Näher an Eden

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Vier – Butchart Gardens, Wildschweine und #InstaFamous

Tagesziel sind an diesem Tag die „Butchart Gardens“, die zum Glück nicht weit von Victoria entfernt liegen. Als wir aus dem Hotel auschecken, werden wir von einer Gruppe Musiker überrascht, die mit allen Mitgliedern und sämtlichen Instrumenten reist und einige davon sogar im Gang spielt. Mit dem Geräusch von mehreren Trompeten und Tuba…s (ernsthaft, seit ich unterwegs bin, ist meine Pluralbildung noch schlimmer als zuvor. Aber ich bin ziemlich sicher, dass die Mehrzahl von Tuba nicht „Tuben“ ist…) aufzuwachen, ist nicht unbedingt mein Lieblingshighlight.
Butchart Gardens sind die eigentliche Hauptattraktion der Insel, weil sie seit über 100 Jahren existieren und noch immer im Familienbesitz der ehemaligen Gründer sind. Allein der Eingangsbereich ist wunderschön gestaltet mit großem Parkplatz und blau-violetten Blumen an allen Ecken. Die Parkbuchten werden, nicht wie in Deutschland, mit Nummern oder Buchstaben versehen, sondern mit Bildern von unterschiedlichen Tieren. Wir parken beim Krebs, den Stefan auf den ersten Blick nicht erkennt und stattdessen mit „Alien“ betitelt, und laufen dann in Richtung Gartenanlage. Der Eingang wird durch Alleen aus Goldregen markiert, der gelb von einzelnen Durchgängen hinunterhängt und himmlisch duftet. Zwischen den Alleen findet man schmale Brücken, die über glasklares Wasser führen und Rosen, die leider noch nicht ihre Blütezeit erreicht haben. Die Gärten haben einen weitläufigen Hof, wenn man das Gelände betritt mit einem großen Kaffee- und Teeshop, der uns die Möglichkeit gibt, etwas zu frühstücken. Der Eintritt selbst ist auch hier nicht billig, allerdings war ich noch nie in auf einem so schön angelegten Gelände, also…solltet ihr jemals nach Kanada reisen, dann sollte der Garten weit oben auf eurer Liste stehen!

Amerika 2018 119Der älteste Teil des Anwesens ist der „Sunken Garden“, der von der Gründerin Jennie Butchart 1904 in einem alten Steinbruch gebaut wurde und einfach nur traumhaft schön ist. Er liegt versteckt hinter einem Waldstück und wenn man den Rand dieses Wäldchens erreicht, starrt man in ein grünes Tal mit einem Berg darin, auf dem mehrere Bäume wachsen und an dem ein Rundweg emporführt. Alle Beete, die sich unter einem erstrecken, sind akribisch genau angelegt und unterscheiden sich nur in ihren unterschiedlichen Farben und Blütenformen. Zwischen all dem gibt es einen Bachverlauf, der sich durch das Tal schlängelt und einen großen Teich in der Mitte bildet, an dem Trauerweiden stehen deren Äste gerade so das Wasser berühren. Als Jennie Butchart mit den Arbeiten an dem Garten begann, hat sie sich erst nicht vorstellen können, wie riesig das Anwesen werden würde. Da es allerdings einer der ersten englischen Garten in der Gegend war, veranstaltete sie früh mit ihrem Mann Besuchstage für Familien an den Wochenenden und gründete zusätzlich den japanischen, italienischen und den Mittelmeergarten.

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Wir haben Glück, dass wir so früh unterwegs sind, denn der Park ist noch nicht übermäßig voll und man kann die Asiatengruppen zum größten Teil umgehen, da sie alle paar Meter an einem neuen Fotopunkt halten. Zugegebenermaßen weiß man aber selbst nicht so genau, wo man seine Kamera hinhalten soll, da um jede Ecke eine neue Attraktion wartet. Neben den schmalen Pfaden wurden auch Lampions aufgehängt und kleine Lichter in die Blumen gesteckt, die an asiatische Häuserdächer erinnern und ab Juni abends angezündet werden. Ab dem Zeitpunkt kann man die Gärten dann auch abends durchwandern. Im Sommer gibt es zudem Feuerwerke und Konzerte im Park, aber bevor man hingeht, sollte man auf der Website einen Blick auf das Veranstaltungsprogramm werfen, da der Garten das ganze Jahr geöffnet hat und immer wieder etwas Neues anbietet.

Amerika 2018 126Die Fläche hinter dem „Sunken Garden“ ist weit und auf ihrem höchsten Punkt steht ein neumodisches, o-förmiges Gebäude mit einer Glaskuppel und einem Karussell darin. Da ich schon immer etwas anfällig war, wenn es um Geschwindigkeit geht, setze ich mich ins Karussell, das gut Fahrt aufnimmt und im altmodischen Design Tiere um mich herumwackeln lässt, wie Delfine, Frösche und kreischende Katzen (ja, die Katzen sehen wirklich so aus als würden sie schreien).

Amerika 2018 049Weiter führt der Weg vorbei an einem Rosengarten und mehreren Feldern mit Apfelbäumen, Brunnen und Steintreppen. Die Eindrücke in Worte zu fassen fällt schwer, vor allem, weil dieser Garten einen alle paar Minuten mit etwas Neuem überrascht. Ich würde sagen, die beste Sache kommt am Schluss.
Man betritt durch einen roten Torbogen, der mit japanischen Schriftzeichen versehen wurde, eine gefühlt hundertjährige Welt aus Moos, Steintürmchen und roten Brücken, die über Bäche und Teiche leiten. Das Wort „verwunschen“ passt hier wohl am besten und beschreibt die kurze Sicht durch Hecken hindurch auf eine Bucht außerhalb der Gärten, sowie auf weiße Lampions in einem Meer aus Bambus und kleinen Skulpturen, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen.

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Wenn ich auf dieser Insel wohnen würde, hätte ich definitiv eine Jahreskarte für diesen Ort (die übrigens überraschend günstig ist mit ca 85 $), denn egal wie viele Besucher auftauchen, man findet immer irgendwo einen Platz für sich, um sich ein bisschen wie im Märchen zu fühlen. Und es gibt einen tollen Eisshop mit selbstgemachter Eiscreme, ein Atelier für lokale Künstler, ein Café, das die britische Cream Tea Time anbietet und einen großen Souvenirshop. Da erscheint es gar nicht mehr so abwegig, wenn man Ehepaare an sich vorbeilaufen sieht, die Gespräche führen, wie: „Schatz, haben wir noch Geld?“
„Wofür? Wir haben doch eine Kreditkarte.“

Während meine Eltern irgendwo verloren gegangen sind, sitze ich jedenfalls mit meinem Freund auf dem Rand eines Brunnens, in dessen Mitte ein großes, bronzefarbenes Wildschwein steht. Eine Familie mit zwei Kindern läuft an uns vorbei und die Tochter schaut mit übertriebener Faszination auf das Schwein hinter uns: „Schau mal Daddy, ein Pferd!“
Der Vater starrt stirnrunzelnd auf sie hinunter: „Das wäre ein ziemlich hässliches Pferd…“
Sein Sohn nickt: „Stimmt. Ich glaube es ist ein Igel!“
Den Blick des Vaters in dem Moment kann ich gar nicht wirklich beschreiben. An seiner Stelle würde ich mir allerdings auch Sorgen um die Wahrnehmung meiner Kinder machen…

Wir fahren von den Gärten in Richtung der Fähre, da wir wieder zurück in Richtung Vancouver müssen. Die Fähre fährt dieses Mal von Swartz Haven; also einer anderen Route als auf dem Hinweg, bei der wir weiter südlich starten und durch einen Fjord mit hohen Bergen fahren, der Häuser direkt am Wasser und Strände mit kleineren Booten ringsum zeigt. Bei schönem Wetter kann man ohne Probleme an Deck sitzen, die Aussicht auf die kleineren Inseln um einen herum, ist auf jeden Fall fantastisch. Als wir wieder ins Auto steigen, fällt unser Blick auf die „Wicked Campers“, die mit ihrem besprayten Truck scheinbar ebenfalls auf ihrem Rückweg sind. Wieder sind sie nirgends zu sehen und allmählich glaube ich, dass dieses Auto von alleine durch die Gegend rangiert – klarer Fall für einen Ghostwalk…oder in diesem Fall Ghost Drive. Wir kommen in Vancouver an, ohne den Ghost Van nochmal gesehen zu haben, aber wer weiß, vielleicht sieht man die „Wicked Campers“ ja wirklich mal in Person.

Amerika 2018 138Da meine Mutter mit unerschöpflicher Motivation und Tatendrang geboren wurde (zwei Dinge, die bei mir sehr wetter- und schlafabhängig sind), werfen wir nur kurz unsere Sachen ins Hotel (also wir legen sie hin…ich würde nicht so weit gehen, die Tür zum Zimmer zu öffnen, meine Sachen zu packen und sie dort irgendwo an die Wand zu schmeißen) und laufen dann in Richtung vom Vancouver Convention Center in der Nähe des Hafens.

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Das Center wurde mit einer Menge Läden und historischen Hintergrundinfos zu Vancouver gefüllt und auf dem Wasser vor uns starten und landen Wasserflugzeuge. Einige der Informationen beziehen sich zum Beispiel auf den ersten Mann, der seine Flugzeuge zum Handel in Vancouver eingesetzt hat oder man kann Geschichten zum damaligen Goldrausch nachlesen (denn, wer es nicht weiß: Vancouver ist durch den Goldrausch entstanden und hat sich seither von seiner Lage so gut gemacht, dass es sich immer weiter vergrößert hat).

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Auf der Suche nach Essen machen wir uns auf in die Innenstadt und sehen dabei ein kleines Mädchen, das ein T-Shirt mit der Aufschrift #InstaFamous trägt. #InstaFamous verfolgt uns mehrere Minuten, bis ihr scheinbar auffällt, dass sie irgendwo in der Nähe Eltern hat, die mit Selfiestick in der Gegend herumrennen. Irgendwie habe ich kein gutes Gefühl, was die Zukunft der Hashtag-Generation angeht…

Die Straßen hinter dem Center sind dann einen ganzen Teil düsterer, als diejenigen, die wir bisher gesehen haben. Eine Menge Leute in dieser Gegend sind drogenabhängig und schlafen auf der Straße, andere fallen in Alkoholräusche und tanzen herum – es ist unheimlich, wenn alles andere in der Stadt so modern, sauber und organisiert erscheint. Eins der größten Probleme ist nicht Cannabis, sondern Fentanyl; welches kaum zu rehabilitieren ist. Es führt zu einer Menge von Traumzuständen, in denen man sich selbst schlägt, tanzt und ganz allgemein nicht mehr ansprechbar ist. Bis jetzt wurde scheinbar noch nichts gefunden, um den Zustand zu verbessern oder zu verhindern; die einzig hilfreiche Sache erscheint eine Reha, aber die abhängigen Personen müssen ihre Zustimmung dafür geben und kaum jemand macht das.

Zum Glück passiert man nur zwei bis drei Blöcke, bis man wieder in der Robson Street steht und auf der Suche nach Essen einige aufgehängte Schilder sieht. Allgemein hat Kanada bisher die besten Schilder aller Zeiten. Aber dazu komme ich in einem extra Beitrag.

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Essenstechnisch werden wir fündig in einem Restaurant namens „Timber“, das kanadisches Essen serviert (Yay, Poutine!) und in dem einige ausgestopfte Tiere stehen, die ein bisschen nach Zombiebiber (verdammt, ich ziehe schon wieder Vergleiche zu B-Movies), aussehen. Die Bedienung kommt aus Toronto und wir verstehen kaum ein Wort von ihren Nachfragen, glücklicherweise registriert mein Gehirn noch früh genug, dass sie mir Poutine zu meinem Burger andrehen will. Ihr Blick ist etwas irritiert, als ich ablehne, und ich hoffe, dass ich sie durch die Aussage nicht vollständig beleidigt habe. Wir essen an diesem Abend Lachs und Bisonroast und es tut wirklich gut, zwischendurch kein Fastfood vor sich zu haben. Immerhin wird es genug Essen sein, um einen Tag später Power für die Warteschlangen zur amerikanischen Grenze zu haben.

Es würde mich interessieren, was ihr so in Kanada gegessen habt, wenn ihr schonmal dort wart. Und würdet ihr Poutine testen?!

Preise:
Butchart Gardens: https://www.butchartgardens.com/ (wer richtig viel Spaß mit Google Translate haben will, sollte unbedingt bei der Sprache Deutsch auswählen!)
Eintrittspreise (abhängig von Saison. Preise hier gelten für Frühling): 2$ Kind, 15.40$ Jugendlicher, 30.80$ Erwachsener.

Tipps: 
Ihr wollt von Victoria nach Vancouver? Fahrt unbedingt von Swartz Haven, die Strecke durch die Fjorde lohnt sich allemal und ist billiger als die von Nanaimo aus!

 

Schmuckstück Victoria

Schmuckstück Victoria

Drei –  Über Victoria Island, BH-Bars und Darth Vader

Da wir unser Apartment leider nur für zwei Tage mieten konnten, haben wir beschlossen, einen Tag auf Victoria Island zu verbringen. Victoria selbst ist die Hauptstadt von British Columbia und eigentlich nur mit dem Schiff erreichbar. Zum Hafen in Richtung Nanaimo, der ersten Stadt bei der Ankunft auf Victoria Island, muss man erstmal aus Vancouver heraus und an der Küche entlang fahren. Es gibt die Option, direkt aus Vancouver zu fahren, allerdings kostet die Fahrt aus der Stadt circa 200 Canadian Dollar mehr. Wenn man die zeitlich längere Strecke wählt, ist es allemal die Fahrt wert. Man sieht von der Straße über das Wasser und in die Whistler-Mountains und passiert eine Menge alleinstehende Häuser und natürlich auch einige Blocks. Nach circa 30 Minuten erreicht man dann die Einordnungsspuren nach Nanaimo, wo man in einer langen Schlange auf die Weiterfahrt wartet. Das Wetter lässt heute etwas zu wünschen übrig und man wird vollgetröpfelt, sobald man die Hand aus dem Fenster streckt. Abgesehen davon ist es schon eine ziemliche Ironie, wenn man bei Nieselregen und zwei Stunden Wartezeit auf das „Karma-Café“ zu seiner Rechten blickt, das lediglich aus einem lädierten Container besteht.
Ursprünglich hatten wir ja die Hoffnung, auf eine frühere Fähre zu gelangen, allerdings wurde unser Fahrstreifen durch ein Auto blockiert und der in khaki-gekleidete Officer daneben zuckte nur resigniert mit den Achseln, um uns anschließend mitzuteilen: „The driver’s been missing for the last two ferries. We don’t know where he is.“ Möglicherweise ist er im Karma-Café verloren gegangen, wer weiß. Auf derselben Spur sind auch mehrere Fahrradfahrer unterwegs, denen es in Kanada erlaubt ist, auf dem Standstreifen der Autobahnen zu fahren (etwas gruselig wenn man aus dem Fenster schaut und im ersten Moment denkt, sie hätten sich verirrt).
Irgendwann schaffen wir es dann doch noch aufs Schiff, das vollgestopft ist mit Schulklassen, Touristen und dem Bandwagen der „Wicked Campers“, auf dem fettgedruckt der Slogan: „Good girls get fat. Bad girls get eaten“, steht. Sie selbst sind allerdings nirgends zu sehen.

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Das Schiff bietet eine relativ große Auswahl an Essen, wobei niemand von uns wirklich Hunger hat. Mein Vater beschließt auf den letzten Metern der Schifffahrt noch das Nationalgericht „Poutine“ auszuprobieren. Und so kommt es, dass wir alle von dem Geruch vollgenebelt werden, der ein bisschen an ein Fastfoodrestaurant gekreuzt mit  Kino-Nachos erinnert. Das Essen besteht aus Pommes, Käse und Bratensoße und kann wahlweise mit Ketchup und Mayonnaise „geupdatet“ werden, damit es nicht zu „trocken“ ist. Nach dem Probiertest muss man sagen, dass es gar nicht so schlecht schmeckt, wenn man Käse, Ketchup und Mayonnaise weglässt (aber die Bratensoße ist gut!). Poutine wird hier übrigens klassisch zu allen Gerichten gegessen, meistens als Beilage. Man kann es aber auch zum Frühstück (?!) bestellen.

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Wenn man dann erstmal in Nanaimo ist, braucht man noch gute zwei Stunden nach Victoria. Die Stadt ist vor allem bekannt für ihre Lage, die Chinatown und das verhältnismäßig alte Stadtzentrum mit vielen Pubs und Bars. Unser Hotel für die Nacht liegt ein Stück außerhalb des Zentrums und gehört zu der Kette „Sandman Hotels“. Im unteren Gebäudeteil befindet sich der „Shark Club“ und da ich zu unserer Beschämung mitteilen muss, dass wir alle Sharknado B-Movies gesehen haben, beschließen wir, am Ende des Abends nochmal dort vorbeizugehen.

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Die Stadt erstreckt sich an der Küste der Insel entlang und bietet eine tolle Aussicht auf Berge, Schiffe und Wasserflugzeuge. Parken ist dort nicht ganz so einfach, allerdings finden wir am Hafen, neben einem Club namens „Flying Otter“, einen Parkplatz. Mein Vater überlegt eine Weile den Otter aufzumischen, indem er dort einen frittierten und flambierten Otter bestellt, der mit Fell und in Honigmarinade gegrillt werden sollte. Zum Glück können wir ihn davon abbringen, bevor wir vom Parkplatz geworfen werden und schaffen es in wenigen Minuten in die Innenstadt. Ein kurzer Abstecher in die Chinatown bringt einen in den Nebel von Räucherstäbchen und engen Gässchen mit Bambusgewächsen und Lampions.

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Orientalisch klingende Musik dringt aus den Lautsprechern, die über den Eingangstüren befestigt sind und auf den Bänken sitzen einige Männer, die Blockflöte spielen. Chinatown ist auch einer der Orte, die von den Einheimischen als „heimgesucht“ beschrieben wird, da man manchmal angeblich Geister sehen oder hören kann, die aus der frühen Zeit Victorias stammen, als es noch Spielhöllen und Opiumhöhlen in dem Stadtviertel gab. Besonders geisteranfällig ist dabei die „Fan Tan Alley“, in der einst ein Mann seine Freundin ermordete und dann die Gasse hinunter floh. Von der Stadt werden auch viele „Ghost Walks“ angeboten, da es viele Geistersichtungen gab, aber mit nur einem Abend ist für uns leider keine Tour mehr mit drin.

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Ursprünglich wollten wir ja dank einer Empfehlung direkt zum „Bad Johns Club“ laufen, allerdings bleiben meine Mutter und ich in einer uralten Bibliothek hängen und als wir wieder nach draußen treten, spielt ein als Darth Vader verkleideter Typ, Geige und wird von einer Oma angepöbelt, dass er nicht so einen „Shit“ sondern mal was „Richtiges“ spielen soll. Anschließend rennt besagte Oma zu meinem Freund und teilt auch ihm mit, dass da was gemacht werden muss und der Geiger unbedingt besser spielen soll (worauf Stefan ja echt Einfluss hat) und meint, dass sie sich da auskennen würde, weil sie selbst Geige spielt. Als Stefan ihr mitteilt, dass er nichts von ihrer Tirade versteht, schnaubt sie vor sich hin und dackelt davon. Dafür spielt Darth Vader fröhlich weiter.

Der „Bad Johns Club“ ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man nach Victoria reist. Ich habe schon einige Bars und Kneipen gesehen, aber dieser Ort strahlt die Abstürze sämtlicher Generationen und Nationen aus. Lasst euch nicht abschrecken – wenn man hineingeht, ist es erstmal ziemlich düster – sobald sich die Augen an das Licht gewöhnt haben, erkennt man von oben bis unten zugekritzelte Wände, kleine Tische und an der Decke hängen befestigte BHS mit Namen oder sonstigen Aufschriften darauf. Der gesamte Raum – und so groß ist er nicht- vermittelt die Trägheit, die man nach dem dritten Bier erlebt, gemischt mit der Wahrnehmung des Pegels, bei dem man der festen Überzeugung ist, mindestens elf Finger zu haben.

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Auch erinnert das Ganze an einen Westernsaloon durch die Holzwände und die Erdnüsse auf den Tischen und dem Boden. Das Bier ist sehr gut und sogar wenn man allein unterwegs wäre, würde es bestimmt nicht langweilig werden, weil man den Blick nicht von den Wänden um sich herum lassen kann. Einige der Aufschriften sind mir ein bisschen zu präsent im Kopf geblieben, wie: „Little D. is going to be a bride, so we take her out on one last ride!“ oder Feststellungen, wie „Cocaine is a hell of a drug!“ und dazwischen tiefgründige Fragen wie: „Hey! Do you like raisins?!“
Irgendwie ist man schon ein bisschen versucht, selbst etwas an die Wand zu kritzeln, aber es war dort, wo wir saßen, nur noch Platz neben „Joe loves bums!“ und das hätte ich etwas deplaziert gefunden.

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Essen gibt es in diesem Pub nicht, allerdings extistiert an der Hauptstrasse ein großartiger Irish Pub namens „Irish Times“. Sogar wenn man dort nichts essen oder trinken möchte, sollte man einmal darin gestanden haben, denn das Gebäude an sich hat seinen ganz eigenen Charme mit golden-verschnörkelten Lampenschirmen, Holzvertäfelungen und einer kleinen Eckbühne, auf der an diesem Abend irische Volksmusik gespielt wird. Die Stimmung ist schon beim Eintreten aufgedreht; die Leute klatschen und wenn du nicht mitmachst, wirst du auffordernd angetippt. Das Essen ist übrigens eines der besten, was wir seit langem hatten. Sie machen eine perfekte Guacamole, ein gutes Chashewhühnchen und auch einfache Gerichte wie Macaroni mit Käse.

Wir haben einen sehr schönen Abend mit Musik im Hintergrund, viel Gejohle und einem leicht angetrunkenen Opa, der mir beim Rausgehen die Schulter tätschelt: „You’re a pretty little thing!“ sagt und davon spaziert. Ich muss über die Aussage wirklich lachen, weil „little“ für meine 1,75m wirklich die Untertreibung überhaupt ist. Vor allem, weil die kanadischen Frauen im Durchschnitt um die 10 bis 15 Zentimeter kleiner und überall in der Bar präsent, sind. Auf dem Rückweg zum Flying Otter haben wir noch einen schönen Sonnenuntergang, der sich orange auf dem Wasser spiegelt und sich in dem Farbton bis zu unserem Hotel hält. Wir setzen uns in den Shark Club, wo eine asiatische Familie Hochzeit feiert und wir zum ersten Mal ein Getränk namens „Mexican Bulldog“ trinken, das aus Sekt, Tequila und Corona besteht. Mit etwas wie dem schläft man am Abend umso besser, egal wie laut die Party im unteren Stockwerk wütet. (Ich muss ja nicht erwähnen, dass wir wieder unsere Ausweise zeigen mussten, oder? Stefan wird langsam etwas frustriert :D).

Ich würde zu gerne auf einen „Ghost Walk“ gehen. War von euch schon mal jemand auf einem, den er empfehlen kann?

Tipps:
Die Parksituation in Victoria ist nicht einfach. Es gibt in der Innenstadt zwar Parkhäuser (diese sind aber klein und schnell voll) und Parkbuchten, die sind allerdings auf eine Stunde begrenzt. Parkt am besten direkt unten am Hafen und lauft nach oben in die Stadt! Die Plätze unten bieten eine längere Aufenthaltsdauer und werden nur nicht so oft benutzt, weil sie von oben schnell übersehen werden.