Von New York nach Hamburg – 18 Tage & 11 Stops mit der AIDAvita

Von New York nach Hamburg – 18 Tage & 11 Stops mit der AIDAvita

Als Abschluss einer langen Reise stehen wir nach 3 Monaten USA auf einem Kreuzfahrtschiff am Manhattan Terminal in New York mit der Stadt im Rücken und dem Meer am Horizont. Vor uns liegen 18 Tage mit der AIDAvita mit einer Route entlang Amerika, Kanada, Grönland, Island, Schottland und Hamburg am Ende. Das Schiff ist eines der kleinsten der AIDA-Flotte, aber uns kommt es riesig vor als wir am Terminal darauf warten, einzusteigen. Auch für den Startpunkt New York konnte man vom Schiff aus bereits Ausflüge buchen, aber für uns ist es Luxus genug, sich nach mehreren Tagen in der Stadt die Füße nicht weiter plattzulaufen und auf dem Deck des Schiffs die Hochhäuser vor sich hin funkeln zu sehen. Als sie kleiner werden beim Ablegen des Schiffes fühlt es sich wie ein Neustart an und das nach all der Reiserei davor.

Boston

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Quincy Market Boston

Es ist der letzte Stop nach drei Monaten Rundreise- ein komisches Gefühl das Land danach wieder zu verlassen. Boston ist die schönste Stadt, die ich mit Stefan in den USA besucht habe. Wir haben auf dem Schiff eine Tour gebucht, die uns mit dem Bus durch das Zentrum und entlang einiger der wichtigsten Sehenswürdigkeiten kutschiert. Die Gebäude bestehen zum größten Teil aus rotem Backstein und sie erinnern an die englische Baukunst – Boston ist schließlich ein Teil Neuenglands. Zwischen uralten Friedhöfen, modernen Shops, Parkanlagen und Brunnen verläuft der Freedom Trail der zu den Wahrzeichen der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, dem man mit Sternchen auf dem Boden folgen kann. Aus dem Bus heraus sehen wir das Staatshaus, wo gerade sogar der Minister in einem wichtigen schwarzen Anzug einem Parteimitglied die Hand schüttelt. Es geht die Fahrt entlang über die Longfellow Bridge, die einen in die Ferne über den Charles River sehen lässt, bis man lauter Inseln im Wasser erkennt und vorbei an den tausenden Universitäten und natürlich der Szenerie der Boston Tea Party. Unser letzter Stop ist der Quincy Market, der alte Marktplatz im Zentrum nahe dem Wasser, an dem man sich kreuz und quer mit Essen eindecken kann. Ein Gang durch die alten Hallen zeigt winzige Stände und die Gerüche mischen sich wie auf einem orientalischen Basar. Hummer, Suppen, indische Speisen und Eis liegen nebeneinander und in den Hallen einen Sitzplatz zu bekommen, ist so gut wie unmöglich. Wir steigen letztendlich erst 2 Stunden später wieder in den Bus zurück und beschließen, noch einen Abstecher zu den „Boston Swans“ zu machen. Über den Freedom Trail gelangen wir zum breit gefächerten Parkgelände vom Public Garden mit Cafés, angelegten Seen und letztendlich auch einen großen Teich, auf dem im Sommer die Schwanenseeboote fahren. Sie wurden 1877 und aus Holz gemacht; ein Fahrer tritt vorne in die Pedale und treibt das Boot, mit einem großen Holzschwan darauf, mit ca 10 Personen über den See. Die Fahrt ist nicht teuer und wenn man die Chance im Sommer mitnehmen kann, sollte man es unbedingt mal mitmachen! Außerdem zu sehen: Die Harvard Universität im Cambridge-Viertel der Stadt sowie die Straßen von Beacon Hill mit schmalen Gassen, Gusslaternen und schicken Häusern.

Portland

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Nur einen Tag später durchlaufen wir Portland, eine Stadt mit roten Backsteinhäusern, Hummerständen und Cafes in der Bucht Casco Bay. Portland war Ausflugsziel und Geburtsstätte einiger bekannter Leute – hier ist beispielsweise Bushs Ferienhaus, zu dem ihr von der AIDA aus einen Ausflug buchen könnt. Auch Stephen King wurde hier geboren.
Kunst könnt ihr an der Eastern Promenade bewundern – es gibt hier mehrere Ateliers, dann natürlich die berühmten Hummer-Spezialitäten der Gegend und einige Brauereien. Ins Auge fällt auch der wunderschöne Schiffsplanken-Leuchtturm Portland Head Light der oben auf Cape Elizabeth thront. Stefan und ich wandern durch’s Stadtzentrum hoch in den Stadtpark mit vielen kleinen Brücken und Brunnen. Es gibt ein winziges Hexenhäuschen am Ausgang, das sehr gutes Fingerfood macht und wir schlendern am Schluss wieder zu den Strandläden zurück.

Halifax

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Halifax Citadel

Halifax ist unser einziger Stop mit ein wenig Regen und einer in Nebel getauchten Bucht. Irgendwie hat das die Mystik der Lage nur gesteigert. Die Stadt liegt in einer sichelförmigen Bucht und ganz oben auf dem Berg befindet sich die Halifax Citadel, eine nationale, historische Denkstätte. Hier lebten 1869 die englischen Truppen als Königin Victoria regierte und dieser Bereich Kanadas erst zwei Jahre als Nation galt. Die Zitadelle selbst existiert seit 200 Jahren und hat die Form eines Sterns um als Festung alle Windrichtungen abzudecken. Ursprünglich wurde sie von der British Royal Navy genutzt als Basisstation. Ein paarmal im Jahr kann man hier an Drill-Übungen teilnehmen, zuschauen, wie Kanonen abgefeuert werden oder – was wir zum Glück miterleben konnten- die Dudelsackspieler in der Zitadelle sehen, die dort den Tag über spielen. Man kann die Baracken der Soldaten besichtigen, die Tunnelsysteme und die Waffenausstellung, abgesehen davon hat man eine wirklich schöne Aussicht über die ganze Bucht und es gibt ein Cafe mit vielen selbstgemachten Backwaren.
Halifax selbst ist zu Fuß ziemlich steil mit vielen kleinen Geschäften und Burgerbars. Bei gutem Wetter gibt es viele Restaurants mit Dachterrassen zum Raussitzen und schöne alte Häuser sowie gruslige Friedhöfe wie den Old Burying Ground mit schiefen Steinen und verbogenen Metallzäunen. Das Hafenviertel unten hat außerdem ein Titanic-Museum und wenn ihr schnell genug seid, könnt ihr von der AIDA aus einen Ausflug in den Fischerort Peggy’s Cove machen, angeblich dem schönsten Ort am Atlantik.

St John’s

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Unser letzter Stop in Kanada ist die neufundländische Hauptstadt St John’s in einer Gegend mit rauen Felsen und hohen Klippen, die Häuser sind bunt und in die Felsen genestelt. Hier wurde von den Wikingern vor 1000 Jahren die erste europäische Siedlung gegründet, einzelne Gebäude vom damaligen Stil wurden wieder nachgebaut und können jetzt ein Stück außerhalb bewundert werden. St John’s ist ein echter Traum für jeden Fotografen und hat eine wunderschöne Einfahrt auf dem Schiff mit Blick auf den Cabot Tower auf dem Signal Hill. Mittlerweile wird dieser als Morsetechnik-Museum genutzt. Da es wirklich steil ist, wird es euch einige Zeit kosten nach oben zu kommen. Die Stadt selbst hat kein großes Zentrum, aber eine hübsche Auswahl mit esoterischen bunten Läden, Souvenirauswahl, Künstlern, Restaurants und Cafés. Wenn ihr das Zentrum durchquert und der Hauptstraße folgt, gelangt ihr zu mehreren Aussichtspunkten, von denen ihr die ganze Bucht sehen könnt und einen Blick darauf werfen könnt, wie hoch sich die Häuser am Berg aufreihen! Im kleinen Park am Hafen spielen im Sommer zudem einige Musiker oder Orchester und in der Luft liegt eine fröhliche, ausgeglichene Stimmung. Schwer vorstellbar, dass die Stadt mehrmals abgebrannt ist im Laufe der Geschichte und doch immer wieder vollständig wiederaufgebaut wurde. Bis heute leben die Menschen hier hauptsächlich vom Tourismus und teils vom Fischfang. St John’s ist übrigens der erste Ort von dem aus je ein transatlantischer Non-Stop Flug startete.

Qaqortoq

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Unser Stop in Grönland war von uns heiß ersehnt und dann doch erst mal ziemlich kalt beim Aussteigen! Es gibt keinen Hafen zum Anlegen, stattdessen bleibt man mit dem Schiff weiter draußen zwischen rauer Küste und blau-weißen Eisbergen. Die Häuser in der Ferne sind bunt und reihen sich über die Bucht hinweg bis hoch zum Hang. Blau, gelb und rot, wie ein Sonnenuntergang. Wir tendern mit Bötchen zum Hafen, wo einige Einheimische das große Kreuzfahrtschiff beobachten und ein paar Marktwaren wie Robbenfelle oder Geschnitztes anbieten. Qaqortoq ist mit ca 3500 Einwohnern die größte Ortschaft Südgrönlands, was nur schwer vorstellbar ist, wenn man auf einer Landkarte betrachtet, wie groß das Land wirklich ist. Es gibt in der ganzen Gegend nur ein Krankenhaus, kaum Straßen, wir sehen ein Cafe und einen Supermarkt. Die meisten Waren müssen importiert werden. Die Gegend ist sehr schön, sehr rau und sehr ursprünglich. Schwarze Steine säumen eine Kraterlandschaft durchbrochen mit kleinen Seen, dem Blick aufs Meer und Eisberge in der Ferne. Wenn man in Qaqortoq zum höchsten Punkt wandert, schaut man über die bergige Landschaft hinweg, sieht ein paar Fischerboote im Hafen und weit außen das Kreuzfahrtschiff. Der Wind fegt wild über die Fläche und man fühlt sich, als wäre man an einem der einsamsten Punkt der Welt angekommen.

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Dennoch sind die Menschen sehr warmherzig, bemühen sich Englisch zu reden und scheinen sich bei allem die Zeit zu lassen, die uns Deutschen scheinbar ständig davonläuft. Grönland hat übrigens auch sehr viele Tierarten, dazu gehören über 200 Vogelarten, Rentiere, Polarfüche, Schneehasen und Eisbären. Und man kann im Ort hin und wieder ein paar Kinder sehen, die wie kleine Inuit angezogen sind. Auch wenn das Land nur 26 km von Kanada entfernt ist, könnten die beiden Länder nicht unterschiedlicher sein.

Prinz-Christian- Sund Passage

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Kein Stop zum Aussteigen – es sei denn man ist dem Tode zugeneigt. Dieser wunderschöne Streckenabschnitt, der offiziell noch zu Grönland gehört, ist 100 Meter lang und hat glasklares Wasser. Wenn ihr an Deck sitzt, könnt ihr die Aussicht auf Gletscher, Eisschollen, Robben und mit viel Glück auch auf Eisbären genießen. Mitten an der Passage liegt das Inuitdorf Aappilattoq, das sich mit fischen und jagen am Leben hält. Bei schönem Wetter ist dies der Abschnitt der Fahrt, den man auf keinen Fall drinnen verbringen sollte, das Schiff macht außerdem eine 360 Grad Wende, damit ihr die volle Sicht auf die Gletscher bewundern könnt.

Reykjavík

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Thingvellír

Eines unserer Traumziele war der nächste Stop: Reykjavík oder vielleicht eher Island im Allgemeinen. Man sieht überall die unglaublichsten Bilder dieses Landes und in Wirklichkeit ist es noch schöner. Wenn man mit dem Bus ins Land hinein fährt, fühlt man sich wie in einem Herr der Ringe Film mit grasgrünen Hängen und Bergen, Schnee auf den Spitzen, als hätte man ein Eis mit Sahne übersprüht. Das Land wirkt und ist alt; der erste Wikinger betrat Island im Jahre 874 und schlug sein Lager dort auf, wo heute die Hauptstadt ist. Überall dampft es aus dem Boden, die Geysire sind fast so zahlreich wie die Islandpferde.

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Mit einer Militärraupe arbeiten wir uns auf den Gipfel eines Gletschers vor; von oben sieht man Eis, Schnee und weites Land mit Wasser und ein wenig Grün. Zu Mittag sitzen wir in einer Skihütte und essen aus unseren Lunchpaketen, ehe wir mit dem Bus zu einer der schönsten Aussichten der Reise fahren: Den Wasserfällen von Thingvellír. Es ist das türkiseste Wasser, das ich je gesehen habe, über Steinpfade und Brücken kann man das Rauschen von unten aus allen Richtungen betrachten und die Luft riecht nach Winter. Ein Café nebendran verkauft einige Produkte mit isländischen Aufschriften. Mir war vorher nicht bewusst, dass es sich bei Isländisch um eine Mischung aus Englisch, Deutsch und Dänisch handelt, was es nicht allzu schwer macht, die Sprache zu verstehen. Mein neues Lieblingswort ist „Heilsusafi“; Multivitaminsaft.

Invergordon

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Cawdor Castle Gardens

Nach zwei sehr ruckeligen Seetagen, kommen wir nach Schottland. Das Wetter ist diesig und passt zu den mythischen Highlands mit hohem Gras, Flüssen, die sich durch’s Land winden und den winzigen Küstenstädten. Die Stadt Inverness liegt in einer halbkreisförmigen Bucht mit kleinen Häuschen, einem Aussichtsturm im Zentrum und ist die einzig größere Stadt der Umgebung. Am Hang erstreckt sich eine Fläche aus bunten Steinhäuschen und der Boden in der Fußgängerzone ist gepflastert. Ihr findet hier noch viele eigenständige Shops, die Whiskey verkaufen, Strickwaren, die in der Gegend produziert werden und viele kleine Bäckereien. Um den besten Blick über den Fluss und das Umland zu bekommen, kann man auf den Turm des alten Inverness Castle steigen, wo man eine Rundumübersicht und ein paar Zusatzinformationen per Video bekommt. Auch sehenswert ist die alte Markthalle mit Metallverstrebungen und hohem Glasanteil. Darin könnt ihr sowohl Essen, als auch Kunsthandwerk finden.
Nicht weit von Inverness liegt das Cawdor Castle, ein verwinkeltes Schloss aus grauem Stein mit kleinen Türmchen und einem großen Gartenanwesen. Mit dem Bus dauert es höchstens 30 Minuten bis zum Gelände und auf der Fahrt hören wir die Geschichten über die Highland-Clans, die noch immer in der Gegend wohnen. Cawdor Castle gehört zu den wenigen Burgen die immer noch in Familienbesitz sind und ist über 600 Jahre alt.
Die Burg ist nicht vollkommen frei zugänglich, da sie nach wie vor bewohnt wird. Über Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küchenquartiere sieht man auch die Bibliothek und das neu eingerichtete Cafe im Innenhof. Irgendwie erinnert Cawdor an eine Miniaturversion der typischen Fantasieburg. Einen schönen Spaziergang könnt ihr über das Gelände machen; durch Kräutergärten, neu angelegte Beete mit Rosen und Heckenpflanzen und lokale Kunstwerke wie Brunnen, Vogelfutterstellen und Metallherzen auf dem Gelände sehen.

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Als letzter Stop des Tages sind wir unterwegs zu einem der bekanntesten Ziele Schottlands: Loch Ness. Nessie ist nirgends in Sicht, als wir uns dem See nähern, doch der Busfahrer teilt uns mit, dass man Nessie nur dann sehen kann, wenn man an es glaubt. Die Legende von Nessie existiert bereits seit dem Jahr 565, als ein Abt in einer Beschreibung einen Angriff am Wasser erwähnt. Damals wurde dem Ungeheuer angeblich mit der Hölle gedroht, woraufhin es floh.

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Loch Ness

Einst thronte eine riesige Burg namens Urquart Castle auf einem Hügel neben dem See; wie groß sie war lässt sich noch anhand der Mauerüberreste erahnen. Wenn ihr ein Eintrittsticket kauft, könnt ihr in einem Kurzfilm den Bau und die Zerstörung der Burg mit ansehen, dabei stellt sich auch heraus, dass die letzten Besitzer der Burg sie selbst in die Luft gesprengt haben, um eine Eroberung der Feinde zu verhindern.
Loch Ness selbst ist eine spiegelglatte dunkelblaue Fläche, fast rund, mit einer Maximaltiefe von 230 Metern, wodurch der See das größte Volumen auf allen britischen Inseln beherbergt und nach Loch Lomond der zweitgrößte schottische See ist.
Ausflugsfahrten können mit den Booten und Schiffchen von einem Ende zum Nächsten gemacht werden. Natürlich könnt ihr euch auch ein Plastiknessie für den eigenen Pool an jeder Ecke ersteigern.

Edinburgh/Leith

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Unsere lange Reise geht fast schon zu Ende mit einem letzten Stop in Edinburgh/Leith. Diese Stadt hat wirklich alle Legenden und all das Lob verdient, das man häufig hört. Auch bei schlechterem Wetter ist es eines der schönsten Ausflugsziele Schottlands mit verschnörkelten Gebäuden, Gotikstil und schmalen Gässchen und Türmchen an so ziemlich jedem Gebäude. Hier fühlt man sich ein wenig, als könnte man direkt wieder ins Mittelalter einsteigen. Auch wenn es reichliche Ausflugstouren ab dem Hafen gibt, entscheiden wir uns dazu, mit dem Bus ins Zentrum der schottischen Hauptstadt zu fahren. Zu den größten Attraktionen gehört die Royal Yacht Britannia im Hafen, die 40 Jahre als schwimmender Palast der Königin diente. In der Stadtmitte könnt ihr aber auch das Scott Monument bewundern oder durch die versteckten Winkel hoch zum Edinburgh Castle laufen, das von allen Punkten aus sichtbar ist. Ein weiteres Merkmal ist auf dem Berg der „Arthur’s Seat“ mit einer Höhe von 257 Metern und der besten Rundumsicht. Edinburgh ist aus allen Blickwinkeln wunderschön; die Häuser sind windschief und die Pubs alt und mit tiefen Decken. Es ist klar, wie Hogwarts zustande gekommen ist, wenn man das Café „The Elephant House“ mit der Aussicht auf die Stadt betritt, wo Joanne K. Rowling Harry Potter schrieb. Und nein, auch wenn dieser Ort durch die Bücher viel Ruhm gewonnen hat, ist er dennoch nicht überteuert und die Wartezeit hält sich in Grenzen. Bustouren könnt ihr jederzeit mitmachen, aber wenn es sich je gelohnt hat, eine Stadt zu Fuß zu erkunden, dann seid ihr hier an der richtigen Adresse.

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Greyfriars Bobby

Ein paar allgemeine Eindrücke zum Schluss. Auch wenn wir vorher nie eine Kreuzfahrt unternommen haben und es schwer ist, sie mit anderen Zielen zu vergleichen, würde ich sagen, dass ihr hier mit keinem Stopp etwas falsch machen könnt. Boston war ein völlig untypisches Stadtbild der USA und deshalb so außergewöhnlich. Halifaxs Zitadelle hatte eine tolle Ausstrahlung durch die Dudelsäcke und die Einsamkeit Grönlands, aber auch die Wildnis der Gegend, war atemberaubend. Island war lange ein Ziel von uns und wir haben feste Pläne dorthin zurückzukehren; wenn ihr jemals nahe an die Gegend aus Herr der Ringe herankommen möchtet; ist das eure Chance. Und Schottland zum Abschluss ist definitiv das Sahnehäubchen des Trips; die Gegend ist auch im Regen beeindruckend und der Akzent ist einfach wundervoll!
Ausflüge vom Schiff aus sind nicht günstig, aber zugegebenermaßen gut organisiert und wenn ihr euch im Voraus überlegt, welchen ihr machen möchtet, könnt ihr euer Budget gut planen. Wir haben vor allem an den Zielen Ausflüge gebucht, wo wir sonst Autos hätten mieten müssen, um mehr von der Gegend zu sehen. Die Schifffahrt war lediglich zwischen Grönland und um Island herum ruckelig; wenn ihr für Seekrankheit anfällig seid, wird das eine ziemliche Herausforderung für euch sein. Aber auf den unteren Decks ist auch das erträglich.
Auf dem Schiff wird allerlei Programm geboten – Kinder können den ganzen Tag an Aktivitäten teilnehmen, es gibt ein Theater, Tanzstunden, Kochkurse, ein Fitness- und Wellnesscenter und den ganzen Tag über etwas zu essen – oft thematisch an das jeweilig besuchte Land angepasst. Einziger Minuspunkt für uns war die Internetverbindung, die den Großteil der Fahrt nicht zustande kam. Man fährt zwar in Urlaub, um von dem Netz wegzukommen, aber es ist manchmal trotzdem ganz schön, zusammen einen Film am Abend anzusehen.

 

Welche Kreuzfahrt könnt ihr mir empfehlen?

Preise

Boston Busse: Um die 20 EUR pro Person
Bosten Schwanenboote: Ca 5$ pro Person
Halifax Zitadelle: Um die 7$ pro Erwachsener
Island Trip: Um die 150 EUR pro Person
Ausflug Inverness, Urquart Castle und Loch Ness: Um die 85 EUR pro Person
Busse nach Edinburgh: Um die 10 EUR pro Person (Shuttle – ganztägig)

Tipps
Auf dem Schiff:
– Auf unteren Decks schlafen wenn ihr dazu neigt, seekrank zu werden
– Ausflüge so früh wie möglich buchen, bevor diejenigen weg sind, die ihr gerne machen möchtet -> Für die Ausflüge rechtzeitig Geld beiseitelegen.
– Wellnessbehandlungen spontan buchen; oft sind auf dem täglichen Schiff-Reisebericht günstigere Angebote dabei
– Getränkeflat nur dann kaufen, wenn man wirklich viel trinkt und evtl. auch abends auf dem Schiff feiern geht. Bei den Mahlzeiten sind bereits Getränke dabei und dafür braucht ihr die Karte nicht
– Es gibt nicht nur See-, sondern auch Landkrankheit (dabei hat man das Gefühl, dass der Boden schwankt). Nach spätestens dem zweiten Stop vergeht das aber wieder!
ZUSATZINFO: Alle Personen unter 25 gelten in den Preisen der AIDA als Kind – nutzt diese Vergünstigung unbedingt, so lange ihr könnt!

An den Orten:
– Boston Swans fahren nur im Sommer
– Die Zitadelle in Halifax hat abends ab 17/18 Uhr freien Eintritt
– Für die Prinz-Christian-Sund Passage müsst ihr früh an Deck sein (ca ab 7 Uhr morgens), sonst habt ihr nicht so viel davon.
– Sagt niemals Islandponys!!!! Es sind PFERDE. Alles andere wird als Beleidigung aufgefasst.
– Geld tauschen -> Ist nicht für alle Länder an Bord möglich, aber es kann überall auch mit Karte gezahlt werden oder man muss lokal einen Automat aufsuchen.
– Schottland ist überraschend billig, wenn man englische Preise gewohnt ist.
– Cawdor Castle ist nicht das ganze Jahr geöffnet – Website vorher prüfen

Weitere Ausflugsziele
Boston: Charlestown, Bunker Hill Monument, Old State House, John Hancock Tower, Old North Church, Boston Public Library, King’s Chapel, Quincy Market, Faneuil Hall Marketplace, Isabella Stewart Gardening Museum, Beacon Hill

Halifax: Halifax Citadel, Uhrturm, St Paul’s Anglican Church, Province House, Art Gallery of Nova Scotia, Brewery Market, Barrington Street, Old Burying Ground , Halifax Public Garden, Privateers Wharf, Pier 21, Maritime Museum of the Atlantic, Peggy’s Cove

St John’s: George Street, Newfoundland Museum, Railway Costal Museum, Anglican Church, Commissariat House, Cabot Tower

Qaqortoq: Marktplatz, Heimatmuseum, Tele-Museum, Erlöserkirche, das gelbe Fachwerkhaus

Reykjavík: Hallgrimskirche, Regierungsgebäude, Idno, Isländisches Nationalmuseum, Öskjulid-Berg und Perlan (Aussichtspunkt)

Invergordon: Loch Ness, Urquart Castle, Dunrobin Castle, Cawdor Castle, Fort George, Schlachtfeld von Culloden, Glenmorangie Destille, Dornoch

Edinburgh/Leith: Royal Yacht Britannia, Edinburgh Castle, St Giles Cathedral, Holyrood Palace, Arthur’s Seat, Scottish National Gallery und Prince Street Gardens

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SehensWÜRDIG? – Mit dem 7-Attraktionen-Sightseeingpass durch New Yorks Manhattan

SehensWÜRDIG? – Mit dem 7-Attraktionen-Sightseeingpass durch New Yorks Manhattan

New York ist ein Regenmeer als wir im Taxi durch die Gassen Manhattans biegen. Unser Hotel ist circa 30 Minuten zu Fuß vom Central Park entfernt und die U-Bahn Station direkt um die Ecke. Für New York haben wir im Voraus den New York City Sightseeingpass gebucht, der es einem ermöglicht, eine beliebige Anzahl von Attraktionen anzugeben und ein paar Euro zu sparen. Außerdem ergeben sich mit dem Ticket häufig nicht allzu lange Anstehzeiten – nicht zu verachten bei den ganzen Menschenmassen.
Hier also einige der Attraktionen Manhattans und ein paar Tipps, die man auf dem Weg dorthin sicher gebrauchen kann.

1) Natural History Museum

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Wer den Pass kauft, wird dieses Museum vermutlich weit oben auf seiner Prioritätenliste stehen haben. Das Natural History Museum ist mit dem MOMA vermutlich eins der berühmtesten Museen der Welt und das nicht nur, weil darin der Film „Nachts im Museum“ gedreht wurde. Es wurde 1870 von John Wolfe, Robert Stuart und Moris Ketchum Jesup gegründet und erstreckt sich mittlerweile über vier Stockwerke mit den größten Dinosaurierskeletten, einer Unterwasserabteilung mit einem riesigen Plastikwal an der Decke, einem Planetarium und allgemein so vielen Tierarten, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Es gibt seit neustem sogar zusätzliche, interaktive Ausstellungen, wo man seine Sinne testen oder in einer U-Boot-Kapsel den Meeresboden erkunden kann. Egal ob jung oder alt – das Museum bietet für jeden etwas, ist aufgrund seiner Weitläufigkeit trotz hoher Besucherzahlen nicht zu überfüllt und wer den ganzen Tag darin verbringen möchte, kann sich zwischendurch in einem der Museumcafés etwas zu essen besorgen. Besonders empfehlenswert ist übrigens auch die Edelsteinhalle im unteren Stock, in der es beim Eintreten vom Boden bis zur Decke funkelt. Definitiv ein MUSS wenn man sich für die Menschheitsgeschichte interessiert und preislich akzeptabel, da man definitiv mehrere Stunden im Gebäude verbringt. Wer außerdem Zeit im Central Park verbringen möchte, ist mit diesem Museum direkt auf dem Gelände.

2) National Geographic Encounter – Ocean Odyssey

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Bestimmt wissen die meisten von euch, dass National Geographic großartige Naturdokumentationen und Magazine herausbringt. In New York wurde dieses Jahr die erste, interaktive Ausstellung „Ocean Encounter“ eröffnet. Es ist eine sehr bildliche Ausstellung mit Dokumentarfilmausschnitten und Leinwänden ringsum, auf denen sich alle möglichen Meereswesen herumtreiben. Zudem gibt es einen Boden, der die eigenen Schritte -scheinbar auf Sand- wiederspiegelt. Mit der 3D Brille fühlt man sich in einen riesigen Fischschwarm gezogen, sieht und hört die Tiere aus den dunkelsten Tiefen des Ozeans und steht sehr echt wirkenden Robben gegenüber, die die eigenen Bewegungen zu imitieren versuchen. Es werden aber auch kritische Themen angesprochen, wie der Umgang mit Schleppnetzen und die Verschmutzung des Meeres durch Plastikabfälle. Insgesamt ist es aber ein positiver Eindruck, der von den Meeresriesen zurückbleibt und unsere Namen werden nun ewig auf einem Puzzleteil an der Besucherwand zurückbleiben.
Hochwertige Ausstellung (vor allem für Ozeanliebhaber), beeindruckende Technik und man weiß nie, welches Meereswesen hinter der nächsten Ecke lauert. Außerdem gut zu Fuß zu erreichen, wenn man sich ohnehin im Raum vom Times Square aufhält. Teuer ist es schon, aber was in New York ist das nicht? (Hust, eine Pizza 18$…)

3) Gulliver’s Gate

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Eine der schönsten Überraschungen der Stadt war definitiv die Miniaturwelt Gulliver’s Gate – übrigens nur ein Haus vom National Geographic Encounter entfernt. Beim Eintritt erhält man einen kleinen Schlüssel mit dem man in der größten Miniaturwelt der USA (4500 Quadratmeter) Kräne, Häuser, Brücken und Figuren bewegen kann, in dem man viele kleine Türschlösser dreht. Sogar ein Flugzeug kann so von seiner Startbahn abheben und eine 2cm große Oma füttert durch ein Schlüsseldrehen die wild pickenden Hühner in Sibirien. Es gibt vier riesige Showräume die sich quasi über die ganze Welt erstrecken. Da sieht man mal die Oper in Sydney, die sichelförmigen Gebäude in Dubai, die Waldweiten Russlands und natürlich New York selbst, mit all seinen Sehenswürdigkeiten. Geht man in den europäischen Teil, kann man Figuren unter dem Eiffelturm spazieren sehen, eine schwarze Dampflock fährt durch die Tunnel der Alpen und Neuschwanstein und die London Bridge werden majestätisch mit Glühbirnen erleuchtet. Die Miniaturwelt ist ein wahres Kunstwerk und bei jedem weiteren Umkreisen der Gebäude, kann man etwas Neues entdecken. Eine der coolsten Ideen ist der 3D Drucker, der neben dem Shop aufgestellt wurde. Hier kann man sich selbst in unterschiedlichen Größen als Figur drucken lassen und sich die Figur entweder nach Hause schicken lassen oder als winziger „Model Citizen“ Teil der Ausstellung werden. Vielleicht findet man sich beim nächsten Besuch dann selbst in den Straßen Barcelonas, auf dem Schiff nach Rio de Janeiro oder bei den Niagarafällen wieder.

4) Statue of Liberty

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Da Stefan noch nie in New York war, konnte die Freiheitsstatue natürlich nicht übergangen werden. Mit dem Sightseeingpass gibt es mehrere Optionen zu ihr zu gelangen. Wir haben beschlossen, nicht direkt um die Statue herumzulaufen, da man in den Schlangen ewig steht. Stattdessen fuhren wir hinunter zum Manhattan Pier. Das ist eine schöne Gegend mit weiter Uferpromenade mit schicken, verglasten Einkaufsläden voller Palmen und guten Essensmöglichkeiten.
In Laufweite dahinter liegt zudem auch das 9`11 Denkmal, das nach dem Anschlag 2001 noch immer auf die Leere der ehemaligen Twin Towers verweist.
Am Pier steigen wir auf ein kleines Segelboot um, das uns wild schaukelnd in Richtung Freiheitsstatue schippert. Nicht alle Personen auf dem Boot sind unbedingt seefest, aber dafür kann sich niemand über die glänzende Aussicht der Skyline beschweren. Die Freiheitsstatue wird damit natürlich auch abgedeckt und erst wenn man auf dem Wasser an ihr vorbei fährt, erkennt man ihre eigentliche Größe von 93 Metern. Interessantes geschichtliches Detail: Auch wenn die Freiheitsstatue in den USA steht, wurde sie ursprünglich in Frankreich konzipiert und anschließend in Teilen als Geschenk an die Vereinigten Staaten verschickt. Es handelt sich bei der Figur übrigens um Liberia, die Göttin der Freiheit, die ihre Ketten sprengt – und die USA noch unabhängiger wirken lässt.

5) One World Trade Center

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Der höchste Aussichtspunkt in New York ist mittlerweile nicht mehr das Empire State Building oder der Top of The Rock vom Rockefeller Center, sondern das neue One World Trade Center. 102 Stockwerke reicht es in die Höhe und ist damit das höchste Gebäude in der ganzen westlichen Hemisphäre. Auch wenn man nicht zur Höhenangst neigt, muss man definitiv zugeben, dass man oben ein ziemlich mulmiges Gefühl bekommt, denn die Fenster erstrecken sich von den Decken bis zum Boden und man schwebt geradezu in einer 360 Grad Version über der Stadt. Besonders cool ist auch der Fahrstuhl nach oben, der in einer Rundum-Animation anzeigt, welche Gebäude wann in der Stadt entstanden sind und wie sie gebaut wurden. Wer das One World Trade Center besucht, sollte nebenan auch das 9’11 Denkmal besichtigen, das die Leere der ehemaligen Türme zeigt. Der Ort macht nachdenklich und ist sehr beeindruckend durch die tausenden von Namen, die in die Brunnenwände des Denkmals gemeißelt wurden. Das Museum zum Attentat ist auch auf dem Platz zu finden, genau wie die unglaubliche U-Bahn-Station des One World Trade Centers, die architektonisch wie ein Gewebe aus Fischgräten über unseren Köpfen erscheint.

6) SPYSCAPE

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Dieses Jahr eröffnet wurde auch SPYSCAPE – ein Häuserblock voller Aufgaben, in dem du herausfinden kannst, ob du die Fähigkeiten zum Spion besitzt. Entwickelt wurde das Programm mit Hilfe einer Psychologin und Mitgliedern des Geheimdienstes. Durch Observationsaufgaben, Analyse und körperliche Verfassung wird dein Können in mehreren Gebieten getestet. Neben Geschicklichkeit geht es auch um Denksport und Reaktionsvermögen. Es macht auf jeden Fall Spaß, ist nicht rein auf Kinder ausgelegt und mal etwas ganz anderes verglichen mit vielen der anderen Attraktionen. Abgesehen davon lernt man auch viele historische Hintergründe, wie sich die Spionagegeschichte entwickelt hat.

7) Intrepid – Air and Space Museum

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In der Marina im Hafen liegt direkt neben den großen Kreuzfahrschiffen das Air- and Space Museum – einen Ort, an den es vor allem Männer und Jungs mit Flugzeugpullovern oder NASA-Kappen lockt. Damit will ich nicht sagen, dass Frauen nicht willkommen sind, kann aber durchaus sein, dass sie irgendwann auf dem Gelände ihre Partner verlieren und sie ihn in Richtung der U-Boote, Kampfjets oder Raketen wieder finden. Es gibt auf jeden Fall auf allen Decks etwas zu sehen – besonders interessant ist die Tatsache, das alle Ausstellungsräume innerhalb eines alten Schiffes liegen und man mehrere Hallen voller Geschichte, Waffen, Schiffsmodelle und Vorführungen durchläuft. Es gibt jetzt auch eine Weltraumkapsel, die einem das Gefühl geben soll, im All unterwegs zu sein, aber die Schlange davor ist meistens wirklich sehr lang. Eintrittspreise sind auch hier hoch – aber im Pass akzeptabel.

Zusammenfassend würde ich den Pass auf jeden Fall wieder kaufen. Es gibt von diesen Städtepässen im Internet zur Auswahl, das Gute am Sightseeingpass ist allerdings, dass man nicht im Voraus feste Ziele angeben muss und man sich spontan entscheiden kann, worauf man Lust hat. Mit der Nutzung des Passes kann man relativ viele Attraktionen preislich machen, die man sonst deswegen vielleicht eher von der Liste streichen würde. Wenn etwas das Geld wirklich wert ist, würde ich das Natural History Museum und Gulliver’s Gate empfehlen, weil man in beidem wirklich eine längere Zeit verbringt.
Allgemein ist New York, egal mit welchen Attraktionen, immer einen Trip wert und durch den Central Park auch um einiges grüner als man denkt. Wenn man mal einen Tag Pause von dem ganzen Rummel braucht, kann man sich auf jeden Fall in den Park verziehen – je weiter man hinein läuft, desto mehr erscheint er wie der einzige Ort, an dem die Stadt einmal innehält. Um im Gegensatz zu den ganzen anderen Attraktionen, ist er kostenfrei.

Was ist eure Lieblingsattraktion der Stadt? Wo wolltet ihr schon immer hin?

Preise:
Sightseeing Pass regulär pro Person bei sieben Attraktionen: 169$, bei uns durch die Aktion am 4. Juli 120$ pro Person
Natural History Museum (ohne Pass): Erwachsene 23$, Senioren 18$, Studenten 18$, Kinder 13$
National Geographic Encounter (ohne Pass): 39.50$ Erwachsene, 32.50$ Kinder, 36.50$ Senioren
Gulliver’s Gate (ohne Pass): 36$ Erwachsene, 27$ Kinder, 27$ Senioren
Mit dem Segelschiff zur Freiheitsstatue (ohne Pass): Zwischen 50 und 80$
One World Trade Center (ohne Pass): 34$ Standart Ticket
SPYSCAPE (ohne Pass):39$ Erwachsene, 32$ Kinder
Intrepid Air and Space Museum (ohne Pass): 33$ Erwachsene, 31$ Senioren, 24$ Kinder

Tipps:

  1. New York wenn möglich nicht im Sommer bereisen – Es ist sehr voll mit Touristen, die Hitze klebt förmlich zwischen den Gebäuden und die Klimaanlage im Hotel bringt nicht viel, weil man zwischendurch auch nie die Fenster öffnen kann.
  2. Sightseeingpass vielleicht schon im Voraus bei einer Aktion buchen – Wir sind zu dem Zeitpunkt ganz gut weggekommen, weil wir am 4. Juli eine Aktion gebucht hatten.
  3. Auch in kleineren Cafes sind die Preise meistens immer noch relativ hoch. Wenn ihr beim essen sparen möchtet, vielleicht doch lieber Ketten aufsuchen.
  4. Auf der Suche nach einem guten Kino? Wir können das AMC (84th Street 6, 2310 Broadway) empfehlen mit den besten, komplett ausfahrbaren Sitzen, sodass man sich vorkommt, als würde man auf einer Couch liegen.
  5. Es gibt zwar viele Taxen in der Stadt, die meisten davon verlangen oftmals aber auch horrende Summen von Touristen – mit den U-Bahn Tickets seid ihr pro Person ca 6 Dollar los und könnt in ganz Manhattan für den Tag durch die Gegend pendeln.
  6. Ich persönlich würde auch immer das MOMA empfehlen – es ist definitiv der Ort, an dem sich die verrücktesten Menschen und Künstler versammeln.
  7. Die Tour mit dem Segelboot nur machen, wenn man einigermaßen seefest ist.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Top of the Rock, Empire State Building, Hop on Hop Off Bustouren, MOMA, Brooklyn Bridge (…)

Himmel und Hölle – South Lake Tahoe

Himmel und Hölle – South Lake Tahoe

Fünfzehn – Über das BurgerSpa, Vikingshom und Sacramentos Western District

Im nördlichen Teil Kaliforniens, circa auf der gleichen Höhe wie Sacramento und San Francisco, liegt South Lake Tahoe, das Urlaubsziel vieler Kalifornier und Oregonier (ja, sie nennen sich wirklich so). South Lake Tahoe ist vor allem im Winter beliebt, da es rund um den See (Lake Tahoe) Berge mit Skianlagen und viele Skiresorts gibt. Im Sommer kann man die Gondeln benutzen, um auf die Berge zu fahren und dort wandern zu gehen. Oder man schnappt sich ein Kanu, ein Fahrrad für rund um den See oder nimmt an einer Mittags- oder Dinnercruise teil. So idyllisch das alles auch klingt – South Lake Tahoe ist vor allem eins: touristisch (und dadurch auch ziemlich teuer).

Egal wie weit man heraus fährt und die abgelegeneren Motels sucht, welche zu finden, ist nicht gerade einfach. Das Hotel, vor dem wir am Schluss stehen und das im Internet seine „Sauna, Fitnessanlage und Pool“ bewirbt (und auf das wir uns deshalb sehr gefreut haben, weil die Luft nur so steht), hat im Endeffekt nichts vom Angekündigten, dafür aber ein aufgeklebtes „Sorry“-Schild am Pool. Der Pool ist leer, die Sauna nicht geöffnet und im Fitnessraum (ein Kabuff mit zwei Fenstern in der Größe eines Schuhkartons) liegen drei Gewichte. Der Gang zu unserem Zimmer wurde mit einem Teppich ausgekleidet, der verstörend braun-rote Sprenkel aufweist. Ehrlich gesagt, wäre ich beim Blick auf das Gebäude und die zerfetzte Hollywoodschaukel am liebsten sofort wieder umgekehrt, aber die Zimmer sind einigermaßen in Ordnung und noch spontaner in Lake Tahoe zu buchen, treibt die Preise nur noch weiter in die Höhe. Wir sind umgeben von weiteren Hotels, Casinos und nicht weit entfernt von der Strandpromenade mit Luxushotels und Beachbars. Das Wetter ist abends am angenehmsten und wenn man spät vor die Tür geht, trifft man allerlei Leute auf der Straße, die zu Live-Musikveranstaltungen gehen oder zum Strand, denn der orange-rote Sonnenuntergang ist spektakulär und hin und wieder gelangt man auch zu Stellen, an denen man baden gehen kann. Die Essensauswahl in Tahoe ist genauso vielfältig wie die Nationen der Touristen und auch dementsprechend teuer – man kann aber ein paar gute italienische und asiatische Küchen auftreiben. Am wenigsten einleuchten tut mir das sogenannte „BurgerSpa“… mit abgedrucktem Jacuzzi auf dem Schild. Bedeutet das etwa, dass man seinen gegrillten Burger in einer Imbissbude IM Jacuzzi isst?! Ich war zu verstört um es auszuprobieren, aber vielleicht nutzt irgendjemand von euch ja mal die Gelegenheit!
Am schönsten ist eigentlich der Westen von Lake Tahoe, wo man weit hinauf in die Berge fahren kann und einen tollen Blick auf das hellblaue Wasser im Tal bekommt. Die Berge sind teils noch mit Schnee bedeckt und man kann vereinzelt Pfade zwischen ihnen laufen oder auch an der Strecke stoppen, um Bilder zu machen. Der schönste Stopp an der Straße ist vermutlich Vikingsholm am Emerald Bay, eine kleine, mittelalterliche Festung, die von Laura Knight in den 30ern gebaut und von ihr als Sommerresidenz genutzt wurde. Sie heiratete einen reichen Geschäftsmann, der in der Firma ihres Vaters arbeitete und half ihm und vielen großen Investoren (Wells Fargo, Union Pacific etc.) mit der Buchhaltung, weshalb sie das Geld für ihre zwei Wohnorte und Wohltätigkeitsveranstaltungen nutzte.

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Zu der Anlage führt ein längerer, kurviger und steiler Weg nach unten, wo viele große Bäume stehen und das eigentliche „Haus“ erstmal verdecken. Wenn es dann in Sicht kommt, ist es auf jeden Fall eine Überraschung, etwas wie diese winzige Burg mitten in Kalifornien zu finden. Sie hat je einen großen Turm auf den zwei Hauptseiten und ist eine Mischung aus Stein- und Holzfassaden. Im Endeffekt sieht es vor allem durch die geschnitzten Holzelemente so skandinavisch aus und durch die tiefen Dächer mit ihren verwinkelten Verzierungen. Der Innenhof ist ein großes Viereck, das zum Teil im Schatten liegt – eine von Knights Bedingungen beim Bau war der Wunsch, dass alte Bäume nicht abgeholzt werden dürfen – deshalb stehen sie nun in der Burg und darum herum. Wenn man auf der Frontschwelle des Eingangs sitzt, versteht man auch, warum sie diesen Ort gewählt hat: Es ist mit Abstand der schönste Blick auf den Lake Tahoe. Eine kleine Insel befindet sich nicht allzu weit entfernt im Wasser mit einem kleinen Türmchen darauf. Leute paddeln mit Kanus oder schwimmen im abgesicherten Bereich und das Wasser ist mit Sonneneinstrahlung fast schon türkis. Am schönsten ist die Tatsache, dass rundum nichts verbaut wurde, weil Laura Knight damals die komplette Bucht mit dem Bauland zusammen erwarb. Tickets für die Haustour kann man im Visitor Center erwerben und mit einem Eis in der Hand warten wir darauf, dass es losgeht. Die Gruppen sind meistens nicht allzu groß, aber das ist auch gar nicht so schlecht, da die Decken in der Burg eher niedrig sind und man nicht ganz so viel Bewegungsfreiheit hat, wie von außen angenommen. Die Zimmer sind wie das Äußere mit skandinavischen Möbeln im antiken Stil und hellen Farben gehalten, man bekommt viele Einblicke in Küche, Schlafzimmer und die Wohnanlagen der Bediensteten im Innenhof. Vor allem das Esszimmer ist besonders schön mit großer Glasfront, aus der man direkt zur Insel sieht. Wenn man auch nur ein bisschen Fantasie hat, kann man sich gut vorstellen, wie schön dieser Ort für ihre Übernachtungsgäste gewesen sein muss.

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Die Insel und zuvor erwähnter Burgturm war übrigens eine weitere Idee der Gastgeberin, die regelmäßig eine Teezeit in besagtem Turm anbieten wollte. Letztendlich hat sie es aber nur einmal gemacht, da der Transport von Stühlen und Tischen relativ aufwendig und der Anstieg zum Turm in ihrem Alter zu anstregend war. Außerdem ist es nicht einfach dort mit dem Boot anzulegen. Nach der Tour haben wir die Zähne zusammengebissen und ein völlig überteuertes Kanu für eine Stunde gemietet. Bereuen tue ich es nicht, weil es eine wunderbare Abkühlung bietet, die Hände ins Wasser zu tauchen und eine Stunde ausreicht, um einmal um die Insel zu paddeln und über Land den Turm zu erreichen. Wir haben uns dabei trotzdem ziemlich dumm angestellt, weil wir nicht am besten Punkt geankert haben und die Schuhe an Land zurückgelassen hatten. Aber was soll´s – man kann auch ohne Schuhe nach oben kommen und hat von dort aus einen weiten Blick über Berge, Wasser und natürlich hinüber zu Vikingsholm.

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Der Turm ist dabei wie eine kleine Aussichtsplattform angelegt und nachdem man den Aufstieg durch Gebüsch und unebene Felsen gemacht hat, fragt man sich schon, wie hier früher überhaupt eine Teezeit stattfinden konnte. Nach Laura Knights Tod gab es übrigens zwei weitere Besitzer, letzterer hat Vikingsholm schließlich dem Staat übergeben, damit jeder etwas von der Anlage hat und die Bucht auch in Zukunft nicht zugebaut werden kann.

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Wir beschließen am Tag nach unserem Trip noch die Ostseite des Sees abzufahren, um anschließend nach Sacramento zu tuckern. Ost und West könnten nicht unterschiedlicher sein. Da man im Osten leichter an den See gelangt, ist der größte Landanteil zugebaut mit Hotels, Privathäusern (sehr schicken und teuren Privathäusern) und Wasserparks (wobei man sich fragt, warum so viele Wasseranlagen überhaupt notwendig sind, wenn man so klares Wasser direkt davor hat). Die Leute reihen sich nebeneinander an den Stränden auf, als warteten sie nur darauf, wie die nächste Hotdog-Wurst gewendet zu werden und die Straßen sind so zugeparkt, dass man mit dem Auto kaum durchkommt. Wir sind dann eigentlich ganz froh, als wir das Tal hinter uns lassen und weiter hoch in die Berge fahren.

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Sacramento ist das ziemliche Gegenteil von South Lake Tahoe und das auf allen Ebenen: Es ist flach, hat nicht allzu viele Teiche und die Gebäude erinnern an Kolonialzeiten und harte Arbeit. Das Einzige, was die Städte teilen, ist die enorme Hitze, die über 40 Grad erreicht und es einem schwer macht, sich überhaupt auf irgendetwas zu konzentrieren. Wir sind an Tag eins zugegebenermaßen so ausgeknockt, dass wir im Hotel bleiben und zwischendurch mal zum Pool dackeln. An Tag zwei schaffen wir es dann in den historischen District mit Westernsaloons, der historischen Eisenbahn und dem Hafen, bei dem man auf Restaurantbooten essen und Touren mit ihnen machen kann. Es gibt auch Fahrten mit Kutschen innerhalb des Districts und hin und wieder sieht man auch jemanden, der wirklich wie ein Cowboy gekleidet ist. Der Westernteil ist auf jeden Fall weiterhin gut in Schuss und man erlebt eine bunte Mischung aus Süßigkeitenläden, Souvenirshops (mit durchgeknallten Eisenbahnen) und Restaurants. Besonders beliebt ist hier die „Sacramento-Pizza“, eigentlich einfach nur ein großes Stück Pizza aus fluffigem, dickem Pizzateig, nachdem man sich wie ein aufgeblasenes Michelinmännchen vorkommt.

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Nicht weit entfernt liegt übrigens der Financial District;  man passiert dabei eine goldene Brücke, schicke Hotels und steht am Schluss in einem sehr gepflegten Park mit Blick auf das Staatshaus und die Bibliothek. Vielleicht war es euch auch nicht bekannt, aber Sacramento ist die Hauptstadt Kaliforniens. Ziemlich irritierend, wenn es weitere Riesenstädte wie LA, San Francisco und San Diego gibt. Aber dafür repräsentiert Sacramento ein um einiges älteres Stadtbild und ist allein wegen dem Westernlook einen Blick wert.

 

Welcher Ort ist noch Himmel und Hölle zugleich?

Preis:

Tour Vikingshom: 10$ Erwachsene, 7$ Studenten/Schüler, Kinder freier Eintritt
Parkplatz Vikingsholm (anders kommt man dort nicht hin): 10$ (ganzer Tag)
Website: http://vikingsholm.com/
Kanu leihen am Emerald Bay: 35$ für eine Stunde

Tipps:

1) South Lake Tahoe weiter im Voraus buchen, wenn man wirklich ein gutes Hotel haben möchte.
2) Badesachen mitnehmen, wenn man unten schwimmen möchte oder Kanu fährt – man wird so oder so nass.
3) Schuhe im Kanu mitnehmen. Ist vermutlich angenehmer, als barfuß über die Insel zu laufen.

Zwischen den Elementen

Zwischen den Elementen

Vierzehn – Über die Burney Falls, Lassen Volcanic Park und Bären in zu naher Nähe

Nach unserem Küstentrip haben wir eine Nacht in Redding geschlafen. Es ist eine langgezogene Stadt mitten im Nirgendwo, mit einer unglaublichen Hitze, die vom Boden aufsteigt. Wir haben Glück, dass unser Airbnb einigermaßen klimatisiert ist und der nächste Supermarkt nicht allzu weit entfernt, sodass man sich nicht lange mit den Temperaturen herumschlagen muss. In Redding liegt übrigens der sogenannte „Turtle Bay Exploration Park“, bei dem man Tiere (zum Beispiel Papageien und Schmetterlinge), einen botanischen Garten und einen Baumpark sehen kann. Wir sind auch einmal über die Sundial Bridge gelaufen, die von dem spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava designt wurde, an einen Haifisch erinnert und letztendlich 24 Millionen Dollar gekostet hat. Der Boden ist in 200 Tonnen Glas gefasst und man bekommt in der Mitte einen weiten Blick auf den Sacramento River und einen Typen, der „extracool“ Jetski fährt.

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So weit man auch fährt, die Hitze von Redding hält sich beträchtlich lange und kann nach einiger Zeit ziemlich frustrierend sein. Als wir aus der Stadt wegfahren, hat es 40 Grad und wir sind erleichtert, dass es zumindest ein paar Grad kühler am MCArthur Burney Falls State Park ist, der weiter oben in den Bergen liegt und an dem sich mehrere Rangerkinder für ihren täglichen Marsch versammelt haben. Als Stefan im Lederhut an ihnen vorbei marschiert, reißt ein kleiner Junge begeistert den Mund auf und zeigt auf ihn: „Look! He has muscles! He must be a ranger!“
Da sich die eigentlichen Teamleader aber bei der Gruppe versammeln, verlieren wir die Kids relativ schnell aus den Augen und machen uns auf den Weg zu den Burney Wasserfällen. Wir sind uns übrigens einig, dass es sich bei diesen Wasserfällen um die Schönsten handelt, die wir bisher gesehen haben und das hat sicherlich mehrere Gründe.

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Erstens sind sie beeindruckende 40 m hoch und halbkreisförmig und versprühen in die Hitze zumindest einen kleinen Teil ihres Wassers. Zweitens ist das Wasser unwahrscheinlich klar und schwankt zwischen einem tiefen Blau und Türkis hin und her. Und drittens sind es die ersten Wasserfälle, bei denen man nah am Ufer sitzen und die Füße hineinhalten kann. Obwohl es einige auch schon wagen, darin zu schwimmen (mir persönlich kommt es etwas zu kalt vor, aber der Sprühregen ist trotzdem eine angenehme Überraschung. Zu dem Zeitpunkt, wo wir da waren, lag die Temperatur gerade einmal bei 12 Grad). Wir haben Glück bei so gutem Wetter unterwegs zu sein, denn über uns funkelt die Wasserwand und durch die Sonnenstrahlen gibt es allerlei Lichtreflexe auf Wegen und Wänden. Wir folgen dem Fluss circa 20 Minuten entlang, bis wir über eine geschwungene Holztreppe höher in die Berge gelangen und einen Pfad um die gesamten Wasserfälle laufen. Schwer vorstellbar, dass sie vor drei Millionen Jahren mal an einem Ort weiter unten im Tal gewesen sein sollen, so ursprünglich wie sie sich jetzt in den Felswand nesteln. Das Rauschen beim Wandern ist laut, aber eine angenehme Begleitmusik, wenn man an einer der vielen Bänke stehen bleibt, die auf dem Weg aufgestellt wurden und Zitat- oder Namensaufschriften tragen.

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Es ist der ideale Ort um ein Picknick zu machen oder ein Buch zu lesen, solange der Sprühregen nicht zu weit entfernt ist. Wir holen uns im Laden am Parkplatz eine Flasche Eistee und ein paar Snacks und beobachten während des Essens einige träge Eichhörnchen, die durch die Prärie streifen. Danach fahren wir zum circa 40 Minuten entfernten Lassen Volcanic National Park, in dem es Seen, Berge und Geysire zu bewundern gibt und der sich über ein Gebiet von 429 km² erstreckt.  Da wir vom Norden hineinfahren, ist unsere erste Sicht der Manzanita Lake; eine spiegelglatte Fläche mit einigen Ruderbooten darauf. Über den See hinweg und zwischen den Baumgipfeln hindurch, erkennt man dann den Berg Lassen Peak, der durch seine Spitze wie ein Bilderbuchvulkan in den Himmel ragt.

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Es liegt auch immer noch Schnee in den höheren Gebieten und die Luft kühlt während unserer Serpentinenfahrt deutlich ab. Es gibt viele Pfade, die man hoch zu den Berggipfeln nehmen kann, aber wir beschränken und auf die Punkte, die an der Strecke liegen. Zum Beispiel den „Opal-“ und den „Emerald Lake“, die sich durch ihre starken, blauen und grünen Farben deutlich von dem Schnee und unseren kurzen Hosen abheben. Es ist auf jeden Fall eine sehr unwirkliche Sicht mit den Bergen im Hintergrund und kleineren Geysiren, die ihre Rauchfahnen in die Luft puffen.

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Man kann man bei einigen dieser Geysire direkt mit dem Auto halten. Zum Teil brodeln sie wild vor sich hin und stinken höllisch nach Schwefel. Man fragt sich dabei wirklich, wie die Tiere in dieser Gegend überhaupt überleben können, aber offensichtlich gibt es hier die Pika-Maus, Elche, Rehe und auch Bären. Wir übernachten in der rustikalen St Bernhard Lodge, einem Holzhaus mit vielen Querverstrebungen, bunten Vorhängen und einer sehr amerikanischen und gemütlichen Atmosphäre. Den Tag vor der Anreise meldet man sich für das Abendessen an und da wir den ganzen Tag nur durch die Gegend gefahren sind, stehen wir kurz vorm Verhungern. Das Essen ist traumhaft! Auch wenn man keine Zeit zum Übernachten hat, sollte man für Frühstück, Mittagessen oder Abendessen hineinschneien. Es gibt selbstgebackenes Brot oder Croissants als Starter, Salat und mehrere Hauptgerichte, wie zum Beispiel überbackene Kartoffeln mit Pilzen oder Hackbraten mit Kartoffelpüree – im Großen und Ganzen amerikanische Küche, aber sehr liebevoll zubereitet und in essbaren Portionen. Natürlich kann man zum Abschluss auch noch ein Eis bestellen! Abgesehen vom Essen und der Lage, hat die Lodge aber noch einen weiteren, großen Pluspunkt: Im Barbereich steht ein Retro-Pacmanautomat, auf dem man allein oder zu zweit mehrere Runden spielen kann, je nachdem, wie viel Geld man einwirft. Man merkt auf jeden Fall nicht, wie die Zeit vergeht, sondern nur, wie die Münzen ausgehen, aber es ist eine super Beschäftigung mit einem Bier nebendran und ein paar 25er-Münzen in der Tasche.

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Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück mit Omelett und gerösteten Kartoffeln machen wir uns auf zu den Devil`s Kitchen Geysiren. Sie liegen abgeschieden in einem Waldstück des Parks und sind nur über eine unbefestigte Straße und eine längere Wandertour zu erreichen. Als wir auf dem Parkgelände ankommen, hat sich eine schaulustige Menge versammelt, um einen Hubschrauber und mehrere Feuerwehrautos bei dem Gästeresort „Drakes Ranch“ zu beobachten. Was wirklich passiert ist, weiß eigentlich niemand. Ein paar Leute behaupten, dass ein Touristenpaar vom Weg abgekommen wäre und von einem Bären angegriffen wurde, aber es kann sich auch nur um Spekulationen handeln. Wir beschließen, uns nicht von der Sache abbringen zu lassen und machen uns auf den Weg. Über Holzplanken, die über Sumpf und durch hohes Gras führen, gelangt man auf eine Ebene mit weitem Blick auf die Berge und das Steppengras darum herum.

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Danach komm ein längerer Abschnitt durch ein Waldgebiet, das einen, trotz des Schattens, nicht sonderlich vor der Hitze rettet und sich stetig steil durch den Park zieht. Es gibt übrigens mehrere Abbiegungen vom Weg, die man nehmen kann, seien es die zur Ranch oder zu den Seen und Bergen in der Nähe. Devil`s Kitchen liegt am Endpunkt der Pfade und ist ein ausgedörrtes, ziemlich freiliegendes Land, in dem Geysire vor sich hinbrodeln und Dampf in die Luft puffen. Im Endeffekt ist das Überraschendste aber die Farbe der Bäche, die man nicht berühren darf (es würde zu Verätzungen, wenn nicht Schlimmerem führen) und die durch die Mineralien in ein seltsames blau-grau getaucht werden.

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Auf dem Weg zurück, stolpern wir fast in eine zusammengerückte Menschenmenge, die ihre Fotoapparate gezückt hat und deren Gesichtsausdrücke zwischen fasziniert und panisch hin und her schwanken. Beunruhigend, wenn ihr Blick dabei in deine Richtung geht. Noch beunruhigender, wenn du auf einmal feststellst, dass keine zehn Meter neben dir ein Bär durch den Wald stapft und in Seelenruhe mehrere Baumstämme auf Futtersuche auseinander nimmt.  Der Bär ist zwar nicht sonderlich groß, aber definitiv groß genug, um dich umzulegen, auch wenn er im Moment nicht so wirkt, als wäre das sein primäres Ziel. Wie wir durch die Menge erfahren, heißt diese Art Bär „California Golden Bear“ und durch seine Größe und Farbe hat er tatsächlich etwas von dem gelben Gummibärchen aus der Haribopackung. Immerhin können wir behaupten, dass wir auf unserem Trip einen Elch gesehen haben und einen Bären, sowie einen Helikopter! Mit so viel Action hatten wir gar nicht gerechnet. Insgesamt hat der Trip übrigens um die zweieinhalb Stunden gedauert. Ich würde ihn nicht nochmal in der Hitze laufen, aber morgens ist es bestimmt schön und man kann fürs Mittagessen bei der Ranch einkehren.
Wenn man zudem nach etwas Besonderem auf der Suche ist, sollte man eventuell im August zum Lassen Dark Sky Festival kommen, das Wanderungen, Diskussionen mit NASA-Mitgliedern und Vorträge zur Sonnenbeobachtung von Astronomen umfasst. Oder man kommt einfach nur um einige der Phänomene zu sehen, die die Milchstraße sichtbar werden lassen.

 

Welchen Park oder Nationalpark könnt ihr empfehlen?

Preise:
1) Redding Turtle Bay Exploration Park: 16$ Erwachsene, Kinder 12$, Senioren 12$
Website: https://www.turtlebay.org/
2) McArthur Burney Falls State Park: 8$
Website: https://camprrm.com/parks/mcarthur-burney-falls-state-park/
3) Eintritt in den Lassen Volcanic Park (ohne Pass): 25$ (pro Auto)
Website: https://www.nps.gov/lavo/index.htm

Tipps:
Die Lodge war ein wirklich schöner Endpunkt vom langen Tag. Ich verlinke deshalb noch einmal die Website hier: https://www.stbernardlodge.com/.

Deep Blue Paradise

Deep Blue Paradise

Dreizehn – Über Crater Lake, die Oregon Caves und den Boot-Opi

So sehr es einen auch reizt, die Küste weiterzufahren, wir haben uns ein Ziel im Inland gesteckt, das auf dieser Seite Amerikas ziemlich bekannt ist: Den Crater Lake. Es ist der tiefste See Amerikas und wie man beim Namen schon erkennen kann, handelt es sich um einen Vulkan namens Mount Mazama, der vor 7700 Jahren ausgebrochen ist und dessen Schlund sich anschließend mit Wasser gefüllt hat. Wie tief der See wirklich ist, weiß niemand. Die Forscher haben unterschiedliche Daten festgehalten (aktuell ist die festgestellte Tiefe bei 592 Metern), aber der Grund des Sees wurde dabei bisher nicht richtig erforscht, da man nur bis auf eine bestimmte Tiefe tauchen kann. Sicher sind sich die Forscher nur mit der Tatsache, dass Moos auf dem Grund wächst und das Wasser filtert – einer der Gründe, warum Crater Lake so blau ist. Bis wir zum ersten Mal davor standen, war ich der festen Überzeugung, dass die meisten Bilder im Internet und den Souvenirshops gefotoshoppt sind – wenn die Sonne aber auf das Wasser fällt, erscheint das Wasser wirklich indigoblau mit einigen grünen Sprenkeln am Rand.

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Um zum See zu gelangen, waren von unserem Oregon-Küstentrip aber erst noch einige Stunden nötig. Unser Halt für zwei Nächte ist Medford, wahrscheinlich die nächstgrößere Stadt beim Crater Lake, der ziemlich abgelegen oben in den Bergen thront. Mittlerweile sind wir auch ein bisschen in Wäschenot geraten und müssen vor dem finalen Halt bei einem Wäschesalon (Laundromat) stoppen. Natürlich erwischen wir genau den mit dem grummeligsten Besitzer überhaupt, der uns bei der Bitte, unsere Scheine in Kleingeld zu wechseln, nur angrunzt. Dazu sollte man wissen, dass die „Speed-Queen“-Waschmaschinen nur mit 25 Quarter-Geldstücken laufen und man die in einem Automaten innerhalb des Salons bekommen kann – der hier aber klemmt. Immerhin können wir feststellen, dass der Besitzer von keinem seiner Kunden begeistert ist… er schnaubt auch vor sich hin, wenn jemand anderem eine Socke runterfällt.

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Bis Waschmaschine und Trockner durchgelaufen sind, vergeht etwa eine Stunde – idealer Zeitraum, um sich irgendwo eine Pizza zu holen und sie im Auto oder vor der Waschmaschine zu essen. Und eine gute Basis, wenn man in Medford ankommt und sich vor lauter Hitze nicht mehr bewegen will. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an meine Forks-Motelbeschreibung? Was soll ich sagen…Medford ist sogar noch unglaublicher als Forks. Das Motel ist an einer Tankstelle mit Chinarestaurant und in unserer Badewanne blättert der Lack ab. Außerdem verstehen wir wirklich nicht, warum unsere Nachttischlampen in Plastik eingewickelt an die Wand genagelt wurden… so langsam habe ich das Gefühl, dass wir hier nicht wieder lebend rauskommen werden! Unsere Nachbarn fahren übrigens ein Auto, das niemals vom TÜV zugelassen würde (aber hey, ist ja praktisch, dass die Amerikaner keinen TÜV haben). Die Front ist eingedellt, ein Frontlicht zerquetscht und es rostet sichtbar von unten nach oben. Sie selbst hocken in löchrigen Stühlen vor der Tür oder zu fünft im Wohnzimmer, trinken Alkohol und rauchen Gras, was die ganzen Türen nebenan vollnebelt. Über uns wohnt zudem ein nachtaktiver Mensch, der um zwei Uhr nachts durch die Gegend rennt, sodass man mit Garantie wieder wach wird. Übrigens wechseln unsere Grasnachbarn in dem Zeitraum in dem wir da sind, nicht einmal ihre Position. Sie nicken allerdings beeindruckt, wenn sie dich nach einem ganzen Tagesausflug zurückkehren sehen.

Und Crater Lake muss man schon als Tagestrip sehen, da man von Medford mit 40 Grad gute zwei Stunden hoch in die Berge fährt und beim Aussteigen vielleicht noch 10 Grad hat – nicht so toll für Stefan mit seinen kurzen Hosen. Die Aussicht, die Lodge oben auf dem Berg und die Pfade sind zwar wunderschön, aber man muss sie ziemlich schnell wieder verlassen, wenn es plötzlich gewittert, regnet, schneit und hagelt (ja, genau in der Reihenfolge). Dann muss man zwischendurch in die Lodge flüchten, um einen Unterstand zu haben und einen überteuerten Hotdog zu essen. Hinter sich hört man enttäuschte Leute, die sich darüber aufregen, dass es nur ein asiatisches Gericht im Mittagsmenü gibt.

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Aber zurück zum See. Den Crater Lake umgibt teils Nadelwald, teils Steil- und Steinklippe. Er ist fast kugelrund und man kann den Rand komplett mit dem Auto abfahren – nach unten zum Wasser kommt man aufgrund der Hänge allerdings nicht, es sei denn man meldet sich für Boottouren an, was aber nur zu bestimmten Jahreszeiten möglich ist. Am einen Rand des Sees liegt auch noch eine kleine Insel, die „Wizard Island“ genannt wird und auch wirklich wie aus einem Film aussieht mit ihrer ovalen Form, alten Bäumen und grünem Ring um die Ränder – aber täuscht euch nicht – auch Wizard Island ist ein Vulkan und sogar ein aktiver. Nachdem es am Crater Lake (im Juni!) immer noch vor sich hinschneit und wir unsere Ausflugsroute gelaufen sind, beschließen wir zurückzufahren; stoppen dann aber doch noch einmal im Park – was sich als beste Entscheidung des Tages herausstellt.

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Eigentlich wird hier die Aussicht auf einen Wasserfall angepriesen – der ist allerdings lange nicht so spektakulär wie die „Allee der Giganten“. Damit sind riesige, moosüberzogene Steine gemeint, die wild über- und nebeneinander am Ufer liegen und zwischen denen ein wilder Fluss hindurch rinnt. Die Strömung ist schnell und man muss ein wenig darauf achten, dass man beim Laufen nicht abrutscht, allerdings ist es die Aussicht auf das glasklare Wasser und die Felswände wert, wenn man sich erstmal durchgehangelt hat.

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Da wir schon im Inland unterwegs sind, fahren wir auch zu den „Oregon Caves“ mit einem Stopp bei einer uralten Tankstelle, in der zwei Katzen leben (eine davon steckt kopfüber schlafend in einer engen Ablagefläche, bei der die Hälfte vom Tier hinten wieder herausquillt) und unsere Kreditkarten nicht funktionieren. Leute, habt sicherheitshalber immer Bares dabei, wenn ihr nicht irgendwo stranden wollt. Die Höhlen (Caves) selbst sind über eine der kurvigsten Strecken der Welt durch die Siskiyou Mountains erreichbar (und nein, es gibt keine andere Option um dort hin zu kommen). Man fährt eine halbe Stunde durch Nadelwälder und ist froh, wenn man die Serpentinen hinter sich gelassen hat. Vor Ort muss man einen kurzen Check mitmachen, um sicherzugehen, dass man keine Krankheiten wegen der Fledermäuse einschleppt. Ein Opi passt uns am Parkplatz ab, in touristischer Montur mit Kappe und großer Kamera um den Hals: „Wisst ihr, ob man Fotoapparate mit rein nehmen darf?“
„Keine Ahnung.“
„Na gut. Dann muss ich wohl nachfragen. Dachte, ich kann mir den Weg sparen.“
Etwas irritierend, da er den Weg sowieso nehmen muss, um in die Höhlen zu gelangen. So erfährt die Frau am Schalter immerhin alles Mögliche über sein Leben, denn das stellt sich als sein Lieblingsthema heraus.

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Vor den Höhlen steht eins der schönsten Gebäude von unserem bisherigen Trip, das „Oregon Caves Chateau“. Es ist etwas windschief und das Holz leicht verwittert, aber das Gebäude ist wundervoll verschachtelt, hat einige Fensterfronten und einen kleinen, smaragdgrünen Teich vor dem Eingang. Wenn man eintritt, sieht man ineinander übergehende Treppen, was an Hogwarts erinnert und es gibt keinerlei klaren Gebäudeplan – dafür aber ein cooles Cafe mit guten Suppen und Burgern, an dem man in langen Tischreihen hockt. Kaum haben wir begonnen, unsere Suppen zu löffeln, setzt sich besagter Opi in unsere Nähe und bestellt einen gigantischen Eisbecher, wobei er -Überraschung!- der Kellnerin seine Anreise und seine Eisauswahl erläutert. Wir müssen leider ziemlich schnell wieder los – die Tourzeiten starten alle 15 bis 30 Minuten und unsere Führerin wartet schon vor dem Eingang. Sie nennt sich „Ranger Mogli“ und sieht auch dementsprechend aus: Sie hat zwei lange, schwarze Zöpfe, die sie unter einen breiten Tarnhut gestopft hat und ist wirklich winzig. Gut für sie, da man die Höhle größtenteils in der Hocke gehend durchquert. Als sie die Personen durchzählt, runzelt sie die Stirn: „Es fehlt noch jemand…“
Will jemand raten? Unser Lieblingsopi taucht kurze Zeit später keuchend auf und beginnt uns begeistert zu erzählen, wo er herkommt. Irgendwie muss man ihm seine Coolness mit seinem gestylten Bart und seiner lauten Sprechweise ja schon lassen…

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Die Höhlen sind in Oregon die Einzigen, durch die ein Bach fließt und man hört das Geplätscher während des Laufens. Der Opi stupst mich dabei an: „Hey, warst du schonmal auf `nem Boot?“
„Ja, mehrfach.“
„Das hier klingt auch so, als wären wir auf einem!“ Er sieht sich aufgeregt um: „Ich liebe Boote!“
Ich kann mich nicht entscheiden, was ich dazu noch sagen soll…
Wir erfahren von Mogli, die alles in begeisterter Dora-Explorer-Manier erklärt, dass die Höhle 1874 von Elijah Davidson gefunden wurde, weil dessen Hund einen Bären hinein gejagt hat. In wilder Verzweiflung rannte er dem Hund hinterher, bis ihm das Licht seiner Streichhölzer ausging. Er schaffte es wohl nur heraus, weil er sich am Geräusch des Flusses orientierte. Das Gestein (hauptsächlich Kalkstein und Marmor) ist von eben jenem Wasser geschliffen und  die Feuchtigkeit hat den Effekt, dass die Höhle sehr kalt ist. Es gibt viel zu sehen und viel zu laufen, anstrengend, weil ein Großteil davon Treppen sind und viele Wege extrem schmal zulaufen. Einmal sehen wir sehr überraschend eine Fledermaus, woraufhin eine Frau in der Gruppe losschreit und der Opi klatscht, nur um kurz darauf zu fragen: „Was war das eigentlich?“
Er schlägt sich aber sehr gut, was die Treppen und die Haltung angeht, dabei ist er ein ganzes Stück größer, als die meisten von uns.

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Es ist insgesamt die schmalste Höhle in der Stefan und ich je waren. Man sieht um jede Ecke herum etwas anderes, steigt enge Gittertreppen und sieht die unterschiedlichsten Gesteinsarten. Mogli gestaltet das Ganze sehr lustig und zeigt uns sogar ein uraltes Bild von der Zeit, in der die Höhle entdeckt wurde und man als Werbung darin sogar Hochzeiten gefeiert hat. Zugegebenermaßen sehen die Brautjungfern in ihren dünnen Kleidchen alle etwas miesepetrig aus, vermutlich weil es auf ihre Köpfe tropft. Mein Lieblingsteilnehmer grinst: „Die sehen ja lustig aus!“
Am Ende der Tour muss man wirklich sagen, dass sich der Ausflug gelohnt hat und man viel Neues gesehen hat. Zum Beispiel gibt es einen Stein, auf dem sich mehrere Leute schriftlich verewigt haben und der mittlerweile ebenfalls zum Stalagmit geworden ist. Wenn man die Höhle durchlaufen hat, kann man zudem noch zahlreiche Pfade darum herum oder über die Höhlen laufen. Aber wir fahren wieder zur Küste, denn, wie der Opi sagt: „There’s nothing better than the ocean and a boat!“

Welche Höhlentour könnt ihr empfehlen?

 

Preise:
Crater Lake Nationalpark (ohne den Annual Pass, den wir gekauft haben): 25$ pro Auto im Sommer, 10$ pro Auto im Winter
Website: https://www.nps.gov/crla/index.htm
Oregon Caves Tour: 10$ Erwachsene, 7$ Kinder
Website: https://www.nps.gov/orca/index.htm

Tipps:
Die Oregon Caves bieten so viele Touren am Tag an, dass man normalerweise nicht im Voraus buchen muss. Falls ihr aber eine Bootstour auf dem Crater Lake machen möchtet, solltet ihr dringend vorher buchen.
Die Höhlen bieten zudem auch noch Touren mit Kerzen an – falls euch das mehr zusagt!

Back to the 80s

Back to the 80s

Neun – Wallaby-Baby, Snoqualmie Falls und Twedes Cafe

Bevor wir am nächsten Tag das Baumhausparadies verlassen, haben wir im Haupthaus Frühstück, wobei man mit allen Personen von den anderen Baumhäusern an einem Tisch sitzt. Es ist eine entspannte Atmosphäre, weil jeder erzählt, warum er da ist und wir von einer Mitarbeiterin ein bisschen etwas zu der Geschichte der Baumhäuser erfahren. Außerdem teilt sie uns mit, dass der Baumhauspark eine Auslastung von 97 % hat.
Zum Frühstück gibt es eine Auswahl an selbstgebackenem Quiche, Honig-Granola, Naturjoghurt und Bananenbrot und man kann sich an Getränken bedienen, die auf einer kleinen Theke angerichtet werden.

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Alle Personen, die in den anderen Häusern übernachten, sind gerade dabei, ihre Hochzeitstage zu feiern und es ist sehr lustig, einmal in der Reihe herum zu gehen und 45, 25 und 10 Jahre als Jahrestag zu hören,  während Stefan und ich mit unseren FAST fünf Jahren dasitzen. Aber hey! Wusstet ihr, dass fünf Jahre als „hölzerne Hochzeit“ zählen? Ist doch ganz cool, dass wir ausgerechnet dieses Jahr unsere hölzerne Baumhausnacht hatten…

Nachdem wir ein bisschen in der Souvenirabteilung gewütet haben (okay, ich gebe zu, dass ich vermutlich mehr Schaden angerichtet habe…), müssen wir die Baumhäuser verlassen. Ein Pärchen aus einem anderen Baumhaus kommt mit uns nachmittags zu einer Känguru- und Wallaby Ranch, aber da wir noch ein bisschen Zeit haben, beschließen wir, einen Ausflug nach Issaquah, die näheste Stadt zu machen.

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Sie ist nur 15 Minuten mit dem Auto entfernt und liegt im Tal neben dem bekanntesten Berg der Gegend: Mount Si. Der Berg wurde nach einem alten Mann benannt, der jahrelang auf einer Seite des Berges lebte und dort wohl der einzige Einwohner war. Nach seinem Tod fanden die Leute im Ort es am angebrachtesten, den Berg mit Mount Si zu betiteln, was sich bis heute gehalten hat. Issaquah liegt an diesem Tag ein wenig im Nebel, aber das macht nichts, wenn man die Straße hinunterschlendert, vorbei an erstaunlich kleinen Häusern, bunt dekorierten Laternen und kleinen Cafes. In der Mitte von Issaquah verlässt auch täglich ein historischer Zug die Stadt, der einige der bekannteren Punkte (wie die Snoqualmie Falls) in der Gegend abfährt. Wir hätten die Chance gerne ergriffen, allerdings war unsere Zeit etwas knapp und die Tickets sind nur zu bestimmten Uhrzeiten zu erwerben.

Die Känguru- und Wallaby Ranch liegt in der Nähe von Snoqualmie; einem Ort, der hauptsächlich für einen gigantischen Wasserfall und das Luxushotel auf der Bergklippe bekannt ist. Die Ranch ist ein wenig abgelegen, nicht so einfach zu finden und wir sind zum Glück noch auf die Minute pünktlich. Vor dem offiziellen „Tiere-Streicheln“ präsentiert der Besitzer uns in einem Vortrag einige Fakten über die Kängurus auf seiner Farm und wie sie aufwachsen (Video dazu auf seiner Website). Er zeigt uns dazu viele Bilder, die vom National Geographic Magazin auf seinem Gelände aufgenommen wurden und die die Entwicklung eines Babys im Beutel seiner Mutter zeigen. Man sieht den Beutel eines Kängurus übrigens nur dann, wenn eine Mutter ein Kind bekommt, ansonsten ist sie in der Lage den Beutel zu verstecken. Ein Känguru kann direkt nach dem ersten Baby, ein zweites bekommen. Sie „entwickeln“ dabei aber nur das Erste vollständig und bewahren das Zweite in ihrem Beutel auf, bis sie Nummer eins nach circa neun Monaten „vor den Beutel“ setzen. Kängurubabys kommen zudem ohne kognitive Fähigkeiten zur Welt, was sie ziemlich einzigartig macht. Die einzige Funktion in ihrem frühen Stadium ist es, zum Nippel der Mutter zu kommen, bis sie nach langer Zeit entwickelt genug sind, um sich von etwas anderem zu ernähren (meistens ist das dann Dreck und Gras (ist das wirklich eine Steigerung?!)). Der Vortrag ist interessant und lustig gestaltet und da es gerade ein Baby-Wallaby auf der Farm gibt, dürfen wir es im Anschluss einmal halten.

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Falls ihr euch jetzt fragt, was der Unterschied zwischen Känguru und Wallaby ist – ein Wallaby ist wesentlich kleiner und nicht ganz so flauschig, aber das tut ihrer Niedlichkeit keinen Abbruch. Abgesehen davon ist es ein verdammt cooles Erlebnis in ein Gehege mit mehreren Wallabys und Kängurus gelassen zu werden, die sich fast alle streicheln lassen und natürlich auf Futtersuche sind. Unser Führer hat ihnen allen außerdem ungewöhnliche Namen wie „Trouble“ und „Vanilla Bean“ gegeben. Er sorgt übrigens auch dafür, dass einige der Babys adoptiert werden (Preis für eine Adoption liegt zwischen 2000 und 4500 Dollar). Kängurus sind aber nicht darauf trainierbar stubenrein zu werden.

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Nach circa eineinhalb Stunden mit den „Roos“ fahren wir in guter Stimmung noch zu den Snoqualmie Falls, wo man neben dem Luxushotel „The Salish Lodge“ parken und die Aussichtspunkte abfahren kann. Dabei erfährt man auf den Schildern ringsum einiges über das Bewässerungssystem, die Indianer (Snoqualmie People), die in dieser Umgebung gelebt haben und über Bigfoot, der angeblich ebenfalls hier herumschleicht (in dem Souvenirshop hängen übrigens mehrere verschwommene und rot eingekreiste Aufnahmen von irgendetwas, das Bigfoot sein könnte…meiner Meinung nach könnten die Bilder auch einen Schwarzbären oder einen dicken, schwarz-angezogenen Mann darstellen, aber das wäre ja zu einfach…). Der Wasserfall rauscht jedenfalls in atemberaubenden Tempo 82 Meter den Berg hinunter und man hört ihn auch auf den Pfaden, die man in den Wald laufen kann… oder sollte ich eher „hinunterfallen“ sagen? Sie sind ganz schön steil und die Sache ist umso lustiger, wenn man unten feststellt, dass es keinen Rundweg gibt…yay!

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Wer noch Lust auf einen besonderen Besuch hat, sollte einen Abstecher ins „Twedes Cafe“ machen. Es ist einer der Hauptdrehorte der alten Serie „Twin Peaks“ (1990) und da gerade eine neue Staffel gedreht wird, gibt es Gerüchte, dass die Schauspieler in der Gegend unterwegs sind. Das Café ist äußerst amerikanisch mit rustikalen Holztischen, weiß-roten Vorhängen, roten Lederhockern und einer langen Theke, die einen etwas abgenutzten Eindruck macht. Darüber flackern Neonreklamen und dahinter wird Merchandise zur Serie verkauft. Die Preise sind trotz der Bekanntheit immer noch völlig okay und man geht garantiert nicht hungrig aus dem Laden – die Portionen reichen für den ganzen Tag.

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Am Abend checken Stefan und ich in das verrückteste Airbnb aller Zeiten ein…oder sollte ich sagen, dass wir in die 80er Jahre zurückkatapultiert werden? Die Einfahrt wird von Stormtrooperhelmen beleuchtet, beim Eintritt rennt uns eine begeistert miauende Katze an und unsere Badezimmertür wird von einem gigantischen Stormtrooper bewacht (dafür ist unser Bad selbst komplett pink gestrichen). Unser Bett hat eine Heizdecke und um uns herum leuchten Bilder von Xanadu, Vanity 6, Madonna und diverse andere entgegen. Auf  dem Nachttisch stehen Pac-Man Gameboys und es gibt Körbe mit Süßigkeiten aus den 80ern. Wenn man das Wohnzimmer betritt, wird man eventuell von kleinen, ferngesteuerten Starwarswesen aus Plastik angefahren, die die Katzen wahnsinnig machen und Kriegsmusik abspielen und die Küchenlampen bestehen ebenfalls aus Trooperhelmen. Geht man die Treppe hoch, steht alles voll mit dem Weißen Hai, Chucky der Mörderpuppe und Nightmare before Christmas. Es gibt auch einen riesigen Haikopf, der auf- und zuschnappen kann. Dazu gibt’s noch ein Zimmer zu Ehren von Twin Peaks, ein Zimmer voller Star Wars Figuren und das Zimmer unserer Gastgeber repräsentiert Disneyland mit verrückten Alice Im Wunderland Lampen und einem elektrischen Zug, der, vom Handy bedient, einmal oben an der Zimmerdecke entlangfahren kann. Ehrlich gesagt ist das definitiv einer der coolsten Orte, die ich jemals gesehen habe! Die Gastgeber sind super nett und wenn man abends aus seinem Bett 80er Filme wie „Adventures in babysitting“ (1987) oder „Clueless“ (1995) schaut, und außen Soundtrack Musik von „Halloween“ läuft, kann man sich kaum etwas Epischeres vorstellen.

 

Preise:
1) Eisenbahn Issaquah/Snoqualmie: 5$.
2) Känguru- und Wallaby-Ranch: 15$ pro Person, wenn mehrere Personen an der Tour teilnehmen. 30$ pro Person, wenn man nur zu zweit ist.

Tipps:
1) Tickets von der Bahn direkt an der Bahnstation besorgen: Die Bahn fährt jedes Jahr von Mai bis September. Sie fährt Samstag und Sonntag von 11 bis 15 Uhr.
2) Vor der Känguru- und Wallabytour erst anrufen und anfragen, ob man an einer geplanten Tour teilnehmen kann. Meistens gibt es einen festen Termin am Tag um 14 Uhr, aber es wird um telefonische Reservierungen gebeten.
http://wallabyranch.org/
3) Website und Menü vom Twedes Café: http://www.twedescafe.com/. Wenn ihr klassisch nach der Serie vorgehen möchtet, solltet ihr den Cherry Pie essen!
3) Da das Airbnb wirklich einzigartig war, verlinke ich es euch hier: https://de.airbnb.com/rooms/20257388

 

 

Lost in Red – Unterwegs im Spargeltal

Lost in Red – Unterwegs im Spargeltal

Sechs – Über Bryce Canyon, asiatische Einhörner und Flipflops

Wir haben nach Seattle ein paar Tage in Idaho verbracht, allerdings bin ich nächste Woche noch dort und gebe euch dann einen detaillierten Bericht zu all dem, was man dort machen kann. Mit unseren Freunden haben wir einen Ausflug zum Bryce Canyon Nationalpark geplant, der von Idaho, Boise, etwa neun Stunden entfernt ist. Allerdings ist das alles machbar, wenn man als motivierte Gruppe im Auto sitzt und sich bei den Stops (die zum Teil gefühlt am Ende der Welt sind) die Beine vertreten kann. Wir fahren ein Stück durch den Bundesstaat Oregon und im Anschluss immer noch einen langen Teil durch Idaho, bis man Salt Lake City passiert und 80 Meilen nur an der Stadt vorbeifährt (so spannend ist die Stadt leider nicht, dass die 80 Meilen irgendeinen guten Aussichtspunkt bieten würden). Aber der letzte Abschnitt in die Canyongegend ist sehr schön, wenn zu allen Seiten hohes, rotes Gestein aufragt und man dazwischen Bachläufe und Streifenhörnchen (Chipmunks) sieht.

Amerika 3 008Es gibt im Bryce Canyon mehrere Hotels und Ferienhäuser, wie bei allen Nationalparks sind die aber oft im Voraus ausgebucht und um einiges teurer. Wir haben ein Zimmer in einem Hotel außerhalb organisiert, das in einem kleinen Dorf voller Blockhütten namens Tropic liegt und mitten in die Bergschluchten gebaut wurde. In der Umgebung gibt es alles was man braucht, auch wenn diese Ferienorte natürlich sehr touristisch ausgelegt sind und vorrangig vor allem Essen angepriesen wird. Auf dem Gelände unseres Hotels steht in der Mitte eine kleine Ranch im Westernstyle mit Holzverkleidung und Feuerstelle vor der Tür , zu der man zum Abendessen laufen kann. Drinnen wird Countrymusik gespielt und es ist eine gemütliche Atmosphäre mit Bänken, tiefhängenden Lampen und Metallschildern an den Wänden, die Aufschriften haben, wie: „Want a stable relationship? Get a horse.“

Amerika 3 011Der Bryce Canyon ist zwar 56 Quadratmeilen groß, kommt einem von der Aussicht aber immer noch überschaubar vor, wenn man die Randpunkte von dem sogenannten „Rim Trail“ abläuft. Der Pfad zieht sich an der oberen, äußeren Kante entlang und zeigt das ovale Tal des Canyons aus einer Höhe von circa 2500 Metern. Die Steine im Canyon sind orange-rötlich verfärbt und werden „Hoodoos“ genannt. Ein Hoodoo hat eine dünne Spitze mit einigen, eher losen Steinen oben drauf gestapelt, die so aussehen, als würden sie jeden Moment herunterfallen. Sie sind um die 15 Millionen Jahre alt und bekamen ihre Farbe durch Mineralablagerungen in der Erde. Der bekannteste Hoodoo steht am Sunset Point und wird „Thor’s Hammer“ genannt. Warum erübrigt sich beim genaueren Hinsehen wohl. Wenn man von oben ins Tal späht, sehen die vielen, nebeneinander aufgereihten Steine wie Spargel aus, weshalb ich persönlich alle Aussichtspunkte ins „Spargeltal“ umbenannt habe.
IMG_0229Wir beschließen ein Stück des Rim Trails zu laufen, von dem aus man eine gute Sicht auf die Hauptattraktion bekommt und der nicht ganz so lange dauert, wie die anderen Strecken. Man sollte den Wind allerdings nicht unterschätzen; auch wenn die Sonne am Himmel steht, habe ich ab dem darauffolgenden Tag Schnupfen. Man kann von mehreren Punkten aus einen der Pfade durch den Canyon starten. Die Länge der einzelnen Strecken wird normalerweise auf Schildern mit den Namen der Pfade angegeben; man sollte sich aber bei allen Wegen bewusst sein, dass es ganz schön steil werden kann (letztendlich startet man ja am oberen Rand des Canyons und läuft dann nach unten – wenn man sein Auto wiedersehen will, muss man logischerweise auch wieder den Berg hinauf. Scheint ein ziemlich abstraktes Prinzip für viele Personen zu sein, die mit ihren Flip Flops vor sich hinrutschen und sie auf dem Rückweg ausziehen). Ich würde sagen, es gibt nichts, was es nicht gibt, wenn man die Leute „wandern“ sieht. Die Pfade sind verhältnismäßig schmal und steil und trotzdem gibt es immer noch Familien, die versuchen, ihren Kinderwagen mit nach unten zu nehmen. Wenn sie dabei von Rangern gebeten werden, den Wagen sofort wieder mit hoch zu nehmen, ist das Geschrei natürlich groß, weil die circa einjährige „Annabelle Joanne Crystal“ nicht alles sehen kann und sich dann NIEMALS an diesen tollen Familienausflug erinnern wird (mal davon abgesehen, dass man sich mit eins garantiert nicht an sowas erinnern kann). Es gibt aber auch Personen, die die Strecken in Chucks, Sandalen und High Heels (?!) durchziehen…zumindest bis sie merken, dass sie ja wieder nach oben müssen oder irgendwo stecken bleiben. Daraufhin wird meistens panisch ein Handy rausgeholt und wenn sie dann realisieren, dass sie kein Netz haben (surprise, surprise, zwischen den Hoodoos wurden keine Glasfaserkabel für Wifi verlegt), ist der Tag eh gelaufen. Außerhalb der Pfade gibt es auch mehrere Blockhäuser mit Cafes, ein Visitor Center, das Souvenirs, Karten und Nationalparkpässe verkauft, sowie etwas über die Geschichte des Canyons erzählt. Außerhalb des Parks findet man einige Häuserreihen aus Holz, die im Westernstil gebaut wurden und bei denen man Eis, Mittag- oder Abendessen und allerlei Kleinkram kaufen kann.

IMG_0215Wir sitzen auch neben einer Eisdiele, vor der eine Gefängniszelle aufgebaut wurde, die man vermutlich für sein Instagram-Profil nutzen sollte…wenn nicht gerade lauter mexikanische Kinder darin feststecken, die sich abwechselnd einsperren und dabei stundenlang von ihren Eltern fotografiert werden. Man kann sich übrigens auch Quads ausleihen, wenn man in der Nähe des Canyons Touren machen will oder man entscheidet sich für eine Pferdetour durch den Canyon.

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Wenn ihr die Zeit habt, solltet ihr unbedingt auch einmal am Abend zum Sunset Point zurückkehren, weil der Sonnenuntergang im Canyon die Steine noch rötlicher erscheinen lässt und es ein wirkliches Highlight ist. Abgesehen davon sind die unglaublichsten Menschen um diese Uhrzeit unterwegs, wie beispielsweise eine Asiatin im pinken Einhornkostüm und mehrere Leute, die mit ihren Campingkochern oben an der Kante des Canyons hocken.

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IMG_0239Stefan und ich beschließen am zweiten Tag den bekanntesten Pfad namens „Navajo Loop Trail“ zu laufen, der am Sunset Point beginnt. Viele der Wege im Canyon lassen sich miteinander kombinieren und wir planen eine größere Runde zu laufen. Wir verabreden uns mit meiner Familie zu einem Zeitpunkt und entschließen uns hinter einigen der Asiatengruppen loszulaufen. Oftmals muss man beim Überholen der Personen wirklich aufpassen, weil es so gut wie keine Geländer im Canyon gibt (die deutsche Sicherheitsbehörde würde wahrscheinlich ausrasten). Vorbei an „Thor’s Hammer“ kommt man zu der „Wall Street“ im Canyon, die natürlich nichts mit Geld zu tun hat, sondern vielmehr so heißt, weil man links und rechts von Wänden aus Stein eingekesselt wird. Ein Blick nach oben bestätigt, dass auch dort nur eine schmale Lücke ist. Am schönsten ist das Licht, das ins Tal fällt. Man steht in einem orange-ausgeleuchteten Saal, der einen an Terracotta Steine und Sanddünen denken lässt und das ganze Licht zu speichern scheint, als würde er es später noch brauchen. Stimmen hallen in diesem Teil des Canyons und es kommt einem falsch vor, seine eigene überhaupt zu erheben, weil es die Atmosphäre unterbricht (könnte allerdings auch nur mir so vorgekommen sein; die Personen mit klatschendem Flip-Flop-Style fanden es offensichtlich nicht so störend). Wenn man erstmal unten im Canyon steht, erstreckt sich eine weite, flache Landschaft vor einem. Man kommt aber schnell ins Keuchen, wenn man den Peek-A-Boo-Loop-Trail hoch in die Hoodoo-Berge nimmt. Vorbei an Personen, die ungerührt ihre Hängematten im Canyon aufspannen, Chipmunks, die ihre Pfoten auffordernd in deine Richtung ausstrecken und mehrere Reitergruppen, geht es weit hinauf ins Spargeltal.

IMG_0289Dabei hört man abwechselnd deutsche Sprachfetzen oder die Woohoo-Girls hinter uns, die an allen Punkten stehen bleiben, „woohoo“ schreien und miteinander einschlagen. Nur eine von ihnen hat sich darauf verlegt, zwischendurch „fuck yeah“ zu brüllen, weil sie angeblich in einem Nespresso-Shop arbeitet und ihre Mitarbeiter immer mit diesen Worten anstoßen, wenn sie etwas tolles erlebt haben.

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Stefan und ich brauchen gute drei Stunden bis wir wieder am Anfang stehen und wir sind beide durchgeschwitzt und haben Hunger. Wir laufen in Richtung unseres verabredeten Platzes, an dem wir früher ankommen, als ursprünglich geplant und an dem wir weder unsere Leute noch das Auto vorfinden. Etwas peinlich wird es, als wir uns im Shop nahe dem Parkplatz etwas zu essen holen und uns dann auf den Bürgersteig setzen, weil alles andere belegt ist. Wir kauen ca 15 Minuten auf unseren Sandwiches herum, bis mein Blick auf das Auto gegenüber von unserem Sitzplatz fällt: „Äh…Stefan…ist das nicht unser Auto?“

 

Ich würde mich über eure Meinung freuen – vielleicht habt ihr ja auch schon seltsame Menschen auf Wanderwegen getroffen?

Preise:
Nationalpark: 35$ pro Auto (beziehungsweise 35$ für alle Personen zusammen, die im Auto sitzen).
Website: https://www.nps.gov/brca/index.htm

Tipps:
1) Es lohnt sich am meisten einen „Annual Pass“ für die Nationalparks zu holen, der ein Jahr gültig ist und mit dem ihr in jeden Nationalpark hereinkommt. Der Preis beträgt 80$ pro Auto (was wirklich günstig ist, wenn du weißt, dass du mehrere Parks geplant hast).
2) Die „Visitor Center“ bieten immer wieder Karten an, die die genauen Wanderwege eingezeichnet haben. Ich würde das empfehlen, wenn ihr geplant habt, innerhalb der Canyons zu laufen.
3) Man kann auf den Seiten der Nationalparks ansehen, wann die Sonnenuntergänge am Abend sein werden – sehr praktisch, wenn man genau dafür an einem bestimmten Punkt sein möchte.