Blaue Bucht – Chicago (The Windy City)

Vierundzwanzig – Über den Millennium Park, den Navy Pier und Deep-Dish-Pizza

Nach vier Monaten in ein- und demselben Auto fühlt es sich ziemlich seltsam an, es auf einmal am Flughafen zurückzulassen. Wir fliegen mit American Airlines, zwei neu gekauften Koffern und vollgestopften Rucksäcken nach Chicago, wo die Hitze trotz des angrenzenden Lake Michigan immer noch hoch ist. Erste Aktion am Flughafen: Sich selbst dafür bemitleiden, dass auch noch die letzte Reisetasche im Transport gerissen ist und nun mit meiner heraushängenden Unterwäsche ihre Runden fährt. Ihr dürft raten, was wir einen Tag später machen: Einen weiteren Koffer kaufen.
Chicago zeichnet sich auf den ersten Blick durch Hochhäuser, strahlend blauen Himmel und das alte Schienennetz der S-Bahnen aus, die über unseren Köpfen auf Metallkonstruktionen entlang brettern. Von dem Wind, den man durch den Spitznamen „The windy city“ vermutet, merkt man nicht sonderlich viel. Allerdings ist auch nicht bewiesen, dass der Name überhaupt vom Wetter herrührt. Geschichtlich betrachtet hat Chicago über die Jahre nicht mehr Wind erhalten, als andere Orte in Amerika. Die Vermutungen über den Namen sind weit gestreut, unter anderem wird vermutet, dass der Name in Zusammenhang mit den kriminellen Aktivitäten von Schmugglern gewählt wurde.

IMG-20180812-WA0002

Beim Hineinfahren passiert man tausende Einbahnstraßen und Brücken, die über das Spinnennetz aus Wasserkanälen führen. Ich habe noch nie so klares Wasser in einer Stadt gesehen und gegen die Glaswände der Wolkenkratzer spiegelt es sich türkis wieder. Chicago hat den Charme eines früheren Zeitalters mit seinen altmodischen S-Bahnhöfen und kleinen Cafes, aber auch die moderne Architektur vieler Designergebäude wie dem Trump-Tower oder Willis Tower mit der Verarbeitung von einer Menge Stahl und Chrom. Unser Hotel liegt nahe dem Fields Natural History Museum und dem Millennium Park, wo im Sommer Konzerte stattfinden und wo ein riesiger Brunnen mit verschnörkelten Figuren steht, der abends beleuchtet wird. Trotz einer Einwohnerzahl von 2,7 Millionen wirkt die Stadt nicht erdrückend. Es drängeln sich nicht so viele Touristen dicht an dicht wie in Vegas und es ist auch kein undurchsichtiges Straßensystem wie in LA. Die Gebäude haben genügend Abstand voneinander um Licht in die Gassen zu lassen und es gibt viele öffentliche Plätze mit Parkanlagen und Durchfahrtsstraßen mit dem Schiff. Bei so vielen bedeutenden Gebäuden kann man natürlich eine Bootstour machen, bei der einem ein reich architektonischer Überblick geboten wird.

IMG-20180812-WA0020

Wir machen uns am ersten Tag gleich auf in die Innenstadt und schnappen uns auf dem Weg einige Bagel zum Frühstück. Der Trump-Tower im Zentrum hat eine schier unendliche Anzahl von Stockwerken und der Namens-Schriftzug zieht sich golden quer über das Gebäude. Darunter ist ein breiter Platz mit Kolonialgebäuden, dem Chicago River, auf dem man Ausflugsschiffe sieht  und ein Pfad entlang des Wassers, in Richtung Bucht des Lake Michigan. Ich bin allgemein überzeugt davon, dass man eine Stadt am besten zu Fuß kennenlernt…. aber zu Fuß kann manchmal auch bedeuten, dass man irgendwann gar nicht mehr merkt, dass man überhaupt noch Füße hat. Wir enden in einem Distrikt mit riesiger, kupferfarbener Brücke, von der aus man sowohl in die Stadt, als auch in Richtung Strand sehen kann. Den Ausblick über weiße Speedboote, kleine Yachten und endloses Blau hätte man eher in Florida oder Kalifornien erwartet. Einer der bekanntesten Orte an der Küste ist der Navy Pier – ein großer Platz an dem das Kindermuseum liegt und man einmal um einen Komplex aus Riesenrad, Restaurants und Boot-Verleihen geht. Hier mit dem Jet-Ski zu fahren muss auch Spaß machen. Neben der Pier ist ein großer Park in dem offensichtlich mehrfach am Tag geheiratet wird. Während wir mit unseren Nicht-Mehr-Füßen eine Pause auf der Bank gemacht haben, zogen mindestens drei Hochzeitsgesellschaften an uns vorbei und machten Bilder. Anscheinend ist es hier auch üblich als Hochzeitsgesellschaft in Limousinen und Reisebussen anzukommen – verübeln kann man es ihnen nicht – der Park hat kaum weitere Parkoptionen, aber dafür hat man das schönste Panorama der Stadt ohne Handelsgebäude. Chicago ist seit jeher ein Handelsumschlagsplatz, vor allem was Transportgüter auf Containerschiffen angeht.
Einen Tag später machen wir uns auf in den Millennium Park, der sich hinter unserem Hotel und entlang des Zentrums erstreckt. In den Grünanlagen stehen so viele von Chicagos Sehenswürdigkeiten, dass man sich alleine hier einen ganzen Tag aufhalten kann. Da gibt es beispielsweise das The Arts Institute of Chicago, das von einem ummauerten Garten mit Marmorstatuen umgeben ist und zu dem der Nichols Bridgeway führt, von dem aus man über die Stadt sehen kann.

IMG-20180813-WA0008

Daneben sind meterhohe Brunnentürme, an denen Wasser hinunter läuft und um die Kinder rennen und sich gegenseitig besprenkeln. Auf der anderen Seite des Museums befindet sich eins der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt: Cloud Gate, das wie eine Bohne aussieht und wo man sich wiederspiegelt, bis man ein wenig die Orientierung um sich herum verliert. Der Architekt ist übrigens der Brite Anish Kapoor, der die Bohne entwarf, um die Skyline der Stadt zu zeigen.

IMG-20180813-WA0005

Ebenso abstrakt ist die Bühnenanlage neben diesem Kunstort. Wie ein futuristisches Raumschiff schwebt sie über den Sitzen der Zuschauer, als würde sie ihre nicht vorhandenen Arme ausbreiten. Chicago gehört definitiv zu den Städten mit den schönsten Aussichtspunkten. Beim Durchwandern sieht man den höchsten Turm (Willis Tower), bei dem man mit dem Fahrstuhl ganz nach oben fahren kann. Man sieht Rosengärten, Strandpromenaden mit dem Lakefront Trail, das viereckige Gebäude des Adler Planetariums (das erste Planetarium in den USA übrigens) und kann seine Füße in die schön angelegte Bachanlage inmitten des Millennium Parks tunken. Wenn man eine Pause braucht, gibt es an allen Ecken Waffeln oder Eis und wenn man es klassisch halten möchte, ist die Deep-Dish-Pizza eine super Option.

IMG-20180812-WA0009

Sie ist das Hauptgericht der Gegend. Der Unterschied zu einer normalen Pizza besteht darin, das sie in einer tiefen Pfanne gemacht wird und letztendlich eher einem Kuchen, als einer richtigen Pizza, ähnelt. Die Stadt steht auf meinen Orten zum Zurückkehren weit oben und da ich kein Stadtmensch bin, muss das wohl einiges aussagen. Zwei bis drei Tage reichen nie im Leben aus, um die Stadt zu durchlaufen und sämtliche Hauptattraktionen zu sehen, aber dafür kann man immerhin viele Eindrücke gewinnen, was man beim nächsten Besuch noch sehen möchte.

Welche Großstadt würdet ihr gerne in den USA sehen? Über ein kurzes Feedback würde ich mich freuen!

Tipps:
1) Mit dem Auto fahren ist möglich/Parkhäuser sind nicht teurer als in anderen Städten.
2) Man kann Attraktionen-Pässe für die Stadt kaufen (mit unterschiedlich viel wählbaren Optionen): https://www.visitacity.com/en/chicago .
3) Restauranttipp: The Himalayan Restaurant (indisch)
4) Stellt euch darauf ein: Die Stadt an sich ist teuer.
5) Attraktionen: Millenium Park, Navy Pier, Chicago Aquarium, Willis Tower, Field Museum (Natural History), Chicago 360°, Lincoln Park, Art Institute, Adler Planetarium

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s