Von New York nach Hamburg – 18 Tage & 11 Stops mit der AIDAvita

Von New York nach Hamburg – 18 Tage & 11 Stops mit der AIDAvita

Als Abschluss einer langen Reise stehen wir nach 3 Monaten USA auf einem Kreuzfahrtschiff am Manhattan Terminal in New York mit der Stadt im Rücken und dem Meer am Horizont. Vor uns liegen 18 Tage mit der AIDAvita mit einer Route entlang Amerika, Kanada, Grönland, Island, Schottland und Hamburg am Ende. Das Schiff ist eines der kleinsten der AIDA-Flotte, aber uns kommt es riesig vor als wir am Terminal darauf warten, einzusteigen. Auch für den Startpunkt New York konnte man vom Schiff aus bereits Ausflüge buchen, aber für uns ist es Luxus genug, sich nach mehreren Tagen in der Stadt die Füße nicht weiter plattzulaufen und auf dem Deck des Schiffs die Hochhäuser vor sich hin funkeln zu sehen. Als sie kleiner werden beim Ablegen des Schiffes fühlt es sich wie ein Neustart an und das nach all der Reiserei davor.

Boston

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Quincy Market Boston

Es ist der letzte Stop nach drei Monaten Rundreise- ein komisches Gefühl das Land danach wieder zu verlassen. Boston ist die schönste Stadt, die ich mit Stefan in den USA besucht habe. Wir haben auf dem Schiff eine Tour gebucht, die uns mit dem Bus durch das Zentrum und entlang einiger der wichtigsten Sehenswürdigkeiten kutschiert. Die Gebäude bestehen zum größten Teil aus rotem Backstein und sie erinnern an die englische Baukunst – Boston ist schließlich ein Teil Neuenglands. Zwischen uralten Friedhöfen, modernen Shops, Parkanlagen und Brunnen verläuft der Freedom Trail der zu den Wahrzeichen der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, dem man mit Sternchen auf dem Boden folgen kann. Aus dem Bus heraus sehen wir das Staatshaus, wo gerade sogar der Minister in einem wichtigen schwarzen Anzug einem Parteimitglied die Hand schüttelt. Es geht die Fahrt entlang über die Longfellow Bridge, die einen in die Ferne über den Charles River sehen lässt, bis man lauter Inseln im Wasser erkennt und vorbei an den tausenden Universitäten und natürlich der Szenerie der Boston Tea Party. Unser letzter Stop ist der Quincy Market, der alte Marktplatz im Zentrum nahe dem Wasser, an dem man sich kreuz und quer mit Essen eindecken kann. Ein Gang durch die alten Hallen zeigt winzige Stände und die Gerüche mischen sich wie auf einem orientalischen Basar. Hummer, Suppen, indische Speisen und Eis liegen nebeneinander und in den Hallen einen Sitzplatz zu bekommen, ist so gut wie unmöglich. Wir steigen letztendlich erst 2 Stunden später wieder in den Bus zurück und beschließen, noch einen Abstecher zu den „Boston Swans“ zu machen. Über den Freedom Trail gelangen wir zum breit gefächerten Parkgelände vom Public Garden mit Cafés, angelegten Seen und letztendlich auch einen großen Teich, auf dem im Sommer die Schwanenseeboote fahren. Sie wurden 1877 und aus Holz gemacht; ein Fahrer tritt vorne in die Pedale und treibt das Boot, mit einem großen Holzschwan darauf, mit ca 10 Personen über den See. Die Fahrt ist nicht teuer und wenn man die Chance im Sommer mitnehmen kann, sollte man es unbedingt mal mitmachen! Außerdem zu sehen: Die Harvard Universität im Cambridge-Viertel der Stadt sowie die Straßen von Beacon Hill mit schmalen Gassen, Gusslaternen und schicken Häusern.

Portland

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Nur einen Tag später durchlaufen wir Portland, eine Stadt mit roten Backsteinhäusern, Hummerständen und Cafes in der Bucht Casco Bay. Portland war Ausflugsziel und Geburtsstätte einiger bekannter Leute – hier ist beispielsweise Bushs Ferienhaus, zu dem ihr von der AIDA aus einen Ausflug buchen könnt. Auch Stephen King wurde hier geboren.
Kunst könnt ihr an der Eastern Promenade bewundern – es gibt hier mehrere Ateliers, dann natürlich die berühmten Hummer-Spezialitäten der Gegend und einige Brauereien. Ins Auge fällt auch der wunderschöne Schiffsplanken-Leuchtturm Portland Head Light der oben auf Cape Elizabeth thront. Stefan und ich wandern durch’s Stadtzentrum hoch in den Stadtpark mit vielen kleinen Brücken und Brunnen. Es gibt ein winziges Hexenhäuschen am Ausgang, das sehr gutes Fingerfood macht und wir schlendern am Schluss wieder zu den Strandläden zurück.

Halifax

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Halifax Citadel

Halifax ist unser einziger Stop mit ein wenig Regen und einer in Nebel getauchten Bucht. Irgendwie hat das die Mystik der Lage nur gesteigert. Die Stadt liegt in einer sichelförmigen Bucht und ganz oben auf dem Berg befindet sich die Halifax Citadel, eine nationale, historische Denkstätte. Hier lebten 1869 die englischen Truppen als Königin Victoria regierte und dieser Bereich Kanadas erst zwei Jahre als Nation galt. Die Zitadelle selbst existiert seit 200 Jahren und hat die Form eines Sterns um als Festung alle Windrichtungen abzudecken. Ursprünglich wurde sie von der British Royal Navy genutzt als Basisstation. Ein paarmal im Jahr kann man hier an Drill-Übungen teilnehmen, zuschauen, wie Kanonen abgefeuert werden oder – was wir zum Glück miterleben konnten- die Dudelsackspieler in der Zitadelle sehen, die dort den Tag über spielen. Man kann die Baracken der Soldaten besichtigen, die Tunnelsysteme und die Waffenausstellung, abgesehen davon hat man eine wirklich schöne Aussicht über die ganze Bucht und es gibt ein Cafe mit vielen selbstgemachten Backwaren.
Halifax selbst ist zu Fuß ziemlich steil mit vielen kleinen Geschäften und Burgerbars. Bei gutem Wetter gibt es viele Restaurants mit Dachterrassen zum Raussitzen und schöne alte Häuser sowie gruslige Friedhöfe wie den Old Burying Ground mit schiefen Steinen und verbogenen Metallzäunen. Das Hafenviertel unten hat außerdem ein Titanic-Museum und wenn ihr schnell genug seid, könnt ihr von der AIDA aus einen Ausflug in den Fischerort Peggy’s Cove machen, angeblich dem schönsten Ort am Atlantik.

St John’s

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Unser letzter Stop in Kanada ist die neufundländische Hauptstadt St John’s in einer Gegend mit rauen Felsen und hohen Klippen, die Häuser sind bunt und in die Felsen genestelt. Hier wurde von den Wikingern vor 1000 Jahren die erste europäische Siedlung gegründet, einzelne Gebäude vom damaligen Stil wurden wieder nachgebaut und können jetzt ein Stück außerhalb bewundert werden. St John’s ist ein echter Traum für jeden Fotografen und hat eine wunderschöne Einfahrt auf dem Schiff mit Blick auf den Cabot Tower auf dem Signal Hill. Mittlerweile wird dieser als Morsetechnik-Museum genutzt. Da es wirklich steil ist, wird es euch einige Zeit kosten nach oben zu kommen. Die Stadt selbst hat kein großes Zentrum, aber eine hübsche Auswahl mit esoterischen bunten Läden, Souvenirauswahl, Künstlern, Restaurants und Cafés. Wenn ihr das Zentrum durchquert und der Hauptstraße folgt, gelangt ihr zu mehreren Aussichtspunkten, von denen ihr die ganze Bucht sehen könnt und einen Blick darauf werfen könnt, wie hoch sich die Häuser am Berg aufreihen! Im kleinen Park am Hafen spielen im Sommer zudem einige Musiker oder Orchester und in der Luft liegt eine fröhliche, ausgeglichene Stimmung. Schwer vorstellbar, dass die Stadt mehrmals abgebrannt ist im Laufe der Geschichte und doch immer wieder vollständig wiederaufgebaut wurde. Bis heute leben die Menschen hier hauptsächlich vom Tourismus und teils vom Fischfang. St John’s ist übrigens der erste Ort von dem aus je ein transatlantischer Non-Stop Flug startete.

Qaqortoq

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Unser Stop in Grönland war von uns heiß ersehnt und dann doch erst mal ziemlich kalt beim Aussteigen! Es gibt keinen Hafen zum Anlegen, stattdessen bleibt man mit dem Schiff weiter draußen zwischen rauer Küste und blau-weißen Eisbergen. Die Häuser in der Ferne sind bunt und reihen sich über die Bucht hinweg bis hoch zum Hang. Blau, gelb und rot, wie ein Sonnenuntergang. Wir tendern mit Bötchen zum Hafen, wo einige Einheimische das große Kreuzfahrtschiff beobachten und ein paar Marktwaren wie Robbenfelle oder Geschnitztes anbieten. Qaqortoq ist mit ca 3500 Einwohnern die größte Ortschaft Südgrönlands, was nur schwer vorstellbar ist, wenn man auf einer Landkarte betrachtet, wie groß das Land wirklich ist. Es gibt in der ganzen Gegend nur ein Krankenhaus, kaum Straßen, wir sehen ein Cafe und einen Supermarkt. Die meisten Waren müssen importiert werden. Die Gegend ist sehr schön, sehr rau und sehr ursprünglich. Schwarze Steine säumen eine Kraterlandschaft durchbrochen mit kleinen Seen, dem Blick aufs Meer und Eisberge in der Ferne. Wenn man in Qaqortoq zum höchsten Punkt wandert, schaut man über die bergige Landschaft hinweg, sieht ein paar Fischerboote im Hafen und weit außen das Kreuzfahrtschiff. Der Wind fegt wild über die Fläche und man fühlt sich, als wäre man an einem der einsamsten Punkt der Welt angekommen.

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Dennoch sind die Menschen sehr warmherzig, bemühen sich Englisch zu reden und scheinen sich bei allem die Zeit zu lassen, die uns Deutschen scheinbar ständig davonläuft. Grönland hat übrigens auch sehr viele Tierarten, dazu gehören über 200 Vogelarten, Rentiere, Polarfüche, Schneehasen und Eisbären. Und man kann im Ort hin und wieder ein paar Kinder sehen, die wie kleine Inuit angezogen sind. Auch wenn das Land nur 26 km von Kanada entfernt ist, könnten die beiden Länder nicht unterschiedlicher sein.

Prinz-Christian- Sund Passage

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Kein Stop zum Aussteigen – es sei denn man ist dem Tode zugeneigt. Dieser wunderschöne Streckenabschnitt, der offiziell noch zu Grönland gehört, ist 100 Meter lang und hat glasklares Wasser. Wenn ihr an Deck sitzt, könnt ihr die Aussicht auf Gletscher, Eisschollen, Robben und mit viel Glück auch auf Eisbären genießen. Mitten an der Passage liegt das Inuitdorf Aappilattoq, das sich mit fischen und jagen am Leben hält. Bei schönem Wetter ist dies der Abschnitt der Fahrt, den man auf keinen Fall drinnen verbringen sollte, das Schiff macht außerdem eine 360 Grad Wende, damit ihr die volle Sicht auf die Gletscher bewundern könnt.

Reykjavík

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Thingvellír

Eines unserer Traumziele war der nächste Stop: Reykjavík oder vielleicht eher Island im Allgemeinen. Man sieht überall die unglaublichsten Bilder dieses Landes und in Wirklichkeit ist es noch schöner. Wenn man mit dem Bus ins Land hinein fährt, fühlt man sich wie in einem Herr der Ringe Film mit grasgrünen Hängen und Bergen, Schnee auf den Spitzen, als hätte man ein Eis mit Sahne übersprüht. Das Land wirkt und ist alt; der erste Wikinger betrat Island im Jahre 874 und schlug sein Lager dort auf, wo heute die Hauptstadt ist. Überall dampft es aus dem Boden, die Geysire sind fast so zahlreich wie die Islandpferde.

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Mit einer Militärraupe arbeiten wir uns auf den Gipfel eines Gletschers vor; von oben sieht man Eis, Schnee und weites Land mit Wasser und ein wenig Grün. Zu Mittag sitzen wir in einer Skihütte und essen aus unseren Lunchpaketen, ehe wir mit dem Bus zu einer der schönsten Aussichten der Reise fahren: Den Wasserfällen von Thingvellír. Es ist das türkiseste Wasser, das ich je gesehen habe, über Steinpfade und Brücken kann man das Rauschen von unten aus allen Richtungen betrachten und die Luft riecht nach Winter. Ein Café nebendran verkauft einige Produkte mit isländischen Aufschriften. Mir war vorher nicht bewusst, dass es sich bei Isländisch um eine Mischung aus Englisch, Deutsch und Dänisch handelt, was es nicht allzu schwer macht, die Sprache zu verstehen. Mein neues Lieblingswort ist „Heilsusafi“; Multivitaminsaft.

Invergordon

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Cawdor Castle Gardens

Nach zwei sehr ruckeligen Seetagen, kommen wir nach Schottland. Das Wetter ist diesig und passt zu den mythischen Highlands mit hohem Gras, Flüssen, die sich durch’s Land winden und den winzigen Küstenstädten. Die Stadt Inverness liegt in einer halbkreisförmigen Bucht mit kleinen Häuschen, einem Aussichtsturm im Zentrum und ist die einzig größere Stadt der Umgebung. Am Hang erstreckt sich eine Fläche aus bunten Steinhäuschen und der Boden in der Fußgängerzone ist gepflastert. Ihr findet hier noch viele eigenständige Shops, die Whiskey verkaufen, Strickwaren, die in der Gegend produziert werden und viele kleine Bäckereien. Um den besten Blick über den Fluss und das Umland zu bekommen, kann man auf den Turm des alten Inverness Castle steigen, wo man eine Rundumübersicht und ein paar Zusatzinformationen per Video bekommt. Auch sehenswert ist die alte Markthalle mit Metallverstrebungen und hohem Glasanteil. Darin könnt ihr sowohl Essen, als auch Kunsthandwerk finden.
Nicht weit von Inverness liegt das Cawdor Castle, ein verwinkeltes Schloss aus grauem Stein mit kleinen Türmchen und einem großen Gartenanwesen. Mit dem Bus dauert es höchstens 30 Minuten bis zum Gelände und auf der Fahrt hören wir die Geschichten über die Highland-Clans, die noch immer in der Gegend wohnen. Cawdor Castle gehört zu den wenigen Burgen die immer noch in Familienbesitz sind und ist über 600 Jahre alt.
Die Burg ist nicht vollkommen frei zugänglich, da sie nach wie vor bewohnt wird. Über Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küchenquartiere sieht man auch die Bibliothek und das neu eingerichtete Cafe im Innenhof. Irgendwie erinnert Cawdor an eine Miniaturversion der typischen Fantasieburg. Einen schönen Spaziergang könnt ihr über das Gelände machen; durch Kräutergärten, neu angelegte Beete mit Rosen und Heckenpflanzen und lokale Kunstwerke wie Brunnen, Vogelfutterstellen und Metallherzen auf dem Gelände sehen.

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Als letzter Stop des Tages sind wir unterwegs zu einem der bekanntesten Ziele Schottlands: Loch Ness. Nessie ist nirgends in Sicht, als wir uns dem See nähern, doch der Busfahrer teilt uns mit, dass man Nessie nur dann sehen kann, wenn man an es glaubt. Die Legende von Nessie existiert bereits seit dem Jahr 565, als ein Abt in einer Beschreibung einen Angriff am Wasser erwähnt. Damals wurde dem Ungeheuer angeblich mit der Hölle gedroht, woraufhin es floh.

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Loch Ness

Einst thronte eine riesige Burg namens Urquart Castle auf einem Hügel neben dem See; wie groß sie war lässt sich noch anhand der Mauerüberreste erahnen. Wenn ihr ein Eintrittsticket kauft, könnt ihr in einem Kurzfilm den Bau und die Zerstörung der Burg mit ansehen, dabei stellt sich auch heraus, dass die letzten Besitzer der Burg sie selbst in die Luft gesprengt haben, um eine Eroberung der Feinde zu verhindern.
Loch Ness selbst ist eine spiegelglatte dunkelblaue Fläche, fast rund, mit einer Maximaltiefe von 230 Metern, wodurch der See das größte Volumen auf allen britischen Inseln beherbergt und nach Loch Lomond der zweitgrößte schottische See ist.
Ausflugsfahrten können mit den Booten und Schiffchen von einem Ende zum Nächsten gemacht werden. Natürlich könnt ihr euch auch ein Plastiknessie für den eigenen Pool an jeder Ecke ersteigern.

Edinburgh/Leith

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Unsere lange Reise geht fast schon zu Ende mit einem letzten Stop in Edinburgh/Leith. Diese Stadt hat wirklich alle Legenden und all das Lob verdient, das man häufig hört. Auch bei schlechterem Wetter ist es eines der schönsten Ausflugsziele Schottlands mit verschnörkelten Gebäuden, Gotikstil und schmalen Gässchen und Türmchen an so ziemlich jedem Gebäude. Hier fühlt man sich ein wenig, als könnte man direkt wieder ins Mittelalter einsteigen. Auch wenn es reichliche Ausflugstouren ab dem Hafen gibt, entscheiden wir uns dazu, mit dem Bus ins Zentrum der schottischen Hauptstadt zu fahren. Zu den größten Attraktionen gehört die Royal Yacht Britannia im Hafen, die 40 Jahre als schwimmender Palast der Königin diente. In der Stadtmitte könnt ihr aber auch das Scott Monument bewundern oder durch die versteckten Winkel hoch zum Edinburgh Castle laufen, das von allen Punkten aus sichtbar ist. Ein weiteres Merkmal ist auf dem Berg der „Arthur’s Seat“ mit einer Höhe von 257 Metern und der besten Rundumsicht. Edinburgh ist aus allen Blickwinkeln wunderschön; die Häuser sind windschief und die Pubs alt und mit tiefen Decken. Es ist klar, wie Hogwarts zustande gekommen ist, wenn man das Café „The Elephant House“ mit der Aussicht auf die Stadt betritt, wo Joanne K. Rowling Harry Potter schrieb. Und nein, auch wenn dieser Ort durch die Bücher viel Ruhm gewonnen hat, ist er dennoch nicht überteuert und die Wartezeit hält sich in Grenzen. Bustouren könnt ihr jederzeit mitmachen, aber wenn es sich je gelohnt hat, eine Stadt zu Fuß zu erkunden, dann seid ihr hier an der richtigen Adresse.

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Greyfriars Bobby

Ein paar allgemeine Eindrücke zum Schluss. Auch wenn wir vorher nie eine Kreuzfahrt unternommen haben und es schwer ist, sie mit anderen Zielen zu vergleichen, würde ich sagen, dass ihr hier mit keinem Stopp etwas falsch machen könnt. Boston war ein völlig untypisches Stadtbild der USA und deshalb so außergewöhnlich. Halifaxs Zitadelle hatte eine tolle Ausstrahlung durch die Dudelsäcke und die Einsamkeit Grönlands, aber auch die Wildnis der Gegend, war atemberaubend. Island war lange ein Ziel von uns und wir haben feste Pläne dorthin zurückzukehren; wenn ihr jemals nahe an die Gegend aus Herr der Ringe herankommen möchtet; ist das eure Chance. Und Schottland zum Abschluss ist definitiv das Sahnehäubchen des Trips; die Gegend ist auch im Regen beeindruckend und der Akzent ist einfach wundervoll!
Ausflüge vom Schiff aus sind nicht günstig, aber zugegebenermaßen gut organisiert und wenn ihr euch im Voraus überlegt, welchen ihr machen möchtet, könnt ihr euer Budget gut planen. Wir haben vor allem an den Zielen Ausflüge gebucht, wo wir sonst Autos hätten mieten müssen, um mehr von der Gegend zu sehen. Die Schifffahrt war lediglich zwischen Grönland und um Island herum ruckelig; wenn ihr für Seekrankheit anfällig seid, wird das eine ziemliche Herausforderung für euch sein. Aber auf den unteren Decks ist auch das erträglich.
Auf dem Schiff wird allerlei Programm geboten – Kinder können den ganzen Tag an Aktivitäten teilnehmen, es gibt ein Theater, Tanzstunden, Kochkurse, ein Fitness- und Wellnesscenter und den ganzen Tag über etwas zu essen – oft thematisch an das jeweilig besuchte Land angepasst. Einziger Minuspunkt für uns war die Internetverbindung, die den Großteil der Fahrt nicht zustande kam. Man fährt zwar in Urlaub, um von dem Netz wegzukommen, aber es ist manchmal trotzdem ganz schön, zusammen einen Film am Abend anzusehen.

 

Welche Kreuzfahrt könnt ihr mir empfehlen?

Preise

Boston Busse: Um die 20 EUR pro Person
Bosten Schwanenboote: Ca 5$ pro Person
Halifax Zitadelle: Um die 7$ pro Erwachsener
Island Trip: Um die 150 EUR pro Person
Ausflug Inverness, Urquart Castle und Loch Ness: Um die 85 EUR pro Person
Busse nach Edinburgh: Um die 10 EUR pro Person (Shuttle – ganztägig)

Tipps
Auf dem Schiff:
– Auf unteren Decks schlafen wenn ihr dazu neigt, seekrank zu werden
– Ausflüge so früh wie möglich buchen, bevor diejenigen weg sind, die ihr gerne machen möchtet -> Für die Ausflüge rechtzeitig Geld beiseitelegen.
– Wellnessbehandlungen spontan buchen; oft sind auf dem täglichen Schiff-Reisebericht günstigere Angebote dabei
– Getränkeflat nur dann kaufen, wenn man wirklich viel trinkt und evtl. auch abends auf dem Schiff feiern geht. Bei den Mahlzeiten sind bereits Getränke dabei und dafür braucht ihr die Karte nicht
– Es gibt nicht nur See-, sondern auch Landkrankheit (dabei hat man das Gefühl, dass der Boden schwankt). Nach spätestens dem zweiten Stop vergeht das aber wieder!
ZUSATZINFO: Alle Personen unter 25 gelten in den Preisen der AIDA als Kind – nutzt diese Vergünstigung unbedingt, so lange ihr könnt!

An den Orten:
– Boston Swans fahren nur im Sommer
– Die Zitadelle in Halifax hat abends ab 17/18 Uhr freien Eintritt
– Für die Prinz-Christian-Sund Passage müsst ihr früh an Deck sein (ca ab 7 Uhr morgens), sonst habt ihr nicht so viel davon.
– Sagt niemals Islandponys!!!! Es sind PFERDE. Alles andere wird als Beleidigung aufgefasst.
– Geld tauschen -> Ist nicht für alle Länder an Bord möglich, aber es kann überall auch mit Karte gezahlt werden oder man muss lokal einen Automat aufsuchen.
– Schottland ist überraschend billig, wenn man englische Preise gewohnt ist.
– Cawdor Castle ist nicht das ganze Jahr geöffnet – Website vorher prüfen

Weitere Ausflugsziele
Boston: Charlestown, Bunker Hill Monument, Old State House, John Hancock Tower, Old North Church, Boston Public Library, King’s Chapel, Quincy Market, Faneuil Hall Marketplace, Isabella Stewart Gardening Museum, Beacon Hill

Halifax: Halifax Citadel, Uhrturm, St Paul’s Anglican Church, Province House, Art Gallery of Nova Scotia, Brewery Market, Barrington Street, Old Burying Ground , Halifax Public Garden, Privateers Wharf, Pier 21, Maritime Museum of the Atlantic, Peggy’s Cove

St John’s: George Street, Newfoundland Museum, Railway Costal Museum, Anglican Church, Commissariat House, Cabot Tower

Qaqortoq: Marktplatz, Heimatmuseum, Tele-Museum, Erlöserkirche, das gelbe Fachwerkhaus

Reykjavík: Hallgrimskirche, Regierungsgebäude, Idno, Isländisches Nationalmuseum, Öskjulid-Berg und Perlan (Aussichtspunkt)

Invergordon: Loch Ness, Urquart Castle, Dunrobin Castle, Cawdor Castle, Fort George, Schlachtfeld von Culloden, Glenmorangie Destille, Dornoch

Edinburgh/Leith: Royal Yacht Britannia, Edinburgh Castle, St Giles Cathedral, Holyrood Palace, Arthur’s Seat, Scottish National Gallery und Prince Street Gardens

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Stanleypark – Ein Farbcocktail in Vancouver

Stanleypark – Ein Farbcocktail in Vancouver

Zwei – Über Jetlag, blaue Papageien und Stanley Park

Der Flug vom Tag davor sitzt mir relativ übel in den Knochen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich um 6 Uhr morgens hellwach bin. Wir frühstücken um 7, was für unsere Verhältnisse wirklich früh ist und haben dadurch sogar die Möglichkeit, das koschere Salz für die Rühreier zu verwenden (es schmeckt übrigens wie normales Salz… nur für den Fall, dass irgendjemand hier überlegt hat, es zu kaufen 😉).
Das Wetter ist angenehm klar, als wir in Richtung Stanleypark spazieren und wenn die Sonne gerade nicht scheint, hat man um die 15 Grad, was bei der Strecke zu laufen sehr angenehm ist. Es ist schwer zu schätzen, wie groß der Park wirklich ist, weil es mehrere separate Eingänge gibt und der Park selbst etwas verwinkelt erscheint, egal wie großflächig die Rasen sind und wie dicht die Bäume stehen. Wenn man die Wege entlangläuft, schlägt einem eine wilde Geruchsmischung aus Rhododendren, Tannennadeln und Hibiskus Blüten entgegen und die Farben sind so intensiv, dass es mich hin und wieder in den Fingerspitzen zuckt, meine Sonnenbrille herauszuholen.

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Da der Park so weitläufig ist, begegnet man in den verwinkelten Gebieten kaum jemandem, sieht höchstens mal einen Jogger oder einen Spaziergänger mit seinem Hund. Mammutbäume schießen in die Höhe und Bambussträucher dichten die Seiten zur Stadt ab, was den Eindruck hinterlässt, als wäre man an einem völlig anderen Ort. Leider wurden in einem großen Sturm 2006 eine Menge Bäume beschädigt, sodass sie nur noch halb, oder teilweise gar nicht mehr, erhalten sind. Die Kanadier haben die meisten dieser beschädigten Bäume allerdings stehen lassen, solange Hoffnung auf neue Triebe besteht. Zwischen all den Bäumen entdeckt man hin und wieder Skulpturen, die an Schriftsteller, wie zum Beispiel den englischen Dichter Robert Burns, erinnern oder Erinnerungsschilder an Gefallene.

 

Allgemein muss ich nochmal sagen, dass Vancouver unglaublich gepflegt ist. Man sieht im Zentrum und in den Parkanlagen kaum Müll herumliegen und wer Abfall falsch entsorgt, kann dafür hoch bestraft werden. Auch die Hunde müssen an der Leine geführt und hinter ihnen muss hergekehrt werden, was mit cool designten Schildern festgehalten wird.

 

Unser Weg führt vorbei an der „Lost Lagoon“, einem See mit kleinen Inseln und einem Sandstrand, an dem man Muscheln und Treibholz findet. Darum herum erstreckt sich eine Joggingstrecke sowie mehrere Fahrradwege. Beides wird viel benutzt und wir werden von einigen ambitionierten Joggern überholt, die bei genauerem Hinsehen eher an Darsteller aus „The Walking Dead“ erinnern und so wirken, als wären sie die nächsten Kandidaten für einen Erinnerungseintrag auf einer der Bänke um den See (vermutlich mit Aufschriften wie: „Eigentlich lief sein Leben ganz gut bis es bergab ging“). Ein Stück hinter der Lost Lagoon, wurde auch eine der wichtigsten Attraktionen Vancouvers gebaut: Das Vancouver Aquarium.

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Vor dem Aquarium in der Schlange 🙂

Es öffnet an diesem Freitag um 10 Uhr und ist ein großes, kreisförmiges Gebäude mit bullaugenförmigen Vertiefungen im Dach und Brunnenanlage vor der Tür. Wenn die Sonne scheint, bündelt sich das Licht in den Fenstern und fällt nach unten, sodass man wie in einer Theaterperformance dasteht. Um Punkt 9:59 Uhr kommen dann drei riesige Reisebusse angefahren, aus denen begeisterte Asiaten steigen, die Kameras zücken und sich wie Piranhas ihrem Ziel nähern.  Ihre Kinder sind strategisch pink angezogen um sich von der Umgebung (dem Grün im Inneren des Gebäudes) abzuheben. Zumindest gilt das für die tropische Zone des Aquariums, in dem sich ein kleiner Urwald befindet. Der Eintritt kostet pro Person 40$, was nicht gerade billig, für Kanadier aber durchschnittlich ist und wenn man einmal drinnen steht, war einem der Eintritt das auch wert. Es ist das erste Mal, dass ich blaue Seesterne, blaue Papageien und giftgrüne Frösche mit roten Augen sehe. Abgesehen davon hat das Aquarium einen großen Außenbereich mit Ottern, Delfinen und Seelöwen. Ich habe mich auch ein bisschen in das Faultier der Tropenzone und die Froschabteilung verliebt, wobei die meisten Frösche nur so groß wie eine Fingerspitze sind (dafür aber relativ tödlich).
Was Snacks im Aquarium-Café angeht, sind die Kanadier eher ungesund veranlagt. Man kann überall Minidonuts kaufen, die mit ordentlich Zucker und Streuseln versehen wurden (immerhin werden die nicht auch noch mit koscherem Salz bestrichen). Die Kinder finden die Donuts jedenfalls super und stopfen sie in sich rein, während sie Delfin Helen zusehen, der wild im Wasser herumspringt und Ringe fängt. Die Shows werden unter anderem aber auch genutzt, um auf das diesjährige Thema des Aquariums aufmerksam zu machen, nämlich den Problemen mit Plastik im Meer und der Tatsache, dass viele Tiere Verletzungen durch die herumschwimmenden Plastikteile erleiden. Auch der Delfin war Opfer der Plastiknetze und Eimer, die im Wasser herumtrieben und kann aufgrund der vorigen Verletzungen, nicht mehr freigelassen werden. Ich würde hier gerne mehr Bilder zeigen, allerdings hat das Aquarium darauf hingewiesen, dass Bilder nur privat verwendet werden können, weshalb ich keine Fotos mit Tieren zeige.

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Mein Freund fand es besonders lustig sich im Aquarium in die Unterwasseraussichtspunkte für Kinder zu stecken

Nach einem Kaffee lassen wir das Aquarium hinter uns und laufen zu den „Totempfählen“ (Totem Poles), die früher von den Ureinwohnern genutzt wurden, um ihre Häuser innen und im Eingangsbereich gut abzustützen. Sie sind bunt, hoch, haben meist Tiersymbole eingeschnitzt und stehen an dem äußeren Zipfel des Stanleypark mit Blick auf Grünflächen und das Wasser.

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Auf einigen von ihnen sitzen Vogelfiguren oder Bären. Da die Piranhas uns gefolgt sind (echte Piranhas gibt es übrigens im Aquarium und das sind wirklich hübsche Fische mit goldenen Flossen), beschließen wir relativ schnell, unseren Abstecher aus dem Park zurück in die Innenstadt zu machen, wobei wir am Wasser entlang mehrere Piers inklusive den „Vancouver Rowing Club“ passieren. Außerdem haben wir mittlerweile echt Hunger und laufen eine der größeren Shoppingmeilen namens Robson Street hinunter. Es ist eine der Straßen, die zeigt, dass Kanadas größte Einwanderungsgruppe die Chinesen sind. Wenn man nach Essen sucht, ist gefühlt jeder zweite Laden ein Ramen- oder Asia-Noodles-Shop. Es gibt dazwischen aber Koreaner und Japaner (voll abwechslungsreich!). Wir haben dann mitten zwischen Reis, Nudeln und Jasmintee noch einen Inder gefunden. Ziemlich unscheinbar von außen, aber sehr nett von innen mit roten Lampions und kleinen Glaslampen über den Tischen. Die Bedienung war sehr nett und brachte uns einen „Pitcher“ kanadisches Bier, wobei das Glas im ersten Moment aussieht wie eine Kreuzung aus einer Vase und einem Pokal. Ein Pitcher entspricht ca 1,90 Litern. Es ist zwar nicht das klassische Getränk zum indischen Essen, aber das hat am späten Nachmittag dann auch niemanden mehr interessiert. Mein Freund war lediglich etwas schockiert über die Tatsache, dass er für Bier immer noch seinen Ausweis zeigen muss, die Bedienung wirkte aber selbst etwas peinlich berührt, nachdem sie gemerkt hat, dass er 32 Jahre alt ist.

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Wir sind noch ein paar Straßen hinunter spaziert und haben uns die einzelnen Shops angesehen, eigentlich auf der Suche nach einem Navigationsgerät, mussten dann aber aufgeben, da einfach alles in Kanada verdammt teuer ist. Zum Beispiel veganer Kuchen (den die Männer reingestopft haben, weil sie nichts anderes mehr im Café hatten) oder Regenjacken (mein Freund hat zum Glück eine reduzierte Jacke gefunden. Er war irgendwie der festen Überzeugung, dass er drei Monate in den USA ohne Jacke verbringen kann, beziehungsweise in einer alten Jacke ohne Kapuze, die er viel zu dick findet). Vielleicht ist das bisher die einzige Sache, auf die man sich festlegen kann: Kanada ist teuer und wenn man etwas Schnelles zu essen braucht, sollte man am besten einen Ausflug zu Fatburger machen. Oder nur zum Supermarkt gehen.

Über ein Kommentar würde ich mich freuen! Vielleicht habt ihr ja auch irgendein größeres Aquarium gesehen, was zu empfehlen ist?

Preise:
Vancouver Aquarium: 22$ Kind, 30$ Jugendliche & Studenten & Senioren, 39$ Erwachsene.
Website: http://www.vanaqua.org/

Tipps:
Der Inder in der Robson Street ist wirklich sehr gut und bietet ein Mittagsmenü für ca 9$ pro Person an.
Website „Taste of India“: http://www.a-taste-of-india.com/

Wäre Kanada ein Smoothie, dann wäre er grün

Wäre Kanada ein Smoothie, dann wäre er grün

Eins – Über resolute Schweizer, Fatburger und die grüne Stadt Vancouver

Ich glaube Niall Horan verfolgt mich. Als ich ins Auto zum Flughafen gestiegen bin, lief seine neue Single im Radio und als ich in Kanada am Flughafen ankomme, läuft sie ebenfalls. Kanada kommt mir vor wie eine Mischung aus Fatburger- und McDonaldsläden, aber auch unglaublich grün mit veganen Kuchen- und Smoothieshops an jeder Ecke. Während sich unsere Musikauswahl kaum unterscheidet, hat Kanada andere tolle Specialfeatures wie Straßen, bei denen man nur geradeaus fahren kann, ohne je nach rechts oder links abzubiegen, Bäume, bei denen jeder einzelne Ast mit Lichterketten umwickelt wurde (muss echt Stunden gedauert haben) und Kinder, die ihre grünen Socken so weit hochziehen wie nur irgend möglich und dabei pinke Flipflops mit Strasssteinen tragen – vielleicht bin ich doch nicht so weit weg von zu Hause, wie ich ursprünglich dachte. Fangen wir am Anfang an.

Seit zwei Jahren plane ich jetzt mit meinem Freund einen Aufenthalt in den USA zu machen. Unser Visum deckt den Zeitraum von drei Monaten ab (was übrigens auch die höchstmögliche Aufenthaltsdauer ist) und da meine Eltern die ersten zwei Wochen mit uns unterwegs sind und wir noch nicht ganz in unsere drei Monate fallen, haben wir beschlossen, ein paar Tage in Kanada zu verbringen. Auch wenn ich die nicht-wirklich dreidimensionale Fliegersimulation über den Flugzeugbildschirm Richtung Grönland ziehen sehen konnte, kam mir der Flug gar nicht so lange vor. Wir hatten gutes Essen, eine gute Filmauswahl und Stefan und ich führten eine Fernbeziehung für über zehn Stunden. Immerhin wissen wir jetzt, dass unsere Beziehung das aushält (alles andere wäre auch traurig gewesen…). Außerdem haben wir kreischende Kleinkinder hinter uns überlebt und auch die klassischen Mitmenschen, die nach vielen Jahren Fluggeschichte immer noch nicht kapiert haben, dass man hin und wieder mal die Luken dicht macht, wenn man gegen die Zeit fliegt. Zum Trost kann man zwischendurch immerhin coole Artikel im Lufthansa-Katalog aufkaufen, wie beispielsweise diesen praktischen und handlichen Schinkenschneider für nur 5,969 EUR! (Irgendwie war ich ja schon kurz versucht, dieses Gerät zu bestellen, nur um zu gucken, ob sie es wirklich im Flugzeug vorrätig haben und wie es im Anschluss den Gang blockiert. Abgesehen davon… kann ich an der Grenze festgenommen werden, wenn ich sowas transportiere?
Zollbeamte: „Haben Sie irgendetwas zu verzollen? Waffen? Nahrungsmittel? Drogen?“
Ich: „Öh…also ich hätte hier meinen Schinkenschneider dabei…“
*Beamter bekommt ein zuckendes Auge*: „The Germans are crazy, man!“)

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Aber lassen wir das arme Gerät mal beiseite: Vancouver hat auf jeden Fall den schönsten Flughafen, den ich bisher gesehen habe, mit hohen Steinwänden an denen Wasser hinunterrauscht, Teichen und aufwendig angelegten Beeten. All das zeigt umso mehr, dass Kanada und England immer noch die Verbindung über das Commonwealth teilen. Nicht alle Personen im Flughafen schienen ebenso beeindruckt von der Umgebung zu sein wie ich. Wir mussten eine Weile auf die Koffer warten und die Schweizerin hinter mir hatte schon nach fünf Minuten die Hände in die Hüften gestützt, den missmutigen Blick auf das Band gerichtet und teilte ihrem Mann schließlich mit: „Wenn unser Koffer in zehn Minuten nicht da ist, nehmen wir einfach irgendeinen!“

Glücklicherweise erhielten wir unsere Koffer, ohne dass die Schweizerin sie uns wegschnappte (zu meiner Belustigung wurde ihr Koffer noch vom Kontrollteam am Flughafen eingesackt). Wir holten unseren Leihwagen, einen Chevrolet Pacifica, der so ziemlich jeden Komfort bietet, der möglich ist; selbstschließende Türen, Fernseher für Kinder, Getränkehalter in allen möglichen Positionen und Fliegengitter an den Scheiben und -wie alle Wagen hier- natürlich ein Automatik.

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Vancouver kommt keinem von uns besonders groß vor beim Fahren ins Zentrum, was erstaunlich ist, schließlich hat die Stadt über 600.000 Einwohner. Alles blüht, ist grün durch Parkanlagen und bunt durch angelegte Dachterrassen und die Autos werden auf den großen Glasflächen der Hochhäuser gespiegelt, wenn man an ihnen vorbeifährt. Es gibt dennoch nicht so viele Blocks, dass ein einengender Eindruck entsteht. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Stadt lässt einem Freiraum zum Atmen, wohingegen andere Städte erdrückend wirken.
Unser Hotel ist klein, aus Fachwerk und geht zwischen den großen Gebäuden darum herum ein wenig unter. Zum Sandstrand an der Küste läuft man nur fünf Minuten und hat von dort eine tolle Sicht auf die Brücke, die die Stadtteile miteinander verbindet und die Berge in der Ferne. Wenn man nach draußen tritt, hört man zuerst Möwen und Entengekreische und Hundegebell; nur hin und wieder mal ein Feuerwehrauto. Die Seitenstraßen werden von angelegten Beeten gesäumt, die von einzelnen Gärtnereien gesponsert und gepflegt werden.

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Das größte Beispiel für ihren Pflanzwahnsinn ist vermutlich der Stanleypark. Er erstreckt sich über 400 Hektar in der Mitte der Stadt und ist weder weit von den Shoppingmeilen, noch vom Hafen entfernt. Bis heute hat Kanada übrigens den größten Exporthafen in Nordamerika, weshalb man viele Containerschiffe sieht, im Kontrastprogramm aber auch Motorboote, Yachten, Segelboote und Kreuzfahrtschiffe.
Wir sind jedenfalls erstmal unten an der Bucht entlangspaziert bei angenehmen 17 Grad mit Blickrichtung zu den North-Shore-Mountains. Nach 11 h Flug tut ein bisschen Bewegung und Ruhe ganz gut, auch wenn mein Vater und mein Freund mehr Zeit damit verbrachten, über Treibholz und Dachterrassen zu sprechen.

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North-Shore-Mountains

Wieder zurück in der Comox Street haben wir unsere Sachen verräumt und in unserem Apartment den Kühlschrank nach unserem kurzen Supermarktausflug aufgefüllt (wo wir von einem Jungen gefragt wurden, ob man Honig einfrieren kann. Keine Ahnung warum wir so aussahen, als würden wir die Kompetenzen für so eine Antwort besitzen…). Der anschließende Besuch bei einer Kette namens „Fatburger“ war unbedingt notwendig, um abends nicht noch kochen zu müssen. Natürlich trafen wir dort erstmal Deutsche, die Hotdogs und Pommes bestellten, statt das Nationalgericht Poutine. Dazu komme ich aber ein anderes Mal.

Die Comox Street ist übrigens auch wieder eine der Straßen, in die man weder von links noch von rechts einbiegen kann – ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie wir überhaupt hier angekommen sind…

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Unser Apartment hat zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Küche mit der interessantesten Ausstattung aller Zeiten. Ich meine…wer braucht keine Soja-Chilisauce, Thunfisch in allen möglichen Variationen und koscheres Salz?! Für diese Specials konnten dann sogar Zimmertüren und Klobürsten weggelassen werden! Apropos Türen…unser Sicherheitsschloss an der Haustür ist sehr hightech und gibt Geräusche wie eine Bohrmaschine von sich, was die ersten drei Mal schon ziemlich irritierend war. Dafür klingen die Ampeln hier wie zwitschernde Vögel. Ich bin gespannt, wie grün es noch wird 😉

 

Was könnt ihr an grünen Städten empfehlen?! Hinterlasst mir doch einen Kommentar (Funktion direkt oben unterhalb des Titels vom Blogeintrag!)  Bis morgen 😉

Tipps:
Die Gegend, in der das Hotel liegt, ist super nah an den Hauptattraktionen und trotzdem ruhig. Es gibt in der Nähe ein paar Supermärkte, den Strand, Restaurants und in ca zehn Minuten steht man im Stanleypark. Ich würde beim Buchen etwas suchen, dass nah am Park liegt; es spart euch viel Gefahre mit dem Auto oder der Bahn.