Gigantische & Glitzernde Wüste

Dreiundzwanzig – Über den größten Baum der Welt, die irrealste Stadt der USA und Fake-Elvisse

Kalifornien ist definitiv einer der vielfältigsten Staaten der USA. Wir haben Seen wie Lake Tahoe gesehen, Vulkane im Lassen Nationalpark, die Küste mit Riesenstädten wie San Diego, LA und San Francisco. Für den letzten Abschnitt machen wir uns auf zum Sequoia und Kings Canyon Nationalpark, in dem die breitesten Bäume der Welt stehen, unter anderem der größte Baum überhaupt: The General Sherman Tree. Nach Sequoia zu kommen war um diese Jahreszeit gar nicht so einfach. Viele Strecken hatten Zwischenfälle durch Waldbrände und der nächstgrößere Park, Yosemite, war durch 17 Brände gleichzeitig betroffen, weshalb man auch ihn nicht durchfahren konnte. Sequoia bleibt glücklicherweise offen und wir können an  mehreren Ranger-Kindern vorbei ins Innere des Parks fahren. Auf den ersten Blick sieht die Gegend des zweitältesten Nationalparks von Amerika nicht aus, als würden irgendwelche Bäume in ihr wachsen. Es ist eine schöne Landschaft mit Canyons, wilden Flüssen und teils hüfthohem Steppengras. Dazwischen schlängeln sich Serpentinen mit Backsteinmauern hindurch und man entdeckt Monumente wie den Moro Rock, die man von der Strecke aus sehen kann.

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Die Straßen sind für amerikanische Verhältnisse eher eng, aber wenn man Aussichtspunkte sucht, erreicht man immer wieder welche am Rand und die meisten davon haben auch Parkplätze. Erst wenn man den Anstieg hinter sich lässt und in die Nähe von Moro Rock und den Crystal Caves kommt, erreicht man auch das Gebiet der Mammutbäume. Zunächst gibt es keine großen Unterschiede zu den Redwoods an der Küste. Nach einigen Kurven gelangt man aber näher zu „The General Sherman Tree“ und die Bäume werden breiter und das Holz der Rinde leuchtet bei der Sonne in einem braunrot, das an Mahagoni erinnert. Wenn man aus dem Auto steigt, fühlt man sich winzig und das nicht nur wegen der Bäume sondern auch wegen der schier unendlichen Weite von Waldgebiet. Es ist, als hätten die Serpentinen den Stein, die Flüsse und die Canyons im Tal einfach verschluckt. Die Menschen sind jedenfalls mit gezückten Kameras und in Massen unterwegs als wir auf dem Main Trail in eines der Kernstücke vom Gelände hineinlaufen – immer auf der Suche nach dem größten Baum. Natürlich ist das nicht allzu einfach, wenn rundum alle Bäume enorme Höhen erreichen und man die Wipfel kaum noch erkennt. Letztendlich findet man den General Sherman durch Hinweisschilder und rennende Asiaten. Ich würde nicht sagen, dass er wesentlich größer ist, als die Bäume um ihn herum, aber durch seine freistehende Lage wirkt er umso massiver und ohne Zweifel beeindruckend. Legt man den Kopf in den Nacken, erkennt man die weit oben ansetzenden Äste und einige hektisch-herumfliegende Vögel. Der Baum hat eine Höhe von 83 Metern und ist 11 Meter breit. Ich kann gar nicht beschreiben, wie klein man sich daneben fühlt.

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Am schönsten ist die Stille, die sich trotz der vielen Versammelten an dem Ort hält, was mich an eine Kirche denken lässt. Irgendwie erscheint es richtig, dass ein Baum, der auf bis zu 2500 Jahre geschätzt wird, dieselbe Ehrfurcht erfährt, wie ein geheiligter Ort. Wenn man den Baum schließlich umrundet hat, kommt man auf eine Kreuzung mit unterschiedlichen Wanderwegen. Einige führen weiter hinauf in die Berge zu Moro Rock, andere führen ins Waldgebiet hinein, wo man durch die Allee der Giganten streift. Die Luft hier oben hilft übrigens auch ein bisschen beim Abkühlen, aber für den Extremfall kann man sich natürlich ins Tal verziehen, wo einige Leute mit Picknick Decken und Klappstühlen am Wasser sitzen.

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Da sich unsere Zeit im Inland dem Ende zuneigt, machen wir uns auf den Weg zum letzten Stop der Countryside, Las Vegas. Durch lange Streckenabschnitte von Orangenbäumen, Wüste und Windparks, ist es so dunkel geworden, dass man weder Sterne sieht, noch das Flimmern der Hitze. Sie ist aber weiterhin spürbar – sogar als wir am Rasthof gegen 11 Uhr abends anhalten und der Wüstenwind uns wie ein Föhn durch die Haare fährt. Je näher man Vegas kommt, desto heller und bunter wird die Nacht. Das Licht von tausenden – sorry, Millionen- Glühbirnen erhellt die Dunkelheit, sodass man sich einbildet, in einem verrückt beleuchteten Einkaufszentrum zu stehen. Eins ist sicher: Wenn auch nur eine Stadt in amerikanischen Filmen nicht übertrieben dargestellt wird, dann ist es Vegas. Denn die Stadt wurde als übertrieben konzipiert. Irreal ist wohl das zutreffendste Wort, wenn man sich vorstellt, dass eine künstliche Glitzerstadt mit 630 000 Einwohnern mitten in der Wüste Nevadas liegt, mit quasi nichts drum herum. Bei Tageslicht passiert man höchstens drei Ortschaften, bestehend aus circa 10 Häusern, von denen mindestens die Hälfte leersteht. Dafür ist Vegas  in Amerika der Punkt, der über 40 Millionen Touristen im Jahr anzieht und wo die Straßen nachts fast schon überladen wirken an Security Personal, Touristen, Einheimischen und natürlich Fake-Elvissen. Anreisen kann man bei den Hotels rund um die Uhr und die Casinos bleiben mit ihren Roulettetischen auch durchgehend zugänglich. Da es die letzte Nacht auf unserem Trip mit unserem Leihwagen ist, haben wir deutlich schicker als sonst gebucht und übernachten im „Paris Las Vegas Hotel“, das von außen zumindest teilweise den Eiffelturm nachahmt. Teuer sind die Zimmer in Vegas nicht, dafür rechnen die Hotels und Resorts teilweise verrückte Abgabesummen an die Stadt ab. Wir hatten eigentlich ohne große Erwartung gebucht und stehen schließlich im schicksten Zimmer des gesamten Urlaubs: Einer riesigen Suite, Kingbett mit Blick über die Stadt, da die Seiten des Zimmers Glasfronten haben und einem Marmorbad mit Dusche und Badewanne. Bevor wir ins Bett fallen, gehen wir aber noch einmal nach draußen, denn man hat Vegas vermutlich nicht in seiner Fülle erlebt, wenn man nur tagsüber unterwegs ist. Im unteren Teil unseres Hotels befindet sich ein riesiges Casino mit Restaurants, Modeshops, Bars, Spieltischen, halbnackten Tänzerinnen und bemalten Decken. Wenn man durch die Gänge läuft, sollte man nicht meinen, dass es schon nach ein Uhr nachts ist, weil die Decken durch die blaue Farbe und helle Beleuchtung eindeutig an draußen erinnern. Tritt man vor die Türen des Eiffelturms, tauscht man das Klingeln der Maschinen gegen den Bass der Musikplattform über sich ein. Dort spielen bis morgens DJs mit wildem Neonlicht .

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Gegenüber liegt das Bellagio, bei dem jeden Tag die Springbrunnenshow der Bellagio Fountains abgespielt wird. Wasserfälle erheben sich zu Opernmusik in die Luft und im Hintergrund sieht man Luxushotels die vom Baustil aus ans antike Griechenland oder Italien erinnern. Nichts von der Kulisse passt zum Rest der USA, abgesehen von den Fastfoodketten und den Hochhäusern in der Gegend. Fährt man durch die Stadt, sieht man eine gigantische goldene Pyramide, eine Art Disneyschloss, eine kleine Kopie des London Eye und mehrere Gondeln im venezianischen Stil, die im künstlich angelegten Fluss vor sich hingondeln. Je länger man in der Stadt ist, desto mehr hat man den Eindruck, sich in einem riesigen Freizeitpark zu befinden. Besonders abstrakt ist übrigens auch das Hotel Bellagio von innen. Man betritt eine gold-schimmernde Marmorhalle mit Glasblumen an der Decke und erreicht durch sie einen riesigen Saal mit großen, auf Schienen fahrenden Schwänen, wild glitzernden Kronleuchtern, winkenden Puppen und Banjo-Musik. Ich habe keine Ahnung, wie die Wahrnehmung dieser Szenerie mit Drogeneinfluss ist, aber ich fand es auch ohne schon beeindruckend-verstörend.
Sehenswert in Vegas ist vor allem das „alte“ Vegas. In der Freemont Street stehen die ersten Casinos und Hotels. Mit am berühmtesten ist das „Golden Nugget“, das -wie der Name schon sagt- von der Form an eine Nuss erinnert und einen an das Eichhörnchen Scrat von Ice Age denken lässt. Abgesehen davon fühlt man sich der Geschichte der Stadt hier etwas näher, da die Gebäude älter sind, die Musik vor vielen Jahren stehen geblieben ist und einige Diner für ihre nie veränderten Rezepte angepriesen werden. Vegas etablierte sich als Großstadt übrigens nur durch den Bau des Hoover Dam 1931 und die Legalisierung des Glückspiels, was viele Touristen und Banditen in die Gegend lockte. Die Freemont Street macht heute aus dem Banditen-Image eher Spaß, aber zum damaligen Zeitpunkt haben Gangs die Stadt regiert und man konnte nach einer bestimmten Uhrzeit kaum noch auf die Straße gehen. Auch heute noch zählt Vegas als viertkriminellste Stadt in den USA.
Es gibt aber auch Positives: Die Freemont Street ist  im Sommer eine gute Adresse, weil sie immer überdacht ist und die Hitze ein bisschen erträglicher macht. Wenn man einen Ort sucht, an dem man Fake-Hochzeitsfotos, Bilder mit Strippern und knapp angezogenen Frauen (mit Katzenschwänzen!!!) machen kann oder sich von Fake-Elvis in der pinken Hochzeitskapelle trauen lassen will, ist man hier bestens aufgehoben.  Vegas gehört übrigens weltweit zu einer der Städte mit den meisten Hochzeitskapellen, weil hier die Eheschließungsgesetze ziemlich unkompliziert sein sollen.
Und ein weiteres Highlight ist mit Sicherheit die Zip-Line, die über den Köpfen der Passanten hergeht und die die Leute von unten betrachtet wie Superhelden aussehen lässt. Auch wenn sie für Superhelden ein bisschen viel kreischen. Eigentlich wollte ich diese Zip-Line Aktion auch ausprobieren, aber auf unserem Weg dorthin, bliebt über unseren Köpfen ein Mädchen auf der Strecke hängen und musste (mit viel Beifall der Passanten) gerettet werden. Da hab ich dann doch beschlossen, lieber auf dem Boden zu bleiben. Ist Vegas eine Reise wert? Definitiv. Ich glaube nicht, dass man hier häufig gewesen und mehrere Tage da bleiben muss, aber die USA OHNE Vegas zu machen wäre weniger beeindruckend gewesen und definitiv auch ein bisschen schade.

Was ist eure Meinung zu Vegas?

Preise:
Sequoia Nationalpark: 35$ pro Auto (Ohne Annual Pass)
Website: https://www.nps.gov/seki/index.htm

Tipps:
1) Wie im Lassen Nationalpark gibt es in Sequoia ebenfalls ein Dark Sky Festival.
2) Es gibt aufgrund der engeren Straßenverhältnisse ausnahmsweise Größenbeschränkungen bei Fahrzeugen (https://www.nps.gov/seki/planyourvisit/placestogo.htm). Geht sicher, dass ihr diese prüft, falls ihr mit einem Wohnmobil unterwegs seid.
3) Falls ihr die Crystal Caves in Sequoia besichtigen möchtet, könnt ihr die Karten dafür an den Rangerstationen kaufen. DIREKT VOR ORT KEIN VERKAUF.
4) Der Crystal Cave ist geöffnet vom 25.Mai bis zum 30.September.
5) Weitere empfehlenswerte Pfade im Sequoia Park: Big Tree Trail, Congress Trail.
6) In Vegas unbedingt die alte Freemont Street besuchen!!!

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