Welcome to America

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Fünf – Die Typen aus Idaho, Seattle und der verwirrte Busfahrer

Heute ist der Tag an dem wir über die amerikanische Grenze fahren und von dort aus durchrasen bis Seattle. Die Fahrzeit an sich ist eigentlich nicht lang, aber wer weiß schon, wie viel Zeit die Grenze in Anspruch nehmen wird. Da Stefan und mein Vater darauf bestehen, haben wir unser Frühstück ein letztes Mal bei Fatburger (so langsam stellt sich in meinem Kopf die Gleichung Kanada = Fatburger auf), allerdings ist das ganz allgemeine Frühstück hier sehr gut; mit Toast, Eiern und gerösteten Kartoffeln (wahlweise natürlich noch mit Poutine).

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Die Fahrt zur Grenze dauert ungefähr eine Stunde, was uns als schnell erscheint. Zumindest bis wir vor den Schlangen zur Einreise stehen und feststellen, dass es ein Grenzverfahren namens NEXUS gibt, das registrierten Personen, die Verbindungen nach Amerika und Kanada haben, bevorzugt. NEXUS-Angehörige bekommen einen Extra-Pass, den sie lediglich vor die Kamera halten müssen und der schnell gescannt wird. Bis sich die Autos in eine Schlange eingeordnet haben, vergeht allerdings eine Ewigkeit und die meisten Menschen wechseln die Spuren immer noch mehrfach, scheinbar nicht sicher, ob sie einen Pass besitzen. Wir stehen gute zwei Stunden bis wir an die Grenze kommen und mit gefühlt 50 000 Fragen gelöchert werden, wie: „Woher kommt ihr?“, „Was tut ihr hier?“, „Was habt ihr vor?“ Die Tatsache, dass wir drei Monate bleiben und nach Idaho zu unseren Freunden fahren, macht sie nur noch misstrauischer: „Wer zum Teufel will bitte nach Idaho?“‘

Es endet damit, dass wir unsere Pässe im Nebengebäude stempeln lassen müssen und in einer Schlange mit Indern, Asiaten und weiteren Deutschen stehen. Ich muss nicht erwähnen, dass die Schlange hier auch wieder ewig lang ist und zusätzlich niemand vom Personal arbeitet, oder?
Von den circa zehn Schaltern sind drei besetzt und die Personen von einem Auto zu bearbeiten, dauert mindestens 15 Minuten. Wir stehen für gut eine Stunde in der Schlange, bevor wir von einem Mitarbeiter heran gewunken werden, der Jamie Lannister aus „Game of Thrones“ erstaunlich ähnlich sieht. Er steht allerdings mitten in der Bearbeitung plötzlich auf und zuckt die Achseln: „Ich muss jetzt los. Stellt euch einfach wieder vorne in die Schlange.“ Damit geht er dann davon und wir werfen uns verwirrte Blicke zu. Alle anderen Beamten stehen bereits draußen zur Bearbeitung irgendeines Zwischenfalls und jetzt gibt es drinnen nur noch eine einzige Person, die vor uns arbeitet…beziehungsweise die Kasse bedient. Wir stehen weiterhin, bis sich endlich eine Tür öffnet und ein paar der Beamten wieder hineinkommen. Ganz vorne die Frau, die uns erst in dieses Gebäude verfrachet hat. Sie hockt sich hinter ihren Computer und ihr Blick geht über die Wartenden hinweg, dabei murmelt sie vor sich hin: „Kenn ich nicht, kenn ich nicht…“, bis ihr Blick bei uns ankommt und sie die Augen zusammenkneift: „Oh. Drei Monate in Idaho…“

Für einen Stempel über die Grenze zahlt man aktuell 6$, die Zeit, die man dabei verliert, sollte man allerdings im Gedächtnis behalten, wenn man sich weitere Pläne für den Tag gemacht hat.

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Seattle ist zwar nicht so weit von der Grenze entfernt, die Stadt ist aber groß genug, dass man auf dem Highway eine Ewigkeit braucht, weil die meisten Personen in die Innenstadt fahren wollen und alle Abfahrten von diesem einen Highway abgehen. Als wir im Hotel ankommen, sind wir gerädert und fertig und haben bereits frühen Abend. Das Hotel liegt außerhalb von der Stadt, aber direkt darum herum ist nichts außer einigen Fastfoodketten und Industriehallen. Wir beschließen in die Innenstadt zu fahren und etwas zu essen. Es ist leider etwas spät, um Sightseeing zu machen, dabei hat Seattle viele coole Angebote, wie Bootstouren, einen Turm mit 360 Grad Sicht, Aquarien und Touren mit einer Lokomotive. Eine der besten Sachen an Seattle ist der Skytrain (Seattle Center Monorail), mit dem man von außerhalb ins Zentrum der Stadt fahren kann. Der Zug wurde in Zusammenarbeit mit Vancouver für die olympischen Spiele 2010 gebaut und ist seitdem in der Nutzung (wenn man ihn den gesamten Tag nutzen will, kostet er 6$ und man kann alle Stationen mit ihm abfahren). Der Skytrain wurde außerdem auf Stelzen gebaut und fährt zum Teil über den Häuserdächern in der Umgebung, später kann er aber auch in U-Bahn-Stationen halten (je weiter man in die Innenstadt kommt). Die Fahrt in die Innenstadt dauert insgesamt gut 40 Minuten und als wir ankommen, schaffen wir es zum Sonnenuntergang hinunter zum Hafen. Unten steht das Seattle Great Wheel, das von epischer Heldenmusik bespielt wird.

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In der Warteschlange hinter uns bewerfen sich kleine Kinder mit Pommes und vor uns stehen zwei Paare, die sich nicht entscheiden können, welches Ticket sie kaufen sollen (wirklich viel Auswahl gibt es da eigentlich nicht, weil man nur zwischen Kinder-, Erwachsenen- und Seniorenticket wählen kann…). Vom Pier aus blickt man über blaues Wasser, einige Restaurants und hinüber zum Seattle Aquarium, das in einem Holzbau über dem Wasser steht. Durch unser spätes Ankommen liegen schon einige Schatten über den Flächen, aber auf den Gondeln spiegelt sich der Sonnenuntergang und es ist immer noch erstaunlich warm. Mit den Gondeln fährt man dreimal im Kreis und wackelt etwas mehr, als man vielleicht von anderen Gondelfahrten gewöhnt ist. Die Fenster ziehen sich direkt bis auf den Boden der Gondel, was meinem Freund nicht ganz geheuer ist, aber die Sicherheitsvorkehrungen sind im Großen und Ganzen ja relativ, hust, ausgeklügelt.
(„Please don’t jump out and don’t open the doors when you’re on top of the round.“
„Is it even possible to open it on the ride?“
„Uhm…“ *Security geht*)

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Die wichtigste Sache in Amerika tritt aber natürlich ein: Auf jeder Gondel wurde ein Klimagerät befestigt, das durchgehend vor sich hinrattert und vermutlich schon seit Jahren im selben Rhythmus läuft. Da kann ja gleich weniger auf die Sicherheitsvorkehrungen geachtet werden, schließlich müssten wir als Eisblöcke oben treiben, wenn die Gondel abstürzt.
Man hat aus dem Rad eine wirklich weite Sicht über Seattles Küstenlinie und die Stadt selbst. Auch wenn es nicht das höchste Rad ist, mit dem man fahren kann, so kann ich mir doch keinen schöneren Ausblick über die Stadt vorstellen. Die Fahrt geht circa 20 Minuten und man steckt nicht in einer überfüllten Gondel mit vielen Personen – mehr als acht passen gar nicht hinein.

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Wir laufen nach der Fahrt durch die alten Marktpassagen am Ufer wo die meisten Stände Fish & Chips verkaufen und einige Casinos in Holzhütten untergebracht sind. Im Großen und Ganzen hat auch Seattle viel Glas, ist allerdings um einiges unübersichtlicher und von den Gebäudestilen weniger zusammenpassend als Vancouver.

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Wenn man durch die Gassen der Innenstadt läuft, spielen an allen Ecken Musiker (sogar welche mit Schlagzeug) und es gibt einige Marktplätze mit Brunnen und Eisdielen. Wir enden bei der Kette „Buffalo Wings“, dem vermutlich einzigen Shop mit über 70 Fernsehbildschirmen, die man kaum übersehen kann, wenn man eintritt. Es ist auch der einzige Shop, der verlangt, dass man einen Code abholt, wenn man zur Toilette geht, um ihn dann dort ins Türschloss einzutippen. Das Essen ist scharf, aber gut. Solltet ihr selbst mal bei der Kette vorbeikommen und nicht allein sein, dann teilt euch die „Small“-Portion; es ist wirklich genug. Für Alleinreisende reicht auch die „Snack“-Version aus.
Die Stimmung in dem Laden ist super, es sei denn, beim Football gewinnt das falsche Team, dann tritt kurzzeitig eine beunruhigende Stille ein, bis irgendwer herumzugrölen beginnt. Das Ganze ist allerdings um einiges weniger tragisch, wenn man:
1) Kein Footballfan ist.
2) Versucht, nicht von dem Chili in den Chicken Wings zu heulen.
3) Von einem gegenüberliegenden Poster von einem Kerl mit gruseligem Lächeln angestarrt wird, der mit Vornamen „Gaylord“ heißt.

Wir haben noch einen kurzen Lacher auf dem Rückweg zum Hotel, als wir an der Rezeption anrufen und darum bitten, uns mit dem Shuttleservice am Bahnhof abzuholen. Der Shuttleservice kommt über eine halbe Stunde nicht und wir versuchen mehrfach anzurufen, bis der Bus in die Einfahrt einbiegt und der Fahrer die Tür öffnet: „Fuck man, sorry! That woman from the reception told me the wrong address! … Again…“
Er ist trotzdem in bester Stimmung, als er uns vor dem Hotel herauslässt und der Rezeptionistin ein Augenrollen schickt. Immerhin hat er um die Uhrzeit noch Humor. Den werden wir auf der ewigen Fahrt nach Idaho auch brauchen.

Was könnt ihr für Aktivitäten in Seattle empfehlen?!

 

Preise:
1) Skytrain Seattle: 6$ Tageskarte (oder einzelne Bezahlung des Bereichs in dem ihr fahrt)
2) Seattle Great Wheel: 9$ Kinder bis 11, 14$ ab 12 Jahren, 12$ Senioren

Tipps: 
Wenn ihr etwas weniger Grenzstress haben möchtet, überquert die Grenze bei Abbotsford-Huntingdon (Washington) und nicht bei Seattle. Das gilt natürlich, wenn ihr aus Kanada kommt und in die USA wollt oder von der USA nach Kanada möchtet.

Näher an Eden

Näher an Eden

Vier – Butchart Gardens, Wildschweine und #InstaFamous

Tagesziel sind an diesem Tag die „Butchart Gardens“, die zum Glück nicht weit von Victoria entfernt liegen. Als wir aus dem Hotel auschecken, werden wir von einer Gruppe Musiker überrascht, die mit allen Mitgliedern und sämtlichen Instrumenten reist und einige davon sogar im Gang spielt. Mit dem Geräusch von mehreren Trompeten und Tuba…s (ernsthaft, seit ich unterwegs bin, ist meine Pluralbildung noch schlimmer als zuvor. Aber ich bin ziemlich sicher, dass die Mehrzahl von Tuba nicht „Tuben“ ist…) aufzuwachen, ist nicht unbedingt mein Lieblingshighlight.
Butchart Gardens sind die eigentliche Hauptattraktion der Insel, weil sie seit über 100 Jahren existieren und noch immer im Familienbesitz der ehemaligen Gründer sind. Allein der Eingangsbereich ist wunderschön gestaltet mit großem Parkplatz und blau-violetten Blumen an allen Ecken. Die Parkbuchten werden, nicht wie in Deutschland, mit Nummern oder Buchstaben versehen, sondern mit Bildern von unterschiedlichen Tieren. Wir parken beim Krebs, den Stefan auf den ersten Blick nicht erkennt und stattdessen mit „Alien“ betitelt, und laufen dann in Richtung Gartenanlage. Der Eingang wird durch Alleen aus Goldregen markiert, der gelb von einzelnen Durchgängen hinunterhängt und himmlisch duftet. Zwischen den Alleen findet man schmale Brücken, die über glasklares Wasser führen und Rosen, die leider noch nicht ihre Blütezeit erreicht haben. Die Gärten haben einen weitläufigen Hof, wenn man das Gelände betritt mit einem großen Kaffee- und Teeshop, der uns die Möglichkeit gibt, etwas zu frühstücken. Der Eintritt selbst ist auch hier nicht billig, allerdings war ich noch nie in auf einem so schön angelegten Gelände, also…solltet ihr jemals nach Kanada reisen, dann sollte der Garten weit oben auf eurer Liste stehen!

Amerika 2018 119Der älteste Teil des Anwesens ist der „Sunken Garden“, der von der Gründerin Jennie Butchart 1904 in einem alten Steinbruch gebaut wurde und einfach nur traumhaft schön ist. Er liegt versteckt hinter einem Waldstück und wenn man den Rand dieses Wäldchens erreicht, starrt man in ein grünes Tal mit einem Berg darin, auf dem mehrere Bäume wachsen und an dem ein Rundweg emporführt. Alle Beete, die sich unter einem erstrecken, sind akribisch genau angelegt und unterscheiden sich nur in ihren unterschiedlichen Farben und Blütenformen. Zwischen all dem gibt es einen Bachverlauf, der sich durch das Tal schlängelt und einen großen Teich in der Mitte bildet, an dem Trauerweiden stehen deren Äste gerade so das Wasser berühren. Als Jennie Butchart mit den Arbeiten an dem Garten begann, hat sie sich erst nicht vorstellen können, wie riesig das Anwesen werden würde. Da es allerdings einer der ersten englischen Garten in der Gegend war, veranstaltete sie früh mit ihrem Mann Besuchstage für Familien an den Wochenenden und gründete zusätzlich den japanischen, italienischen und den Mittelmeergarten.

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Wir haben Glück, dass wir so früh unterwegs sind, denn der Park ist noch nicht übermäßig voll und man kann die Asiatengruppen zum größten Teil umgehen, da sie alle paar Meter an einem neuen Fotopunkt halten. Zugegebenermaßen weiß man aber selbst nicht so genau, wo man seine Kamera hinhalten soll, da um jede Ecke eine neue Attraktion wartet. Neben den schmalen Pfaden wurden auch Lampions aufgehängt und kleine Lichter in die Blumen gesteckt, die an asiatische Häuserdächer erinnern und ab Juni abends angezündet werden. Ab dem Zeitpunkt kann man die Gärten dann auch abends durchwandern. Im Sommer gibt es zudem Feuerwerke und Konzerte im Park, aber bevor man hingeht, sollte man auf der Website einen Blick auf das Veranstaltungsprogramm werfen, da der Garten das ganze Jahr geöffnet hat und immer wieder etwas Neues anbietet.

Amerika 2018 126Die Fläche hinter dem „Sunken Garden“ ist weit und auf ihrem höchsten Punkt steht ein neumodisches, o-förmiges Gebäude mit einer Glaskuppel und einem Karussell darin. Da ich schon immer etwas anfällig war, wenn es um Geschwindigkeit geht, setze ich mich ins Karussell, das gut Fahrt aufnimmt und im altmodischen Design Tiere um mich herumwackeln lässt, wie Delfine, Frösche und kreischende Katzen (ja, die Katzen sehen wirklich so aus als würden sie schreien).

Amerika 2018 049Weiter führt der Weg vorbei an einem Rosengarten und mehreren Feldern mit Apfelbäumen, Brunnen und Steintreppen. Die Eindrücke in Worte zu fassen fällt schwer, vor allem, weil dieser Garten einen alle paar Minuten mit etwas Neuem überrascht. Ich würde sagen, die beste Sache kommt am Schluss.
Man betritt durch einen roten Torbogen, der mit japanischen Schriftzeichen versehen wurde, eine gefühlt hundertjährige Welt aus Moos, Steintürmchen und roten Brücken, die über Bäche und Teiche leiten. Das Wort „verwunschen“ passt hier wohl am besten und beschreibt die kurze Sicht durch Hecken hindurch auf eine Bucht außerhalb der Gärten, sowie auf weiße Lampions in einem Meer aus Bambus und kleinen Skulpturen, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen.

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Wenn ich auf dieser Insel wohnen würde, hätte ich definitiv eine Jahreskarte für diesen Ort (die übrigens überraschend günstig ist mit ca 85 $), denn egal wie viele Besucher auftauchen, man findet immer irgendwo einen Platz für sich, um sich ein bisschen wie im Märchen zu fühlen. Und es gibt einen tollen Eisshop mit selbstgemachter Eiscreme, ein Atelier für lokale Künstler, ein Café, das die britische Cream Tea Time anbietet und einen großen Souvenirshop. Da erscheint es gar nicht mehr so abwegig, wenn man Ehepaare an sich vorbeilaufen sieht, die Gespräche führen, wie: „Schatz, haben wir noch Geld?“
„Wofür? Wir haben doch eine Kreditkarte.“

Während meine Eltern irgendwo verloren gegangen sind, sitze ich jedenfalls mit meinem Freund auf dem Rand eines Brunnens, in dessen Mitte ein großes, bronzefarbenes Wildschwein steht. Eine Familie mit zwei Kindern läuft an uns vorbei und die Tochter schaut mit übertriebener Faszination auf das Schwein hinter uns: „Schau mal Daddy, ein Pferd!“
Der Vater starrt stirnrunzelnd auf sie hinunter: „Das wäre ein ziemlich hässliches Pferd…“
Sein Sohn nickt: „Stimmt. Ich glaube es ist ein Igel!“
Den Blick des Vaters in dem Moment kann ich gar nicht wirklich beschreiben. An seiner Stelle würde ich mir allerdings auch Sorgen um die Wahrnehmung meiner Kinder machen…

Wir fahren von den Gärten in Richtung der Fähre, da wir wieder zurück in Richtung Vancouver müssen. Die Fähre fährt dieses Mal von Swartz Haven; also einer anderen Route als auf dem Hinweg, bei der wir weiter südlich starten und durch einen Fjord mit hohen Bergen fahren, der Häuser direkt am Wasser und Strände mit kleineren Booten ringsum zeigt. Bei schönem Wetter kann man ohne Probleme an Deck sitzen, die Aussicht auf die kleineren Inseln um einen herum, ist auf jeden Fall fantastisch. Als wir wieder ins Auto steigen, fällt unser Blick auf die „Wicked Campers“, die mit ihrem besprayten Truck scheinbar ebenfalls auf ihrem Rückweg sind. Wieder sind sie nirgends zu sehen und allmählich glaube ich, dass dieses Auto von alleine durch die Gegend rangiert – klarer Fall für einen Ghostwalk…oder in diesem Fall Ghost Drive. Wir kommen in Vancouver an, ohne den Ghost Van nochmal gesehen zu haben, aber wer weiß, vielleicht sieht man die „Wicked Campers“ ja wirklich mal in Person.

Amerika 2018 138Da meine Mutter mit unerschöpflicher Motivation und Tatendrang geboren wurde (zwei Dinge, die bei mir sehr wetter- und schlafabhängig sind), werfen wir nur kurz unsere Sachen ins Hotel (also wir legen sie hin…ich würde nicht so weit gehen, die Tür zum Zimmer zu öffnen, meine Sachen zu packen und sie dort irgendwo an die Wand zu schmeißen) und laufen dann in Richtung vom Vancouver Convention Center in der Nähe des Hafens.

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Das Center wurde mit einer Menge Läden und historischen Hintergrundinfos zu Vancouver gefüllt und auf dem Wasser vor uns starten und landen Wasserflugzeuge. Einige der Informationen beziehen sich zum Beispiel auf den ersten Mann, der seine Flugzeuge zum Handel in Vancouver eingesetzt hat oder man kann Geschichten zum damaligen Goldrausch nachlesen (denn, wer es nicht weiß: Vancouver ist durch den Goldrausch entstanden und hat sich seither von seiner Lage so gut gemacht, dass es sich immer weiter vergrößert hat).

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Auf der Suche nach Essen machen wir uns auf in die Innenstadt und sehen dabei ein kleines Mädchen, das ein T-Shirt mit der Aufschrift #InstaFamous trägt. #InstaFamous verfolgt uns mehrere Minuten, bis ihr scheinbar auffällt, dass sie irgendwo in der Nähe Eltern hat, die mit Selfiestick in der Gegend herumrennen. Irgendwie habe ich kein gutes Gefühl, was die Zukunft der Hashtag-Generation angeht…

Die Straßen hinter dem Center sind dann einen ganzen Teil düsterer, als diejenigen, die wir bisher gesehen haben. Eine Menge Leute in dieser Gegend sind drogenabhängig und schlafen auf der Straße, andere fallen in Alkoholräusche und tanzen herum – es ist unheimlich, wenn alles andere in der Stadt so modern, sauber und organisiert erscheint. Eins der größten Probleme ist nicht Cannabis, sondern Fentanyl; welches kaum zu rehabilitieren ist. Es führt zu einer Menge von Traumzuständen, in denen man sich selbst schlägt, tanzt und ganz allgemein nicht mehr ansprechbar ist. Bis jetzt wurde scheinbar noch nichts gefunden, um den Zustand zu verbessern oder zu verhindern; die einzig hilfreiche Sache erscheint eine Reha, aber die abhängigen Personen müssen ihre Zustimmung dafür geben und kaum jemand macht das.

Zum Glück passiert man nur zwei bis drei Blöcke, bis man wieder in der Robson Street steht und auf der Suche nach Essen einige aufgehängte Schilder sieht. Allgemein hat Kanada bisher die besten Schilder aller Zeiten. Aber dazu komme ich in einem extra Beitrag.

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Essenstechnisch werden wir fündig in einem Restaurant namens „Timber“, das kanadisches Essen serviert (Yay, Poutine!) und in dem einige ausgestopfte Tiere stehen, die ein bisschen nach Zombiebiber (verdammt, ich ziehe schon wieder Vergleiche zu B-Movies), aussehen. Die Bedienung kommt aus Toronto und wir verstehen kaum ein Wort von ihren Nachfragen, glücklicherweise registriert mein Gehirn noch früh genug, dass sie mir Poutine zu meinem Burger andrehen will. Ihr Blick ist etwas irritiert, als ich ablehne, und ich hoffe, dass ich sie durch die Aussage nicht vollständig beleidigt habe. Wir essen an diesem Abend Lachs und Bisonroast und es tut wirklich gut, zwischendurch kein Fastfood vor sich zu haben. Immerhin wird es genug Essen sein, um einen Tag später Power für die Warteschlangen zur amerikanischen Grenze zu haben.

Es würde mich interessieren, was ihr so in Kanada gegessen habt, wenn ihr schonmal dort wart. Und würdet ihr Poutine testen?!

Preise:
Butchart Gardens: https://www.butchartgardens.com/ (wer richtig viel Spaß mit Google Translate haben will, sollte unbedingt bei der Sprache Deutsch auswählen!)
Eintrittspreise (abhängig von Saison. Preise hier gelten für Frühling): 2$ Kind, 15.40$ Jugendlicher, 30.80$ Erwachsener.

Tipps: 
Ihr wollt von Victoria nach Vancouver? Fahrt unbedingt von Swartz Haven, die Strecke durch die Fjorde lohnt sich allemal und ist billiger als die von Nanaimo aus!

 

Schmuckstück Victoria

Schmuckstück Victoria

Drei –  Über Victoria Island, BH-Bars und Darth Vader

Da wir unser Apartment leider nur für zwei Tage mieten konnten, haben wir beschlossen, einen Tag auf Victoria Island zu verbringen. Victoria selbst ist die Hauptstadt von British Columbia und eigentlich nur mit dem Schiff erreichbar. Zum Hafen in Richtung Nanaimo, der ersten Stadt bei der Ankunft auf Victoria Island, muss man erstmal aus Vancouver heraus und an der Küche entlang fahren. Es gibt die Option, direkt aus Vancouver zu fahren, allerdings kostet die Fahrt aus der Stadt circa 200 Canadian Dollar mehr. Wenn man die zeitlich längere Strecke wählt, ist es allemal die Fahrt wert. Man sieht von der Straße über das Wasser und in die Whistler-Mountains und passiert eine Menge alleinstehende Häuser und natürlich auch einige Blocks. Nach circa 30 Minuten erreicht man dann die Einordnungsspuren nach Nanaimo, wo man in einer langen Schlange auf die Weiterfahrt wartet. Das Wetter lässt heute etwas zu wünschen übrig und man wird vollgetröpfelt, sobald man die Hand aus dem Fenster streckt. Abgesehen davon ist es schon eine ziemliche Ironie, wenn man bei Nieselregen und zwei Stunden Wartezeit auf das „Karma-Café“ zu seiner Rechten blickt, das lediglich aus einem lädierten Container besteht.
Ursprünglich hatten wir ja die Hoffnung, auf eine frühere Fähre zu gelangen, allerdings wurde unser Fahrstreifen durch ein Auto blockiert und der in khaki-gekleidete Officer daneben zuckte nur resigniert mit den Achseln, um uns anschließend mitzuteilen: „The driver’s been missing for the last two ferries. We don’t know where he is.“ Möglicherweise ist er im Karma-Café verloren gegangen, wer weiß. Auf derselben Spur sind auch mehrere Fahrradfahrer unterwegs, denen es in Kanada erlaubt ist, auf dem Standstreifen der Autobahnen zu fahren (etwas gruselig wenn man aus dem Fenster schaut und im ersten Moment denkt, sie hätten sich verirrt).
Irgendwann schaffen wir es dann doch noch aufs Schiff, das vollgestopft ist mit Schulklassen, Touristen und dem Bandwagen der „Wicked Campers“, auf dem fettgedruckt der Slogan: „Good girls get fat. Bad girls get eaten“, steht. Sie selbst sind allerdings nirgends zu sehen.

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Das Schiff bietet eine relativ große Auswahl an Essen, wobei niemand von uns wirklich Hunger hat. Mein Vater beschließt auf den letzten Metern der Schifffahrt noch das Nationalgericht „Poutine“ auszuprobieren. Und so kommt es, dass wir alle von dem Geruch vollgenebelt werden, der ein bisschen an ein Fastfoodrestaurant gekreuzt mit  Kino-Nachos erinnert. Das Essen besteht aus Pommes, Käse und Bratensoße und kann wahlweise mit Ketchup und Mayonnaise „geupdatet“ werden, damit es nicht zu „trocken“ ist. Nach dem Probiertest muss man sagen, dass es gar nicht so schlecht schmeckt, wenn man Käse, Ketchup und Mayonnaise weglässt (aber die Bratensoße ist gut!). Poutine wird hier übrigens klassisch zu allen Gerichten gegessen, meistens als Beilage. Man kann es aber auch zum Frühstück (?!) bestellen.

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Wenn man dann erstmal in Nanaimo ist, braucht man noch gute zwei Stunden nach Victoria. Die Stadt ist vor allem bekannt für ihre Lage, die Chinatown und das verhältnismäßig alte Stadtzentrum mit vielen Pubs und Bars. Unser Hotel für die Nacht liegt ein Stück außerhalb des Zentrums und gehört zu der Kette „Sandman Hotels“. Im unteren Gebäudeteil befindet sich der „Shark Club“ und da ich zu unserer Beschämung mitteilen muss, dass wir alle Sharknado B-Movies gesehen haben, beschließen wir, am Ende des Abends nochmal dort vorbeizugehen.

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Die Stadt erstreckt sich an der Küste der Insel entlang und bietet eine tolle Aussicht auf Berge, Schiffe und Wasserflugzeuge. Parken ist dort nicht ganz so einfach, allerdings finden wir am Hafen, neben einem Club namens „Flying Otter“, einen Parkplatz. Mein Vater überlegt eine Weile den Otter aufzumischen, indem er dort einen frittierten und flambierten Otter bestellt, der mit Fell und in Honigmarinade gegrillt werden sollte. Zum Glück können wir ihn davon abbringen, bevor wir vom Parkplatz geworfen werden und schaffen es in wenigen Minuten in die Innenstadt. Ein kurzer Abstecher in die Chinatown bringt einen in den Nebel von Räucherstäbchen und engen Gässchen mit Bambusgewächsen und Lampions.

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Orientalisch klingende Musik dringt aus den Lautsprechern, die über den Eingangstüren befestigt sind und auf den Bänken sitzen einige Männer, die Blockflöte spielen. Chinatown ist auch einer der Orte, die von den Einheimischen als „heimgesucht“ beschrieben wird, da man manchmal angeblich Geister sehen oder hören kann, die aus der frühen Zeit Victorias stammen, als es noch Spielhöllen und Opiumhöhlen in dem Stadtviertel gab. Besonders geisteranfällig ist dabei die „Fan Tan Alley“, in der einst ein Mann seine Freundin ermordete und dann die Gasse hinunter floh. Von der Stadt werden auch viele „Ghost Walks“ angeboten, da es viele Geistersichtungen gab, aber mit nur einem Abend ist für uns leider keine Tour mehr mit drin.

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Ursprünglich wollten wir ja dank einer Empfehlung direkt zum „Bad Johns Club“ laufen, allerdings bleiben meine Mutter und ich in einer uralten Bibliothek hängen und als wir wieder nach draußen treten, spielt ein als Darth Vader verkleideter Typ, Geige und wird von einer Oma angepöbelt, dass er nicht so einen „Shit“ sondern mal was „Richtiges“ spielen soll. Anschließend rennt besagte Oma zu meinem Freund und teilt auch ihm mit, dass da was gemacht werden muss und der Geiger unbedingt besser spielen soll (worauf Stefan ja echt Einfluss hat) und meint, dass sie sich da auskennen würde, weil sie selbst Geige spielt. Als Stefan ihr mitteilt, dass er nichts von ihrer Tirade versteht, schnaubt sie vor sich hin und dackelt davon. Dafür spielt Darth Vader fröhlich weiter.

Der „Bad Johns Club“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man nach Victoria reist. Ich habe schon einige Bars und Kneipen gesehen, aber dieser Ort strahlt die Abstürze sämtlicher Generationen und Nationen aus. Lasst euch nicht abschrecken – wenn man hineingeht, ist es erstmal ziemlich düster – sobald sich die Augen an das Licht gewöhnt haben, erkennt man von oben bis unten zugekritzelte Wände, kleine Tische und an der Decke hängen befestigte BHS mit Namen oder sonstigen Aufschriften darauf. Der gesamte Raum – und so groß ist er nicht- vermittelt die Trägheit, die man nach dem dritten Bier erlebt, gemischt mit der Wahrnehmung des Pegels, bei dem man der festen Überzeugung ist, mindestens elf Finger zu haben.

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Auch erinnert das Ganze an einen Westernsaloon durch die Holzwände und die Erdnüsse auf den Tischen und dem Boden. Das Bier ist sehr gut und sogar wenn man allein unterwegs wäre, würde es bestimmt nicht langweilig werden, weil man den Blick nicht von den Wänden um sich herum lassen kann. Einige der Aufschriften sind mir ein bisschen zu präsent im Kopf geblieben, wie: „Little D. is going to be a bride, so we take her out on one last ride!“ oder Feststellungen, wie „Cocaine is a hell of a drug!“ und dazwischen tiefgründige Fragen wie: „Hey! Do you like raisins?!“
Irgendwie ist man schon ein bisschen versucht, selbst etwas an die Wand zu kritzeln, aber es war dort, wo wir saßen, nur noch Platz neben „Joe loves bums!“ und das hätte ich etwas deplaziert gefunden.

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Essen gibt es in diesem Pub nicht, allerdings extistiert an der Hauptstrasse ein großartiger Irish Pub namens „Irish Times“. Sogar wenn man dort nichts essen oder trinken möchte, sollte man einmal darin gestanden haben, denn das Gebäude an sich hat seinen ganz eigenen Charme mit golden-verschnörkelten Lampenschirmen, Holzvertäfelungen und einer kleinen Eckbühne, auf der an diesem Abend irische Volksmusik gespielt wird. Die Stimmung ist schon beim Eintreten aufgedreht; die Leute klatschen und wenn du nicht mitmachst, wirst du auffordernd angetippt. Das Essen ist übrigens eines der besten, was wir seit langem hatten. Sie machen eine perfekte Guacamole, ein gutes Chashewhühnchen und auch einfache Gerichte wie Macaroni mit Käse.

Wir haben einen sehr schönen Abend mit Musik im Hintergrund, viel Gejohle und einem leicht angetrunkenen Opa, der mir beim Rausgehen die Schulter tätschelt: „You’re a pretty little thing!“ sagt und davon spaziert. Ich muss über die Aussage wirklich lachen, weil „little“ für meine 1,75m wirklich die Untertreibung überhaupt ist. Vor allem, weil die kanadischen Frauen im Durchschnitt um die 10 bis 15 Zentimeter kleiner und überall in der Bar präsent, sind. Auf dem Rückweg zum Flying Otter haben wir noch einen schönen Sonnenuntergang, der sich orange auf dem Wasser spiegelt und sich in dem Farbton bis zu unserem Hotel hält. Wir setzen uns in den Shark Club, wo eine asiatische Familie Hochzeit feiert und wir zum ersten Mal ein Getränk namens „Mexican Bulldog“ trinken, das aus Sekt, Tequila und Corona besteht. Mit etwas wie dem schläft man am Abend umso besser, egal wie laut die Party im unteren Stockwerk wütet. (Ich muss ja nicht erwähnen, dass wir wieder unsere Ausweise zeigen mussten, oder? Stefan wird langsam etwas frustriert :D).

Ich würde zu gerne auf einen „Ghost Walk“ gehen. War von euch schon mal jemand auf einem, den er empfehlen kann?

Tipps:
Die Parksituation in Victoria ist nicht einfach. Es gibt in der Innenstadt zwar Parkhäuser (diese sind aber klein und schnell voll) und Parkbuchten, die sind allerdings auf eine Stunde begrenzt. Parkt am besten direkt unten am Hafen und lauft nach oben in die Stadt! Die Plätze unten bieten eine längere Aufenthaltsdauer und werden nur nicht so oft benutzt, weil sie von oben schnell übersehen werden.

 

Stanleypark – Ein Farbcocktail in Vancouver

Stanleypark – Ein Farbcocktail in Vancouver

Zwei – Über Jetlag, blaue Papageien und Stanley Park

Der Flug vom Tag davor sitzt mir relativ übel in den Knochen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich um 6 Uhr morgens hellwach bin. Wir frühstücken um 7, was für unsere Verhältnisse wirklich früh ist und haben dadurch sogar die Möglichkeit, das koschere Salz für die Rühreier zu verwenden (es schmeckt übrigens wie normales Salz… nur für den Fall, dass irgendjemand hier überlegt hat, es zu kaufen 😉).
Das Wetter ist angenehm klar, als wir in Richtung Stanleypark spazieren und wenn die Sonne gerade nicht scheint, hat man um die 15 Grad, was bei der Strecke zu laufen sehr angenehm ist. Es ist schwer zu schätzen, wie groß der Park wirklich ist, weil es mehrere separate Eingänge gibt und der Park selbst etwas verwinkelt erscheint, egal wie großflächig die Rasen sind und wie dicht die Bäume stehen. Wenn man die Wege entlangläuft, schlägt einem eine wilde Geruchsmischung aus Rhododendren, Tannennadeln und Hibiskus Blüten entgegen und die Farben sind so intensiv, dass es mich hin und wieder in den Fingerspitzen zuckt, meine Sonnenbrille herauszuholen.

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Da der Park so weitläufig ist, begegnet man in den verwinkelten Gebieten kaum jemandem, sieht höchstens mal einen Jogger oder einen Spaziergänger mit seinem Hund. Mammutbäume schießen in die Höhe und Bambussträucher dichten die Seiten zur Stadt ab, was den Eindruck hinterlässt, als wäre man an einem völlig anderen Ort. Leider wurden in einem großen Sturm 2006 eine Menge Bäume beschädigt, sodass sie nur noch halb, oder teilweise gar nicht mehr, erhalten sind. Die Kanadier haben die meisten dieser beschädigten Bäume allerdings stehen lassen, solange Hoffnung auf neue Triebe besteht. Zwischen all den Bäumen entdeckt man hin und wieder Skulpturen, die an Schriftsteller, wie zum Beispiel den englischen Dichter Robert Burns, erinnern oder Erinnerungsschilder an Gefallene.

 

Allgemein muss ich nochmal sagen, dass Vancouver unglaublich gepflegt ist. Man sieht im Zentrum und in den Parkanlagen kaum Müll herumliegen und wer Abfall falsch entsorgt, kann dafür hoch bestraft werden. Auch die Hunde müssen an der Leine geführt und hinter ihnen muss hergekehrt werden, was mit cool designten Schildern festgehalten wird.

 

Unser Weg führt vorbei an der „Lost Lagoon“, einem See mit kleinen Inseln und einem Sandstrand, an dem man Muscheln und Treibholz findet. Darum herum erstreckt sich eine Joggingstrecke sowie mehrere Fahrradwege. Beides wird viel benutzt und wir werden von einigen ambitionierten Joggern überholt, die bei genauerem Hinsehen eher an Darsteller aus „The Walking Dead“ erinnern und so wirken, als wären sie die nächsten Kandidaten für einen Erinnerungseintrag auf einer der Bänke um den See (vermutlich mit Aufschriften wie: „Eigentlich lief sein Leben ganz gut bis es bergab ging“). Ein Stück hinter der Lost Lagoon, wurde auch eine der wichtigsten Attraktionen Vancouvers gebaut: Das Vancouver Aquarium.

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Vor dem Aquarium in der Schlange 🙂

Es öffnet an diesem Freitag um 10 Uhr und ist ein großes, kreisförmiges Gebäude mit bullaugenförmigen Vertiefungen im Dach und Brunnenanlage vor der Tür. Wenn die Sonne scheint, bündelt sich das Licht in den Fenstern und fällt nach unten, sodass man wie in einer Theaterperformance dasteht. Um Punkt 9:59 Uhr kommen dann drei riesige Reisebusse angefahren, aus denen begeisterte Asiaten steigen, die Kameras zücken und sich wie Piranhas ihrem Ziel nähern.  Ihre Kinder sind strategisch pink angezogen um sich von der Umgebung (dem Grün im Inneren des Gebäudes) abzuheben. Zumindest gilt das für die tropische Zone des Aquariums, in dem sich ein kleiner Urwald befindet. Der Eintritt kostet pro Person 40$, was nicht gerade billig, für Kanadier aber durchschnittlich ist und wenn man einmal drinnen steht, war einem der Eintritt das auch wert. Es ist das erste Mal, dass ich blaue Seesterne, blaue Papageien und giftgrüne Frösche mit roten Augen sehe. Abgesehen davon hat das Aquarium einen großen Außenbereich mit Ottern, Delfinen und Seelöwen. Ich habe mich auch ein bisschen in das Faultier der Tropenzone und die Froschabteilung verliebt, wobei die meisten Frösche nur so groß wie eine Fingerspitze sind (dafür aber relativ tödlich).
Was Snacks im Aquarium-Café angeht, sind die Kanadier eher ungesund veranlagt. Man kann überall Minidonuts kaufen, die mit ordentlich Zucker und Streuseln versehen wurden (immerhin werden die nicht auch noch mit koscherem Salz bestrichen). Die Kinder finden die Donuts jedenfalls super und stopfen sie in sich rein, während sie Delfin Helen zusehen, der wild im Wasser herumspringt und Ringe fängt. Die Shows werden unter anderem aber auch genutzt, um auf das diesjährige Thema des Aquariums aufmerksam zu machen, nämlich den Problemen mit Plastik im Meer und der Tatsache, dass viele Tiere Verletzungen durch die herumschwimmenden Plastikteile erleiden. Auch der Delfin war Opfer der Plastiknetze und Eimer, die im Wasser herumtrieben und kann aufgrund der vorigen Verletzungen, nicht mehr freigelassen werden. Ich würde hier gerne mehr Bilder zeigen, allerdings hat das Aquarium darauf hingewiesen, dass Bilder nur privat verwendet werden können, weshalb ich keine Fotos mit Tieren zeige.

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Mein Freund fand es besonders lustig sich im Aquarium in die Unterwasseraussichtspunkte für Kinder zu stecken

Nach einem Kaffee lassen wir das Aquarium hinter uns und laufen zu den „Totempfählen“ (Totem Poles), die früher von den Ureinwohnern genutzt wurden, um ihre Häuser innen und im Eingangsbereich gut abzustützen. Sie sind bunt, hoch, haben meist Tiersymbole eingeschnitzt und stehen an dem äußeren Zipfel des Stanleypark mit Blick auf Grünflächen und das Wasser.

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Auf einigen von ihnen sitzen Vogelfiguren oder Bären. Da die Piranhas uns gefolgt sind (echte Piranhas gibt es übrigens im Aquarium und das sind wirklich hübsche Fische mit goldenen Flossen), beschließen wir relativ schnell, unseren Abstecher aus dem Park zurück in die Innenstadt zu machen, wobei wir am Wasser entlang mehrere Piers inklusive den „Vancouver Rowing Club“ passieren. Außerdem haben wir mittlerweile echt Hunger und laufen eine der größeren Shoppingmeilen namens Robson Street hinunter. Es ist eine der Straßen, die zeigt, dass Kanadas größte Einwanderungsgruppe die Chinesen sind. Wenn man nach Essen sucht, ist gefühlt jeder zweite Laden ein Ramen- oder Asia-Noodles-Shop. Es gibt dazwischen aber Koreaner und Japaner (voll abwechslungsreich!). Wir haben dann mitten zwischen Reis, Nudeln und Jasmintee noch einen Inder gefunden. Ziemlich unscheinbar von außen, aber sehr nett von innen mit roten Lampions und kleinen Glaslampen über den Tischen. Die Bedienung war sehr nett und brachte uns einen „Pitcher“ kanadisches Bier, wobei das Glas im ersten Moment aussieht wie eine Kreuzung aus einer Vase und einem Pokal. Ein Pitcher entspricht ca 1,90 Litern. Es ist zwar nicht das klassische Getränk zum indischen Essen, aber das hat am späten Nachmittag dann auch niemanden mehr interessiert. Mein Freund war lediglich etwas schockiert über die Tatsache, dass er für Bier immer noch seinen Ausweis zeigen muss, die Bedienung wirkte aber selbst etwas peinlich berührt, nachdem sie gemerkt hat, dass er 32 Jahre alt ist.

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Wir sind noch ein paar Straßen hinunter spaziert und haben uns die einzelnen Shops angesehen, eigentlich auf der Suche nach einem Navigationsgerät, mussten dann aber aufgeben, da einfach alles in Kanada verdammt teuer ist. Zum Beispiel veganer Kuchen (den die Männer reingestopft haben, weil sie nichts anderes mehr im Café hatten) oder Regenjacken (mein Freund hat zum Glück eine reduzierte Jacke gefunden. Er war irgendwie der festen Überzeugung, dass er drei Monate in den USA ohne Jacke verbringen kann, beziehungsweise in einer alten Jacke ohne Kapuze, die er viel zu dick findet). Vielleicht ist das bisher die einzige Sache, auf die man sich festlegen kann: Kanada ist teuer und wenn man etwas Schnelles zu essen braucht, sollte man am besten einen Ausflug zu Fatburger machen. Oder nur zum Supermarkt gehen.

Über ein Kommentar würde ich mich freuen! Vielleicht habt ihr ja auch irgendein größeres Aquarium gesehen, was zu empfehlen ist?

Preise:
Vancouver Aquarium: 22$ Kind, 30$ Jugendliche & Studenten & Senioren, 39$ Erwachsene.
Website: http://www.vanaqua.org/

Tipps:
Der Inder in der Robson Street ist wirklich sehr gut und bietet ein Mittagsmenü für ca 9$ pro Person an.
Website „Taste of India“: http://www.a-taste-of-india.com/

Wäre Kanada ein Smoothie, dann wäre er grün

Wäre Kanada ein Smoothie, dann wäre er grün

Eins – Über resolute Schweizer, Fatburger und die grüne Stadt Vancouver

Ich glaube Niall Horan verfolgt mich. Als ich ins Auto zum Flughafen gestiegen bin, lief seine neue Single im Radio und als ich in Kanada am Flughafen ankomme, läuft sie ebenfalls. Kanada kommt mir vor wie eine Mischung aus Fatburger- und McDonaldsläden, aber auch unglaublich grün mit veganen Kuchen- und Smoothieshops an jeder Ecke. Während sich unsere Musikauswahl kaum unterscheidet, hat Kanada andere tolle Specialfeatures wie Straßen, bei denen man nur geradeaus fahren kann, ohne je nach rechts oder links abzubiegen, Bäume, bei denen jeder einzelne Ast mit Lichterketten umwickelt wurde (muss echt Stunden gedauert haben) und Kinder, die ihre grünen Socken so weit hochziehen wie nur irgend möglich und dabei pinke Flipflops mit Strasssteinen tragen – vielleicht bin ich doch nicht so weit weg von zu Hause, wie ich ursprünglich dachte. Fangen wir am Anfang an.

Seit zwei Jahren plane ich jetzt mit meinem Freund einen Aufenthalt in den USA zu machen. Unser Visum deckt den Zeitraum von drei Monaten ab (was übrigens auch die höchstmögliche Aufenthaltsdauer ist) und da meine Eltern die ersten zwei Wochen mit uns unterwegs sind und wir noch nicht ganz in unsere drei Monate fallen, haben wir beschlossen, ein paar Tage in Kanada zu verbringen. Auch wenn ich die nicht-wirklich dreidimensionale Fliegersimulation über den Flugzeugbildschirm Richtung Grönland ziehen sehen konnte, kam mir der Flug gar nicht so lange vor. Wir hatten gutes Essen, eine gute Filmauswahl und Stefan und ich führten eine Fernbeziehung für über zehn Stunden. Immerhin wissen wir jetzt, dass unsere Beziehung das aushält (alles andere wäre auch traurig gewesen…). Außerdem haben wir kreischende Kleinkinder hinter uns überlebt und auch die klassischen Mitmenschen, die nach vielen Jahren Fluggeschichte immer noch nicht kapiert haben, dass man hin und wieder mal die Luken dicht macht, wenn man gegen die Zeit fliegt. Zum Trost kann man zwischendurch immerhin coole Artikel im Lufthansa-Katalog aufkaufen, wie beispielsweise diesen praktischen und handlichen Schinkenschneider für nur 5,969 EUR! (Irgendwie war ich ja schon kurz versucht, dieses Gerät zu bestellen, nur um zu gucken, ob sie es wirklich im Flugzeug vorrätig haben und wie es im Anschluss den Gang blockiert. Abgesehen davon… kann ich an der Grenze festgenommen werden, wenn ich sowas transportiere?
Zollbeamte: „Haben Sie irgendetwas zu verzollen? Waffen? Nahrungsmittel? Drogen?“
Ich: „Öh…also ich hätte hier meinen Schinkenschneider dabei…“
*Beamter bekommt ein zuckendes Auge*: „The Germans are crazy, man!“)

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Aber lassen wir das arme Gerät mal beiseite: Vancouver hat auf jeden Fall den schönsten Flughafen, den ich bisher gesehen habe, mit hohen Steinwänden an denen Wasser hinunterrauscht, Teichen und aufwendig angelegten Beeten. All das zeigt umso mehr, dass Kanada und England immer noch die Verbindung über das Commonwealth teilen. Nicht alle Personen im Flughafen schienen ebenso beeindruckt von der Umgebung zu sein wie ich. Wir mussten eine Weile auf die Koffer warten und die Schweizerin hinter mir hatte schon nach fünf Minuten die Hände in die Hüften gestützt, den missmutigen Blick auf das Band gerichtet und teilte ihrem Mann schließlich mit: „Wenn unser Koffer in zehn Minuten nicht da ist, nehmen wir einfach irgendeinen!“

Glücklicherweise erhielten wir unsere Koffer, ohne dass die Schweizerin sie uns wegschnappte (zu meiner Belustigung wurde ihr Koffer noch vom Kontrollteam am Flughafen eingesackt). Wir holten unseren Leihwagen, einen Chevrolet Pacifica, der so ziemlich jeden Komfort bietet, der möglich ist; selbstschließende Türen, Fernseher für Kinder, Getränkehalter in allen möglichen Positionen und Fliegengitter an den Scheiben und -wie alle Wagen hier- natürlich ein Automatik.

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Vancouver kommt keinem von uns besonders groß vor beim Fahren ins Zentrum, was erstaunlich ist, schließlich hat die Stadt über 600.000 Einwohner. Alles blüht, ist grün durch Parkanlagen und bunt durch angelegte Dachterrassen und die Autos werden auf den großen Glasflächen der Hochhäuser gespiegelt, wenn man an ihnen vorbeifährt. Es gibt dennoch nicht so viele Blocks, dass ein einengender Eindruck entsteht. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Stadt lässt einem Freiraum zum Atmen, wohingegen andere Städte erdrückend wirken.
Unser Hotel ist klein, aus Fachwerk und geht zwischen den großen Gebäuden darum herum ein wenig unter. Zum Sandstrand an der Küste läuft man nur fünf Minuten und hat von dort eine tolle Sicht auf die Brücke, die die Stadtteile miteinander verbindet und die Berge in der Ferne. Wenn man nach draußen tritt, hört man zuerst Möwen und Entengekreische und Hundegebell; nur hin und wieder mal ein Feuerwehrauto. Die Seitenstraßen werden von angelegten Beeten gesäumt, die von einzelnen Gärtnereien gesponsert und gepflegt werden.

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Das größte Beispiel für ihren Pflanzwahnsinn ist vermutlich der Stanleypark. Er erstreckt sich über 400 Hektar in der Mitte der Stadt und ist weder weit von den Shoppingmeilen, noch vom Hafen entfernt. Bis heute hat Kanada übrigens den größten Exporthafen in Nordamerika, weshalb man viele Containerschiffe sieht, im Kontrastprogramm aber auch Motorboote, Yachten, Segelboote und Kreuzfahrtschiffe.
Wir sind jedenfalls erstmal unten an der Bucht entlangspaziert bei angenehmen 17 Grad mit Blickrichtung zu den North-Shore-Mountains. Nach 11 h Flug tut ein bisschen Bewegung und Ruhe ganz gut, auch wenn mein Vater und mein Freund mehr Zeit damit verbrachten, über Treibholz und Dachterrassen zu sprechen.

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North-Shore-Mountains

Wieder zurück in der Comox Street haben wir unsere Sachen verräumt und in unserem Apartment den Kühlschrank nach unserem kurzen Supermarktausflug aufgefüllt (wo wir von einem Jungen gefragt wurden, ob man Honig einfrieren kann. Keine Ahnung warum wir so aussahen, als würden wir die Kompetenzen für so eine Antwort besitzen…). Der anschließende Besuch bei einer Kette namens „Fatburger“ war unbedingt notwendig, um abends nicht noch kochen zu müssen. Natürlich trafen wir dort erstmal Deutsche, die Hotdogs und Pommes bestellten, statt das Nationalgericht Poutine. Dazu komme ich aber ein anderes Mal.

Die Comox Street ist übrigens auch wieder eine der Straßen, in die man weder von links noch von rechts einbiegen kann – ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie wir überhaupt hier angekommen sind…

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Unser Apartment hat zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Küche mit der interessantesten Ausstattung aller Zeiten. Ich meine…wer braucht keine Soja-Chilisauce, Thunfisch in allen möglichen Variationen und koscheres Salz?! Für diese Specials konnten dann sogar Zimmertüren und Klobürsten weggelassen werden! Apropos Türen…unser Sicherheitsschloss an der Haustür ist sehr hightech und gibt Geräusche wie eine Bohrmaschine von sich, was die ersten drei Mal schon ziemlich irritierend war. Dafür klingen die Ampeln hier wie zwitschernde Vögel. Ich bin gespannt, wie grün es noch wird 😉

 

Was könnt ihr an grünen Städten empfehlen?! Hinterlasst mir doch einen Kommentar (Funktion direkt oben unterhalb des Titels vom Blogeintrag!)  Bis morgen 😉

Tipps:
Die Gegend, in der das Hotel liegt, ist super nah an den Hauptattraktionen und trotzdem ruhig. Es gibt in der Nähe ein paar Supermärkte, den Strand, Restaurants und in ca zehn Minuten steht man im Stanleypark. Ich würde beim Buchen etwas suchen, dass nah am Park liegt; es spart euch viel Gefahre mit dem Auto oder der Bahn.