Cross Country: Kalifornien bis Wyoming

Sechzehn – Über den 4.Juli, Idaho Falls und den Grand Teton National Park

Für den 4.Juli haben wir beschlossen, ein paar Tage nach Idaho zurückzufahren. Erstens ist man nach vier Wochen „on the road“ mit einem unterschiedlichen Ziel für jede Nacht ziemlich gerädert. Zweitens ist der 4.Juli vermutlich einer der teuersten Tage im ganzen Jahr, was Übernachtungsmöglichkeiten angeht. Wir sind ein Stück den Highway 101 hinaufgetingelt, um in einem Weingut zu stoppen und den Küstenort Mendocino zu sehen, der unglaublich idyllisch auf Klippen thront. Er hat viele uralte Häuschen mit verschnörkelten Veranden, ausgebaute Wassertürme und kleine Restaurants, über denen Möwen kreisen und wo man auf Dachterrassen sitzen kann.

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Anschließend haben wir den angeblich schnellsten Weg durch die Shasta Trinity Mountains  gewählt und falls ihr das jemals geplant hattet – TUT ES NICHT. Ich hatte das schlimmste Beifahrererlebnis aller Zeiten mit drei Stunden Serpentinen, schlechten Straßen, Asphalt-Absenkungen und konfusem Licht. Nach einer Stunde war mir so schlecht, dass wir sicherheitshalber im Nichts anhalten mussten. Glücklicherweise war der Rest der Strecke dann um einiges machbarer, wenn auch ziemlich trocken.
Eine interessante Station auf dem Weg nach Boise ist außerdem der Lake Abert in Orgeon; ein Alkalisee umrundet von Bergen und mit viel Schilfgras. Lange durch die Gegend würde ich dort aber nicht laufen, da es unglaublich nach Fisch und Salz stinkt (der Geruch davon hat sich sogar danach noch einen Tag im Auto gehalten). Den Unabhängigkeitstag haben wir dann in Idaho City verbracht. Morgens zieht eine Parade mit mehreren Pferden und Wagen durch den Ort, an einigen Stellen wird Mittagessen angeboten und am Abend versammelt man sich auf dem örtlichen Fußballfeld für ein Feuerwerk.

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Ich muss allerdings dazu sagen, dass wir uns davor mit Barbecue vollgestopft hatten, denn es dauert eine Weile bis es dunkel wird und die Feuerwehr mit dem Zünden beginnt. Die paar Tage im Inland sind auf jeden Fall eine gute Verschnaufspause bis wir spontan Konzerttickets kaufen und dafür nach Cincinnati in Ohio aufbrechen müssen. Zum Glück haben wir Zeit, ein paar Ziele auf dem Weg mitzunehmen. Die erste Überraschung auf der Strecke ist Idaho Falls. Circa vier Stunden von Boise entfernt erstreckt sich ein überraschend hübsches Städtchen in der Wüste mit Grünanlagen und einem Fluss, der durchs Zentrum läuft. Wer den Stadtnamen gelesen hat, kann sich jetzt auch denken, dass besagter Fluss wirklich einen Wasserfall enthält. Es gibt eine lange Wasserfallfront entlang der westlichen Stadthälfte und man kann durch einen schick angelegten Park spazieren und die Wasserfälle begutachten.

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Besonders schön ist die Szenerie bei Sonnenuntergang, weil nicht mehr zu viele Personen unterwegs sind und man genug Raum hat, um ans Ufer zu gehen. Auf dem Weg kann man sich einen „Slushy“ holen, das absolut künstlichste Eisgetränk der Welt in Geschmackssorten wie „Tropical Sunshine“ (vielleicht hätte der Name mir Warnung genug sein sollen, aber bei circa 35 Grad in der Sonne war das meinem Gewissen reichlich egal… zumindest bis ich das leuchtend rote Getränk dann im Becher überreicht bekam).

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Stefan und ich sind dann ein weiteres Stück dem Fluss gefolgt, bis wir vor einem schön angelegten japanischem Garten stehen mit moosüberzogenen Flächen, kleinen Bächen und Brunnen und Holzpavillions. Von hohen Steinvorsprüngen und Brücken kann man auf den Fluss unter sich sehen. Und wie in allen Ländern der Welt, entdeckt man auch hier gebräunte Typen in Badehosen, die sich unter den Brücken entlang hangeln. Der Garten wurde zur Freundschaft mit Japan errichtet und es ist erstaunlich, wie viele Menschen auch abends noch darin unterwegs sind und Fotos machen. Im Hintergrund sieht man den leuchtend orange-weißen Wasserturm der Stadt und gelangt durch den Park nach Downtown. Bei der Hitze und nach meinem fabulös-klebrigen Slushy, machen wir einen Stop in einem Irish Pub, um mit etwas weniger „tropischem“ zu kontern.

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Der Pub spielt alte Musikvideos ab, hat eine Bar vollgestopft mit den unterschiedlichsten Getränken und einem gotischen Flair mit gebogenen Deckenbalken und getönten Fensterscheiben. Abgesehen davon gibt es dreifarbigen Käsekuchen, der zum Niederknien i(s)st. Falls ihr die Zeit habt, ist die Stadt auf jeden Fall ein schöner Stopp in Richtung Yellowstone Nationalpark.

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Wir packen am Tag darauf unsere Sachen zusammen und planen unseren Trip zum Grand Teton Nationalpark. Zur Orientierung: Grand Teton ist ein eigener Park südlich von Yellowstone, grenzt aber an diesen an. Es gibt nicht besonders viele Orte in der Gegend, wo man übernachten kann – am bekanntesten ist mit Sicherheit die Westernstadt Jackson Hole, deren Innenstadt wie aus einem alten John Wayne-Streifen aussieht (wenn man mal von den Autos und teilweise sehr luxuriösen Hotels absieht). In der Stadtmitte gibt es einen kleinen Park mit einem Eingangsbogen aus Elchgeweihen, der von Westernveranden und vielen Parkbänken umgeben ist. In den Läden kann man Westernkleidung kaufen und es riecht in den meisten Restaurants himmlisch nach Steak. Während viele Shops durch die Touristen und Hotels ein eher schickes und elitäres Bild mit Markenkleidung zeichnen, gibt es auch die seltsamsten Shops mit den verrücktesten Souveniren. In einem der Läden steht beispielsweise ein gigantischer ausgestopfter Bär für 25 000$, direkt daneben Kung Fu Eichhörnchen mit Samuraiischwertern oder sehr seltsame Tieransammulungen wie rudernde Biber und Rehe.

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Wenn man dann genug verstörende Eindrücke gesammelt hat, kann man sich auf in den Nationalpark machen. Es ist ein weites Land, das sich neben den Grand Teton Bergen erstreckt, die so genannt wurden, weil sie angeblich an Brüste erinnern. Auch im Sommer liegt noch Schnee in den Bergen, was umso abstrakter erscheint wenn man selbst auf den Pfaden im Tal gegrillt wird. Die Landschaft erscheint endlos mit ihren langen Bergketten, Nadelwäldern, Blumenwiesen und Seen und die Anstiege können ganz schön steil werden. Als wir am Jenny Lake ankommen, ist dort bereits die Hölle los und wir finden mit viel Glück einen Parkplatz – natürlich in der Sonne. Der See ist oval mit sehr klarem, dunkelblauen Wasser und mehrere Boote fahren darauf hin und her um die Menschen auf der anderen Seite der Bucht wieder einzusammeln. Motiviert wie wir sind, beginnen wir den Pfad am Wasser entlang zu wandern – und verlaufen uns ziemlich hoffnungslos.

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Schön hoffnungslos, muss ich zugeben, denn wir gelangen zu den Teichen, an denen die Elche normalerweise rasten und laufen durch halb zugewachsene Pfade mit den unterschiedlichsten Wildblumen. Nach einer halben Stunde erreichen wir sogar einen Bergbach, von dessen Brücke aus man die Füße ins Wasser tauchen kann. Im ersten Moment ein ziemlicher Schock, weil es unglaublich kalt ist. Nach unserem Irrtum – wir enden mit Sicht auf die nächstgelegene Landstraße – müssen wir den Weg komplett zurücklaufen und beginnen danach einen steilen Anstieg um die höchste Sicht auf den Jenny Lake zu erklimmen. Die Wasserfläche unter einem scheint auf jeden Fall cool-unberührt, wenn man selbst durch den Wald und über abgesplitterte Steine läuft.

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Einige Teile der Berge bestehen nur noch aus Geröllfeldern, die sich entlang des Sees auf dem Weg zu den „Hidden Falls“ erstrecken. Der Wasserfall ist auf jeden Fall versteckt, man hört das Rauschen lange bevor man die Wasserfälle sieht und es gibt einige Abbiegungen über Brücken, die man dorthin nehmen muss. Die Sicht am Ende ist aber eine ausreichende Belohnung und eine sehr angenehme Abkühlung durch die ganzen Wassersprenkel, die man dort abbekommt. Ich gebe zu – nach unserem Irrweg sind wir nicht mehr motiviert genug, die gesamte Runde um den See zu laufen. Gut zu wissen, dass man von beiden Seiten die Boote nehmen kann. Die Überfahrt dauert nur zehn Minuten und man hat einen schönen Blick auf die umliegenden Berge, Buchten und natürlich das Wasser selbst. Schwer vorstellbar, dass die Natur sich bei unserem nächsten Ziel, dem Yellowstone Park, so sehr von diesem Ort unterscheiden wird.

 

Ich würde mich über ein Kommentar freuen 😉

Preise:
Grand Teton National Park (ohne Annual Pass): 35$ pro Auto
Website: https://www.nps.gov/grte/index.htm

Tipps: 
Außerhalb der Nationalparks schlafen und dafür mehr Fahrtweg in Kauf nehmen, die Preise in Jackson Hole sind wirklich hoch verglichen mit Orten wie Idaho Falls oder Rexburg.

Ein Kommentar zu „Cross Country: Kalifornien bis Wyoming

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