhänger. Wie es scheint, haben die damaligen Arbeiter ihren schicken, neuen Truck hinausgefahren, um an einer Stelle ein Loch für Wasser zu bohren, den Truck dann aber an der falschen Stelle abgestellt, sodass er sich quasi selbst versenkt hat. Die Bergung war unmöglich und die Wut groß, aber seitdem kommen die Rinder immer wieder zu ihrem nicht ganz fertigen Trog zurück. 

Wenn man nach sechs Stunden im Jeep wieder auf seinen eigenen Füßen steht, ist man ziemlich gerädert. Ich muss aber auch sagen, dass man eine Menge Eindrücke gesammelt hat und dieser Nationalpark einer der Orte war, an dem man außerhalb jeglicher Zeit existiert.

Was war der beeindruckendste Ort, an dem ihr bisher wart?

 

Preise:
Jeep-Tour: 180 $ pro Person (für 6 Stunden). Es werden auch kürzere Touren angeboten.
Website: https://capitolreefresort.com/safari-jeep-tours/

Tipps:
1) Es gibt auch Pfade die man in dem Park laufen kann, aufgrund der Tatsache, dass wir nur einen Tag in der Gegend hatten, haben wir uns für die Tour entschieden.
2) Fahrt nicht selbst in den Park. Die Ausschilderung ist wirklich ein Chaos und von vielen Straßen weiß man nicht, wie weit man kommt. Die Jeeptour war wirklich die beste Lösung für uns.
3) Wenn ihr ein gutes Restaurant oder Diner in der Umgebung sucht – Das Capitol Reef Inn and Café ist großartig und die Preise sind nicht zu hoch.

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