Unter den Dächern der Welt

Unter den Dächern der Welt

Dreizehn – Über Tsunamiwolken, Holzfäller und den Redwood National Park

Willkommen an der kalifornischen Küste mit meilenweiten Sandstränden, Nebel über dem Meer und dem berühmten „Redwood State and National Park“, in dem sich die meisten Bäume über 90 Meter in die Luft erstrecken. Stefan und ich haben Glück dass unser Airbnb direkt an der Grenze zum Eingang des Parks liegt und man nicht sonderlich weit fahren muss, um zu den nahe gelegenen Attraktionen, wie dem Jedediah Smith Redwoods State Park zu gelangen. Unser Airbnb zunächst zu finden, ist aber nicht ganz so einfach, weil unser geliebtes Google Maps kein GPS-Signal erhält und wir stattdessen erstmal auf Essenssuche gehen. Nicht mehr lange unsere Sorge Nummer 1, denn über dem Wasser an der Küste zieht sich eine lange Wolke entlang, die schier endlos hoch erscheint und so wirkt, als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Da sich die Einheimischen komplett normal verhalten, ist es wohl auch so, dass von der grauen Wolke keine Gefahr ausgeht. Schwer zu glauben, wenn man nie Derartiges gesehen hat und am Straßenrand Schilder mit den Aufschriften „Watch out – Tsunami Zone“ stehen. Wir finden auf einer Klippe schließlich das „YourDailyBread“-Restaurant, das extrem gute Pasta macht und aus dessen Glasfront man Wale in einiger Entfernung entdecken kann. Mit mehr Funksignal machen wir uns auf den Weg zurück und haben dieses Mal mehr Glück. Während die Küste in Oregon sehr abwechslungsreich ist, scheint Kalifornien vor allem zwischen zwei Formationen zu schwanken: Entweder man sieht kilometerweiten Sandstrand mit Schilf und Dünen oder man steht an Küsten mit zerklüftetem, schwarzem Vulkangestein, das aus dem Wasser ragt. Letzteres wird vor allem im Nationalpark sichtbar, der viele Wege entlang rauer Küste hat und in dem die gigantischen Bäume allgegenwärtig sind.
Stefan und ich fahren zuerst zu den Trees of Mystery, wo man mit einer Gondel durch den Wald „fahren“ und einige Wege laufen kann. Auf den ersten Blick sieht Trees of Mystery aus wie ein Paradies für Kinder: Erstens sind überall Schaukeln und Tiere zu sehen, zweitens steht eine riesige Paul Bunyan Figur mit einem ähnlich großen, blauen Ochsen vor dem Eingang.

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Da ich auch keine Ahnung hatte, wer Paul Bunyan ist, hier eine kurze Erleuchtung. Man ist sich nicht ganz sicher, ob die ursprüngliche Sage aus Kanada oder Amerika stammt, aber Paul Bunyan war angeblich ein übermannshoher, unendlich starker Holzfäller, der mit seinem Ochsen durchs Land gezogen ist und Monumente, Seen und sogar den Grand Canyon geschaffen haben soll (durch die Art, wie er seine Axt hinter sich herzog). Klingt und ist also eine landwirtschaftliche Fassung von Chuck Norris, von dem es eine Disneyserie und etliche andere Werbefiguren im Land gibt. Aber um die Sache zu krönen: Nicht, dass Paul Bunyan nur übermenschlich riesig vor dem Eingangstor steht, er spricht auch noch. Und nein, es ist kein Spielband, was sich wiederholt und epische Musik abspielt, sondern jemand sitzt in Paul Bunyans Kopf, labert vor sich hin und beantwortet die Fragen, die neugierige Kinder nach oben schreien. Ich habe selten von einem noch seltsameren Job gehört. Aber es ist ja auch wieder ganz lustig, wenn die Kinder: „Bis bald Paul! Hab nen guten Tag!“ schreien und Paul mit begeisterter Stimme „Yo bis dann!“ ruft. Auch wenn der Park mit Kindern bestimmt ein toller Ausflug ist, so kann man ihn auch zu zweit sehr genießen, wenn man die Pfade zwischen Elefantenbäumen abläuft und Bäume sieht, die sich nicht einmal ansatzweise umfassen lassen.

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Besonders eindrucksvoll ist die „Chapel“, eine Formation von neun Bäumen, die in einem Halbkreis dicht aneinander stehen und in deren Mitte man heiraten kann, wenn man sich lange, lange im Voraus anmeldet (lustigerweise entsteht bei Trees of Mystery gerade eine weitere Chapel mit einem Schildchen daran, auf dem steht: „Wir nehmen Reservierungen für in 200 Jahren an!“).
Kurz bevor man die Gondeln erreicht, steht man dann vor dem beeindruckendsten Baum des Parks: dem „Brotherhood Tree“. Vermutlich bräuchte man zwischen fünf und zehn Personen, um den Stamm einmal zu umarmen. Um ihn herum erstreckt sich eine Holzplattform mit langen Planken und Geländern, die die Beschädigung verhindern sollen. Wenn man Bäume wie diesen sieht, kommt man sich umso mehr wie eine Stecknadel auf der Weltkarte vor. Redwoods sind übrigens Küstenmammutbäume, die lediglich in diesem Teil Amerikas wachsen und von denen früher leider ein Großteil abgeholzt wurde. Die Verbleibenden sind im Durchschnitt zwischen 500 und 700 Jahre alt, es gibt allerdings auch einige, die auf 2000 Jahre geschätzt werden.

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In die Gondeln passen zwei bis sechs Personen und die Fahrt nach oben in den Wald dauert acht Minuten. Wenn man durch die Kapsel nach unten sieht, entdeckt man alte, vermooste Stufen, die den ursprünglichen Weg darstellen und schwebt an den gigantischen Baumkronen vorbei. Oben angekommen gibt es wieder eine elegante, neue Holzplattform, die einen Aussichtspunkt bis auf das weiter entfernte Meer bietet. Von oben kann man entweder die Gondel zurück zu den unteren Pfaden nehmen oder man beschließt, von oben den längsten Pfad zu laufen, der als „mittelmäßig schwierig“ eingestuft wurde (leichte Untertreibung nachdem man ihn selbst gelaufen ist). Zum größten Teil ist man zwar bergab unterwegs, allerdings ist es kein angenehmes „Ich-atme-mal-durch“-Bergab, sondern ein „Verdammt-wo-kann-ich-hintreten-ohne-dass-ich-auf-einer-Nacktschnecke-ausrutsche-und-hinfliege“-Bergab. Stefan ist in sowas ja gewissenloser als ich, aber dafür lag er auch nach zehn Minuten auf dem Boden.
Danach haben wir beschlossen, uns auf die Seile am Rand zu verlegen, die Sicherheit garantieren sollen. Ich denke nicht, dass das, was wir dort betrieben haben, noch „wandern“ war. Es fiel eher  in die Kategorie „klettern“ und wir waren relativ fertig mit der Welt, als wir unten ankamen. Nur gut, dass es dort zwei Möglichkeiten zum Entspannen gibt. Einmal kann man ins indianische Museum neben dem Souvenirshop gehen und erfährt dort, wie die Cherokee-Indianer in der Gegend sich gekleidet und gejagt haben. Andererseits gibt es auf der gegenüberliegenden Seite der Straße das „Forest Café“, das eine verrückte Atmosphäre mit grüner Decke und mehreren Brunnen hat und gutes Mittagessen anbietet.

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Circa 20 Minuten von den Trees of Mystery entfernt befinden sich dann die Prairie Creek Redwoods, die ich für diesen Nationalpark als eigentliche Hauptattraktion verbuchen würde. Einmal in den Park abgebogen, gibt es ungemein viele Möglichkeiten, stehen zubleiben und je tiefer man in den Wald hinein fährt, desto höher und breiter werden die Bäume. Einige von ihnen wurden durch Feuer oder Käfer so weit ausgehöhlt, das man in ihrer Mitte stehen kann, andere stehen so dicht aneinander, dass ihre Baumstämme zusammengewachsen sind. Die meisten der Pfade sind ziemlich naturbelassen und man läuft durch ein Labyrinth aus Farn, Redwoods und Wildblumen in einer selten gelassenen Stille, die höchstens durch Wasserrauschen, Vögel und das gelegentliche Klicken einer Kamera gestört wird. Die Bäume lassen nur vereinzelt Lichtstrahlen hindurch und geben einem den Eindruck als Dächer der Welt zu fungieren, vor allem, weil man sich kaum vorstellen kann, dass außerhalb von ihnen noch etwas existiert.

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Die nächste Stadt bei den Redwoods ist Crescent City. Falls man mal eine Pause von all den Bäumen braucht, kann man in die Stadt fahren, ein Stück am Strand entlang spazieren oder den Leuchtturm „Battery Lighthouse“ auf einer kleinen Insel besichtigen.  Man kann in der warmen Jahreszeit an den Touren im Gebäude teilnehmen, wobei man etwas über die Geschichte der Gegend und dem Bau des Turms erfährt. Es ist einer der ersten Leuchttürme, die in Kalifornien als historischer Ort registriert wurden und war bis 1953 nicht automatisiert. Gerade im Juni ist es besonders schön, weil die Blumen auf der Insel in voller Blüte stehen und sich auch bei schlechtem Wetter pink von den Klippen und dem weißen Turm abheben.

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Crescent City ist zudem nicht weit entfernt vom Visitor Center entfernt, das kleine Redwoods zum Einpflanzen verkauft und einem Karten zu den Pfaden in der Umgebung mitgibt. Der Jedediah State Park ist zum Beispiel gleich um die Ecke und man läuft zwischen den einzelnen Redwoods entlang in Richtung von dichterem Waldgebiet oder runter zum Fluss, wo das Wasser je nach Lichteinstrahlung die Farben wechselt. Dabei kann man im Hintergrund die Rangerkinder (Juniorranger) marschieren hören. In den Flüssen sind sogar einige Leute am Baden, auch wenn das Wasser extrem kalt ist. Da bleibt man doch lieber im Schatten und genießt die Sicht auf das spiegelglatte Wasser neben einem.

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Nennt mir einen Ort, an dem sich wandern besonders lohnt 🙂

Preise:

Trees of Mystery: Erwachsene 19$, Senioren 14$, Kinder 9$ (ab 5 Jahren)
Website: https://www.treesofmystery.net/

Tipps:
1) Holt euch bei Trees of Mystery einen Wanderstock, falls ihr den Pfad von oben nach unten laufen möchtet. Man bekommt sie beim oberen Gondelhaus und kann ihn wieder unten zurückgeben.
2) Wenn ihr zuerst zu den „Trees of Mystery“ und danach zum „Forest Café“ geht, bekommt ihr bei ersterem einen Rabatt-Coupon für zweiteres.
3) Die Bäume in Prairie Creek sind noch um einiges urtümlicher, als die in im Jedediah State – falls ihr nur einen Tag in der Gegend habt und nicht sicher seid, was ihr anschauen möchtet.

Deep Blue Paradise

Deep Blue Paradise

Dreizehn – Über Crater Lake, die Oregon Caves und den Boot-Opi

So sehr es einen auch reizt, die Küste weiterzufahren, wir haben uns ein Ziel im Inland gesteckt, das auf dieser Seite Amerikas ziemlich bekannt ist: Den Crater Lake. Es ist der tiefste See Amerikas und wie man beim Namen schon erkennen kann, handelt es sich um einen Vulkan namens Mount Mazama, der vor 7700 Jahren ausgebrochen ist und dessen Schlund sich anschließend mit Wasser gefüllt hat. Wie tief der See wirklich ist, weiß niemand. Die Forscher haben unterschiedliche Daten festgehalten (aktuell ist die festgestellte Tiefe bei 592 Metern), aber der Grund des Sees wurde dabei bisher nicht richtig erforscht, da man nur bis auf eine bestimmte Tiefe tauchen kann. Sicher sind sich die Forscher nur mit der Tatsache, dass Moos auf dem Grund wächst und das Wasser filtert – einer der Gründe, warum Crater Lake so blau ist. Bis wir zum ersten Mal davor standen, war ich der festen Überzeugung, dass die meisten Bilder im Internet und den Souvenirshops gefotoshoppt sind – wenn die Sonne aber auf das Wasser fällt, erscheint das Wasser wirklich indigoblau mit einigen grünen Sprenkeln am Rand.

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Um zum See zu gelangen, waren von unserem Oregon-Küstentrip aber erst noch einige Stunden nötig. Unser Halt für zwei Nächte ist Medford, wahrscheinlich die nächstgrößere Stadt beim Crater Lake, der ziemlich abgelegen oben in den Bergen thront. Mittlerweile sind wir auch ein bisschen in Wäschenot geraten und müssen vor dem finalen Halt bei einem Wäschesalon (Laundromat) stoppen. Natürlich erwischen wir genau den mit dem grummeligsten Besitzer überhaupt, der uns bei der Bitte, unsere Scheine in Kleingeld zu wechseln, nur angrunzt. Dazu sollte man wissen, dass die „Speed-Queen“-Waschmaschinen nur mit 25 Quarter-Geldstücken laufen und man die in einem Automaten innerhalb des Salons bekommen kann – der hier aber klemmt. Immerhin können wir feststellen, dass der Besitzer von keinem seiner Kunden begeistert ist… er schnaubt auch vor sich hin, wenn jemand anderem eine Socke runterfällt.

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Bis Waschmaschine und Trockner durchgelaufen sind, vergeht etwa eine Stunde – idealer Zeitraum, um sich irgendwo eine Pizza zu holen und sie im Auto oder vor der Waschmaschine zu essen. Und eine gute Basis, wenn man in Medford ankommt und sich vor lauter Hitze nicht mehr bewegen will. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an meine Forks-Motelbeschreibung? Was soll ich sagen…Medford ist sogar noch unglaublicher als Forks. Das Motel ist an einer Tankstelle mit Chinarestaurant und in unserer Badewanne blättert der Lack ab. Außerdem verstehen wir wirklich nicht, warum unsere Nachttischlampen in Plastik eingewickelt an die Wand genagelt wurden… so langsam habe ich das Gefühl, dass wir hier nicht wieder lebend rauskommen werden! Unsere Nachbarn fahren übrigens ein Auto, das niemals vom TÜV zugelassen würde (aber hey, ist ja praktisch, dass die Amerikaner keinen TÜV haben). Die Front ist eingedellt, ein Frontlicht zerquetscht und es rostet sichtbar von unten nach oben. Sie selbst hocken in löchrigen Stühlen vor der Tür oder zu fünft im Wohnzimmer, trinken Alkohol und rauchen Gras, was die ganzen Türen nebenan vollnebelt. Über uns wohnt zudem ein nachtaktiver Mensch, der um zwei Uhr nachts durch die Gegend rennt, sodass man mit Garantie wieder wach wird. Übrigens wechseln unsere Grasnachbarn in dem Zeitraum in dem wir da sind, nicht einmal ihre Position. Sie nicken allerdings beeindruckt, wenn sie dich nach einem ganzen Tagesausflug zurückkehren sehen.

Und Crater Lake muss man schon als Tagestrip sehen, da man von Medford mit 40 Grad gute zwei Stunden hoch in die Berge fährt und beim Aussteigen vielleicht noch 10 Grad hat – nicht so toll für Stefan mit seinen kurzen Hosen. Die Aussicht, die Lodge oben auf dem Berg und die Pfade sind zwar wunderschön, aber man muss sie ziemlich schnell wieder verlassen, wenn es plötzlich gewittert, regnet, schneit und hagelt (ja, genau in der Reihenfolge). Dann muss man zwischendurch in die Lodge flüchten, um einen Unterstand zu haben und einen überteuerten Hotdog zu essen. Hinter sich hört man enttäuschte Leute, die sich darüber aufregen, dass es nur ein asiatisches Gericht im Mittagsmenü gibt.

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Aber zurück zum See. Den Crater Lake umgibt teils Nadelwald, teils Steil- und Steinklippe. Er ist fast kugelrund und man kann den Rand komplett mit dem Auto abfahren – nach unten zum Wasser kommt man aufgrund der Hänge allerdings nicht, es sei denn man meldet sich für Boottouren an, was aber nur zu bestimmten Jahreszeiten möglich ist. Am einen Rand des Sees liegt auch noch eine kleine Insel, die „Wizard Island“ genannt wird und auch wirklich wie aus einem Film aussieht mit ihrer ovalen Form, alten Bäumen und grünem Ring um die Ränder – aber täuscht euch nicht – auch Wizard Island ist ein Vulkan und sogar ein aktiver. Nachdem es am Crater Lake (im Juni!) immer noch vor sich hinschneit und wir unsere Ausflugsroute gelaufen sind, beschließen wir zurückzufahren; stoppen dann aber doch noch einmal im Park – was sich als beste Entscheidung des Tages herausstellt.

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Eigentlich wird hier die Aussicht auf einen Wasserfall angepriesen – der ist allerdings lange nicht so spektakulär wie die „Allee der Giganten“. Damit sind riesige, moosüberzogene Steine gemeint, die wild über- und nebeneinander am Ufer liegen und zwischen denen ein wilder Fluss hindurch rinnt. Die Strömung ist schnell und man muss ein wenig darauf achten, dass man beim Laufen nicht abrutscht, allerdings ist es die Aussicht auf das glasklare Wasser und die Felswände wert, wenn man sich erstmal durchgehangelt hat.

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Da wir schon im Inland unterwegs sind, fahren wir auch zu den „Oregon Caves“ mit einem Stopp bei einer uralten Tankstelle, in der zwei Katzen leben (eine davon steckt kopfüber schlafend in einer engen Ablagefläche, bei der die Hälfte vom Tier hinten wieder herausquillt) und unsere Kreditkarten nicht funktionieren. Leute, habt sicherheitshalber immer Bares dabei, wenn ihr nicht irgendwo stranden wollt. Die Höhlen (Caves) selbst sind über eine der kurvigsten Strecken der Welt durch die Siskiyou Mountains erreichbar (und nein, es gibt keine andere Option um dort hin zu kommen). Man fährt eine halbe Stunde durch Nadelwälder und ist froh, wenn man die Serpentinen hinter sich gelassen hat. Vor Ort muss man einen kurzen Check mitmachen, um sicherzugehen, dass man keine Krankheiten wegen der Fledermäuse einschleppt. Ein Opi passt uns am Parkplatz ab, in touristischer Montur mit Kappe und großer Kamera um den Hals: „Wisst ihr, ob man Fotoapparate mit rein nehmen darf?“
„Keine Ahnung.“
„Na gut. Dann muss ich wohl nachfragen. Dachte, ich kann mir den Weg sparen.“
Etwas irritierend, da er den Weg sowieso nehmen muss, um in die Höhlen zu gelangen. So erfährt die Frau am Schalter immerhin alles Mögliche über sein Leben, denn das stellt sich als sein Lieblingsthema heraus.

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Vor den Höhlen steht eins der schönsten Gebäude von unserem bisherigen Trip, das „Oregon Caves Chateau“. Es ist etwas windschief und das Holz leicht verwittert, aber das Gebäude ist wundervoll verschachtelt, hat einige Fensterfronten und einen kleinen, smaragdgrünen Teich vor dem Eingang. Wenn man eintritt, sieht man ineinander übergehende Treppen, was an Hogwarts erinnert und es gibt keinerlei klaren Gebäudeplan – dafür aber ein cooles Cafe mit guten Suppen und Burgern, an dem man in langen Tischreihen hockt. Kaum haben wir begonnen, unsere Suppen zu löffeln, setzt sich besagter Opi in unsere Nähe und bestellt einen gigantischen Eisbecher, wobei er -Überraschung!- der Kellnerin seine Anreise und seine Eisauswahl erläutert. Wir müssen leider ziemlich schnell wieder los – die Tourzeiten starten alle 15 bis 30 Minuten und unsere Führerin wartet schon vor dem Eingang. Sie nennt sich „Ranger Mogli“ und sieht auch dementsprechend aus: Sie hat zwei lange, schwarze Zöpfe, die sie unter einen breiten Tarnhut gestopft hat und ist wirklich winzig. Gut für sie, da man die Höhle größtenteils in der Hocke gehend durchquert. Als sie die Personen durchzählt, runzelt sie die Stirn: „Es fehlt noch jemand…“
Will jemand raten? Unser Lieblingsopi taucht kurze Zeit später keuchend auf und beginnt uns begeistert zu erzählen, wo er herkommt. Irgendwie muss man ihm seine Coolness mit seinem gestylten Bart und seiner lauten Sprechweise ja schon lassen…

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Die Höhlen sind in Oregon die Einzigen, durch die ein Bach fließt und man hört das Geplätscher während des Laufens. Der Opi stupst mich dabei an: „Hey, warst du schonmal auf `nem Boot?“
„Ja, mehrfach.“
„Das hier klingt auch so, als wären wir auf einem!“ Er sieht sich aufgeregt um: „Ich liebe Boote!“
Ich kann mich nicht entscheiden, was ich dazu noch sagen soll…
Wir erfahren von Mogli, die alles in begeisterter Dora-Explorer-Manier erklärt, dass die Höhle 1874 von Elijah Davidson gefunden wurde, weil dessen Hund einen Bären hinein gejagt hat. In wilder Verzweiflung rannte er dem Hund hinterher, bis ihm das Licht seiner Streichhölzer ausging. Er schaffte es wohl nur heraus, weil er sich am Geräusch des Flusses orientierte. Das Gestein (hauptsächlich Kalkstein und Marmor) ist von eben jenem Wasser geschliffen und  die Feuchtigkeit hat den Effekt, dass die Höhle sehr kalt ist. Es gibt viel zu sehen und viel zu laufen, anstrengend, weil ein Großteil davon Treppen sind und viele Wege extrem schmal zulaufen. Einmal sehen wir sehr überraschend eine Fledermaus, woraufhin eine Frau in der Gruppe losschreit und der Opi klatscht, nur um kurz darauf zu fragen: „Was war das eigentlich?“
Er schlägt sich aber sehr gut, was die Treppen und die Haltung angeht, dabei ist er ein ganzes Stück größer, als die meisten von uns.

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Es ist insgesamt die schmalste Höhle in der Stefan und ich je waren. Man sieht um jede Ecke herum etwas anderes, steigt enge Gittertreppen und sieht die unterschiedlichsten Gesteinsarten. Mogli gestaltet das Ganze sehr lustig und zeigt uns sogar ein uraltes Bild von der Zeit, in der die Höhle entdeckt wurde und man als Werbung darin sogar Hochzeiten gefeiert hat. Zugegebenermaßen sehen die Brautjungfern in ihren dünnen Kleidchen alle etwas miesepetrig aus, vermutlich weil es auf ihre Köpfe tropft. Mein Lieblingsteilnehmer grinst: „Die sehen ja lustig aus!“
Am Ende der Tour muss man wirklich sagen, dass sich der Ausflug gelohnt hat und man viel Neues gesehen hat. Zum Beispiel gibt es einen Stein, auf dem sich mehrere Leute schriftlich verewigt haben und der mittlerweile ebenfalls zum Stalagmit geworden ist. Wenn man die Höhle durchlaufen hat, kann man zudem noch zahlreiche Pfade darum herum oder über die Höhlen laufen. Aber wir fahren wieder zur Küste, denn, wie der Opi sagt: „There’s nothing better than the ocean and a boat!“

Welche Höhlentour könnt ihr empfehlen?

 

Preise:
Crater Lake Nationalpark (ohne den Annual Pass, den wir gekauft haben): 25$ pro Auto im Sommer, 10$ pro Auto im Winter
Website: https://www.nps.gov/crla/index.htm
Oregon Caves Tour: 10$ Erwachsene, 7$ Kinder
Website: https://www.nps.gov/orca/index.htm

Tipps:
Die Oregon Caves bieten so viele Touren am Tag an, dass man normalerweise nicht im Voraus buchen muss. Falls ihr aber eine Bootstour auf dem Crater Lake machen möchtet, solltet ihr dringend vorher buchen.
Die Höhlen bieten zudem auch noch Touren mit Kerzen an – falls euch das mehr zusagt!

Küstenflair – Unterwegs auf Highway 101

Küstenflair – Unterwegs auf Highway 101

Zwölf – Über die Tillamook Cheese Factory, die Leuchtturmküste und den Safari Park

Wenn man in den Reiseführern über die Küstengegend liest, ist die meistgenannte davon wohl die Ostküste mit großen Städten wie Boston, Portland und New York oder der Streifen der Westküste zwischen San Francisco und Los Angeles. Wer hätte gedacht, dass die eigentlich positivste Überraschung die Küste von Oregon ist? Wenn man den Scenic Highway entlang fährt, gelangt man über die Route 101 zu einigen der schönsten Sandstrände, Schluchten und dschungelartigen Wäldern mit Parkanlagen.

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Wir starten von Portland aus in Richtung Tillamook, wo eine der bekanntesten Käsesorten im ganzen Land in der „Tillamook Cheese Factory“ produziert wird. Leider ist die Käsefabrik zu unserem Besuch gerade geschlossen, da das Hauptgebäude umgebaut wird und die Eröffnung erst in einigen Tagen stattfindet, dafür kann man im angrenzenden Farmshop eine Tour zur Begrüßung machen, sich einige Eckdaten zur Produktion und der Verarbeitung einholen und Käsesorten testen und erwerben. Man erfährt zum Beispiel, dass die Milch nach Lieferung zur Fabrik innerhalb von 24 Stunden zu Eiscreme oder Käse verarbeitet wird, insgesamt macht das am Tag über 77 000 Kilo Käse. Außerdem kann man das selbstgemachte Eis kaufen und auch wenn das nicht allzu billig ist – die Portionen sind groß genug für ein ganzes Mittagessen (und ich hatte nur eine Kugel davon!).
An der Küste entlang gibt es mehrere „State Parks“, an denen man hinausfahren und den Strand ablaufen kann. Es gibt auch einige Aussichtspunkte für „Whale-Watching“ und wenn man Glück hat, sieht man, wie sie das Wasser in weiter Ferne durchpflügen und dann wieder so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Hin und wieder entdeckt man auch Krabben, die am Strand unterwegs sind (oder es zumindest einmal waren) und man kann immer ein paar Ruderer und Schwimmer ausmachen, auch wenn das Wasser noch nicht besonders warm ist. Oregons Küste ist vor allem für seine vielen Küstenstädtchen und seine Leuchttürme bekannt.

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Insgesamt acht Stück reihen sich an der Küste entlang und stehen zum Teil auf Klippen, zum Teil auf Landzungen, die sich weit ins Meer erstrecken. Einige von ihnen kann man für Touren besuchen, zum Beispiel das Coquille Lighthouse in Bandon. Es wurde 1896 gebaut und ist der letzte Leuchtturm, der auf die Liste der historischen Plätze aufgenommen und restauriert wurde. Egal welchen Leuchtturm oder welchen Strand ihr zum Rausfahren wählt – alle von ihnen sind naturbelassen, nicht zugebaut und ein guter Ausgleich zu langen Fahrzeiten im Auto. Solange man dabei nicht die Zeit vergisst…

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Als Stop in der Mitte ist Cape Perpetua mit dem „Thor’s Well“ zu empfehlen. Wenn man erstmal Städtchen wie Newport, Pacific City und Yachats hinter sich gelassen hat, ist es gar nicht mehr so weit. Es handelt sich bei Perpetua um eine raue und kantige Küstengegend, bei der das Wasser in Höhlen und Klippen gespült und durch den Widerstand hoch in die Luft gesprüht wird. Wenn es sich zurückzieht, werden die einzelnen Felsen sichtbar, ansonsten wirkt die Gischt unter einem wie ein brodelnder Hexentopf. Eins steht fest: Mit trockenen Schuhen aus dem Gebiet zu kommen, ist so gut wie unmöglich. Wenn ihr trocken bleiben möchtet, könnt ihr auch von oben auf die kraterartige Landschaft mit hellgrünen Moos, Tümpeln und dunklem Stein hinunterschauen.

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Auch wenn man nirgendwo stoppen will, gibt die Küste beim Fahren hunderte unterschiedliche Aussichtspunkte her – seien es die Felsen im Wasser, die berühmten Sanddünen je weiter man in Richtung Süden fährt oder die Brücken, die seit den 30ern die direkte Fahrt entlang der Küste überhaupt ermöglichen. Designt wurden sie zum größten Teil von Conde McCullough, der damals für das „Department of Transportation“ in Oregon als Ingeneur arbeitete und insgesamt half, über 600 Brücken zu entwerfen. Mit der Aussicht auf die Natur und die Brücken, ist jedenfalls absolut berechtigt, dass der Highway 101 zu den schönsten Routen der Welt gehört.

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Einen Ausflug möchte ich noch erwähnen – in Bandon gibt es den „Wildlife Safari Park“, in dem man die unterschiedlichen Tiere streicheln kann. Irgendwie waren Stefan und ich überzeugt, dass es sich bei einem Safaripark um etwas handelt, wo man mit dem Auto durchfährt. Stattdessen ist man zu Fuß unterwegs und bekommt Snacks für die Tiere in die Hand, wenn man sie füttern möchte. Es ist ein ziemlich seltsamer Augenblick, wenn man den Eingangsbereich durchschreitet und eine Tür öffnet, hinter der ein großes Reh mit abwartenden Kulleraugen und Bambifell steht, das gezielt auf seine nächste Mahlzeit wartet. Hat man einmal die Hand ausgestreckt, kommt eine ganze Herde von ihnen angerannt und mit ihnen Esel, Ziegen und Böcke. Bis man sich irgendwann im Schneckentempo durch das Gehege bewegt hat und bei Truthähnen, Straussen und Gänsen herauskommt, vergeht eine Weile. Der Park ist nicht besonders groß, was Stefan und ich für die Tiere etwas bedauern, aber immerhin sind die Gehege alle sehr sauber und die Tiere können sie hin und wieder wechseln. Alle 15 bis 30 Minuten werden kleine Vorführungen oder Infoveranstaltungen zu Tieren gegeben, wobei man die meisten von ihnen streicheln kann. Auch wenn mir nicht ganz wohl dabei ist, einen Luchs zu tätscheln, der einen mit großen, gelben Augen beobachtet, ist eine eine ziemlich einzigartige Vorführung. Allerdings ist wesentlich einfacher, ein Opossum auf dem Arm zu haben, einen Fuchs zu streicheln oder ein Frettchen zu berühren – wobei letztere extrem hektisch sind und in absolut alles hineinkriechen, was sich in ihrer Nähe befindet – vielleicht nicht ganz ideal, wenn man einen Ausschnitt hat! Aber für jemanden, der Bambi als Kind geliebt hat und Tiere allgemein gerne betätschelt, ein klares Muss.

Was ist eure Lieblingsküste?

Preise:
Wildlife Safari Park Bandon: Kind 9$ (bis 6), Kind 12$ (bis 12), Senioren 17$, Erwachsene 19$
Website: http://www.westcoastgameparksafari.com/

Tipp:
Plant für die Runterfahrt an der Küste Oregons zwei Tage ein – alles an einem Tag zu fahren, ist ein ziemliches Programm und es gibt so viel zu sehen, dass ihr bestimmt keinen Stress dabei haben möchtet.

6 Stops in Portland

6 Stops in Portland

Elf – Über den größten, eigenständigen Buchladen, Portlands Gärten und Downtown

Die nächstgrößere Stadt beim Olympic National Park ist Portland; was unser nächstes Ziel ist und es ist ein überraschend Grünes. Man fährt eine lange Zeit geradeaus bis man überhaupt bemerkt, das man sich bereits in den Außenvierteln befindet und das Zentrum wird sichtbar über mehrere verschachtelte Straßen und Brücken, die einen Blick über die Skyline bieten. Interessanterweise hat die Stadt deutlich weniger wirklich-hohe Hochhäuser, als die meisten anderen Städte (und das mit 2,3 Millionen Einwohnern im Großraum Portland). Auf dem Willamette River schippern viele Boote umher und da die Stadt so viel Wert auf ihr „grünes Image“ legt, kann man an allen Ecken Fahrräder ausleihen. Portland hat viele Häuser im Kolonialstil und auch eine Menge Reihenhäuser mit Balkonen, die sich seitlich hinunter hangeln. Es gibt Brunnen, Parkanlagen und viele kleine Shops, die selbstgemachte Brötchen, Eis und -natürlich- Hotdogs verkaufen. Außerdem kann man Bierbrauereien besichtigen und in einigen regionalen Burgershops stoppen.

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Stop 1: Weil das Wetter so gut ist, machen wir einen Ausflug zum Japanischen Garten, der oberhalb des Stadtzentrums liegt und in alle Touristenführer als erstes angeführt wird. Unserer Meinung nach nicht ganz berechtigt, vor allem, wenn der Eintrittspreis pro Person bei ca 17$ liegt. Die einzig gute Sache an dem Preis ist, dass keine Steuern hinzukommen – Oregon ist der einzige Staat an der Westküste, bei dem dies der Fall ist.
Aber zurück zum Garten: Die Stufen zum Eingangsbereich werden von einem Wasserfall begleitet und ein Blick nach oben zeigt einen schicken Glasbungalow, der als Teesalon dient und wo man ein paar Häppchen essen kann. Zum Eintritt bekommt man auch einen Geländeplan. Man kann die unterschiedlichen Punkte allein ablaufen oder Informationen vom dabei stehenden Personal bekommen. Der Garten führt über Stein- und Wasseranlagen, über Holzbrücken und vorbei an Kunstgalerien. Außerdem gibt es einen Zengarten mit Sand und Kies, sowie einen Bungalow mit japanischen Kunstwerken und historischem Hintergrund zu japanischen Handwerkstechniken. Auf der Terrasse sieht man jahrhundertealte Bonsaibäume und das Klingeln von kleinen, verschnörkelten Windfängern liegt in der Luft. Es ist ein schöner Garten im minimalistischen Stil; es ist aber auch ein stolzer Preis, wenn man eigentlich in nicht einmal einer Stunde alles durchlaufen hat und um die Mittagszeit relativ viel auf engem Raum los ist.

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Stop 2: Glücklicherweise befindet sich gegenüber des Japanischen Gartens der Rosengarten, wegen dem Portland auch „Rose City“ genannt wird. Der Garten wurde 1917 eröffnet, kostet keinen Eintritt und ist sehr beeindruckend mit mehr als 300 Rosenarten, langen Wiesen, Konzertplätzen und Brunnen. Falls ihr im Juni da seid, werden alle Rosen in Blüte stehen und es gibt so viele unterschiedliche zu sehen, dass  man gar nicht weiß, wo man hinschauen soll. Mein Liebling ist die „Rainbow Rose“, die verschiedene farbliche Blütenblätter hat und so groß ist, wie zwei nebeneinander gehaltene Handflächen. Wenn man Glück hat, hört man sogar ein paar Musiker in der Gegend spielen, die die Pavillons als Bühnen nutzen oder mit ihrer Gitarre auf den Treppenstufen der Freilichtbühne hocken. Falls all das nicht überzeugend genug klingt: Da wir hier von einem Rosengarten sprechen, riecht es absolut fantastisch.

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Stop 3: Nach einem Hamburger suchen wir in der Innenstadt nach einem Parkplatz, um irgendwie in die Nähe von „Powell`s City of Books“ zu gelangen. Es ist der größte unabhängige Buchladen der Welt und er erstreckt sich über einen gesamten Häuserblock. Wenn man eintritt, wird man von unterschiedlichen Schildern durch die Buchreihen gelotst, einen Durchblick bekommt man bei all der Auswahl aber nicht wirklich. Unser Airbnb-Gastgeber hatte uns ebenfalls mitgeteilt, dass man mehrere Male dort gewesen sein muss, um sich auch nur ansatzweise zurechtzufinden. Es gibt sogar eine eigene Abteilung von Katzenbüchern (wobei die meisten Autoren natürlich vorgeben, ihre Katze zu sein…). Falls es Bücher gibt, die man hier nicht findet, wäre es wirklich ein Wunder. Scifi, Fantasy, True Crime, Esoterik…alles mischt sich untereinander. An vielen der Bücher hängen einzelne Empfehlungen der Powell-Mitarbeiter, wobei man sich fragen muss, ob die überhaupt noch einen Durchblick haben, bei all den gebrauchten und neuen Büchern, die sich bis an die Decke stapeln. Wer zwischendurch etwas für die Nerven braucht kann auf jeden Fall ins Café im unteren Stockwerk gehen und sich einen Kaffee schnappen. Übrigens… Hut ab an alle Studenten, die hier über Büchern brüten und in Gängen auf dem Boden sitzen – ich fühle mit euch.

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Stop 4: Circa dreißig Minuten außerhalb von Portland befinden sich die Multnomah Falls, die aus atemberaubender Höhe die Felsen hinunterstürzen. Auch wenn sie von weitem erst schmal und etwas unscheinbar wirken, so sind sie umso beeindruckender, wenn man an ihrem tiefsten Punkt steht, das Wasser vor einem aufbraust und man gesprenkelt wird. Es handelt sich dabei eigentlich um zwei Wasserfälle, die einmal in der Mitte gebrochen werden.
Mit Glück ist der Pfad, den man rundum um eine Brücke über die Wasserfälle gehen kann, offen. Bei schlechtem Wetter wird er allerdings geschlossen. Und lasst euch nicht irritieren – der Wasserfall liegt an der Autobahn und der Parkplatz befindet sich in ihrer Mitte!

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Stop 5: Wenn man keine Lust mehr auf Natur und viel Herumgerenne hat, kann eines der größten Einkaufscenter in Portland besuchen. Dort findet ihr in der Regel alles, was ihr braucht und das Essen ist um einiges günstiger. Manche der Zentren haben auch Überraschungen wie eine große Eisfläche enthalten, bei der man ohne Probleme ein paar Schlittschuhe ausleihen kann.

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Stop 6: Downtown. Zugegebenermaßen haben wir nicht die Zeit gehabt, lange in Downtown zu verweilen, man fühlt sich allerdings an kleine Provinzorte mit lokalen Produkten erinnert, wenn man durch die Gassen schlendert. Es gibt alles von chinesischer Kunst, über Eis, Gartenfiguren, Kleidung, Farmshops und Naturkosmetik. Die Bäume sind mit Lichterketten umwickelt und gemusterte, große Plastiktiere stehen an den Straßen. Wer sich in einer Stadt wie auf dem Land fühlen möchte, ist hier bestens aufgehoben.

 

Was ist eure liebste Großstadt und warum?

Preise: 
Japanischer Garten: Erwachsener 16.95$, Rentner 14.50$, Student 13.50$, Kind 11.50$ (ab 6 Jahren, davor freier Eintritt).
Website: https://japanesegarden.org/

Tipps: 
Macht euch keine Gedanken ums Parken, wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid. Die großen Kaufhäuser haben alle freie Parkplätze und wenn ihr in der Innenstadt in die Seitenstraßen fahrt, stehen eure Chancen nicht allzu schlecht, Plätze mit Automaten für 4 Stunden zu finden.

Twilight-Vibes – Ein paar Tage in Forks

Twilight-Vibes – Ein paar Tage in Forks

Zehn – Über den Olympic National Park, die Küste und heimatliebende Rentner

Nach mehreren Tagen in der Gegend der Sammamish-Indianer entscheiden wir uns für einen Trip zum Olympic National Park, der im Norden von Washington, nahe der Pazifik-Küste liegt. Als wir ins Auto steigen, regnet es in Strömen und wir stoppen für ein kurzes Frühstück im Testy Chef Café im Maple Valley, mit Blick aufs Wasser und den typischen Hashbrowns (gerösteten Kartoffeln), Eiern und heißer Schokolade. Abgesehen davon wird dort auch „Biscuits with gravy“ serviert (eine Art Nationalgericht) und wir beschließen, das bei Gelegenheit mal auszuprobieren. Die Fahrt an Seattle vorbei führt über viele Brücken, Inseln und vorbei an einigen Häfen und nach circa zwei Stunden stoppen wir in der Dungeness Recreation Area, die direkt an der Küste liegt und in der man über einen „Primitive Trail“ ans Wasser gelangt. „Primitive“ meint in diesem Fall übrigens, dass der Pfad naturbelassen ist.

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Man geht unter tiefhängenden Ästen und hohem Gras hindurch eine Weile an Baumstämmen, Blumen und komplettem Moosboden vorbei und sieht ab und zu auch vorbeirennende Eichhörnchen und mit Glück auch ein Reh. Der Trail ist vor allem so schön, weil man sich von der Welt abgekapselt fühlt, keine Autogeräusche hört und nicht viel Betrieb ist. Nach circa 30 Minuten lichtet sich dann das Grün und man steht auf einer schicken, neuen Holzplattform mit Blick über die Küste. Es ist das erste Mal in diesem Urlaub, dass Stefan und ich an einem Strand stehen. Sand, bunte Steine, Muscheln, Krabben und Treibholz erstrecken sich soweit der Blick reicht und wenn man sich etwas zu sehr auf das Sammeln dieser Dinge konzentriert, kann es schon mal sein, dass man mit nassen Schuhen den Pfad wieder nach oben stapft. Die meisten Bereiche, die zu dieser „Recreation Area“ gehören, kosten übrigens keinen Eintritt, es kann aber sein, dass man einen kleinen Betrag für den Parkplatz dalassen muss.

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Der Highway 101 am National Forest entlang ist übrigens absolut überraschend: Es gibt hinter jeder Kurve neue Felsformationen, Wasserfälle, unterschiedliche Wald- und Pflanzenformen und man fährt vorbei am Lake Crescent, der sich mehrere Meilen neben der Strecke entlang zieht und den Blick auf Berge und Paddelboote freigibt. Unsere Unterkunft ist in Forks. Ja…der Ort ist genauso spannend wie er klingt und JA, es ist angeblich der Ort aus der Twilight-Buchreihe, in der sich Bella in den Vampir Edward verliebt (was man irgendwie verstehen kann, wenn man mal hier war, denn so viel geht in diesem Ort wirklich nicht ab…). Falls ihr allerdings vorbeischauen wollt, um einige der Drehorte zu sehen… die Filme wurden gar nicht hier gedreht, ein Stück weiter südlich kann man aber ein paar von ihnen besichtigen.
Unser Motel ist die Krönung von Forks: Die Zimmer sind vollkommen in Ordnung, allerdings sieht es von außen ein wenig aus, als hätte es eine Zombieapokalypse überlebt, bei der die Reinigungskräfte nicht mehr mit ihren Utensilien fliehen konnten. Genauer gesagt stehen ihre Putzeimer und die neue Bettwäsche konstant vor den Türen, es gibt mit Tape zugeklebte Mülleimer (den Sinn dahinter habe ich noch nicht ganz verstanden, denn wie soll man sie jetzt leeren?! Abgesehen davon denke ich nicht, dass ein Bär sich von Tape aufhalten lässt…) und der Innenhof hat Schlaglöcher, die man erstmal irgendwie umfahren muss. Meine Lieblingstatsache ist übrigens der auf dem Gebäudeplan eingezeichnete Fitnessraum, der kürzlich wohl abgebrannt ist und nun als Grillplatz verwendet wird (was anderes wäre vermutlich auch nicht mehr daraus machbar gewesen). Wer jetzt denkt, dass diese leicht durchgeknallte Atmosphäre den Ort billiger macht, täuscht sich gewaltig.
Forks ist mit LaPush der einzige Ort auf dieser Seite des Parks und deshalb ziemlich teuer. Wer Twilightsouvenirs kaufen möchte oder gut chinesisch essen will (auch wenn man dabei von einer Jacob-Pappfigur beobachtet wird), ist in Forks aber gut aufgehoben und es liegt außerdem am nähesten bei unserem Ziel: Dem Hoh Rain Regenwald.

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Als wir uns dorthin aufmachen, sieht das Wetter noch ganz passabel aus, nach zehn Minuten schüttet es allerdings in Strömen und das wird auch nicht besser, als wir über eine Stunde in den Wald hineinfahren. Ich schätze der Regenwald hat uns an diesem Tag deutlich gezeigt, warum er seinen Namen verdient hat. Die Äste sind tiefhängend und mit Moos überzogen, die Bäume knorrig und gleichzeitig so hoch, dass man ihre Spitzen nicht mehr erkennt. In der Luft liegt der Geruch von Sommergewittern und Moos, aber die Kälte hält einen davon ab, den Wald als „tropisch“ zu bezeichnen. Man bekommt eigentlich erst einen Eindruck davon, wie groß der Wald ist, wenn man so weit in ihn hinein fährt und wirklich weit ist das immer noch nicht, auf eine Gesamtfläche von fast 405,000 Hektar gesehen. Der Hoh Rain Forest ist nicht weit von Seen, Bergen und Stränden entfernt, was diesen Nationalpark vielschichtig und auch besonders macht – es ist der einzige Park in den USA, der einen Regenwald beinhaltet.

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Tropfend machen wir uns auf den Weg zum Visitor Center und den anschließenden Pfaden, die man hier laufen kann. Es gibt vier, die miteinander kombinierbar sind und wir laufen an dem Tag drei davon, die durch Wasser, Moostäler, Brücken und über umgekippte Baumstämme führen; einen durchnässt, aber auch beeindruckt zurücklassen. Das Wasser im Park ist unnatürlich klar und grenzt dabei fast schon an eine silberne Farbe, was es umso deutlicher von all dem Grün darum abhebt. Es wurden viele Informationsschilder entlang der Pfade aufgestellt, die über seltene Pflanzen und Bäume informieren. Man lernt zum Beispiel, dass Bäume, die über den kaputten Wurzeln oder Stämmen ehemaliger Genossen wachsen, „Nurselogs“ genannt werden, da sie deren Nährstoffe weiterhin für sich und neues Leben nutzen. Das Moos in den Bäumen sorgt dabei bei Sonnenlicht atmosphärisch für Dunst und lässt die Äste bei Regen umso düsterer erscheinen. Es ist nicht schwer einem Ort zu verfallen, der sämtliche Gegenden eines Herr der Ringe -, Harry Potter- oder Disneyfilms entspricht (und irgendetwas davon mag schließlich jeder… falls nicht, kann ich emotionsloses grünes Lego-Zusammenstecken empfehlen).

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Der bekannteste Pfad des Waldes wird übrigens „Hoh River Trail“ genannt, der fast 18 Meilen durch den Wald, entlang an Seen vorbei und hoch in die Berge führt. Er darf nur als fortgeschrittener Wanderer mit Campingsausrüstung und in einer Gruppe gelaufen werden, da Bären in diesem Teil der Wälder unterwegs sind und die erste Regel dabei lautet, sich nicht allein auf den Pfaden zu bewegen. Bei ständig wechselndem Wetter ist so ein langer Trail allerdings nicht einfach und es handelt sich nicht um einen sogenannten „Loop Trail“ (Rundweg), sondern man kommt oben in den Bergen wieder hinaus und kann alles wieder zurücklaufen oder muss sich mit einem Shuttle abholen lassen.

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Wer statt Wäldern lieber Strände sehen will, kann die gesamte Küste des Parks abfahren und wird immer wieder schöne Strände mit Sand oder Steinen finden. Wir haben auf unserem Trip beispielsweise am Ruby Beach gehalten, wo das Wasser die Farbe von Whiskey hat und man den Strand nur dann vollständig ablaufen kann, wenn man die Schuhe auszieht und durch einige Bäche stapft. Kontrastprogramm dazu wäre wohl Sol Duc Valley, was ein Teil des Regenwaldes ist, der viele Steigungen und Wasserfälle hat und wo man zwischen mehreren alten Bäumen hindurchklettert, um zu den sogenannten Sol Duc Falls zu gelangen.

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Auch zu empfehlen ist unser zweiter Tagestrip zum Quinault Rain Forest am südlichen Ende des Parks. Dieser wird von den Ureinwohnern der Quinault Indian Nation betreut und erstreckt sich ebenfalls entlang eines Sees (Lake Quinault) und einem kleinen Ort mit mehreren Häusern sowie einem alten, wunderschönen Gästehaus am Seeufer, bei dem Kanus geliehen werden können und man einen Pfad am Ufer entlang hoch in den Wald nehmen kann. Die Steigung ist etwas heimtückisch, weil man zunächst in Serpentinen läuft und sich all das mehrere Meilen zieht, aber dafür sieht man Wasserfälle, Teiche und Menschen, die sich mit ihren winzigen Hunden durch Bärengebiete kämpfen. Dieser Regenwaldteil ist nicht so mooslastig und urtümlich wie der Hoh Rain, dafür hat man mehr Wasseraussichten und bekommt „Indiana Jones“- Schwingungen, wenn man über Baumstämme und Holzbrücken läuft, unter denen das Wasser rauscht und sich Pflanzen durch die Lücken der Holzbrücken schlängeln (abgesehen davon besitzt Stefan seit unserem Ausflug zum Bryce Canyon einen verrückten Lederhut und summt beim Laufen die „Indiana Jones“-Titelmelodie, vor allem wenn er über Baumstämme steigt und plötzlich beschleunigt…).

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Eine weitere Überraschung ist auch in diesem Wald verborgen. Die größte Fichte der Welt steht nahe am Wasser und hat einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde bekommen. Der Baum ist so gigantisch, dass man seine Krone schon von weitem sieht und es nicht möglich ist, ihn einmal ganz aufs Bild zu bekommen. Lasst es euch in Zahlen sagen: Fast 60 Meter Höhe und 18 Meter Umfang.

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Darunter steht bei unserer Ankunft übrigens eine Gruppe Rentner, die wild gestikuliert und dabei ein wenig empört den Kopf schüttelt. Ein Mann mit Amerikaflaggenrucksack hat die Hände in die Hüfte gestemmt: „Wisst ihr, neulich hat mir jemand gesagt, dass ich mehr reisen sollte. Ich bekäme ja nichts mit von der Welt. Aber wenn ich hier stehe und diesen Baum sehe, dann denk ich: Warum soll ich weg? Den gibt’s so ja sonst nirgendwo anders!“
Irgendwie liegt er ja gar nicht so falsch mit seiner Aussage…

 

Preise:
Eintritt Olympic National Park: 30$ pro Auto (Pass gültig für 7 Tage).
https://www.nps.gov/olym/planyourvisit/visiting-the-hoh.htm

Tipps:
1) Nahe Forks und Sol Duc gibt es ein Thermalbad im Wald, das „Sol Duc Springs“ heißt. Man kann es je nach Saison bis abends um 21 Uhr nutzen und bekommt die letzten zwei Stunden vergünstigt.
2) Falls ihr überlegt, einmal das Geld für ein schönes Gästehaus in den USA hinzulegen, wählt das „Rain Forest Resort Village“ am Quinault Lake.

Back to the 80s

Back to the 80s

Neun – Wallaby-Baby, Snoqualmie Falls und Twedes Cafe

Bevor wir am nächsten Tag das Baumhausparadies verlassen, haben wir im Haupthaus Frühstück, wobei man mit allen Personen von den anderen Baumhäusern an einem Tisch sitzt. Es ist eine entspannte Atmosphäre, weil jeder erzählt, warum er da ist und wir von einer Mitarbeiterin ein bisschen etwas zu der Geschichte der Baumhäuser erfahren. Außerdem teilt sie uns mit, dass der Baumhauspark eine Auslastung von 97 % hat.
Zum Frühstück gibt es eine Auswahl an selbstgebackenem Quiche, Honig-Granola, Naturjoghurt und Bananenbrot und man kann sich an Getränken bedienen, die auf einer kleinen Theke angerichtet werden.

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Alle Personen, die in den anderen Häusern übernachten, sind gerade dabei, ihre Hochzeitstage zu feiern und es ist sehr lustig, einmal in der Reihe herum zu gehen und 45, 25 und 10 Jahre als Jahrestag zu hören,  während Stefan und ich mit unseren FAST fünf Jahren dasitzen. Aber hey! Wusstet ihr, dass fünf Jahre als „hölzerne Hochzeit“ zählen? Ist doch ganz cool, dass wir ausgerechnet dieses Jahr unsere hölzerne Baumhausnacht hatten…

Nachdem wir ein bisschen in der Souvenirabteilung gewütet haben (okay, ich gebe zu, dass ich vermutlich mehr Schaden angerichtet habe…), müssen wir die Baumhäuser verlassen. Ein Pärchen aus einem anderen Baumhaus kommt mit uns nachmittags zu einer Känguru- und Wallaby Ranch, aber da wir noch ein bisschen Zeit haben, beschließen wir, einen Ausflug nach Issaquah, die näheste Stadt zu machen.

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Sie ist nur 15 Minuten mit dem Auto entfernt und liegt im Tal neben dem bekanntesten Berg der Gegend: Mount Si. Der Berg wurde nach einem alten Mann benannt, der jahrelang auf einer Seite des Berges lebte und dort wohl der einzige Einwohner war. Nach seinem Tod fanden die Leute im Ort es am angebrachtesten, den Berg mit Mount Si zu betiteln, was sich bis heute gehalten hat. Issaquah liegt an diesem Tag ein wenig im Nebel, aber das macht nichts, wenn man die Straße hinunterschlendert, vorbei an erstaunlich kleinen Häusern, bunt dekorierten Laternen und kleinen Cafes. In der Mitte von Issaquah verlässt auch täglich ein historischer Zug die Stadt, der einige der bekannteren Punkte (wie die Snoqualmie Falls) in der Gegend abfährt. Wir hätten die Chance gerne ergriffen, allerdings war unsere Zeit etwas knapp und die Tickets sind nur zu bestimmten Uhrzeiten zu erwerben.

Die Känguru- und Wallaby Ranch liegt in der Nähe von Snoqualmie; einem Ort, der hauptsächlich für einen gigantischen Wasserfall und das Luxushotel auf der Bergklippe bekannt ist. Die Ranch ist ein wenig abgelegen, nicht so einfach zu finden und wir sind zum Glück noch auf die Minute pünktlich. Vor dem offiziellen „Tiere-Streicheln“ präsentiert der Besitzer uns in einem Vortrag einige Fakten über die Kängurus auf seiner Farm und wie sie aufwachsen (Video dazu auf seiner Website). Er zeigt uns dazu viele Bilder, die vom National Geographic Magazin auf seinem Gelände aufgenommen wurden und die die Entwicklung eines Babys im Beutel seiner Mutter zeigen. Man sieht den Beutel eines Kängurus übrigens nur dann, wenn eine Mutter ein Kind bekommt, ansonsten ist sie in der Lage den Beutel zu verstecken. Ein Känguru kann direkt nach dem ersten Baby, ein zweites bekommen. Sie „entwickeln“ dabei aber nur das Erste vollständig und bewahren das Zweite in ihrem Beutel auf, bis sie Nummer eins nach circa neun Monaten „vor den Beutel“ setzen. Kängurubabys kommen zudem ohne kognitive Fähigkeiten zur Welt, was sie ziemlich einzigartig macht. Die einzige Funktion in ihrem frühen Stadium ist es, zum Nippel der Mutter zu kommen, bis sie nach langer Zeit entwickelt genug sind, um sich von etwas anderem zu ernähren (meistens ist das dann Dreck und Gras (ist das wirklich eine Steigerung?!)). Der Vortrag ist interessant und lustig gestaltet und da es gerade ein Baby-Wallaby auf der Farm gibt, dürfen wir es im Anschluss einmal halten.

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Falls ihr euch jetzt fragt, was der Unterschied zwischen Känguru und Wallaby ist – ein Wallaby ist wesentlich kleiner und nicht ganz so flauschig, aber das tut ihrer Niedlichkeit keinen Abbruch. Abgesehen davon ist es ein verdammt cooles Erlebnis in ein Gehege mit mehreren Wallabys und Kängurus gelassen zu werden, die sich fast alle streicheln lassen und natürlich auf Futtersuche sind. Unser Führer hat ihnen allen außerdem ungewöhnliche Namen wie „Trouble“ und „Vanilla Bean“ gegeben. Er sorgt übrigens auch dafür, dass einige der Babys adoptiert werden (Preis für eine Adoption liegt zwischen 2000 und 4500 Dollar). Kängurus sind aber nicht darauf trainierbar stubenrein zu werden.

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Nach circa eineinhalb Stunden mit den „Roos“ fahren wir in guter Stimmung noch zu den Snoqualmie Falls, wo man neben dem Luxushotel „The Salish Lodge“ parken und die Aussichtspunkte abfahren kann. Dabei erfährt man auf den Schildern ringsum einiges über das Bewässerungssystem, die Indianer (Snoqualmie People), die in dieser Umgebung gelebt haben und über Bigfoot, der angeblich ebenfalls hier herumschleicht (in dem Souvenirshop hängen übrigens mehrere verschwommene und rot eingekreiste Aufnahmen von irgendetwas, das Bigfoot sein könnte…meiner Meinung nach könnten die Bilder auch einen Schwarzbären oder einen dicken, schwarz-angezogenen Mann darstellen, aber das wäre ja zu einfach…). Der Wasserfall rauscht jedenfalls in atemberaubenden Tempo 82 Meter den Berg hinunter und man hört ihn auch auf den Pfaden, die man in den Wald laufen kann… oder sollte ich eher „hinunterfallen“ sagen? Sie sind ganz schön steil und die Sache ist umso lustiger, wenn man unten feststellt, dass es keinen Rundweg gibt…yay!

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Wer noch Lust auf einen besonderen Besuch hat, sollte einen Abstecher ins „Twedes Cafe“ machen. Es ist einer der Hauptdrehorte der alten Serie „Twin Peaks“ (1990) und da gerade eine neue Staffel gedreht wird, gibt es Gerüchte, dass die Schauspieler in der Gegend unterwegs sind. Das Café ist äußerst amerikanisch mit rustikalen Holztischen, weiß-roten Vorhängen, roten Lederhockern und einer langen Theke, die einen etwas abgenutzten Eindruck macht. Darüber flackern Neonreklamen und dahinter wird Merchandise zur Serie verkauft. Die Preise sind trotz der Bekanntheit immer noch völlig okay und man geht garantiert nicht hungrig aus dem Laden – die Portionen reichen für den ganzen Tag.

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Am Abend checken Stefan und ich in das verrückteste Airbnb aller Zeiten ein…oder sollte ich sagen, dass wir in die 80er Jahre zurückkatapultiert werden? Die Einfahrt wird von Stormtrooperhelmen beleuchtet, beim Eintritt rennt uns eine begeistert miauende Katze an und unsere Badezimmertür wird von einem gigantischen Stormtrooper bewacht (dafür ist unser Bad selbst komplett pink gestrichen). Unser Bett hat eine Heizdecke und um uns herum leuchten Bilder von Xanadu, Vanity 6, Madonna und diverse andere entgegen. Auf  dem Nachttisch stehen Pac-Man Gameboys und es gibt Körbe mit Süßigkeiten aus den 80ern. Wenn man das Wohnzimmer betritt, wird man eventuell von kleinen, ferngesteuerten Starwarswesen aus Plastik angefahren, die die Katzen wahnsinnig machen und Kriegsmusik abspielen und die Küchenlampen bestehen ebenfalls aus Trooperhelmen. Geht man die Treppe hoch, steht alles voll mit dem Weißen Hai, Chucky der Mörderpuppe und Nightmare before Christmas. Es gibt auch einen riesigen Haikopf, der auf- und zuschnappen kann. Dazu gibt’s noch ein Zimmer zu Ehren von Twin Peaks, ein Zimmer voller Star Wars Figuren und das Zimmer unserer Gastgeber repräsentiert Disneyland mit verrückten Alice Im Wunderland Lampen und einem elektrischen Zug, der, vom Handy bedient, einmal oben an der Zimmerdecke entlangfahren kann. Ehrlich gesagt ist das definitiv einer der coolsten Orte, die ich jemals gesehen habe! Die Gastgeber sind super nett und wenn man abends aus seinem Bett 80er Filme wie „Adventures in babysitting“ (1987) oder „Clueless“ (1995) schaut, und außen Soundtrack Musik von „Halloween“ läuft, kann man sich kaum etwas Epischeres vorstellen.

 

Preise:
1) Eisenbahn Issaquah/Snoqualmie: 5$.
2) Känguru- und Wallaby-Ranch: 15$ pro Person, wenn mehrere Personen an der Tour teilnehmen. 30$ pro Person, wenn man nur zu zweit ist.

Tipps:
1) Tickets von der Bahn direkt an der Bahnstation besorgen: Die Bahn fährt jedes Jahr von Mai bis September. Sie fährt Samstag und Sonntag von 11 bis 15 Uhr.
2) Vor der Känguru- und Wallabytour erst anrufen und anfragen, ob man an einer geplanten Tour teilnehmen kann. Meistens gibt es einen festen Termin am Tag um 14 Uhr, aber es wird um telefonische Reservierungen gebeten.
http://wallabyranch.org/
3) Website und Menü vom Twedes Café: http://www.twedescafe.com/. Wenn ihr klassisch nach der Serie vorgehen möchtet, solltet ihr den Cherry Pie essen!
3) Da das Airbnb wirklich einzigartig war, verlinke ich es euch hier: https://de.airbnb.com/rooms/20257388

 

 

Disconnect from the World

Disconnect from the World

Acht – Kennewick, The Yellow Church Café und TreeHouse Point

Einer meiner größten Wünsche für diese lange Reise war es, zum TreeHouse Point in Fall City in Washington zu fahren. Vielleicht ist einigen von euch die Serie Treehouse Masters von dem TV-Kanal DMAX bekannt, die seit vielen Jahren übertragen wird und aktuell in die 10. Staffel übergeht.
Treehouse Masters wird von Pete Nelson geleitet, der mit seiner Frau zusammen schon vor der Show eine Baumhaus-Ferienanlage eröffnete und diese weiterhin vermietet. In den ersten Staffeln konnte man sogar mitverfolgen, wie die heute-zu-mietenden Baumhäuser entstanden.

Da ich die Serie seit einer Ewigkeit verfolge (und wahrscheinlich die meisten ausgestrahlten Folgen mehrfach gesehen habe) war es für mich die ultimative Erfahrung in Amerika beim Baumhaus-Park vorbeizufahren. Man kann allerdings nur an bestimmten Tagen (einmal im Monat) Touren mitmachen, weshalb wir uns dazu entschieden haben, eine Nacht im Baumhaus zu übernachten und selbst durch den Park zu wandern. Die Baumhäuser sind oftmals komplett ausgebucht aufgrund von Hochzeiten und anderen Veranstaltungen; man kann aber hin und wieder auch eine Buchungslücke finden. Von Idaho zum Treehouse Point sind es etwas über acht Stunden und wir machen auf der Hälfte einen Stopp in Kennewick, einer der sogenannten „Three Cities“ am Snake und Columbia River.

IMG_0031Die Stadt ist sehr ruhig und gepflegt und wir übernachten in einem kleinen Airbnb mit zutraulichem Schnauzer-Hund und sehr netter Gastgeberin. In der Stadt gibt es einige Outletcenter und Foodcourts; da die Stadt direkt am Wasser liegt, kann man allerdings auch durch Parks und auf Inseln schlendern. Und wenn die Sonne untergeht, gibt es wohl keinen schöneren Ort, als eine der Bars mit Dachterrassen, von der aus man das Wasser und die Sonne sehen kann.
Wir fahren am nächsten Tag hoch Richtung Norden, die Strecke führt vorbei an Weinbergen und Weingütern, die auf großen Schildern entlang der Autobahn angeworben werden. In Ellensburg, einem kleinen Städtchen neben dem Highway, machen wir einen Mittagsessensstop im Yellow Church Café, das schon mehrfach für seine Menüs ausgezeichnet wurde.

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Wenn man auf der Reise auf der Suche nach etwas Besonderem ist, dann ist dieses Café und Restaurant sicher eine gute Wahl und liegt nicht zu weit weg von Sehenswürdigkeiten wie Spokane, Leavenworth und einigen Nationalparks. Das Essen hat mich überrascht; ich hatte noch nie in meinem Leben Pasta mit Limettensoße und getrockneten Tomaten, aber es ist definitiv empfehlenswert und die Ausstattung der ehemaligen Kirche, die zum Café umgebaut wurde, ist einen Blick wert!

Von Ellensburg aus fährt man ein gutes Stück in die Berge hinein, die einem gigantisch vorkommen, wenn sie rechts und links von unserem kleinen Chevrolet Cruze aufragen. Die Namen der Ortschaften und der Aussichtspunkte wechseln ins Indianische und man liest im Vorbeifahren Namen wie „Snoqualmie“, „Squammamish“ und „Issaquah“. Pete Nelsons Baumhauspark liegt auf dem Weg nach Fall City und ist eingenestelt in ein grünes Tal aus Bäumen, Flüssen und Moos. Es sieht aus, als wäre der Park in einem Disney-Märchenland gebaut worden, allerdings ohne Feen, Einhörner und Kobolde…obwohl die Baumhäuser durchaus für all diese Märchenwesen als Zuhause dienen könnten.

20180607_031714Stefan und ich werden beim Ankommen mit Zitronenkuchen begrüßt und durch das Haupthaus auf dem Grundstück geführt, das zugleich auch für das Frühstück am nächsten Tag dient. Die Haupthaus-Lodge ist eine Stil-Mischung aus einem englischen Cottage und einem amerikanischen Countryhaus mit langgezogenen Holzdielen, Lichterketten über dem Eingang und schwerfälligen Sesseln, in denen man versinken kann. An den Wänden hängen Bilder von der Gegend, dem Team und natürlich T-Shirts, die man von den Baumhausprofis erwerben kann. Im hinteren Teil des Gebäudes befindet sich eine Art Bibliothek mit Kamin, vor dem man gemütlich seinen Tee trinken und ein paar E-Mails schreiben kann – die Lodge ist auf dem Gelände nämlich der einzige Ort, an dem es Internet gibt, schließlich ist das Motto hier: „Connect with and disconnect from the world.“

IMG_0081Mit einem Übersichtsplan vom Gebäude in der Hand, machen wir uns schließlich auf den Weg zu unserem Baumhaus. Unsere Unterkunft für die Nacht heißt „Nest“ und man gelangt über Brücken, unter denen glasklares Wasser durchfließt, und schmale Kiespfade dorthin. Die Treppen werden abends beleuchtet und das „Nest“ empfängt uns mit heller Fensterfront, Schokoladenpralinen und dem Geruch nach Kiefernadeln.

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Groß ist es nicht, aber das würde wohl auch dem Namen und dem klassischen Baumhausstil widersprechen. Die Decken haben einen bunten Vogelaufdruck und man kann aus lindgrünen Sesseln auf das Wasser unterhalb des Baumhauses sehen. Eine Veranda zieht sich außen herum mit zwei Holzstühlen und einem kleinen Tisch. Da es eins der ersten Baumhäuser und auch das einzige mit einem Motto, ist, hat das Baumhaus noch kein Bad, ABER bevor hier empörtes Geschrei losgeht: Nur ein paar Schritte von dem Häuschen entfernt gibt es ein kleines, aber sehr schick und modern angelegtes SPA-Haus mit Regendusche und wunderschöner Holzvertäfelung.

IMG_0100Wenn man den Park weiter durchquert, sieht man alle sieben Baumhäuser der ehemaligen neun (zwei mussten aufgrund von dem Fluss am unteren Teil des Parks abgebaut werden). „Trillium“ ist dabei das Baumhaus mit der größten Glasfläche, „Temple of the blue moon“ ist das erstgebaute der Baumhäuser und „Bonibi“ (mit Hängebrücke) ist das Hochzeitsbaumhaus. Unter diesem fließt auch der Fluss entlang, an dem man ein Stück entlangwandern und die mit Moos überzogenen Äste bewundern kann. Es sieht so aus, als hätten die Bäume sich eingepackt, um sich vor Wind und Wetter zu schützen, aber das macht den Ort nur noch mystischer, als er ohnehin schon ist. Hin und wieder sieht man ein Eichhörnchen durch die Gegend rennen und auf einer großen Holzfläche mit Überdachung findet eine Hochzeitsfeier statt.

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IMG_0060Das Baumhaus aber schirmt einen von all dem ab und das Bett hat die bequemste Matratze aller Zeiten, aus der man beim Filme anschauen gar nicht mehr aufstehen will. Die einzigen Geräusche beim Augenschließen sind die Vögel in den Bäumen ringsum und das Wasser unterhalb des Hauses. Wenn irgendein Ort das Motto „disconnect from the world“ besser umsetzt, wäre ich sehr überrascht.

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Preise:
Nacht im Baumhaus: 300$ (abhängig von der jeweiligen Saison). Preis gilt für zwei Personen inklusive Frühstück.
Website: http://www.treehousepoint.com/
Die Serie „Baumhaus Profis“: https://www.dmax.de/programme/die-baumhaus-profis

Tipps:
Wenn ihr interessiert seid an einer Nacht im Baumhaus – man kann zu bestimmten Zeiten, die auf der Website festgehalten sind, im Voraus buchen. Oder ihr versucht es spontan und habt vielleicht noch Glück.
Ich verlinke euch hier als Tipp auch noch das „Yellow Church Café“: http://www.theyellowchurchcafe.com/.