Old Orleans

Zwanzig – Über das Flair, das Weltkriegsmuseum und die Geschichte von New Orleans

Irgendwie war ich mein ganzes Leben lang überzeugt, dass New Orleans, die sogenannte Crescent City (Mondsichelstadt) und Wiege des Jazz, eines von Amerikas Glanzstücken sein muss. In Wirklichkeit ist es aber vor allem ein Ort, dem man den früheren Glamour ansieht. Der Teil von Louisiana, in dem New Orleans liegt, ist vor allem flach und von Wasser umgeben. Grün würde ich ihn nicht unbedingt nennen. Dass es einmal anders war, wird auch klar, wenn man sich in die Geschichte der Gegend einliest. Einst war New Orleans nämlich von reinem Sumpfgebiet umgeben, welches 1910 von Mr Baldwin Wood mit Pumpen trockengelegt wurde, um die Stadt zu entwässern. Heute fährt man über meilenlange Brücken mit reiner Sicht aufs Wasser zur Linken und Industrie auf der Rechten und man merkt zunächst gar nicht, wie man in die Stadt hinein gelangt.
New Orleans ist ein Puzzle aus Straßen, verwitterten Parkanlagen und vereinzelt stehenden Holzhäusern, die nicht unbedingt zu ihren Nachbargebäuden passen müssen. Am schönsten ist das French Quater in Downtown, ein Netz aus verwinkelten Straßen, gusseisernen Balkonen und mit dem großen Marktplatz Plaza d`Armas in der Mitte. Im French Quater befinden sich auch nach wie vor die ältesten Gebäude der Stadt, auch wenn längst nicht mehr alle aus den ursprünglichen Kolonialzeiten stammen. 1795 gab es in der Stadt erst ein, sechs Jahre später ein zweites großes Feuer, was zu vielen Wiederaufbauprojekten führte und die Gebäude zum Teil etwas jünger als die Stadt selbst macht. In diesem Viertel sieht man, wie schön es hier einmal gewesen sein muss, aber das Image hält sich auch nur in dem Bereich, in dem nach wie vor Touristen unterwegs sind.

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In den Seitenstraßen mischen sich bunte Häuser und enge Gassen, über den Köpfen der Fußgänger baumeln Hängepflanzen und Katzen starren mit wachsamen Blick von den Balkonen auf die Passanten. Die Häuser haben häufig verschnörkelte Holzfassaden, Veranden auf denen ein einzelner Schaukelstuhl steht und schräg angebrachte Hausnummern. Die Gebäude um den Marktplatz herum zeigen dagegen schicke gusseiserne Geländer, langgezogene Balkone sowie Terrassen und gepflegte Steinwände. Über die Straßen fahren schwarz-rote Pferdekutschen und man hört das Klappern der Hufe und das Tröten der Fähren, die im nahe gelegenen Hafen ablegen. Viele der Häuser wurden mit Innenhof angelegt, was einem überraschende Blicke in kleine Gärten und auf Terrassen garantiert. Die meisten davon sind gefüllt mit Skulpturen, Brunnen und wild durcheinander platzierten Topfpflanzen. Viele von den Toren zum Innenhof stehen aber auch offen und darin spielen Straßenmusiker den Jazz für den die Stadt in den Zwanzigerjahren bekannt geworden ist.

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Die beste Sache an New Orleans sind mit Sicherheit die vielen kleinen Läden, die sich dicht an dicht aneinanderreihen und sich alle in ihren Produkten unterscheiden. Vintage-Kleider hängen neben Lederjacken, Kappen neben Sommerhüten, Peeptoes stehen neben Flip-Flops. Es gibt Cafés, die Crêpes verkaufen, daneben Chinarestaurants und Smoothieshops. Am Hafen bekommt man einen Blick auf den Mississippi, vermutlich vor allem bekannt als Handlungsstrecke für die Schiffe oder durch Mark Twains Roman „Huckleberry Finn“. Geschichtlich verbinden viele Menschen in New Orleans den Fluss mit der großen Flut von 1927, bei der über 100.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verloren. Die Flut wurde ausgelöst durch Regen, der über ein halbes Jahr konstant andauerte.
Wer die buntesten Souvenirs und  etwas Außergewöhnliches haben möchte, kann auch in die Voodooshop an der Ecke des Marktplatzes gehen oder Zigarren mit einem leicht benebelten Shopbesitzer testen. New Orleans ist ein bisschen das, was man mit den einfachen Anfängen vom Tellerwäscher zum Millionär verbindet – es hat den Aufstieg aber nicht ganz geschafft. Die Luft ist vor allem drückend und von all den Orten, an denen wir waren, ist diese Stadt mit Abstand die Heißeste. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir das letzte Mal der Schweiß den Rücken runter gelaufen ist und wir nur in Gebäude gegangen sind, um eine Klimaanlage abzupassen. Aber immerhin ist für die Zukunft klar, dass New Orleans mit Sicherheit kein Ort ist, den man im Sommer besuchen sollte. Ich bin sicher, dass es eine ganz andere Sache ist, für die Faschingsumzüge vom Mardi Gras im Februar dabei zu sein – aber da sind die Preise mit Sicherheit auch höher.

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Bevor wir in kühlere Gebiete geflohen sind, haben wir noch einen Abstecher zum Markt gemacht – dort hat man immerhin ein Dach über dem Kopf und bekommt ein bisschen was von den Straßenkünstlern mit, die ihre Malereien ausstellen und schwungvoll ihre Waren anpreisen. Sie gehen übrigens davon aus, dass man handelt. Alles andere wäre eine Beleidigung. Danach sind wir erstmal ins Weltkriegs-Museum vor Ort gefahren, eine große Anlage mit mehreren Hallen zum 2.Weltkrieg, Bürgerkriege, Vietnam und Pearl Harbour. Wir haben in der Flugzeughalle gestartet, wo mehrere Maschinen, wie die „Gal Sal“, von der Decke hängen und Bildschirme von den Flügen und Piloten berichten.

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Es sind auch Fahrzeuge ausgestellt, hauptsächlich Tarnwagen und in den anderen Gebäuden kann man Jeeps und kleinere Panzer ausmachen. Im zweiten Gebäude erfährt man dann alles zur Propaganda und der Entwicklung des zweiten Weltkrieges. Es gibt sogar einen aufgebauten Zug, in dem man „mitfahren“ kann durch die Zeitgeschichte und wo man eine einzelne Person zugewiesen bekommt, die man quasi durch den Krieg begleitet. Das funktioniert übrigens über die ganze Ausstellung hinweg mit einer Keycard, die man an die unterschiedlichen Boxen in den Ausstellungsräumen halten kann. Es ist ein sehr allumfassendes Erlebnis in diese Kriegszeit einzusteigen und ich habe selten ein hochwertigeres Museum gesehen. Es gibt viele Übersichtskarten, mit denen man die Flieger oder U-Boote im Krieg nachverfolgen kann, auf Leinwänden sieht man abgespielte Filmsequenzen und Videos und es ist eine sehr realistisch nachgestellte Kulisse. Bei Vietnam verwandeln sich die Ausstellungsräume in einen Dschungel und beim zweiten Weltkrieg durchquert man zunächst die heile Welt eines Haushalts vor dem Krieg.

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Man läuft durch Räume mit ausgestellten Koffern, die damals von Soldaten mit in den Krieg genommen wurden und hört Fliegerlärm über einem, wenn man die Pearl Harbour-Ausstellung betritt. Es ist insgesamt ein wirklich beeindruckendes und auch interaktives Museum – ich würde es auf jeden Fall empfehlen, wenn man Zeit in der Stadt verbringt. Von dem ganzen Rumgerenne waren wir danach übrigens ziemlich ausgelaugt und haben beschlossen, etwas essen zu gehen. Wir haben uns für ein kleines, indisch-asiatisches Restaurant, nicht weit von Downtown entschieden, weil wir zu diesem Zeitpunkt nicht ganz so erpicht auf „Gumbo“ waren. „Gumbo“ ist ein typisches Südstaatengericht, das am ehesten einem Eintopf ähnelt und aus der kreolischen Küche stammt. Es wird hier in den meisten Restaurants angeboten und es gibt unzählige Variationen, wobei die meisten mit Fisch oder Hühnchen gekocht werden.

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Falls ihr den das „Silk Road Restaurant“ besuchen möchtet, solltet ihr es dringend im Navigationssystem eingeben, es ist nämlich nicht einfach zu finden und sieht durch all die Hängepflanzen vor den Balkonen sehr versteckt aus. Das Essen ist aber natürlich der Hauptgrund zum Reingehen und die Bar bzw. das Restaurant ist in jenem alten Stil, den man in Filmen über New Orleans sehen und worüber man in den Büchern lesen kann. Viele hohe Fenster, Holzvertäfelungen an Decken, Bretterboden und Theken mit langem dunklem Holz, sowie verschnörkelten Wendeltreppen. Im Hintergrund läuft natürlich Jazz, hin und wieder auch mal Blues und das Essen ist himmlisch, nicht nur weil man Verhungern war. Näher kommt man vermutlich nicht ans alte New Orleans heran.

 

Welche Stadt in den USA wolltet ihr immer schon sehen?

Preise:
National World War II Museum: 28$ Erwachsene, 24$ Senioren, 18$ Militär, Kinder und Studenten
Website: https://www.nationalww2museum.org/

Tipps:
1) Zum Essen gehen: Silk Road Restaurant (2483 Royal St, New Orleans, LA 70117, USA. Website: https://www.silkroadnola.com/).
2) New Orleans auf keinen Fall im Sommer besuchen, sondern vielleicht wirklich im Februar, wenn Karneval ist. Falls ihr doch im Sommer dort seid – Wasser mitnehmen!!!