Näher am Welt(kn)all

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Siebzehn – Über den Yellowstone Nationalpark, Touristentorturen und Thermopolis

Wenn ich einen der irrealsten Orte der Erde benennen müsste, wäre der Yellowstone Nationalpark bestimmt unter den Top 3. Es ist einer jener Orte, wo man hinter jeder Kurve etwas Neues erkennt und nie weiß, welches Wetter man erwarten soll. Stefan und ich fahren um die Mittagszeit in Richtung Westeingang und reihen uns in eine lange Schlange Autos ein. Da Yellowstone mit Yosemite und Grand Canyon vermutlich der bekannteste Nationalpark in den USA ist, ist er auch ziemlich voll. Man sollte definitiv einiges an Zeit einplanen und vorher klären, wo man abends für die nächste Übernachtung sein muss, da es nicht viele Möglichkeiten im und um den Park gibt.

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Yellowstone ist das letzte, intakte Ökosystem der Erde und der älteste Nationalpark der Welt (1872 gegründet). Er enthält Vulkane, Geysire, Flüsse und Seen und es leben Grizzlybären und Wölfe in freier Wildbahn. Ich finde nicht, dass die Berge, an denen wir vorbeifahren, unbedingt nach Vulkanen aussehen. Wenn man aber an die einzelnen Aussichtspunkte auf dem Weg gelangt, erkennt man die Geysire und vor allem die bröslige Vulkanerde. Ein Grund, warum der Park trotz seiner extremen Weitläufigkeit (8987 km² ) trotzdem so überbesucht wirkt, ist die Tatsache, dass man sich mit dem Auto von Punkt A zu Punkt B bewegt. Es gibt zwar Pfade, die man laufen kann, aber die Hauptattraktionen liegen an der Straße und mehr Pfade zu erschaffen, fällt vermutlich wegen dem Vulkanuntergrund weg. Yellowstone ohne Auto? Ziemlich unmöglich – vor allem nicht ohne Tourführer. Die Hauptattraktionen sind glücklicherweise aber sehr übersichtlich gestaltet und man läuft über Holzwege und Plattformen zu Geysiren und Quellen. Bei Letzteren handelt es sich um kleine Krater, in denen kochend heißes Wasser brodelt. Im weißen Vulkansand leuchten sie in allen Farben des Regenbogens und lassen einen mit der Frage zurück, wie die Natur etwas so Unwirkliches zwischen rauem Stein und weiten Nadelwäldern schaffen konnte. Es wäre um einiges glaubhafter, wenn man den Planeten gewechselt hätte. Die unterschiedlichen Farben entstehen dabei übrigens durch Bakterien und Algen, die aufgrund der vulkanischen Quellen entstehen.

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Wir starten bei Madison, wo man nicht weit entfernt mehrere Quellen sehen kann und hellblaues, glasklares Wasser verlockend in der Sonne schimmert. Auf einmal ergeben die Unglücksfälle im Park einen Sinn. Ranger erzählen von Teenagern, die tagsüber den Park besichtigt und sich Stellen zum Baden gemerkt haben, dann abends wiederkamen und sie verwechselten. Das Wasser kann einen am lebendigen Leib kochen – die Schilder auf den Stegen zu beachten, ist also äußerst sinnvoll. Abgesehen von den offensichtlichen Punkten wie dem Boden und dem Wasser, gibt es außerdem viele Wildtiere im Park, auf die man Rücksicht nehmen muss. Man kann in Gebüschen Elche und Hirsche erkennen und oft auch Herden von Büffeln, die durch die Prärie in der Mitte des Parks ziehen. Warum manche Personen ihre zweijährigen Kinder direkt vor einen Büffel setzen oder neben einem auf der Straße halten, um Bilder zu machen, geht zwar nicht ganz in meinen Kopf, aber ist trotzdem weit verbreitet. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass überall Schilder stehen mit Warnungen, wie sehr man sich den Tieren nähern sollte, oder?

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Aber zurück zu den Vulkanen. Hören tut man eigentlich nur das Puffgeräusch, wenn ein Geysir in die Höhe geht. Riechen kann man beispielsweise den Mud Vulcano am östlichen Ausgang des Parks, der wirklich überirdisch nach Schwefel stinkt und wie ein Urzeitmonster braune Blasen wirft (zumindest stelle ich mir ein Urzeitmonster so vor, aber ich neige ja auch zu B-Movies…).
Durch die aufsteigende Hitze läuft man im Park oft durch Dampfsäulen und merkt dadurch umso mehr, wie heiß es eigentlich in der Umgebung ist. Auch wenn der Wind hin und wieder über die Landschaft fegt, bringt er keine wirkliche Abkühlung, sondern sorgt für weitere Kappen und Hüte, die in den Pools vor sich hinschwimmen oder an Klippen hängen bleiben. Yellowstone ist ein sehr raues Land mit den roten Gesteinsarten aus dem Grand Canyon, grauen Gesteinsbrocken, die an Elefanten erinnern und wildem Wasser, auf dem keiner wagt, eine Bootstour zu machen (obwohl es bestimmt auch einige intelligente Aktionen in diesem Bereich gab).

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Die bekannteste Attraktion ist mit Sicherheit der Old Faithful Geysir, der als einziger Geysir im Park eine Taktung hat und praktischerweise alle 30 Minuten ausbricht. So versammeln sich die Leute im Tal auf langen Bankreihen und erdulden in der Hitze ihr Schicksal bis zum Ausbruch. Der Old Faithful liegt zudem neben einem der bekanntesten Hotels der Welt – oder sollte ich eher sagen, das Hotel liegt neben dem Geysir? Schließlich war dieser eine ganze Weile vorher da. Das Hotel von dem ich rede, ist das Old Faithful Inn. Es ist ein gigantisches Holzhaus gefühlt mitten im Nirgendwo, das bestimmt über sechs Stockwerke hat. Während es von außen riesig und wie ein klassisches Blockhaus wirkt, ist es nach Betreten eine große Überraschung, vor einem filigranen Netz aus Querbalken und tiefhängenden Leuchtern zu stehen. Mit Geigenmusik im Ohr und den Kopf in den Nacken gelegt, kann man über sich einzelne Stockwerke und Plattformen zählen, die viele Sitzplätze erahnen lassen. Man muss kein Gast sein, um eintreten zu dürfen. Es gibt für die Öffentlichkeit einen Souvenirshop und dazu auch ein Restaurant im ersten Stock. Gast zu sein, ist übrigens gar nicht so einfach. Nach allem, was ich gelesen habe, müssen Reservierungen im Durchschnitt mindestens ein Jahr im Voraus erfolgen – es sei denn, manche Personen sagen spontan ab. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, einmal hineinzugehen, auch wenn man vielleicht nur einen Tee trinkt und dabei in einem gigantischen Wildledersessel versinkt.

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Um den ganzen Park zu sehen bräuchte man vermutlich mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Es gibt auf allen Seiten etwas zu sehen. Besonders schön ist der Morning Glory Pool mit hellblauem Wasser und grellgelbem Rand, der nach einem exotischen Cocktail aussieht. Und beeindruckend ist auch der Devils Thumb, eine Gesteinsformation, aus der wilde Geysire sprudeln und man ein unterirdisches Rumpeln hört. Ich wäre gerne länger davor gestanden, aber es hat von einem Moment auf den nächsten in Strömen zu regnen begonnen und sogar wenn man rennt, landet man durchweicht im Auto.

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Wir waren erst spät auf dem Weg aus dem Park hinaus und die Strecke vom Osteingang Richtung Cody ist bestimmt einer meiner liebsten Streckenabschnitte seit wir unterwegs sind. Weite Klippen ragen rechts und links vor einem auf. Die Felsen sind rot, lila, weiß und zwischendurch erhascht man einen Blick auf glatte Seeflächen und zusammengedrängte Büffelherden. Manchmal sieht man auch kahle Hänge, aber zwischen den abgebrannten Baumstümpfen zieht sich mittlerweile auch  wieder helles, grünes Gras hindurch. Kurz vor dem Ausgang bekommen wir sogar noch einen Blick auf drei Bären, die oben auf einem Felsen hocken und gelangweilt vor sich hin kauen. Logischerweise Grund für viele Touristen mitten auf der Straße anzuhalten, auszusteigen und sich darüber aufzuregen, wie unpraktisch die Bären doch für Fotos stehengeblieben sind (ist ja auch wirklich asoziales Verhalten von ihnen).

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Man fährt bis Cody nach dem Ausgang bestimmt noch anderthalb bis zwei Stunden. Zunächst in Serpentinen Berge hinunter, dann irgendwann durch Täler mit Farmland und vereinzelten Bauernhöfen. Zu unserer Irritation thront auf einem Hügel sogar ein gigantisches Blockhaus im skandinavischen Stil, das ohne wirklichen Zweck mitten im Nichts steht (für Interessierte…. es ist zu verkaufen!). Cody ist wie Jackson Hole eine Westernstadt und ebenfalls nur einer der wenigen Orte auf der östlichen Seite des Parks. Hauptsächlich ist es bekannt für sein Westernmuseum und die Rodeo Arena, in der jeden Abend um 8 Uhr die Rodeo Show losgeht. Man kann die Tribünen gar nicht übersehen, wenn man in den Ort abbiegt, da es mit Abstand das größte Gebäude ist. Es gibt zudem eine lange Hauptstraße mit bunten Shops, Leder- und Sattelzubehör und einigen Restaurants, die ihre Steaks bewerben.

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Eine besondere Sache gibt es übrigens noch auf dieser Seite des Parks. Circa eine Stunde von Cody entfernt befindet sich Thermopolis, eine kleine Gemeinde, die eigentlich nur aus Felsen und drei Thermalbädern besteht. Die Stadt liegt in einem Bergkessel mit hoch aufragendem, rot-grauen Gestein und die Thermalbäder grenzen teilweise direkt an den Berg an. Es gibt zwei Bäder, die Wellnessanwendungen und Rutschen anbieten, weshalb sie meistens relativ voll sind, aber es gibt auch ein öffentliches Bad von Thermopolis. Dieses ist für alle Besucher frei, da die Indianer vor langer Zeit bei der Abgabe ihres Landes verewigt haben, dass es für alle Zeit kostenlos für alle Menschen zugänglich sein muss. Es ist ein kleines Bad mit zwei Becken, aber schön angelegt und völlig ausreichend, wenn man mit Muskelkater in den Beinen eine kurze Pause braucht. Anschließend kann man übrigens noch zwischen den Quellen durch einen Park spazieren und über eine Hängebrücke in die Berge laufen. Und wenn man sich dann genug entspannt hat, kann man in Richtung der sogenannten Badlands weiterziehen.

 

Wart ihr schon einmal im Yellowstone Park? Was waren eure Eindrücke?

Preise:
Yellowstone (mit einem Fahrzeug, ohne Jahrespass): 35$
Website: https://www.yellowstone.org/?gclid=CjwKCAjw8O7bBRB0EiwAfbrTh2ck9IHJgyVCcao_4cidAlPAsAPQpuHty4RZD8QA3QCA2Yyx1oYf2hoCHPAQAvD_BwE

Tipps:
1) Übernachtungstechnisch in der Gegend: Idaho Falls, Rexburg und wenn ihr ein bisschen früher bucht evtl auch Cody oder Jackson Hole.
2) Immer ausreichend Wasser mitnehmen – im Park wird es im Sommer bis zu 45 Grad heiß.
3) Eine Kappe kaufen, die gut sitzt. Damit meine ich, dass sie quasi am Kopf festgetackert werden sollte, ansonsten stehen die Chancen, dass man sie verliert, relativ hoch.

Cross Country: Kalifornien bis Wyoming

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Sechzehn – Über den 4.Juli, Idaho Falls und den Grand Teton National Park

Für den 4.Juli haben wir beschlossen, ein paar Tage nach Idaho zurückzufahren. Erstens ist man nach vier Wochen „on the road“ mit einem unterschiedlichen Ziel für jede Nacht ziemlich gerädert. Zweitens ist der 4.Juli vermutlich einer der teuersten Tage im ganzen Jahr, was Übernachtungsmöglichkeiten angeht. Wir sind ein Stück den Highway 101 hinaufgetingelt, um in einem Weingut zu stoppen und den Küstenort Mendocino zu sehen, der unglaublich idyllisch auf Klippen thront. Er hat viele uralte Häuschen mit verschnörkelten Veranden, ausgebaute Wassertürme und kleine Restaurants, über denen Möwen kreisen und wo man auf Dachterrassen sitzen kann.

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Anschließend haben wir den angeblich schnellsten Weg durch die Shasta Trinity Mountains  gewählt und falls ihr das jemals geplant hattet – TUT ES NICHT. Ich hatte das schlimmste Beifahrererlebnis aller Zeiten mit drei Stunden Serpentinen, schlechten Straßen, Asphalt-Absenkungen und konfusem Licht. Nach einer Stunde war mir so schlecht, dass wir sicherheitshalber im Nichts anhalten mussten. Glücklicherweise war der Rest der Strecke dann um einiges machbarer, wenn auch ziemlich trocken.
Eine interessante Station auf dem Weg nach Boise ist außerdem der Lake Abert in Orgeon; ein Alkalisee umrundet von Bergen und mit viel Schilfgras. Lange durch die Gegend würde ich dort aber nicht laufen, da es unglaublich nach Fisch und Salz stinkt (der Geruch davon hat sich sogar danach noch einen Tag im Auto gehalten). Den Unabhängigkeitstag haben wir dann in Idaho City verbracht. Morgens zieht eine Parade mit mehreren Pferden und Wagen durch den Ort, an einigen Stellen wird Mittagessen angeboten und am Abend versammelt man sich auf dem örtlichen Fußballfeld für ein Feuerwerk.

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Ich muss allerdings dazu sagen, dass wir uns davor mit Barbecue vollgestopft hatten, denn es dauert eine Weile bis es dunkel wird und die Feuerwehr mit dem Zünden beginnt. Die paar Tage im Inland sind auf jeden Fall eine gute Verschnaufspause bis wir spontan Konzerttickets kaufen und dafür nach Cincinnati in Ohio aufbrechen müssen. Zum Glück haben wir Zeit, ein paar Ziele auf dem Weg mitzunehmen. Die erste Überraschung auf der Strecke ist Idaho Falls. Circa vier Stunden von Boise entfernt erstreckt sich ein überraschend hübsches Städtchen in der Wüste mit Grünanlagen und einem Fluss, der durchs Zentrum läuft. Wer den Stadtnamen gelesen hat, kann sich jetzt auch denken, dass besagter Fluss wirklich einen Wasserfall enthält. Es gibt eine lange Wasserfallfront entlang der westlichen Stadthälfte und man kann durch einen schick angelegten Park spazieren und die Wasserfälle begutachten.

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Besonders schön ist die Szenerie bei Sonnenuntergang, weil nicht mehr zu viele Personen unterwegs sind und man genug Raum hat, um ans Ufer zu gehen. Auf dem Weg kann man sich einen „Slushy“ holen, das absolut künstlichste Eisgetränk der Welt in Geschmackssorten wie „Tropical Sunshine“ (vielleicht hätte der Name mir Warnung genug sein sollen, aber bei circa 35 Grad in der Sonne war das meinem Gewissen reichlich egal… zumindest bis ich das leuchtend rote Getränk dann im Becher überreicht bekam).

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Stefan und ich sind dann ein weiteres Stück dem Fluss gefolgt, bis wir vor einem schön angelegten japanischem Garten stehen mit moosüberzogenen Flächen, kleinen Bächen und Brunnen und Holzpavillions. Von hohen Steinvorsprüngen und Brücken kann man auf den Fluss unter sich sehen. Und wie in allen Ländern der Welt, entdeckt man auch hier gebräunte Typen in Badehosen, die sich unter den Brücken entlang hangeln. Der Garten wurde zur Freundschaft mit Japan errichtet und es ist erstaunlich, wie viele Menschen auch abends noch darin unterwegs sind und Fotos machen. Im Hintergrund sieht man den leuchtend orange-weißen Wasserturm der Stadt und gelangt durch den Park nach Downtown. Bei der Hitze und nach meinem fabulös-klebrigen Slushy, machen wir einen Stop in einem Irish Pub, um mit etwas weniger „tropischem“ zu kontern.

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Der Pub spielt alte Musikvideos ab, hat eine Bar vollgestopft mit den unterschiedlichsten Getränken und einem gotischen Flair mit gebogenen Deckenbalken und getönten Fensterscheiben. Abgesehen davon gibt es dreifarbigen Käsekuchen, der zum Niederknien i(s)st. Falls ihr die Zeit habt, ist die Stadt auf jeden Fall ein schöner Stopp in Richtung Yellowstone Nationalpark.

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Wir packen am Tag darauf unsere Sachen zusammen und planen unseren Trip zum Grand Teton Nationalpark. Zur Orientierung: Grand Teton ist ein eigener Park südlich von Yellowstone, grenzt aber an diesen an. Es gibt nicht besonders viele Orte in der Gegend, wo man übernachten kann – am bekanntesten ist mit Sicherheit die Westernstadt Jackson Hole, deren Innenstadt wie aus einem alten John Wayne-Streifen aussieht (wenn man mal von den Autos und teilweise sehr luxuriösen Hotels absieht). In der Stadtmitte gibt es einen kleinen Park mit einem Eingangsbogen aus Elchgeweihen, der von Westernveranden und vielen Parkbänken umgeben ist. In den Läden kann man Westernkleidung kaufen und es riecht in den meisten Restaurants himmlisch nach Steak. Während viele Shops durch die Touristen und Hotels ein eher schickes und elitäres Bild mit Markenkleidung zeichnen, gibt es auch die seltsamsten Shops mit den verrücktesten Souveniren. In einem der Läden steht beispielsweise ein gigantischer ausgestopfter Bär für 25 000$, direkt daneben Kung Fu Eichhörnchen mit Samuraiischwertern oder sehr seltsame Tieransammulungen wie rudernde Biber und Rehe.

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Wenn man dann genug verstörende Eindrücke gesammelt hat, kann man sich auf in den Nationalpark machen. Es ist ein weites Land, das sich neben den Grand Teton Bergen erstreckt, die so genannt wurden, weil sie angeblich an Brüste erinnern. Auch im Sommer liegt noch Schnee in den Bergen, was umso abstrakter erscheint wenn man selbst auf den Pfaden im Tal gegrillt wird. Die Landschaft erscheint endlos mit ihren langen Bergketten, Nadelwäldern, Blumenwiesen und Seen und die Anstiege können ganz schön steil werden. Als wir am Jenny Lake ankommen, ist dort bereits die Hölle los und wir finden mit viel Glück einen Parkplatz – natürlich in der Sonne. Der See ist oval mit sehr klarem, dunkelblauen Wasser und mehrere Boote fahren darauf hin und her um die Menschen auf der anderen Seite der Bucht wieder einzusammeln. Motiviert wie wir sind, beginnen wir den Pfad am Wasser entlang zu wandern – und verlaufen uns ziemlich hoffnungslos.

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Schön hoffnungslos, muss ich zugeben, denn wir gelangen zu den Teichen, an denen die Elche normalerweise rasten und laufen durch halb zugewachsene Pfade mit den unterschiedlichsten Wildblumen. Nach einer halben Stunde erreichen wir sogar einen Bergbach, von dessen Brücke aus man die Füße ins Wasser tauchen kann. Im ersten Moment ein ziemlicher Schock, weil es unglaublich kalt ist. Nach unserem Irrtum – wir enden mit Sicht auf die nächstgelegene Landstraße – müssen wir den Weg komplett zurücklaufen und beginnen danach einen steilen Anstieg um die höchste Sicht auf den Jenny Lake zu erklimmen. Die Wasserfläche unter einem scheint auf jeden Fall cool-unberührt, wenn man selbst durch den Wald und über abgesplitterte Steine läuft.

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Einige Teile der Berge bestehen nur noch aus Geröllfeldern, die sich entlang des Sees auf dem Weg zu den „Hidden Falls“ erstrecken. Der Wasserfall ist auf jeden Fall versteckt, man hört das Rauschen lange bevor man die Wasserfälle sieht und es gibt einige Abbiegungen über Brücken, die man dorthin nehmen muss. Die Sicht am Ende ist aber eine ausreichende Belohnung und eine sehr angenehme Abkühlung durch die ganzen Wassersprenkel, die man dort abbekommt. Ich gebe zu – nach unserem Irrweg sind wir nicht mehr motiviert genug, die gesamte Runde um den See zu laufen. Gut zu wissen, dass man von beiden Seiten die Boote nehmen kann. Die Überfahrt dauert nur zehn Minuten und man hat einen schönen Blick auf die umliegenden Berge, Buchten und natürlich das Wasser selbst. Schwer vorstellbar, dass die Natur sich bei unserem nächsten Ziel, dem Yellowstone Park, so sehr von diesem Ort unterscheiden wird.

 

Ich würde mich über ein Kommentar freuen 😉

Preise:
Grand Teton National Park (ohne Annual Pass): 35$ pro Auto
Website: https://www.nps.gov/grte/index.htm

Tipps: 
Außerhalb der Nationalparks schlafen und dafür mehr Fahrtweg in Kauf nehmen, die Preise in Jackson Hole sind wirklich hoch verglichen mit Orten wie Idaho Falls oder Rexburg.

Unter den Dächern der Welt

Unter den Dächern der Welt

Dreizehn – Über Tsunamiwolken, Holzfäller und den Redwood National Park

Willkommen an der kalifornischen Küste mit meilenweiten Sandstränden, Nebel über dem Meer und dem berühmten „Redwood State and National Park“, in dem sich die meisten Bäume über 90 Meter in die Luft erstrecken. Stefan und ich haben Glück dass unser Airbnb direkt an der Grenze zum Eingang des Parks liegt und man nicht sonderlich weit fahren muss, um zu den nahe gelegenen Attraktionen, wie dem Jedediah Smith Redwoods State Park zu gelangen. Unser Airbnb zunächst zu finden, ist aber nicht ganz so einfach, weil unser geliebtes Google Maps kein GPS-Signal erhält und wir stattdessen erstmal auf Essenssuche gehen. Nicht mehr lange unsere Sorge Nummer 1, denn über dem Wasser an der Küste zieht sich eine lange Wolke entlang, die schier endlos hoch erscheint und so wirkt, als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Da sich die Einheimischen komplett normal verhalten, ist es wohl auch so, dass von der grauen Wolke keine Gefahr ausgeht. Schwer zu glauben, wenn man nie Derartiges gesehen hat und am Straßenrand Schilder mit den Aufschriften „Watch out – Tsunami Zone“ stehen. Wir finden auf einer Klippe schließlich das „YourDailyBread“-Restaurant, das extrem gute Pasta macht und aus dessen Glasfront man Wale in einiger Entfernung entdecken kann. Mit mehr Funksignal machen wir uns auf den Weg zurück und haben dieses Mal mehr Glück. Während die Küste in Oregon sehr abwechslungsreich ist, scheint Kalifornien vor allem zwischen zwei Formationen zu schwanken: Entweder man sieht kilometerweiten Sandstrand mit Schilf und Dünen oder man steht an Küsten mit zerklüftetem, schwarzem Vulkangestein, das aus dem Wasser ragt. Letzteres wird vor allem im Nationalpark sichtbar, der viele Wege entlang rauer Küste hat und in dem die gigantischen Bäume allgegenwärtig sind.
Stefan und ich fahren zuerst zu den Trees of Mystery, wo man mit einer Gondel durch den Wald „fahren“ und einige Wege laufen kann. Auf den ersten Blick sieht Trees of Mystery aus wie ein Paradies für Kinder: Erstens sind überall Schaukeln und Tiere zu sehen, zweitens steht eine riesige Paul Bunyan Figur mit einem ähnlich großen, blauen Ochsen vor dem Eingang.

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Da ich auch keine Ahnung hatte, wer Paul Bunyan ist, hier eine kurze Erleuchtung. Man ist sich nicht ganz sicher, ob die ursprüngliche Sage aus Kanada oder Amerika stammt, aber Paul Bunyan war angeblich ein übermannshoher, unendlich starker Holzfäller, der mit seinem Ochsen durchs Land gezogen ist und Monumente, Seen und sogar den Grand Canyon geschaffen haben soll (durch die Art, wie er seine Axt hinter sich herzog). Klingt und ist also eine landwirtschaftliche Fassung von Chuck Norris, von dem es eine Disneyserie und etliche andere Werbefiguren im Land gibt. Aber um die Sache zu krönen: Nicht, dass Paul Bunyan nur übermenschlich riesig vor dem Eingangstor steht, er spricht auch noch. Und nein, es ist kein Spielband, was sich wiederholt und epische Musik abspielt, sondern jemand sitzt in Paul Bunyans Kopf, labert vor sich hin und beantwortet die Fragen, die neugierige Kinder nach oben schreien. Ich habe selten von einem noch seltsameren Job gehört. Aber es ist ja auch wieder ganz lustig, wenn die Kinder: „Bis bald Paul! Hab nen guten Tag!“ schreien und Paul mit begeisterter Stimme „Yo bis dann!“ ruft. Auch wenn der Park mit Kindern bestimmt ein toller Ausflug ist, so kann man ihn auch zu zweit sehr genießen, wenn man die Pfade zwischen Elefantenbäumen abläuft und Bäume sieht, die sich nicht einmal ansatzweise umfassen lassen.

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Besonders eindrucksvoll ist die „Chapel“, eine Formation von neun Bäumen, die in einem Halbkreis dicht aneinander stehen und in deren Mitte man heiraten kann, wenn man sich lange, lange im Voraus anmeldet (lustigerweise entsteht bei Trees of Mystery gerade eine weitere Chapel mit einem Schildchen daran, auf dem steht: „Wir nehmen Reservierungen für in 200 Jahren an!“).
Kurz bevor man die Gondeln erreicht, steht man dann vor dem beeindruckendsten Baum des Parks: dem „Brotherhood Tree“. Vermutlich bräuchte man zwischen fünf und zehn Personen, um den Stamm einmal zu umarmen. Um ihn herum erstreckt sich eine Holzplattform mit langen Planken und Geländern, die die Beschädigung verhindern sollen. Wenn man Bäume wie diesen sieht, kommt man sich umso mehr wie eine Stecknadel auf der Weltkarte vor. Redwoods sind übrigens Küstenmammutbäume, die lediglich in diesem Teil Amerikas wachsen und von denen früher leider ein Großteil abgeholzt wurde. Die Verbleibenden sind im Durchschnitt zwischen 500 und 700 Jahre alt, es gibt allerdings auch einige, die auf 2000 Jahre geschätzt werden.

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In die Gondeln passen zwei bis sechs Personen und die Fahrt nach oben in den Wald dauert acht Minuten. Wenn man durch die Kapsel nach unten sieht, entdeckt man alte, vermooste Stufen, die den ursprünglichen Weg darstellen und schwebt an den gigantischen Baumkronen vorbei. Oben angekommen gibt es wieder eine elegante, neue Holzplattform, die einen Aussichtspunkt bis auf das weiter entfernte Meer bietet. Von oben kann man entweder die Gondel zurück zu den unteren Pfaden nehmen oder man beschließt, von oben den längsten Pfad zu laufen, der als „mittelmäßig schwierig“ eingestuft wurde (leichte Untertreibung nachdem man ihn selbst gelaufen ist). Zum größten Teil ist man zwar bergab unterwegs, allerdings ist es kein angenehmes „Ich-atme-mal-durch“-Bergab, sondern ein „Verdammt-wo-kann-ich-hintreten-ohne-dass-ich-auf-einer-Nacktschnecke-ausrutsche-und-hinfliege“-Bergab. Stefan ist in sowas ja gewissenloser als ich, aber dafür lag er auch nach zehn Minuten auf dem Boden.
Danach haben wir beschlossen, uns auf die Seile am Rand zu verlegen, die Sicherheit garantieren sollen. Ich denke nicht, dass das, was wir dort betrieben haben, noch „wandern“ war. Es fiel eher  in die Kategorie „klettern“ und wir waren relativ fertig mit der Welt, als wir unten ankamen. Nur gut, dass es dort zwei Möglichkeiten zum Entspannen gibt. Einmal kann man ins indianische Museum neben dem Souvenirshop gehen und erfährt dort, wie die Cherokee-Indianer in der Gegend sich gekleidet und gejagt haben. Andererseits gibt es auf der gegenüberliegenden Seite der Straße das „Forest Café“, das eine verrückte Atmosphäre mit grüner Decke und mehreren Brunnen hat und gutes Mittagessen anbietet.

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Circa 20 Minuten von den Trees of Mystery entfernt befinden sich dann die Prairie Creek Redwoods, die ich für diesen Nationalpark als eigentliche Hauptattraktion verbuchen würde. Einmal in den Park abgebogen, gibt es ungemein viele Möglichkeiten, stehen zubleiben und je tiefer man in den Wald hinein fährt, desto höher und breiter werden die Bäume. Einige von ihnen wurden durch Feuer oder Käfer so weit ausgehöhlt, das man in ihrer Mitte stehen kann, andere stehen so dicht aneinander, dass ihre Baumstämme zusammengewachsen sind. Die meisten der Pfade sind ziemlich naturbelassen und man läuft durch ein Labyrinth aus Farn, Redwoods und Wildblumen in einer selten gelassenen Stille, die höchstens durch Wasserrauschen, Vögel und das gelegentliche Klicken einer Kamera gestört wird. Die Bäume lassen nur vereinzelt Lichtstrahlen hindurch und geben einem den Eindruck als Dächer der Welt zu fungieren, vor allem, weil man sich kaum vorstellen kann, dass außerhalb von ihnen noch etwas existiert.

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Die nächste Stadt bei den Redwoods ist Crescent City. Falls man mal eine Pause von all den Bäumen braucht, kann man in die Stadt fahren, ein Stück am Strand entlang spazieren oder den Leuchtturm „Battery Lighthouse“ auf einer kleinen Insel besichtigen.  Man kann in der warmen Jahreszeit an den Touren im Gebäude teilnehmen, wobei man etwas über die Geschichte der Gegend und dem Bau des Turms erfährt. Es ist einer der ersten Leuchttürme, die in Kalifornien als historischer Ort registriert wurden und war bis 1953 nicht automatisiert. Gerade im Juni ist es besonders schön, weil die Blumen auf der Insel in voller Blüte stehen und sich auch bei schlechtem Wetter pink von den Klippen und dem weißen Turm abheben.

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Crescent City ist zudem nicht weit entfernt vom Visitor Center entfernt, das kleine Redwoods zum Einpflanzen verkauft und einem Karten zu den Pfaden in der Umgebung mitgibt. Der Jedediah State Park ist zum Beispiel gleich um die Ecke und man läuft zwischen den einzelnen Redwoods entlang in Richtung von dichterem Waldgebiet oder runter zum Fluss, wo das Wasser je nach Lichteinstrahlung die Farben wechselt. Dabei kann man im Hintergrund die Rangerkinder (Juniorranger) marschieren hören. In den Flüssen sind sogar einige Leute am Baden, auch wenn das Wasser extrem kalt ist. Da bleibt man doch lieber im Schatten und genießt die Sicht auf das spiegelglatte Wasser neben einem.

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Nennt mir einen Ort, an dem sich wandern besonders lohnt 🙂

Preise:

Trees of Mystery: Erwachsene 19$, Senioren 14$, Kinder 9$ (ab 5 Jahren)
Website: https://www.treesofmystery.net/

Tipps:
1) Holt euch bei Trees of Mystery einen Wanderstock, falls ihr den Pfad von oben nach unten laufen möchtet. Man bekommt sie beim oberen Gondelhaus und kann ihn wieder unten zurückgeben.
2) Wenn ihr zuerst zu den „Trees of Mystery“ und danach zum „Forest Café“ geht, bekommt ihr bei ersterem einen Rabatt-Coupon für zweiteres.
3) Die Bäume in Prairie Creek sind noch um einiges urtümlicher, als die in im Jedediah State – falls ihr nur einen Tag in der Gegend habt und nicht sicher seid, was ihr anschauen möchtet.