Näher am Welt(kn)all

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Siebzehn – Über den Yellowstone Nationalpark, Touristentorturen und Thermopolis

Wenn ich einen der irrealsten Orte der Erde benennen müsste, wäre der Yellowstone Nationalpark bestimmt unter den Top 3. Es ist einer jener Orte, wo man hinter jeder Kurve etwas Neues erkennt und nie weiß, welches Wetter man erwarten soll. Stefan und ich fahren um die Mittagszeit in Richtung Westeingang und reihen uns in eine lange Schlange Autos ein. Da Yellowstone mit Yosemite und Grand Canyon vermutlich der bekannteste Nationalpark in den USA ist, ist er auch ziemlich voll. Man sollte definitiv einiges an Zeit einplanen und vorher klären, wo man abends für die nächste Übernachtung sein muss, da es nicht viele Möglichkeiten im und um den Park gibt.

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Yellowstone ist das letzte, intakte Ökosystem der Erde und der älteste Nationalpark der Welt (1872 gegründet). Er enthält Vulkane, Geysire, Flüsse und Seen und es leben Grizzlybären und Wölfe in freier Wildbahn. Ich finde nicht, dass die Berge, an denen wir vorbeifahren, unbedingt nach Vulkanen aussehen. Wenn man aber an die einzelnen Aussichtspunkte auf dem Weg gelangt, erkennt man die Geysire und vor allem die bröslige Vulkanerde. Ein Grund, warum der Park trotz seiner extremen Weitläufigkeit (8987 km² ) trotzdem so überbesucht wirkt, ist die Tatsache, dass man sich mit dem Auto von Punkt A zu Punkt B bewegt. Es gibt zwar Pfade, die man laufen kann, aber die Hauptattraktionen liegen an der Straße und mehr Pfade zu erschaffen, fällt vermutlich wegen dem Vulkanuntergrund weg. Yellowstone ohne Auto? Ziemlich unmöglich – vor allem nicht ohne Tourführer. Die Hauptattraktionen sind glücklicherweise aber sehr übersichtlich gestaltet und man läuft über Holzwege und Plattformen zu Geysiren und Quellen. Bei Letzteren handelt es sich um kleine Krater, in denen kochend heißes Wasser brodelt. Im weißen Vulkansand leuchten sie in allen Farben des Regenbogens und lassen einen mit der Frage zurück, wie die Natur etwas so Unwirkliches zwischen rauem Stein und weiten Nadelwäldern schaffen konnte. Es wäre um einiges glaubhafter, wenn man den Planeten gewechselt hätte. Die unterschiedlichen Farben entstehen dabei übrigens durch Bakterien und Algen, die aufgrund der vulkanischen Quellen entstehen.

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Wir starten bei Madison, wo man nicht weit entfernt mehrere Quellen sehen kann und hellblaues, glasklares Wasser verlockend in der Sonne schimmert. Auf einmal ergeben die Unglücksfälle im Park einen Sinn. Ranger erzählen von Teenagern, die tagsüber den Park besichtigt und sich Stellen zum Baden gemerkt haben, dann abends wiederkamen und sie verwechselten. Das Wasser kann einen am lebendigen Leib kochen – die Schilder auf den Stegen zu beachten, ist also äußerst sinnvoll. Abgesehen von den offensichtlichen Punkten wie dem Boden und dem Wasser, gibt es außerdem viele Wildtiere im Park, auf die man Rücksicht nehmen muss. Man kann in Gebüschen Elche und Hirsche erkennen und oft auch Herden von Büffeln, die durch die Prärie in der Mitte des Parks ziehen. Warum manche Personen ihre zweijährigen Kinder direkt vor einen Büffel setzen oder neben einem auf der Straße halten, um Bilder zu machen, geht zwar nicht ganz in meinen Kopf, aber ist trotzdem weit verbreitet. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass überall Schilder stehen mit Warnungen, wie sehr man sich den Tieren nähern sollte, oder?

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Aber zurück zu den Vulkanen. Hören tut man eigentlich nur das Puffgeräusch, wenn ein Geysir in die Höhe geht. Riechen kann man beispielsweise den Mud Vulcano am östlichen Ausgang des Parks, der wirklich überirdisch nach Schwefel stinkt und wie ein Urzeitmonster braune Blasen wirft (zumindest stelle ich mir ein Urzeitmonster so vor, aber ich neige ja auch zu B-Movies…).
Durch die aufsteigende Hitze läuft man im Park oft durch Dampfsäulen und merkt dadurch umso mehr, wie heiß es eigentlich in der Umgebung ist. Auch wenn der Wind hin und wieder über die Landschaft fegt, bringt er keine wirkliche Abkühlung, sondern sorgt für weitere Kappen und Hüte, die in den Pools vor sich hinschwimmen oder an Klippen hängen bleiben. Yellowstone ist ein sehr raues Land mit den roten Gesteinsarten aus dem Grand Canyon, grauen Gesteinsbrocken, die an Elefanten erinnern und wildem Wasser, auf dem keiner wagt, eine Bootstour zu machen (obwohl es bestimmt auch einige intelligente Aktionen in diesem Bereich gab).

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Die bekannteste Attraktion ist mit Sicherheit der Old Faithful Geysir, der als einziger Geysir im Park eine Taktung hat und praktischerweise alle 30 Minuten ausbricht. So versammeln sich die Leute im Tal auf langen Bankreihen und erdulden in der Hitze ihr Schicksal bis zum Ausbruch. Der Old Faithful liegt zudem neben einem der bekanntesten Hotels der Welt – oder sollte ich eher sagen, das Hotel liegt neben dem Geysir? Schließlich war dieser eine ganze Weile vorher da. Das Hotel von dem ich rede, ist das Old Faithful Inn. Es ist ein gigantisches Holzhaus gefühlt mitten im Nirgendwo, das bestimmt über sechs Stockwerke hat. Während es von außen riesig und wie ein klassisches Blockhaus wirkt, ist es nach Betreten eine große Überraschung, vor einem filigranen Netz aus Querbalken und tiefhängenden Leuchtern zu stehen. Mit Geigenmusik im Ohr und den Kopf in den Nacken gelegt, kann man über sich einzelne Stockwerke und Plattformen zählen, die viele Sitzplätze erahnen lassen. Man muss kein Gast sein, um eintreten zu dürfen. Es gibt für die Öffentlichkeit einen Souvenirshop und dazu auch ein Restaurant im ersten Stock. Gast zu sein, ist übrigens gar nicht so einfach. Nach allem, was ich gelesen habe, müssen Reservierungen im Durchschnitt mindestens ein Jahr im Voraus erfolgen – es sei denn, manche Personen sagen spontan ab. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, einmal hineinzugehen, auch wenn man vielleicht nur einen Tee trinkt und dabei in einem gigantischen Wildledersessel versinkt.

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Um den ganzen Park zu sehen bräuchte man vermutlich mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Es gibt auf allen Seiten etwas zu sehen. Besonders schön ist der Morning Glory Pool mit hellblauem Wasser und grellgelbem Rand, der nach einem exotischen Cocktail aussieht. Und beeindruckend ist auch der Devils Thumb, eine Gesteinsformation, aus der wilde Geysire sprudeln und man ein unterirdisches Rumpeln hört. Ich wäre gerne länger davor gestanden, aber es hat von einem Moment auf den nächsten in Strömen zu regnen begonnen und sogar wenn man rennt, landet man durchweicht im Auto.

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Wir waren erst spät auf dem Weg aus dem Park hinaus und die Strecke vom Osteingang Richtung Cody ist bestimmt einer meiner liebsten Streckenabschnitte seit wir unterwegs sind. Weite Klippen ragen rechts und links vor einem auf. Die Felsen sind rot, lila, weiß und zwischendurch erhascht man einen Blick auf glatte Seeflächen und zusammengedrängte Büffelherden. Manchmal sieht man auch kahle Hänge, aber zwischen den abgebrannten Baumstümpfen zieht sich mittlerweile auch  wieder helles, grünes Gras hindurch. Kurz vor dem Ausgang bekommen wir sogar noch einen Blick auf drei Bären, die oben auf einem Felsen hocken und gelangweilt vor sich hin kauen. Logischerweise Grund für viele Touristen mitten auf der Straße anzuhalten, auszusteigen und sich darüber aufzuregen, wie unpraktisch die Bären doch für Fotos stehengeblieben sind (ist ja auch wirklich asoziales Verhalten von ihnen).

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Man fährt bis Cody nach dem Ausgang bestimmt noch anderthalb bis zwei Stunden. Zunächst in Serpentinen Berge hinunter, dann irgendwann durch Täler mit Farmland und vereinzelten Bauernhöfen. Zu unserer Irritation thront auf einem Hügel sogar ein gigantisches Blockhaus im skandinavischen Stil, das ohne wirklichen Zweck mitten im Nichts steht (für Interessierte…. es ist zu verkaufen!). Cody ist wie Jackson Hole eine Westernstadt und ebenfalls nur einer der wenigen Orte auf der östlichen Seite des Parks. Hauptsächlich ist es bekannt für sein Westernmuseum und die Rodeo Arena, in der jeden Abend um 8 Uhr die Rodeo Show losgeht. Man kann die Tribünen gar nicht übersehen, wenn man in den Ort abbiegt, da es mit Abstand das größte Gebäude ist. Es gibt zudem eine lange Hauptstraße mit bunten Shops, Leder- und Sattelzubehör und einigen Restaurants, die ihre Steaks bewerben.

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Eine besondere Sache gibt es übrigens noch auf dieser Seite des Parks. Circa eine Stunde von Cody entfernt befindet sich Thermopolis, eine kleine Gemeinde, die eigentlich nur aus Felsen und drei Thermalbädern besteht. Die Stadt liegt in einem Bergkessel mit hoch aufragendem, rot-grauen Gestein und die Thermalbäder grenzen teilweise direkt an den Berg an. Es gibt zwei Bäder, die Wellnessanwendungen und Rutschen anbieten, weshalb sie meistens relativ voll sind, aber es gibt auch ein öffentliches Bad von Thermopolis. Dieses ist für alle Besucher frei, da die Indianer vor langer Zeit bei der Abgabe ihres Landes verewigt haben, dass es für alle Zeit kostenlos für alle Menschen zugänglich sein muss. Es ist ein kleines Bad mit zwei Becken, aber schön angelegt und völlig ausreichend, wenn man mit Muskelkater in den Beinen eine kurze Pause braucht. Anschließend kann man übrigens noch zwischen den Quellen durch einen Park spazieren und über eine Hängebrücke in die Berge laufen. Und wenn man sich dann genug entspannt hat, kann man in Richtung der sogenannten Badlands weiterziehen.

 

Wart ihr schon einmal im Yellowstone Park? Was waren eure Eindrücke?

Preise:
Yellowstone (mit einem Fahrzeug, ohne Jahrespass): 35$
Website: https://www.yellowstone.org/?gclid=CjwKCAjw8O7bBRB0EiwAfbrTh2ck9IHJgyVCcao_4cidAlPAsAPQpuHty4RZD8QA3QCA2Yyx1oYf2hoCHPAQAvD_BwE

Tipps:
1) Übernachtungstechnisch in der Gegend: Idaho Falls, Rexburg und wenn ihr ein bisschen früher bucht evtl auch Cody oder Jackson Hole.
2) Immer ausreichend Wasser mitnehmen – im Park wird es im Sommer bis zu 45 Grad heiß.
3) Eine Kappe kaufen, die gut sitzt. Damit meine ich, dass sie quasi am Kopf festgetackert werden sollte, ansonsten stehen die Chancen, dass man sie verliert, relativ hoch.

All time favourite – 12 Tipps für San Francisco

All time favourite – 12 Tipps für San Francisco

Falls es nur eine Stadt in Amerika gibt, die ihr gesehen haben solltet, dann ist es San Francisco. Ich schätze, ich habe mein Herz schon beim ersten Mal dort verloren, aber es ist auch schwer, es nicht zu tun, wenn ein Ort so vielseitig und energiegeladen ist. Man trifft an allen möglichen Ecken Straßenmusiker, hört unterschiedliche Dialekte und ist umgeben von Wasser und einigen der längsten Brücken der Welt. Die Stadt ist auch im Sommer noch angenehm kühl durch den Wind, der vom Meer kommt und die Nacht ist glasklar und lässt die Gebäude in den Gassen wie einen Sternenhimmel wirken. Nicht mal der Nebel, der morgens in den Gassen lungert, tut der Sache einen Abbruch. Die Häuser sind so bunt und unterschiedlich, dass sie ohnehin herausstechen und es gehört auch irgendwie zum Flair, eine Jacke mitzunehmen, sogar wenn man sie später vielleicht gar nicht mehr braucht. Stefan und ich haben fünf Tage bei Freunden verbracht und Tagesausflüge unternommen. Vielleicht kann der ein- oder andere ja ein paar Ziele gebrauchen.

  1. Welchen District von San Francisco sollte man unbedingt gesehen haben?

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Diese Antwort kommt vermutlich nicht überraschend, aber Chinatown ist ein Must-See der Stadt. Bequem zu erreichen per U-Bahn (Tagesticket liegt bei 6$), kann man in der Stadtmitte aussteigen und gelangt über einige Shoppingmeilen in den Chinatown-District. Unter einem bunt verzierten Tor hindurch gelangt man hinein in Straßen mit roten Lampionketten, grotesken Statuen und bunten Souveniren wie Hausschlappen mit Katzenköpfen, Pekinghüten und Anhängern, auf denen „San Francisco“ nicht immer korrekt buchstabiert wurde. Man gerät zwischendurch in den Nebel von Kerzen und Räucherstäbchen und in den Läden spielt exotische Meditationsmusik gepaart mit dem ständigen Klingeln der Türglocken.
Man kann an allerlei Imbissbuden Frühlingsrollen mitnehmen oder auf einer der hohen Terrassen auf den Gebäuden zu Mittag essen. Es gibt auf jeden Fall an jeder Ecke etwas zu sehen und zu hören. Wir hatten auch einen sehr amüsanten Moment als wir uns mit unserer Freundin darüber unterhalten haben, wie man 3 Monate von der Arbeit frei bekommt. Letztendlich sind wir zu der Aussage gelangt, dass die meisten Menschen uns vermutlich als Hippies abstempeln werden. Ein komplett Unbekannter hinter uns hat dann spontan: „Dafür steht ihr viel zu sauber aus!“ gerufen. Irgendwie tröstlich.

    2. Wohin sollte man die Cable Cars nehmen?

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San Francisco ist bekannt für seine alten Cable Cars, die nur noch in Downtown verkehren, da die Stadt sie für das neue Straßennetz in vielen Gebieten streichen musste. Sie fahren jetzt hauptsächlich nur noch in zwei Richtungen und man kann beispielsweise in Chinatown die Cable Cars zum Financial District nehmen. Von dort ist es nicht weit und man sieht die größten Gebäude San Franciscos (Transamerica Pyramid, Salesforce Tower usw.), wenn man aus dem Wagen späht.

     3. Was gibt’s an der Fisherman´s Wharf zu sehen?

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Im Großen und Ganzen ist die Fisherman`s Wharf ein sehr langer Abschnitt mit allerlei Attraktionen, wie den ablegenden Booten, Märkten, Museen, Restaurants und der uralten Markthalle. Diese ist mit ihren Minishops ein guter To-Go-Punkt für Mittagessen oder für ein Eis mit so ungewöhnlichen Sorten, wie „Breakfaststarter“. Es gibt darin auch Weinverkäufe, Buchläden, Seifenhersteller und die „Cowboy Creamery“, wo man Käsesorten testen kann. Definitiv ein guter Ort um eine Pause zu machen, vor allem, weil die dicken Mauern die Hitze abhalten.

   4. Wo kann ich ganz San Francisco sehen?

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Wie in den meisten großen Städten gibt es mehrere Gebäude, durch die man auf hohe Aussichtspunkte gelangen kann. Die beste Sicht über die ganze Stadt gibt es aber vom Twin Peaks Mountain oder Mount Davidson, schwer zu übersehen durch eine gigantische Antenne obendrauf, die aussieht wie die Harpune eines griechischen Gottes. Von dort oben könnt ihr alle Seiten überblicken und vielleicht sogar die Golden Gate Bridge im Nebel ausmachen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, eine Jacke mitzubringen, denn dort oben pfeift der Wind gewaltig vor sich hin. Wer an einem längeren Stop oben interessiert ist, kann sich auf jeden Fall Picknickkorb und Wanderschuhe mitbringen. Es gibt ein paar Wege ganz hoch auf die Berge und Picknicktische überall entlang der Straße.

     5. Welche Bootstour ist empfehlenswert?

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Es gibt zwei, die ich vorschlagen kann. Einmal ist da natürlich Alcatraz, die bedrohlich aussehende Gefängnisinsel, die auf kargen, grau-schwarzen Felsen gebaut wurde und düstere Einblicke in die Geschichte gibt. Seit 1963 ist sie zwar nicht mehr in ihrem ursprünglichen Gebrauch, es wirkt allerdings gar nicht so lange her, wenn man mit Audioguide durch die Gänge mit einsamen Zellen läuft.
Etwas unbekannter dagegen ist Angel Island, eine Insel, die von der Fisherman`s Wharf eine halbe Stunde entfernt ist. Mit dem Boot passiert man Alcatraz, die Golden Gate Bridge und letztendlich auch die reicheren Außenviertel San Franciscos. Angel Island war die ursprüngliche Landestation für viele Immigranten. Sie wurden dort abgesetzt, mussten die Papiere prüfen lassen und wurden auf Krankheiten untersucht, wobei diese Prozesse Wochen bis Monate dauern konnten. Vieles auf der Insel strahlt noch immer diese einsame Trostlosigkeit  aus – vor allem, wenn man die Ankerstation erreicht und die ehemaligen Gebäude sieht. Es ist mittlerweile ein Geisterort mit unglaublich vielen, leerstehenden Häusern, die zum Teil auch vom Militär hinterlassen wurden. Nachdem die Insel für die Immigranten ausgedient hatte, wurde sie vom Militär als Stationspunkt genutzt. Es ist einer der wenigen Orte, bei denen man aktiv sieht, wie die Natur ihn zurückholt und wie schnell der Verfall doch ist, wenn sich niemand kümmert. Weite Wanderwege führen einmal um die Insel herum und sie hat überraschend viele schöne Strände, bunte Wildblumen und einige verlassene Villen, von denen man sich nur zu gut vorstellen kann, wie herrschaftlich sie einmal gewesen sein müssen.

    6. Welche Grünanlagen sind sehenswert?

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Es gibt mehrere Parks in der Innenstadt, aber am sehenswertesten ist mit Sicherheit der Golden Gate Park. Stefan und ich haben zwei Tage darin verbracht und uns ziemlich die Füße platt gelaufen, aber gesehen haben wir immer noch nicht alles. Man kann beispielsweise am Stow Lake ein Tretboot ausleihen und damit am japanischen Garten vorbeipaddeln. Dabei haben wir übrigens einen seltsamen Mann mit zwei winzigen Chihuahuahunden und einer angeleinten Ente mit Windel gesehen (ja, in San Francisco sind schon einzigartige Personen unterwegs…). Oder man geht direkt in den Japanischen Garten, der zwar nicht sehr groß, aber dafür sehr grün ist, kleine chinesische Tempel integriert sowie ein Café, in dem man eine Miso Soup löffeln kann.

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Besonders seltsam ist die kreisrunde Brücke in der Mitte, die wirklich so steil ist, wie sie aussieht und so rund wie ein Fass. Sehr sehr sehenswert ist vor allem der botanische Garten, ein Stück weiter die Straße hinunter. Darin hat man das Gefühl, ziemlich weit von dem Straßenlärm entfernt zu sein und er ist groß genug um für sich alleine zu bleiben oder einen Schattenplatz für ein Picknick zu suchen. Vor allem gibt es mehrere Themenfelder wie Afrika, Frankreich oder Asien, die alle einzigartig gestaltet sind und die landesüblichen Pflanzen beinhalten.

   7. Schönstes Gebäude in San Francisco?

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Um beim grünen Themenbereich zu bleiben: Das Gewächshaus Conservatory of Flowers ist wundervoll! Eins der Gebäude, die einen schon im Vorbeifahren beeindrucken, egal ob es an der schneeweißen Wintergartenkonstruktionen, den goldenen Statuen im Garten oder den bunten Blumenbeeten davor liegt. Es ist von innen mindestens genauso schön wie von außen mit den meterhohen Decken, wild durcheinander beschrifteten Blumenschildern und liebevoll eingetopften Hängeblumen. Es gibt versteckte Figuren und Teiche und einen winzigen Shop, der Blumensamen „vertickt“. Alle Grünanlagen sind übrigens nicht weit voneinander entfernt, sodass man sie ganz gut ablaufen kann. In der Nähe befindet sich sonst auch noch das Sciencemuseum, falls man sich zwischendurch mal abkühlen will.

   8. Guter Aufenthalt mit Kindern?

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Das Exploratorium an der Fisherman`s Wharf ist ein Entdeckungsmuseum zu allen möglichen Bereichen, wie Biologie, Technik, Physik und Chemie. Es kann wirklich voll werden, aber normalerweise findet man immer einen Bereich in dem man starten kann und es gibt zu jedem Experiment Schilder zu den Eckdaten (Erfinder, Forschungsrichtung, Daten usw). Es geht manchmal um Geschicklichkeit, dann um Spiegelreflexe oder Reaktionsmessung – ein Kind kann mit Sicherheit den ganzen Tag hier drin verbringen, ohne sich je groß zu langweilen. Das Museum macht auch als Erwachsener Spaß, aber wenn man von so vielen Schulkindern umgeben ist, ist es vermutlich die bessere Variante unter der Woche zu gehen.

   9. Was sollte man unbedingt gesehen haben?

Abgesehen von einem Gang nach Downtown und dem Park wäre die beste Option ein Musical anzusehen. Das älteste Musical in der Stadt heißt „Beach Blanket Babylon“. Es handelt von Schneewittchen,  das versucht die wahre Liebe zu finden. Egal wie kitschig das auf den ersten Eindruck klingt – das Stück ist lustig, politisch, hat großartige Kostüme mit verrückten Hüten und parodiert sämtliche Stars der damaligen und jetzigen Zeit. Wir hatten selten so unterhaltsame anderthalb Stunden und man sitzt in einem altmodischen Theater mit roten Plüschsesseln, einer Empore und Cocktailkarten.

    10. Bestes Restaurant?

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Von allem was wir probiert haben, war die beste Erfahrung das Roti Indian Bistro, ein indisches Restaurant mit großer Auswahl, Tageskarten und in einer Seitenstraße, die den Lärm außen hält. Falls ihr eine besondere Sache probieren wollt – nehmt den Gobi. Es ist ein gebackener Blumenkohl mit Cremesauce und er schmeckt auch, wenn man normalerweise kein großer Blumenkohlfan ist. Bestes Café? Das Café Zoetrope in einer Seitenstraße vom Financial District, wo man eine Mischung aus französischem, amerikanischem und italienischem Essen bekommt. Abgesehen davon gibt es darin mittig eine kleine Maschine: Wenn man auf sie drückt, bekommt man eine ausgedruckte Kurzgeschichte zum Mitnehmen.

    11. San Francisco liegt im Weingebiet Kaliforniens. Wo kann ich Wein probieren?

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Außerhalb der Stadt gibt es mehrere Weingüter, sobald ihr euch Richtung Napa Valley bewegt. Wir haben eine gute Erfahrung mit Geysirville gemacht, wo man in eine kleine Straße mit mehreren Weinshops einbiegen kann. Die meisten davon bieten kostenloses Weintesten an, was bei den großen Weingütern nicht immer der Fall ist. Besonders nett war die Mercury Winery, die uns eine Weile Informationen über ihr Weinjahr und ihre Herstellung gegeben haben. Wir wurden begeistert von ihrem Hund begrüßt und die zwei Inhaber sitzen mit einem am Tisch und trinken auch mit einem von ihren Proben -stark aber spritzig und eine gemütliche Atmosphäre. Die Fahrt nach Geysirville führt übrigens über die Golden Gate – falls ihr das auch noch abhaken wolltet.

    12. Bester Shop?

Wenn ihr auf der Suche nach einem wirklich interessanten, verwinkelten und ungewöhnlichen Buchladen seid, kann ich City Lights Books empfehlen. Ein wenig indie, an der Ecke zu Chinatown und mit großer Auswahl von internationaler Literatur. Ich kann in Buchläden ja grundsätzlich verloren gehen, aber dieser macht es einem wirklich einfach.

 

Was ist eure Lieblingsstadt in den USA? Wo wolltet ihr schon immer einmal hin?
Preise:

Ubahn: Ca 6$ am Tag, je nachdem wie viele Zonen man fährt, auch mehr.
Cable Cars: Um die 7$ für eine Linie.
Bootstour nach Angel Island: 10$ pro Person
Japanischer Garten: 9$ Erwachsene, 3$ Kinder (Website: http://www.japaneseteagardensf.com/)
Botanischer Garten: 9$ Erwachsene, 6$ Jugendliche und Senioren, 2$ Kinder, 19$ Familien (Website: https://www.sfbotanicalgarden.org/)
Conservatory of Flowers: 9$ Erwachsene, Jugendliche, Senioren & Studenten 6$, Kinder 3$ (Website: https://conservatoryofflowers.org/)
Tretboot am Stow Lake: 28.50$ pro Stunde (Website: https://stowlakeboathouse.com/boats/)
Beach Blanket Babylon: Zw. 30 und 130$ (Website: https://www.beachblanketbabylon.com/)
Exploratorium: 29.95$ Erwachsene, Jugendliche, Studenten und Senioren 24.95$, Kinder 19.95$ (bis 12), Kinder unter 3 frei (Website: https://www.exploratorium.edu/)
Alcatraz: 38$ Erwachsene & Jugendliche, 23.25$ Kind, 35.75$ Renter (Website: https://www.alcatrazcruises.com/)

Tipps:
1) Beach Blanket Babylon (Musical) unbedingt im Voraus reservieren. Am besten mit Parkplatz in der Nähe, da es ziemlich zentral liegt.
2) Bootstour (egal welche) machen, wenn man im Voraus die Preise für die Parkhäuser verglichen hat (sie sind extrem teuer). Am besten ihr fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dort hin.
3) Die Aussichtspunkte sind fast nur mit dem Auto erreichbar. Ansonsten müsst ihr definitv mehr Zeit einplanen, um zu Fuß die Berge zu erreichen.
4) Die Golden Gate Bridge ist zu Fuß überquerbar.
5) Immer eine Jacke oder einen Schal dabeihaben (und am besten auch Sonnenschutz). Man weiß nie genau, wann man was braucht.

Zwischen den Elementen

Zwischen den Elementen

Vierzehn – Über die Burney Falls, Lassen Volcanic Park und Bären in zu naher Nähe

Nach unserem Küstentrip haben wir eine Nacht in Redding geschlafen. Es ist eine langgezogene Stadt mitten im Nirgendwo, mit einer unglaublichen Hitze, die vom Boden aufsteigt. Wir haben Glück, dass unser Airbnb einigermaßen klimatisiert ist und der nächste Supermarkt nicht allzu weit entfernt, sodass man sich nicht lange mit den Temperaturen herumschlagen muss. In Redding liegt übrigens der sogenannte „Turtle Bay Exploration Park“, bei dem man Tiere (zum Beispiel Papageien und Schmetterlinge), einen botanischen Garten und einen Baumpark sehen kann. Wir sind auch einmal über die Sundial Bridge gelaufen, die von dem spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava designt wurde, an einen Haifisch erinnert und letztendlich 24 Millionen Dollar gekostet hat. Der Boden ist in 200 Tonnen Glas gefasst und man bekommt in der Mitte einen weiten Blick auf den Sacramento River und einen Typen, der „extracool“ Jetski fährt.

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So weit man auch fährt, die Hitze von Redding hält sich beträchtlich lange und kann nach einiger Zeit ziemlich frustrierend sein. Als wir aus der Stadt wegfahren, hat es 40 Grad und wir sind erleichtert, dass es zumindest ein paar Grad kühler am MCArthur Burney Falls State Park ist, der weiter oben in den Bergen liegt und an dem sich mehrere Rangerkinder für ihren täglichen Marsch versammelt haben. Als Stefan im Lederhut an ihnen vorbei marschiert, reißt ein kleiner Junge begeistert den Mund auf und zeigt auf ihn: „Look! He has muscles! He must be a ranger!“
Da sich die eigentlichen Teamleader aber bei der Gruppe versammeln, verlieren wir die Kids relativ schnell aus den Augen und machen uns auf den Weg zu den Burney Wasserfällen. Wir sind uns übrigens einig, dass es sich bei diesen Wasserfällen um die Schönsten handelt, die wir bisher gesehen haben und das hat sicherlich mehrere Gründe.

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Erstens sind sie beeindruckende 40 m hoch und halbkreisförmig und versprühen in die Hitze zumindest einen kleinen Teil ihres Wassers. Zweitens ist das Wasser unwahrscheinlich klar und schwankt zwischen einem tiefen Blau und Türkis hin und her. Und drittens sind es die ersten Wasserfälle, bei denen man nah am Ufer sitzen und die Füße hineinhalten kann. Obwohl es einige auch schon wagen, darin zu schwimmen (mir persönlich kommt es etwas zu kalt vor, aber der Sprühregen ist trotzdem eine angenehme Überraschung. Zu dem Zeitpunkt, wo wir da waren, lag die Temperatur gerade einmal bei 12 Grad). Wir haben Glück bei so gutem Wetter unterwegs zu sein, denn über uns funkelt die Wasserwand und durch die Sonnenstrahlen gibt es allerlei Lichtreflexe auf Wegen und Wänden. Wir folgen dem Fluss circa 20 Minuten entlang, bis wir über eine geschwungene Holztreppe höher in die Berge gelangen und einen Pfad um die gesamten Wasserfälle laufen. Schwer vorstellbar, dass sie vor drei Millionen Jahren mal an einem Ort weiter unten im Tal gewesen sein sollen, so ursprünglich wie sie sich jetzt in den Felswand nesteln. Das Rauschen beim Wandern ist laut, aber eine angenehme Begleitmusik, wenn man an einer der vielen Bänke stehen bleibt, die auf dem Weg aufgestellt wurden und Zitat- oder Namensaufschriften tragen.

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Es ist der ideale Ort um ein Picknick zu machen oder ein Buch zu lesen, solange der Sprühregen nicht zu weit entfernt ist. Wir holen uns im Laden am Parkplatz eine Flasche Eistee und ein paar Snacks und beobachten während des Essens einige träge Eichhörnchen, die durch die Prärie streifen. Danach fahren wir zum circa 40 Minuten entfernten Lassen Volcanic National Park, in dem es Seen, Berge und Geysire zu bewundern gibt und der sich über ein Gebiet von 429 km² erstreckt.  Da wir vom Norden hineinfahren, ist unsere erste Sicht der Manzanita Lake; eine spiegelglatte Fläche mit einigen Ruderbooten darauf. Über den See hinweg und zwischen den Baumgipfeln hindurch, erkennt man dann den Berg Lassen Peak, der durch seine Spitze wie ein Bilderbuchvulkan in den Himmel ragt.

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Es liegt auch immer noch Schnee in den höheren Gebieten und die Luft kühlt während unserer Serpentinenfahrt deutlich ab. Es gibt viele Pfade, die man hoch zu den Berggipfeln nehmen kann, aber wir beschränken und auf die Punkte, die an der Strecke liegen. Zum Beispiel den „Opal-“ und den „Emerald Lake“, die sich durch ihre starken, blauen und grünen Farben deutlich von dem Schnee und unseren kurzen Hosen abheben. Es ist auf jeden Fall eine sehr unwirkliche Sicht mit den Bergen im Hintergrund und kleineren Geysiren, die ihre Rauchfahnen in die Luft puffen.

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Man kann man bei einigen dieser Geysire direkt mit dem Auto halten. Zum Teil brodeln sie wild vor sich hin und stinken höllisch nach Schwefel. Man fragt sich dabei wirklich, wie die Tiere in dieser Gegend überhaupt überleben können, aber offensichtlich gibt es hier die Pika-Maus, Elche, Rehe und auch Bären. Wir übernachten in der rustikalen St Bernhard Lodge, einem Holzhaus mit vielen Querverstrebungen, bunten Vorhängen und einer sehr amerikanischen und gemütlichen Atmosphäre. Den Tag vor der Anreise meldet man sich für das Abendessen an und da wir den ganzen Tag nur durch die Gegend gefahren sind, stehen wir kurz vorm Verhungern. Das Essen ist traumhaft! Auch wenn man keine Zeit zum Übernachten hat, sollte man für Frühstück, Mittagessen oder Abendessen hineinschneien. Es gibt selbstgebackenes Brot oder Croissants als Starter, Salat und mehrere Hauptgerichte, wie zum Beispiel überbackene Kartoffeln mit Pilzen oder Hackbraten mit Kartoffelpüree – im Großen und Ganzen amerikanische Küche, aber sehr liebevoll zubereitet und in essbaren Portionen. Natürlich kann man zum Abschluss auch noch ein Eis bestellen! Abgesehen vom Essen und der Lage, hat die Lodge aber noch einen weiteren, großen Pluspunkt: Im Barbereich steht ein Retro-Pacmanautomat, auf dem man allein oder zu zweit mehrere Runden spielen kann, je nachdem, wie viel Geld man einwirft. Man merkt auf jeden Fall nicht, wie die Zeit vergeht, sondern nur, wie die Münzen ausgehen, aber es ist eine super Beschäftigung mit einem Bier nebendran und ein paar 25er-Münzen in der Tasche.

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Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück mit Omelett und gerösteten Kartoffeln machen wir uns auf zu den Devil`s Kitchen Geysiren. Sie liegen abgeschieden in einem Waldstück des Parks und sind nur über eine unbefestigte Straße und eine längere Wandertour zu erreichen. Als wir auf dem Parkgelände ankommen, hat sich eine schaulustige Menge versammelt, um einen Hubschrauber und mehrere Feuerwehrautos bei dem Gästeresort „Drakes Ranch“ zu beobachten. Was wirklich passiert ist, weiß eigentlich niemand. Ein paar Leute behaupten, dass ein Touristenpaar vom Weg abgekommen wäre und von einem Bären angegriffen wurde, aber es kann sich auch nur um Spekulationen handeln. Wir beschließen, uns nicht von der Sache abbringen zu lassen und machen uns auf den Weg. Über Holzplanken, die über Sumpf und durch hohes Gras führen, gelangt man auf eine Ebene mit weitem Blick auf die Berge und das Steppengras darum herum.

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Danach komm ein längerer Abschnitt durch ein Waldgebiet, das einen, trotz des Schattens, nicht sonderlich vor der Hitze rettet und sich stetig steil durch den Park zieht. Es gibt übrigens mehrere Abbiegungen vom Weg, die man nehmen kann, seien es die zur Ranch oder zu den Seen und Bergen in der Nähe. Devil`s Kitchen liegt am Endpunkt der Pfade und ist ein ausgedörrtes, ziemlich freiliegendes Land, in dem Geysire vor sich hinbrodeln und Dampf in die Luft puffen. Im Endeffekt ist das Überraschendste aber die Farbe der Bäche, die man nicht berühren darf (es würde zu Verätzungen, wenn nicht Schlimmerem führen) und die durch die Mineralien in ein seltsames blau-grau getaucht werden.

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Auf dem Weg zurück, stolpern wir fast in eine zusammengerückte Menschenmenge, die ihre Fotoapparate gezückt hat und deren Gesichtsausdrücke zwischen fasziniert und panisch hin und her schwanken. Beunruhigend, wenn ihr Blick dabei in deine Richtung geht. Noch beunruhigender, wenn du auf einmal feststellst, dass keine zehn Meter neben dir ein Bär durch den Wald stapft und in Seelenruhe mehrere Baumstämme auf Futtersuche auseinander nimmt.  Der Bär ist zwar nicht sonderlich groß, aber definitiv groß genug, um dich umzulegen, auch wenn er im Moment nicht so wirkt, als wäre das sein primäres Ziel. Wie wir durch die Menge erfahren, heißt diese Art Bär „California Golden Bear“ und durch seine Größe und Farbe hat er tatsächlich etwas von dem gelben Gummibärchen aus der Haribopackung. Immerhin können wir behaupten, dass wir auf unserem Trip einen Elch gesehen haben und einen Bären, sowie einen Helikopter! Mit so viel Action hatten wir gar nicht gerechnet. Insgesamt hat der Trip übrigens um die zweieinhalb Stunden gedauert. Ich würde ihn nicht nochmal in der Hitze laufen, aber morgens ist es bestimmt schön und man kann fürs Mittagessen bei der Ranch einkehren.
Wenn man zudem nach etwas Besonderem auf der Suche ist, sollte man eventuell im August zum Lassen Dark Sky Festival kommen, das Wanderungen, Diskussionen mit NASA-Mitgliedern und Vorträge zur Sonnenbeobachtung von Astronomen umfasst. Oder man kommt einfach nur um einige der Phänomene zu sehen, die die Milchstraße sichtbar werden lassen.

 

Welchen Park oder Nationalpark könnt ihr empfehlen?

Preise:
1) Redding Turtle Bay Exploration Park: 16$ Erwachsene, Kinder 12$, Senioren 12$
Website: https://www.turtlebay.org/
2) McArthur Burney Falls State Park: 8$
Website: https://camprrm.com/parks/mcarthur-burney-falls-state-park/
3) Eintritt in den Lassen Volcanic Park (ohne Pass): 25$ (pro Auto)
Website: https://www.nps.gov/lavo/index.htm

Tipps:
Die Lodge war ein wirklich schöner Endpunkt vom langen Tag. Ich verlinke deshalb noch einmal die Website hier: https://www.stbernardlodge.com/.

Unter den Dächern der Welt

Unter den Dächern der Welt

Dreizehn – Über Tsunamiwolken, Holzfäller und den Redwood National Park

Willkommen an der kalifornischen Küste mit meilenweiten Sandstränden, Nebel über dem Meer und dem berühmten „Redwood State and National Park“, in dem sich die meisten Bäume über 90 Meter in die Luft erstrecken. Stefan und ich haben Glück dass unser Airbnb direkt an der Grenze zum Eingang des Parks liegt und man nicht sonderlich weit fahren muss, um zu den nahe gelegenen Attraktionen, wie dem Jedediah Smith Redwoods State Park zu gelangen. Unser Airbnb zunächst zu finden, ist aber nicht ganz so einfach, weil unser geliebtes Google Maps kein GPS-Signal erhält und wir stattdessen erstmal auf Essenssuche gehen. Nicht mehr lange unsere Sorge Nummer 1, denn über dem Wasser an der Küste zieht sich eine lange Wolke entlang, die schier endlos hoch erscheint und so wirkt, als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Da sich die Einheimischen komplett normal verhalten, ist es wohl auch so, dass von der grauen Wolke keine Gefahr ausgeht. Schwer zu glauben, wenn man nie Derartiges gesehen hat und am Straßenrand Schilder mit den Aufschriften „Watch out – Tsunami Zone“ stehen. Wir finden auf einer Klippe schließlich das „YourDailyBread“-Restaurant, das extrem gute Pasta macht und aus dessen Glasfront man Wale in einiger Entfernung entdecken kann. Mit mehr Funksignal machen wir uns auf den Weg zurück und haben dieses Mal mehr Glück. Während die Küste in Oregon sehr abwechslungsreich ist, scheint Kalifornien vor allem zwischen zwei Formationen zu schwanken: Entweder man sieht kilometerweiten Sandstrand mit Schilf und Dünen oder man steht an Küsten mit zerklüftetem, schwarzem Vulkangestein, das aus dem Wasser ragt. Letzteres wird vor allem im Nationalpark sichtbar, der viele Wege entlang rauer Küste hat und in dem die gigantischen Bäume allgegenwärtig sind.
Stefan und ich fahren zuerst zu den Trees of Mystery, wo man mit einer Gondel durch den Wald „fahren“ und einige Wege laufen kann. Auf den ersten Blick sieht Trees of Mystery aus wie ein Paradies für Kinder: Erstens sind überall Schaukeln und Tiere zu sehen, zweitens steht eine riesige Paul Bunyan Figur mit einem ähnlich großen, blauen Ochsen vor dem Eingang.

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Da ich auch keine Ahnung hatte, wer Paul Bunyan ist, hier eine kurze Erleuchtung. Man ist sich nicht ganz sicher, ob die ursprüngliche Sage aus Kanada oder Amerika stammt, aber Paul Bunyan war angeblich ein übermannshoher, unendlich starker Holzfäller, der mit seinem Ochsen durchs Land gezogen ist und Monumente, Seen und sogar den Grand Canyon geschaffen haben soll (durch die Art, wie er seine Axt hinter sich herzog). Klingt und ist also eine landwirtschaftliche Fassung von Chuck Norris, von dem es eine Disneyserie und etliche andere Werbefiguren im Land gibt. Aber um die Sache zu krönen: Nicht, dass Paul Bunyan nur übermenschlich riesig vor dem Eingangstor steht, er spricht auch noch. Und nein, es ist kein Spielband, was sich wiederholt und epische Musik abspielt, sondern jemand sitzt in Paul Bunyans Kopf, labert vor sich hin und beantwortet die Fragen, die neugierige Kinder nach oben schreien. Ich habe selten von einem noch seltsameren Job gehört. Aber es ist ja auch wieder ganz lustig, wenn die Kinder: „Bis bald Paul! Hab nen guten Tag!“ schreien und Paul mit begeisterter Stimme „Yo bis dann!“ ruft. Auch wenn der Park mit Kindern bestimmt ein toller Ausflug ist, so kann man ihn auch zu zweit sehr genießen, wenn man die Pfade zwischen Elefantenbäumen abläuft und Bäume sieht, die sich nicht einmal ansatzweise umfassen lassen.

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Besonders eindrucksvoll ist die „Chapel“, eine Formation von neun Bäumen, die in einem Halbkreis dicht aneinander stehen und in deren Mitte man heiraten kann, wenn man sich lange, lange im Voraus anmeldet (lustigerweise entsteht bei Trees of Mystery gerade eine weitere Chapel mit einem Schildchen daran, auf dem steht: „Wir nehmen Reservierungen für in 200 Jahren an!“).
Kurz bevor man die Gondeln erreicht, steht man dann vor dem beeindruckendsten Baum des Parks: dem „Brotherhood Tree“. Vermutlich bräuchte man zwischen fünf und zehn Personen, um den Stamm einmal zu umarmen. Um ihn herum erstreckt sich eine Holzplattform mit langen Planken und Geländern, die die Beschädigung verhindern sollen. Wenn man Bäume wie diesen sieht, kommt man sich umso mehr wie eine Stecknadel auf der Weltkarte vor. Redwoods sind übrigens Küstenmammutbäume, die lediglich in diesem Teil Amerikas wachsen und von denen früher leider ein Großteil abgeholzt wurde. Die Verbleibenden sind im Durchschnitt zwischen 500 und 700 Jahre alt, es gibt allerdings auch einige, die auf 2000 Jahre geschätzt werden.

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In die Gondeln passen zwei bis sechs Personen und die Fahrt nach oben in den Wald dauert acht Minuten. Wenn man durch die Kapsel nach unten sieht, entdeckt man alte, vermooste Stufen, die den ursprünglichen Weg darstellen und schwebt an den gigantischen Baumkronen vorbei. Oben angekommen gibt es wieder eine elegante, neue Holzplattform, die einen Aussichtspunkt bis auf das weiter entfernte Meer bietet. Von oben kann man entweder die Gondel zurück zu den unteren Pfaden nehmen oder man beschließt, von oben den längsten Pfad zu laufen, der als „mittelmäßig schwierig“ eingestuft wurde (leichte Untertreibung nachdem man ihn selbst gelaufen ist). Zum größten Teil ist man zwar bergab unterwegs, allerdings ist es kein angenehmes „Ich-atme-mal-durch“-Bergab, sondern ein „Verdammt-wo-kann-ich-hintreten-ohne-dass-ich-auf-einer-Nacktschnecke-ausrutsche-und-hinfliege“-Bergab. Stefan ist in sowas ja gewissenloser als ich, aber dafür lag er auch nach zehn Minuten auf dem Boden.
Danach haben wir beschlossen, uns auf die Seile am Rand zu verlegen, die Sicherheit garantieren sollen. Ich denke nicht, dass das, was wir dort betrieben haben, noch „wandern“ war. Es fiel eher  in die Kategorie „klettern“ und wir waren relativ fertig mit der Welt, als wir unten ankamen. Nur gut, dass es dort zwei Möglichkeiten zum Entspannen gibt. Einmal kann man ins indianische Museum neben dem Souvenirshop gehen und erfährt dort, wie die Cherokee-Indianer in der Gegend sich gekleidet und gejagt haben. Andererseits gibt es auf der gegenüberliegenden Seite der Straße das „Forest Café“, das eine verrückte Atmosphäre mit grüner Decke und mehreren Brunnen hat und gutes Mittagessen anbietet.

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Circa 20 Minuten von den Trees of Mystery entfernt befinden sich dann die Prairie Creek Redwoods, die ich für diesen Nationalpark als eigentliche Hauptattraktion verbuchen würde. Einmal in den Park abgebogen, gibt es ungemein viele Möglichkeiten, stehen zubleiben und je tiefer man in den Wald hinein fährt, desto höher und breiter werden die Bäume. Einige von ihnen wurden durch Feuer oder Käfer so weit ausgehöhlt, das man in ihrer Mitte stehen kann, andere stehen so dicht aneinander, dass ihre Baumstämme zusammengewachsen sind. Die meisten der Pfade sind ziemlich naturbelassen und man läuft durch ein Labyrinth aus Farn, Redwoods und Wildblumen in einer selten gelassenen Stille, die höchstens durch Wasserrauschen, Vögel und das gelegentliche Klicken einer Kamera gestört wird. Die Bäume lassen nur vereinzelt Lichtstrahlen hindurch und geben einem den Eindruck als Dächer der Welt zu fungieren, vor allem, weil man sich kaum vorstellen kann, dass außerhalb von ihnen noch etwas existiert.

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Die nächste Stadt bei den Redwoods ist Crescent City. Falls man mal eine Pause von all den Bäumen braucht, kann man in die Stadt fahren, ein Stück am Strand entlang spazieren oder den Leuchtturm „Battery Lighthouse“ auf einer kleinen Insel besichtigen.  Man kann in der warmen Jahreszeit an den Touren im Gebäude teilnehmen, wobei man etwas über die Geschichte der Gegend und dem Bau des Turms erfährt. Es ist einer der ersten Leuchttürme, die in Kalifornien als historischer Ort registriert wurden und war bis 1953 nicht automatisiert. Gerade im Juni ist es besonders schön, weil die Blumen auf der Insel in voller Blüte stehen und sich auch bei schlechtem Wetter pink von den Klippen und dem weißen Turm abheben.

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Crescent City ist zudem nicht weit entfernt vom Visitor Center entfernt, das kleine Redwoods zum Einpflanzen verkauft und einem Karten zu den Pfaden in der Umgebung mitgibt. Der Jedediah State Park ist zum Beispiel gleich um die Ecke und man läuft zwischen den einzelnen Redwoods entlang in Richtung von dichterem Waldgebiet oder runter zum Fluss, wo das Wasser je nach Lichteinstrahlung die Farben wechselt. Dabei kann man im Hintergrund die Rangerkinder (Juniorranger) marschieren hören. In den Flüssen sind sogar einige Leute am Baden, auch wenn das Wasser extrem kalt ist. Da bleibt man doch lieber im Schatten und genießt die Sicht auf das spiegelglatte Wasser neben einem.

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Nennt mir einen Ort, an dem sich wandern besonders lohnt 🙂

Preise:

Trees of Mystery: Erwachsene 19$, Senioren 14$, Kinder 9$ (ab 5 Jahren)
Website: https://www.treesofmystery.net/

Tipps:
1) Holt euch bei Trees of Mystery einen Wanderstock, falls ihr den Pfad von oben nach unten laufen möchtet. Man bekommt sie beim oberen Gondelhaus und kann ihn wieder unten zurückgeben.
2) Wenn ihr zuerst zu den „Trees of Mystery“ und danach zum „Forest Café“ geht, bekommt ihr bei ersterem einen Rabatt-Coupon für zweiteres.
3) Die Bäume in Prairie Creek sind noch um einiges urtümlicher, als die in im Jedediah State – falls ihr nur einen Tag in der Gegend habt und nicht sicher seid, was ihr anschauen möchtet.

Lost in Red – Unterwegs im Spargeltal

Lost in Red – Unterwegs im Spargeltal

Sechs – Über Bryce Canyon, asiatische Einhörner und Flipflops

Wir haben nach Seattle ein paar Tage in Idaho verbracht, allerdings bin ich nächste Woche noch dort und gebe euch dann einen detaillierten Bericht zu all dem, was man dort machen kann. Mit unseren Freunden haben wir einen Ausflug zum Bryce Canyon Nationalpark geplant, der von Idaho, Boise, etwa neun Stunden entfernt ist. Allerdings ist das alles machbar, wenn man als motivierte Gruppe im Auto sitzt und sich bei den Stops (die zum Teil gefühlt am Ende der Welt sind) die Beine vertreten kann. Wir fahren ein Stück durch den Bundesstaat Oregon und im Anschluss immer noch einen langen Teil durch Idaho, bis man Salt Lake City passiert und 80 Meilen nur an der Stadt vorbeifährt (so spannend ist die Stadt leider nicht, dass die 80 Meilen irgendeinen guten Aussichtspunkt bieten würden). Aber der letzte Abschnitt in die Canyongegend ist sehr schön, wenn zu allen Seiten hohes, rotes Gestein aufragt und man dazwischen Bachläufe und Streifenhörnchen (Chipmunks) sieht.

Amerika 3 008Es gibt im Bryce Canyon mehrere Hotels und Ferienhäuser, wie bei allen Nationalparks sind die aber oft im Voraus ausgebucht und um einiges teurer. Wir haben ein Zimmer in einem Hotel außerhalb organisiert, das in einem kleinen Dorf voller Blockhütten namens Tropic liegt und mitten in die Bergschluchten gebaut wurde. In der Umgebung gibt es alles was man braucht, auch wenn diese Ferienorte natürlich sehr touristisch ausgelegt sind und vorrangig vor allem Essen angepriesen wird. Auf dem Gelände unseres Hotels steht in der Mitte eine kleine Ranch im Westernstyle mit Holzverkleidung und Feuerstelle vor der Tür , zu der man zum Abendessen laufen kann. Drinnen wird Countrymusik gespielt und es ist eine gemütliche Atmosphäre mit Bänken, tiefhängenden Lampen und Metallschildern an den Wänden, die Aufschriften haben, wie: „Want a stable relationship? Get a horse.“

Amerika 3 011Der Bryce Canyon ist zwar 56 Quadratmeilen groß, kommt einem von der Aussicht aber immer noch überschaubar vor, wenn man die Randpunkte von dem sogenannten „Rim Trail“ abläuft. Der Pfad zieht sich an der oberen, äußeren Kante entlang und zeigt das ovale Tal des Canyons aus einer Höhe von circa 2500 Metern. Die Steine im Canyon sind orange-rötlich verfärbt und werden „Hoodoos“ genannt. Ein Hoodoo hat eine dünne Spitze mit einigen, eher losen Steinen oben drauf gestapelt, die so aussehen, als würden sie jeden Moment herunterfallen. Sie sind um die 15 Millionen Jahre alt und bekamen ihre Farbe durch Mineralablagerungen in der Erde. Der bekannteste Hoodoo steht am Sunset Point und wird „Thor’s Hammer“ genannt. Warum erübrigt sich beim genaueren Hinsehen wohl. Wenn man von oben ins Tal späht, sehen die vielen, nebeneinander aufgereihten Steine wie Spargel aus, weshalb ich persönlich alle Aussichtspunkte ins „Spargeltal“ umbenannt habe.
IMG_0229Wir beschließen ein Stück des Rim Trails zu laufen, von dem aus man eine gute Sicht auf die Hauptattraktion bekommt und der nicht ganz so lange dauert, wie die anderen Strecken. Man sollte den Wind allerdings nicht unterschätzen; auch wenn die Sonne am Himmel steht, habe ich ab dem darauffolgenden Tag Schnupfen. Man kann von mehreren Punkten aus einen der Pfade durch den Canyon starten. Die Länge der einzelnen Strecken wird normalerweise auf Schildern mit den Namen der Pfade angegeben; man sollte sich aber bei allen Wegen bewusst sein, dass es ganz schön steil werden kann (letztendlich startet man ja am oberen Rand des Canyons und läuft dann nach unten – wenn man sein Auto wiedersehen will, muss man logischerweise auch wieder den Berg hinauf. Scheint ein ziemlich abstraktes Prinzip für viele Personen zu sein, die mit ihren Flip Flops vor sich hinrutschen und sie auf dem Rückweg ausziehen). Ich würde sagen, es gibt nichts, was es nicht gibt, wenn man die Leute „wandern“ sieht. Die Pfade sind verhältnismäßig schmal und steil und trotzdem gibt es immer noch Familien, die versuchen, ihren Kinderwagen mit nach unten zu nehmen. Wenn sie dabei von Rangern gebeten werden, den Wagen sofort wieder mit hoch zu nehmen, ist das Geschrei natürlich groß, weil die circa einjährige „Annabelle Joanne Crystal“ nicht alles sehen kann und sich dann NIEMALS an diesen tollen Familienausflug erinnern wird (mal davon abgesehen, dass man sich mit eins garantiert nicht an sowas erinnern kann). Es gibt aber auch Personen, die die Strecken in Chucks, Sandalen und High Heels (?!) durchziehen…zumindest bis sie merken, dass sie ja wieder nach oben müssen oder irgendwo stecken bleiben. Daraufhin wird meistens panisch ein Handy rausgeholt und wenn sie dann realisieren, dass sie kein Netz haben (surprise, surprise, zwischen den Hoodoos wurden keine Glasfaserkabel für Wifi verlegt), ist der Tag eh gelaufen. Außerhalb der Pfade gibt es auch mehrere Blockhäuser mit Cafes, ein Visitor Center, das Souvenirs, Karten und Nationalparkpässe verkauft, sowie etwas über die Geschichte des Canyons erzählt. Außerhalb des Parks findet man einige Häuserreihen aus Holz, die im Westernstil gebaut wurden und bei denen man Eis, Mittag- oder Abendessen und allerlei Kleinkram kaufen kann.

IMG_0215Wir sitzen auch neben einer Eisdiele, vor der eine Gefängniszelle aufgebaut wurde, die man vermutlich für sein Instagram-Profil nutzen sollte…wenn nicht gerade lauter mexikanische Kinder darin feststecken, die sich abwechselnd einsperren und dabei stundenlang von ihren Eltern fotografiert werden. Man kann sich übrigens auch Quads ausleihen, wenn man in der Nähe des Canyons Touren machen will oder man entscheidet sich für eine Pferdetour durch den Canyon.

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Wenn ihr die Zeit habt, solltet ihr unbedingt auch einmal am Abend zum Sunset Point zurückkehren, weil der Sonnenuntergang im Canyon die Steine noch rötlicher erscheinen lässt und es ein wirkliches Highlight ist. Abgesehen davon sind die unglaublichsten Menschen um diese Uhrzeit unterwegs, wie beispielsweise eine Asiatin im pinken Einhornkostüm und mehrere Leute, die mit ihren Campingkochern oben an der Kante des Canyons hocken.

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IMG_0239Stefan und ich beschließen am zweiten Tag den bekanntesten Pfad namens „Navajo Loop Trail“ zu laufen, der am Sunset Point beginnt. Viele der Wege im Canyon lassen sich miteinander kombinieren und wir planen eine größere Runde zu laufen. Wir verabreden uns mit meiner Familie zu einem Zeitpunkt und entschließen uns hinter einigen der Asiatengruppen loszulaufen. Oftmals muss man beim Überholen der Personen wirklich aufpassen, weil es so gut wie keine Geländer im Canyon gibt (die deutsche Sicherheitsbehörde würde wahrscheinlich ausrasten). Vorbei an „Thor’s Hammer“ kommt man zu der „Wall Street“ im Canyon, die natürlich nichts mit Geld zu tun hat, sondern vielmehr so heißt, weil man links und rechts von Wänden aus Stein eingekesselt wird. Ein Blick nach oben bestätigt, dass auch dort nur eine schmale Lücke ist. Am schönsten ist das Licht, das ins Tal fällt. Man steht in einem orange-ausgeleuchteten Saal, der einen an Terracotta Steine und Sanddünen denken lässt und das ganze Licht zu speichern scheint, als würde er es später noch brauchen. Stimmen hallen in diesem Teil des Canyons und es kommt einem falsch vor, seine eigene überhaupt zu erheben, weil es die Atmosphäre unterbricht (könnte allerdings auch nur mir so vorgekommen sein; die Personen mit klatschendem Flip-Flop-Style fanden es offensichtlich nicht so störend). Wenn man erstmal unten im Canyon steht, erstreckt sich eine weite, flache Landschaft vor einem. Man kommt aber schnell ins Keuchen, wenn man den Peek-A-Boo-Loop-Trail hoch in die Hoodoo-Berge nimmt. Vorbei an Personen, die ungerührt ihre Hängematten im Canyon aufspannen, Chipmunks, die ihre Pfoten auffordernd in deine Richtung ausstrecken und mehrere Reitergruppen, geht es weit hinauf ins Spargeltal.

IMG_0289Dabei hört man abwechselnd deutsche Sprachfetzen oder die Woohoo-Girls hinter uns, die an allen Punkten stehen bleiben, „woohoo“ schreien und miteinander einschlagen. Nur eine von ihnen hat sich darauf verlegt, zwischendurch „fuck yeah“ zu brüllen, weil sie angeblich in einem Nespresso-Shop arbeitet und ihre Mitarbeiter immer mit diesen Worten anstoßen, wenn sie etwas tolles erlebt haben.

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Stefan und ich brauchen gute drei Stunden bis wir wieder am Anfang stehen und wir sind beide durchgeschwitzt und haben Hunger. Wir laufen in Richtung unseres verabredeten Platzes, an dem wir früher ankommen, als ursprünglich geplant und an dem wir weder unsere Leute noch das Auto vorfinden. Etwas peinlich wird es, als wir uns im Shop nahe dem Parkplatz etwas zu essen holen und uns dann auf den Bürgersteig setzen, weil alles andere belegt ist. Wir kauen ca 15 Minuten auf unseren Sandwiches herum, bis mein Blick auf das Auto gegenüber von unserem Sitzplatz fällt: „Äh…Stefan…ist das nicht unser Auto?“

 

Ich würde mich über eure Meinung freuen – vielleicht habt ihr ja auch schon seltsame Menschen auf Wanderwegen getroffen?

Preise:
Nationalpark: 35$ pro Auto (beziehungsweise 35$ für alle Personen zusammen, die im Auto sitzen).
Website: https://www.nps.gov/brca/index.htm

Tipps:
1) Es lohnt sich am meisten einen „Annual Pass“ für die Nationalparks zu holen, der ein Jahr gültig ist und mit dem ihr in jeden Nationalpark hereinkommt. Der Preis beträgt 80$ pro Auto (was wirklich günstig ist, wenn du weißt, dass du mehrere Parks geplant hast).
2) Die „Visitor Center“ bieten immer wieder Karten an, die die genauen Wanderwege eingezeichnet haben. Ich würde das empfehlen, wenn ihr geplant habt, innerhalb der Canyons zu laufen.
3) Man kann auf den Seiten der Nationalparks ansehen, wann die Sonnenuntergänge am Abend sein werden – sehr praktisch, wenn man genau dafür an einem bestimmten Punkt sein möchte.