Zwischen den Elementen

Vierzehn – Über die Burney Falls, Lassen Volcanic Park und Bären in zu naher Nähe

Nach unserem Küstentrip haben wir eine Nacht in Redding geschlafen. Es ist eine langgezogene Stadt mitten im Nirgendwo, mit einer unglaublichen Hitze, die vom Boden aufsteigt. Wir haben Glück, dass unser Airbnb einigermaßen klimatisiert ist und der nächste Supermarkt nicht allzu weit entfernt, sodass man sich nicht lange mit den Temperaturen herumschlagen muss. In Redding liegt übrigens der sogenannte „Turtle Bay Exploration Park“, bei dem man Tiere (zum Beispiel Papageien und Schmetterlinge), einen botanischen Garten und einen Baumpark sehen kann. Wir sind auch einmal über die Sundial Bridge gelaufen, die von dem spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava designt wurde, an einen Haifisch erinnert und letztendlich 24 Millionen Dollar gekostet hat. Der Boden ist in 200 Tonnen Glas gefasst und man bekommt in der Mitte einen weiten Blick auf den Sacramento River und einen Typen, der „extracool“ Jetski fährt.

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So weit man auch fährt, die Hitze von Redding hält sich beträchtlich lange und kann nach einiger Zeit ziemlich frustrierend sein. Als wir aus der Stadt wegfahren, hat es 40 Grad und wir sind erleichtert, dass es zumindest ein paar Grad kühler am MCArthur Burney Falls State Park ist, der weiter oben in den Bergen liegt und an dem sich mehrere Rangerkinder für ihren täglichen Marsch versammelt haben. Als Stefan im Lederhut an ihnen vorbei marschiert, reißt ein kleiner Junge begeistert den Mund auf und zeigt auf ihn: „Look! He has muscles! He must be a ranger!“
Da sich die eigentlichen Teamleader aber bei der Gruppe versammeln, verlieren wir die Kids relativ schnell aus den Augen und machen uns auf den Weg zu den Burney Wasserfällen. Wir sind uns übrigens einig, dass es sich bei diesen Wasserfällen um die Schönsten handelt, die wir bisher gesehen haben und das hat sicherlich mehrere Gründe.

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Erstens sind sie beeindruckende 40 m hoch und halbkreisförmig und versprühen in die Hitze zumindest einen kleinen Teil ihres Wassers. Zweitens ist das Wasser unwahrscheinlich klar und schwankt zwischen einem tiefen Blau und Türkis hin und her. Und drittens sind es die ersten Wasserfälle, bei denen man nah am Ufer sitzen und die Füße hineinhalten kann. Obwohl es einige auch schon wagen, darin zu schwimmen (mir persönlich kommt es etwas zu kalt vor, aber der Sprühregen ist trotzdem eine angenehme Überraschung. Zu dem Zeitpunkt, wo wir da waren, lag die Temperatur gerade einmal bei 12 Grad). Wir haben Glück bei so gutem Wetter unterwegs zu sein, denn über uns funkelt die Wasserwand und durch die Sonnenstrahlen gibt es allerlei Lichtreflexe auf Wegen und Wänden. Wir folgen dem Fluss circa 20 Minuten entlang, bis wir über eine geschwungene Holztreppe höher in die Berge gelangen und einen Pfad um die gesamten Wasserfälle laufen. Schwer vorstellbar, dass sie vor drei Millionen Jahren mal an einem Ort weiter unten im Tal gewesen sein sollen, so ursprünglich wie sie sich jetzt in den Felswand nesteln. Das Rauschen beim Wandern ist laut, aber eine angenehme Begleitmusik, wenn man an einer der vielen Bänke stehen bleibt, die auf dem Weg aufgestellt wurden und Zitat- oder Namensaufschriften tragen.

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Es ist der ideale Ort um ein Picknick zu machen oder ein Buch zu lesen, solange der Sprühregen nicht zu weit entfernt ist. Wir holen uns im Laden am Parkplatz eine Flasche Eistee und ein paar Snacks und beobachten während des Essens einige träge Eichhörnchen, die durch die Prärie streifen. Danach fahren wir zum circa 40 Minuten entfernten Lassen Volcanic National Park, in dem es Seen, Berge und Geysire zu bewundern gibt und der sich über ein Gebiet von 429 km² erstreckt.  Da wir vom Norden hineinfahren, ist unsere erste Sicht der Manzanita Lake; eine spiegelglatte Fläche mit einigen Ruderbooten darauf. Über den See hinweg und zwischen den Baumgipfeln hindurch, erkennt man dann den Berg Lassen Peak, der durch seine Spitze wie ein Bilderbuchvulkan in den Himmel ragt.

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Es liegt auch immer noch Schnee in den höheren Gebieten und die Luft kühlt während unserer Serpentinenfahrt deutlich ab. Es gibt viele Pfade, die man hoch zu den Berggipfeln nehmen kann, aber wir beschränken und auf die Punkte, die an der Strecke liegen. Zum Beispiel den „Opal-“ und den „Emerald Lake“, die sich durch ihre starken, blauen und grünen Farben deutlich von dem Schnee und unseren kurzen Hosen abheben. Es ist auf jeden Fall eine sehr unwirkliche Sicht mit den Bergen im Hintergrund und kleineren Geysiren, die ihre Rauchfahnen in die Luft puffen.

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Man kann man bei einigen dieser Geysire direkt mit dem Auto halten. Zum Teil brodeln sie wild vor sich hin und stinken höllisch nach Schwefel. Man fragt sich dabei wirklich, wie die Tiere in dieser Gegend überhaupt überleben können, aber offensichtlich gibt es hier die Pika-Maus, Elche, Rehe und auch Bären. Wir übernachten in der rustikalen St Bernhard Lodge, einem Holzhaus mit vielen Querverstrebungen, bunten Vorhängen und einer sehr amerikanischen und gemütlichen Atmosphäre. Den Tag vor der Anreise meldet man sich für das Abendessen an und da wir den ganzen Tag nur durch die Gegend gefahren sind, stehen wir kurz vorm Verhungern. Das Essen ist traumhaft! Auch wenn man keine Zeit zum Übernachten hat, sollte man für Frühstück, Mittagessen oder Abendessen hineinschneien. Es gibt selbstgebackenes Brot oder Croissants als Starter, Salat und mehrere Hauptgerichte, wie zum Beispiel überbackene Kartoffeln mit Pilzen oder Hackbraten mit Kartoffelpüree – im Großen und Ganzen amerikanische Küche, aber sehr liebevoll zubereitet und in essbaren Portionen. Natürlich kann man zum Abschluss auch noch ein Eis bestellen! Abgesehen vom Essen und der Lage, hat die Lodge aber noch einen weiteren, großen Pluspunkt: Im Barbereich steht ein Retro-Pacmanautomat, auf dem man allein oder zu zweit mehrere Runden spielen kann, je nachdem, wie viel Geld man einwirft. Man merkt auf jeden Fall nicht, wie die Zeit vergeht, sondern nur, wie die Münzen ausgehen, aber es ist eine super Beschäftigung mit einem Bier nebendran und ein paar 25er-Münzen in der Tasche.

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Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück mit Omelett und gerösteten Kartoffeln machen wir uns auf zu den Devil`s Kitchen Geysiren. Sie liegen abgeschieden in einem Waldstück des Parks und sind nur über eine unbefestigte Straße und eine längere Wandertour zu erreichen. Als wir auf dem Parkgelände ankommen, hat sich eine schaulustige Menge versammelt, um einen Hubschrauber und mehrere Feuerwehrautos bei dem Gästeresort „Drakes Ranch“ zu beobachten. Was wirklich passiert ist, weiß eigentlich niemand. Ein paar Leute behaupten, dass ein Touristenpaar vom Weg abgekommen wäre und von einem Bären angegriffen wurde, aber es kann sich auch nur um Spekulationen handeln. Wir beschließen, uns nicht von der Sache abbringen zu lassen und machen uns auf den Weg. Über Holzplanken, die über Sumpf und durch hohes Gras führen, gelangt man auf eine Ebene mit weitem Blick auf die Berge und das Steppengras darum herum.

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Danach komm ein längerer Abschnitt durch ein Waldgebiet, das einen, trotz des Schattens, nicht sonderlich vor der Hitze rettet und sich stetig steil durch den Park zieht. Es gibt übrigens mehrere Abbiegungen vom Weg, die man nehmen kann, seien es die zur Ranch oder zu den Seen und Bergen in der Nähe. Devil`s Kitchen liegt am Endpunkt der Pfade und ist ein ausgedörrtes, ziemlich freiliegendes Land, in dem Geysire vor sich hinbrodeln und Dampf in die Luft puffen. Im Endeffekt ist das Überraschendste aber die Farbe der Bäche, die man nicht berühren darf (es würde zu Verätzungen, wenn nicht Schlimmerem führen) und die durch die Mineralien in ein seltsames blau-grau getaucht werden.

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Auf dem Weg zurück, stolpern wir fast in eine zusammengerückte Menschenmenge, die ihre Fotoapparate gezückt hat und deren Gesichtsausdrücke zwischen fasziniert und panisch hin und her schwanken. Beunruhigend, wenn ihr Blick dabei in deine Richtung geht. Noch beunruhigender, wenn du auf einmal feststellst, dass keine zehn Meter neben dir ein Bär durch den Wald stapft und in Seelenruhe mehrere Baumstämme auf Futtersuche auseinander nimmt.  Der Bär ist zwar nicht sonderlich groß, aber definitiv groß genug, um dich umzulegen, auch wenn er im Moment nicht so wirkt, als wäre das sein primäres Ziel. Wie wir durch die Menge erfahren, heißt diese Art Bär „California Golden Bear“ und durch seine Größe und Farbe hat er tatsächlich etwas von dem gelben Gummibärchen aus der Haribopackung. Immerhin können wir behaupten, dass wir auf unserem Trip einen Elch gesehen haben und einen Bären, sowie einen Helikopter! Mit so viel Action hatten wir gar nicht gerechnet. Insgesamt hat der Trip übrigens um die zweieinhalb Stunden gedauert. Ich würde ihn nicht nochmal in der Hitze laufen, aber morgens ist es bestimmt schön und man kann fürs Mittagessen bei der Ranch einkehren.
Wenn man zudem nach etwas Besonderem auf der Suche ist, sollte man eventuell im August zum Lassen Dark Sky Festival kommen, das Wanderungen, Diskussionen mit NASA-Mitgliedern und Vorträge zur Sonnenbeobachtung von Astronomen umfasst. Oder man kommt einfach nur um einige der Phänomene zu sehen, die die Milchstraße sichtbar werden lassen.

 

Welchen Park oder Nationalpark könnt ihr empfehlen?

Preise:
1) Redding Turtle Bay Exploration Park: 16$ Erwachsene, Kinder 12$, Senioren 12$
Website: https://www.turtlebay.org/
2) McArthur Burney Falls State Park: 8$
Website: https://camprrm.com/parks/mcarthur-burney-falls-state-park/
3) Eintritt in den Lassen Volcanic Park (ohne Pass): 25$ (pro Auto)
Website: https://www.nps.gov/lavo/index.htm

Tipps:
Die Lodge war ein wirklich schöner Endpunkt vom langen Tag. Ich verlinke deshalb noch einmal die Website hier: https://www.stbernardlodge.com/.

2 Kommentare zu „Zwischen den Elementen

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