Küstenflair – Unterwegs auf Highway 101

Zwölf – Über die Tillamook Cheese Factory, die Leuchtturmküste und den Safari Park

Wenn man in den Reiseführern über die Küstengegend liest, ist die meistgenannte davon wohl die Ostküste mit großen Städten wie Boston, Portland und New York oder der Streifen der Westküste zwischen San Francisco und Los Angeles. Wer hätte gedacht, dass die eigentlich positivste Überraschung die Küste von Oregon ist? Wenn man den Scenic Highway entlang fährt, gelangt man über die Route 101 zu einigen der schönsten Sandstrände, Schluchten und dschungelartigen Wäldern mit Parkanlagen.

IMG-20180616-WA0021

Wir starten von Portland aus in Richtung Tillamook, wo eine der bekanntesten Käsesorten im ganzen Land in der „Tillamook Cheese Factory“ produziert wird. Leider ist die Käsefabrik zu unserem Besuch gerade geschlossen, da das Hauptgebäude umgebaut wird und die Eröffnung erst in einigen Tagen stattfindet, dafür kann man im angrenzenden Farmshop eine Tour zur Begrüßung machen, sich einige Eckdaten zur Produktion und der Verarbeitung einholen und Käsesorten testen und erwerben. Man erfährt zum Beispiel, dass die Milch nach Lieferung zur Fabrik innerhalb von 24 Stunden zu Eiscreme oder Käse verarbeitet wird, insgesamt macht das am Tag über 77 000 Kilo Käse. Außerdem kann man das selbstgemachte Eis kaufen und auch wenn das nicht allzu billig ist – die Portionen sind groß genug für ein ganzes Mittagessen (und ich hatte nur eine Kugel davon!).
An der Küste entlang gibt es mehrere „State Parks“, an denen man hinausfahren und den Strand ablaufen kann. Es gibt auch einige Aussichtspunkte für „Whale-Watching“ und wenn man Glück hat, sieht man, wie sie das Wasser in weiter Ferne durchpflügen und dann wieder so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Hin und wieder entdeckt man auch Krabben, die am Strand unterwegs sind (oder es zumindest einmal waren) und man kann immer ein paar Ruderer und Schwimmer ausmachen, auch wenn das Wasser noch nicht besonders warm ist. Oregons Küste ist vor allem für seine vielen Küstenstädtchen und seine Leuchttürme bekannt.

IMG_0502

Insgesamt acht Stück reihen sich an der Küste entlang und stehen zum Teil auf Klippen, zum Teil auf Landzungen, die sich weit ins Meer erstrecken. Einige von ihnen kann man für Touren besuchen, zum Beispiel das Coquille Lighthouse in Bandon. Es wurde 1896 gebaut und ist der letzte Leuchtturm, der auf die Liste der historischen Plätze aufgenommen und restauriert wurde. Egal welchen Leuchtturm oder welchen Strand ihr zum Rausfahren wählt – alle von ihnen sind naturbelassen, nicht zugebaut und ein guter Ausgleich zu langen Fahrzeiten im Auto. Solange man dabei nicht die Zeit vergisst…

IMG_0449
Als Stop in der Mitte ist Cape Perpetua mit dem „Thor’s Well“ zu empfehlen. Wenn man erstmal Städtchen wie Newport, Pacific City und Yachats hinter sich gelassen hat, ist es gar nicht mehr so weit. Es handelt sich bei Perpetua um eine raue und kantige Küstengegend, bei der das Wasser in Höhlen und Klippen gespült und durch den Widerstand hoch in die Luft gesprüht wird. Wenn es sich zurückzieht, werden die einzelnen Felsen sichtbar, ansonsten wirkt die Gischt unter einem wie ein brodelnder Hexentopf. Eins steht fest: Mit trockenen Schuhen aus dem Gebiet zu kommen, ist so gut wie unmöglich. Wenn ihr trocken bleiben möchtet, könnt ihr auch von oben auf die kraterartige Landschaft mit hellgrünen Moos, Tümpeln und dunklem Stein hinunterschauen.

IMG-20180616-WA0030

Auch wenn man nirgendwo stoppen will, gibt die Küste beim Fahren hunderte unterschiedliche Aussichtspunkte her – seien es die Felsen im Wasser, die berühmten Sanddünen je weiter man in Richtung Süden fährt oder die Brücken, die seit den 30ern die direkte Fahrt entlang der Küste überhaupt ermöglichen. Designt wurden sie zum größten Teil von Conde McCullough, der damals für das „Department of Transportation“ in Oregon als Ingeneur arbeitete und insgesamt half, über 600 Brücken zu entwerfen. Mit der Aussicht auf die Natur und die Brücken, ist jedenfalls absolut berechtigt, dass der Highway 101 zu den schönsten Routen der Welt gehört.

IMG-20180616-WA0028

Einen Ausflug möchte ich noch erwähnen – in Bandon gibt es den „Wildlife Safari Park“, in dem man die unterschiedlichen Tiere streicheln kann. Irgendwie waren Stefan und ich überzeugt, dass es sich bei einem Safaripark um etwas handelt, wo man mit dem Auto durchfährt. Stattdessen ist man zu Fuß unterwegs und bekommt Snacks für die Tiere in die Hand, wenn man sie füttern möchte. Es ist ein ziemlich seltsamer Augenblick, wenn man den Eingangsbereich durchschreitet und eine Tür öffnet, hinter der ein großes Reh mit abwartenden Kulleraugen und Bambifell steht, das gezielt auf seine nächste Mahlzeit wartet. Hat man einmal die Hand ausgestreckt, kommt eine ganze Herde von ihnen angerannt und mit ihnen Esel, Ziegen und Böcke. Bis man sich irgendwann im Schneckentempo durch das Gehege bewegt hat und bei Truthähnen, Straussen und Gänsen herauskommt, vergeht eine Weile. Der Park ist nicht besonders groß, was Stefan und ich für die Tiere etwas bedauern, aber immerhin sind die Gehege alle sehr sauber und die Tiere können sie hin und wieder wechseln. Alle 15 bis 30 Minuten werden kleine Vorführungen oder Infoveranstaltungen zu Tieren gegeben, wobei man die meisten von ihnen streicheln kann. Auch wenn mir nicht ganz wohl dabei ist, einen Luchs zu tätscheln, der einen mit großen, gelben Augen beobachtet, ist eine eine ziemlich einzigartige Vorführung. Allerdings ist wesentlich einfacher, ein Opossum auf dem Arm zu haben, einen Fuchs zu streicheln oder ein Frettchen zu berühren – wobei letztere extrem hektisch sind und in absolut alles hineinkriechen, was sich in ihrer Nähe befindet – vielleicht nicht ganz ideal, wenn man einen Ausschnitt hat! Aber für jemanden, der Bambi als Kind geliebt hat und Tiere allgemein gerne betätschelt, ein klares Muss.

Was ist eure Lieblingsküste?

Preise:
Wildlife Safari Park Bandon: Kind 9$ (bis 6), Kind 12$ (bis 12), Senioren 17$, Erwachsene 19$
Website: http://www.westcoastgameparksafari.com/

Tipp:
Plant für die Runterfahrt an der Küste Oregons zwei Tage ein – alles an einem Tag zu fahren, ist ein ziemliches Programm und es gibt so viel zu sehen, dass ihr bestimmt keinen Stress dabei haben möchtet.

2 Kommentare zu „Küstenflair – Unterwegs auf Highway 101

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s