Näher am Welt(kn)all

Siebzehn – Über den Yellowstone Nationalpark, Touristentorturen und Thermopolis

Wenn ich einen der irrealsten Orte der Erde benennen müsste, wäre der Yellowstone Nationalpark bestimmt unter den Top 3. Es ist einer jener Orte, wo man hinter jeder Kurve etwas Neues erkennt und nie weiß, welches Wetter man erwarten soll. Stefan und ich fahren um die Mittagszeit in Richtung Westeingang und reihen uns in eine lange Schlange Autos ein. Da Yellowstone mit Yosemite und Grand Canyon vermutlich der bekannteste Nationalpark in den USA ist, ist er auch ziemlich voll. Man sollte definitiv einiges an Zeit einplanen und vorher klären, wo man abends für die nächste Übernachtung sein muss, da es nicht viele Möglichkeiten im und um den Park gibt.

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Yellowstone ist das letzte, intakte Ökosystem der Erde und der älteste Nationalpark der Welt (1872 gegründet). Er enthält Vulkane, Geysire, Flüsse und Seen und es leben Grizzlybären und Wölfe in freier Wildbahn. Ich finde nicht, dass die Berge, an denen wir vorbeifahren, unbedingt nach Vulkanen aussehen. Wenn man aber an die einzelnen Aussichtspunkte auf dem Weg gelangt, erkennt man die Geysire und vor allem die bröslige Vulkanerde. Ein Grund, warum der Park trotz seiner extremen Weitläufigkeit (8987 km² ) trotzdem so überbesucht wirkt, ist die Tatsache, dass man sich mit dem Auto von Punkt A zu Punkt B bewegt. Es gibt zwar Pfade, die man laufen kann, aber die Hauptattraktionen liegen an der Straße und mehr Pfade zu erschaffen, fällt vermutlich wegen dem Vulkanuntergrund weg. Yellowstone ohne Auto? Ziemlich unmöglich – vor allem nicht ohne Tourführer. Die Hauptattraktionen sind glücklicherweise aber sehr übersichtlich gestaltet und man läuft über Holzwege und Plattformen zu Geysiren und Quellen. Bei Letzteren handelt es sich um kleine Krater, in denen kochend heißes Wasser brodelt. Im weißen Vulkansand leuchten sie in allen Farben des Regenbogens und lassen einen mit der Frage zurück, wie die Natur etwas so Unwirkliches zwischen rauem Stein und weiten Nadelwäldern schaffen konnte. Es wäre um einiges glaubhafter, wenn man den Planeten gewechselt hätte. Die unterschiedlichen Farben entstehen dabei übrigens durch Bakterien und Algen, die aufgrund der vulkanischen Quellen entstehen.

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Wir starten bei Madison, wo man nicht weit entfernt mehrere Quellen sehen kann und hellblaues, glasklares Wasser verlockend in der Sonne schimmert. Auf einmal ergeben die Unglücksfälle im Park einen Sinn. Ranger erzählen von Teenagern, die tagsüber den Park besichtigt und sich Stellen zum Baden gemerkt haben, dann abends wiederkamen und sie verwechselten. Das Wasser kann einen am lebendigen Leib kochen – die Schilder auf den Stegen zu beachten, ist also äußerst sinnvoll. Abgesehen von den offensichtlichen Punkten wie dem Boden und dem Wasser, gibt es außerdem viele Wildtiere im Park, auf die man Rücksicht nehmen muss. Man kann in Gebüschen Elche und Hirsche erkennen und oft auch Herden von Büffeln, die durch die Prärie in der Mitte des Parks ziehen. Warum manche Personen ihre zweijährigen Kinder direkt vor einen Büffel setzen oder neben einem auf der Straße halten, um Bilder zu machen, geht zwar nicht ganz in meinen Kopf, aber ist trotzdem weit verbreitet. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass überall Schilder stehen mit Warnungen, wie sehr man sich den Tieren nähern sollte, oder?

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Aber zurück zu den Vulkanen. Hören tut man eigentlich nur das Puffgeräusch, wenn ein Geysir in die Höhe geht. Riechen kann man beispielsweise den Mud Vulcano am östlichen Ausgang des Parks, der wirklich überirdisch nach Schwefel stinkt und wie ein Urzeitmonster braune Blasen wirft (zumindest stelle ich mir ein Urzeitmonster so vor, aber ich neige ja auch zu B-Movies…).
Durch die aufsteigende Hitze läuft man im Park oft durch Dampfsäulen und merkt dadurch umso mehr, wie heiß es eigentlich in der Umgebung ist. Auch wenn der Wind hin und wieder über die Landschaft fegt, bringt er keine wirkliche Abkühlung, sondern sorgt für weitere Kappen und Hüte, die in den Pools vor sich hinschwimmen oder an Klippen hängen bleiben. Yellowstone ist ein sehr raues Land mit den roten Gesteinsarten aus dem Grand Canyon, grauen Gesteinsbrocken, die an Elefanten erinnern und wildem Wasser, auf dem keiner wagt, eine Bootstour zu machen (obwohl es bestimmt auch einige intelligente Aktionen in diesem Bereich gab).

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Die bekannteste Attraktion ist mit Sicherheit der Old Faithful Geysir, der als einziger Geysir im Park eine Taktung hat und praktischerweise alle 30 Minuten ausbricht. So versammeln sich die Leute im Tal auf langen Bankreihen und erdulden in der Hitze ihr Schicksal bis zum Ausbruch. Der Old Faithful liegt zudem neben einem der bekanntesten Hotels der Welt – oder sollte ich eher sagen, das Hotel liegt neben dem Geysir? Schließlich war dieser eine ganze Weile vorher da. Das Hotel von dem ich rede, ist das Old Faithful Inn. Es ist ein gigantisches Holzhaus gefühlt mitten im Nirgendwo, das bestimmt über sechs Stockwerke hat. Während es von außen riesig und wie ein klassisches Blockhaus wirkt, ist es nach Betreten eine große Überraschung, vor einem filigranen Netz aus Querbalken und tiefhängenden Leuchtern zu stehen. Mit Geigenmusik im Ohr und den Kopf in den Nacken gelegt, kann man über sich einzelne Stockwerke und Plattformen zählen, die viele Sitzplätze erahnen lassen. Man muss kein Gast sein, um eintreten zu dürfen. Es gibt für die Öffentlichkeit einen Souvenirshop und dazu auch ein Restaurant im ersten Stock. Gast zu sein, ist übrigens gar nicht so einfach. Nach allem, was ich gelesen habe, müssen Reservierungen im Durchschnitt mindestens ein Jahr im Voraus erfolgen – es sei denn, manche Personen sagen spontan ab. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, einmal hineinzugehen, auch wenn man vielleicht nur einen Tee trinkt und dabei in einem gigantischen Wildledersessel versinkt.

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Um den ganzen Park zu sehen bräuchte man vermutlich mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Es gibt auf allen Seiten etwas zu sehen. Besonders schön ist der Morning Glory Pool mit hellblauem Wasser und grellgelbem Rand, der nach einem exotischen Cocktail aussieht. Und beeindruckend ist auch der Devils Thumb, eine Gesteinsformation, aus der wilde Geysire sprudeln und man ein unterirdisches Rumpeln hört. Ich wäre gerne länger davor gestanden, aber es hat von einem Moment auf den nächsten in Strömen zu regnen begonnen und sogar wenn man rennt, landet man durchweicht im Auto.

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Wir waren erst spät auf dem Weg aus dem Park hinaus und die Strecke vom Osteingang Richtung Cody ist bestimmt einer meiner liebsten Streckenabschnitte seit wir unterwegs sind. Weite Klippen ragen rechts und links vor einem auf. Die Felsen sind rot, lila, weiß und zwischendurch erhascht man einen Blick auf glatte Seeflächen und zusammengedrängte Büffelherden. Manchmal sieht man auch kahle Hänge, aber zwischen den abgebrannten Baumstümpfen zieht sich mittlerweile auch  wieder helles, grünes Gras hindurch. Kurz vor dem Ausgang bekommen wir sogar noch einen Blick auf drei Bären, die oben auf einem Felsen hocken und gelangweilt vor sich hin kauen. Logischerweise Grund für viele Touristen mitten auf der Straße anzuhalten, auszusteigen und sich darüber aufzuregen, wie unpraktisch die Bären doch für Fotos stehengeblieben sind (ist ja auch wirklich asoziales Verhalten von ihnen).

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Man fährt bis Cody nach dem Ausgang bestimmt noch anderthalb bis zwei Stunden. Zunächst in Serpentinen Berge hinunter, dann irgendwann durch Täler mit Farmland und vereinzelten Bauernhöfen. Zu unserer Irritation thront auf einem Hügel sogar ein gigantisches Blockhaus im skandinavischen Stil, das ohne wirklichen Zweck mitten im Nichts steht (für Interessierte…. es ist zu verkaufen!). Cody ist wie Jackson Hole eine Westernstadt und ebenfalls nur einer der wenigen Orte auf der östlichen Seite des Parks. Hauptsächlich ist es bekannt für sein Westernmuseum und die Rodeo Arena, in der jeden Abend um 8 Uhr die Rodeo Show losgeht. Man kann die Tribünen gar nicht übersehen, wenn man in den Ort abbiegt, da es mit Abstand das größte Gebäude ist. Es gibt zudem eine lange Hauptstraße mit bunten Shops, Leder- und Sattelzubehör und einigen Restaurants, die ihre Steaks bewerben.

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Eine besondere Sache gibt es übrigens noch auf dieser Seite des Parks. Circa eine Stunde von Cody entfernt befindet sich Thermopolis, eine kleine Gemeinde, die eigentlich nur aus Felsen und drei Thermalbädern besteht. Die Stadt liegt in einem Bergkessel mit hoch aufragendem, rot-grauen Gestein und die Thermalbäder grenzen teilweise direkt an den Berg an. Es gibt zwei Bäder, die Wellnessanwendungen und Rutschen anbieten, weshalb sie meistens relativ voll sind, aber es gibt auch ein öffentliches Bad von Thermopolis. Dieses ist für alle Besucher frei, da die Indianer vor langer Zeit bei der Abgabe ihres Landes verewigt haben, dass es für alle Zeit kostenlos für alle Menschen zugänglich sein muss. Es ist ein kleines Bad mit zwei Becken, aber schön angelegt und völlig ausreichend, wenn man mit Muskelkater in den Beinen eine kurze Pause braucht. Anschließend kann man übrigens noch zwischen den Quellen durch einen Park spazieren und über eine Hängebrücke in die Berge laufen. Und wenn man sich dann genug entspannt hat, kann man in Richtung der sogenannten Badlands weiterziehen.

 

Wart ihr schon einmal im Yellowstone Park? Was waren eure Eindrücke?

Preise:
Yellowstone (mit einem Fahrzeug, ohne Jahrespass): 35$
Website: https://www.yellowstone.org/?gclid=CjwKCAjw8O7bBRB0EiwAfbrTh2ck9IHJgyVCcao_4cidAlPAsAPQpuHty4RZD8QA3QCA2Yyx1oYf2hoCHPAQAvD_BwE

Tipps:
1) Übernachtungstechnisch in der Gegend: Idaho Falls, Rexburg und wenn ihr ein bisschen früher bucht evtl auch Cody oder Jackson Hole.
2) Immer ausreichend Wasser mitnehmen – im Park wird es im Sommer bis zu 45 Grad heiß.
3) Eine Kappe kaufen, die gut sitzt. Damit meine ich, dass sie quasi am Kopf festgetackert werden sollte, ansonsten stehen die Chancen, dass man sie verliert, relativ hoch.

2 Kommentare zu „Näher am Welt(kn)all

  1. So, jetzt lasse ich auch mal noch einen längst überfälligen Kommentar hier 😉 Ich habe natürlich alle Beiträge gelesen und beneide euch so sehr um eure Reise, so viele tolle Orte … *seufz
    Yellowstone steht bei mir auch noch weit oben auf der Liste der Orte, die ich in den USA noch sehen möchte 🙂
    Ich wünsche euch noch weiterhin eine tolle Zeit 🙂

    Liebe Grüße
    Mareike

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    1. Hey du! Vielen Dank! Vielleicht schaffen wir es ja sogar mal gemeinsam und du kannst mich danach nach Boston entführen 😉 Allerdings würde ich Yellowstone nächstes Mal nicht nochmal im Hochsommer machen. Es ist echt verdammt heiß und diese Quellen kühlen einen ja nicht gerade ab 😉
      Bis bald!
      Lil

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