Das Grand Canyon Railway Package – Mit dem Zug zur Schlucht

Das Grand Canyon Railway Package – Mit dem Zug zur Schlucht

Einundzwanzig – Über Fort Worth, den Grand Canyon und Williams

Natürlich kann man die USA nicht bereisen, ohne den Grand Canyon zu sehen – zumindest schaut von den Amerikanern jeder einen etwas irritiert an, wenn man es nicht tut. Von unserem letzten Ziel zum Grand Canyon ist es aber ein drei Tages Trip und wir haben beschlossen, zumindest einen Zwischenstopp einzulegen. So kommt es, dass wir in Fort Worth in Texas pausiert haben und das nicht nur, um behaupten zu können,  ein Steak in Texas gegessen haben. Nein, wir wollten unter anderem dorthin, weil die Fort Worth Stockyards den alten Westernstil mit am besten präsentieren. Die Stockyards liegen außerhalb der eigentlichen Stadt Fort Worth und sind seit den 1910 ein sehr aktives Touristenziel. Es ist eine der wenigen Ausflugsdestinationen, wo man wirklich in den wilden Westen einsteigt. Der ganze Bezirk hat nur altmodische Holzhäuser, Bretterveranden und wild blinkende Reklamelichter, die aber reichlich schräg hängen. Zweimal am Tag werden die Büffel durch die Stadt getrieben und man kann auch, wie der Stadtsheriff, von einem Büffel durch die Gegend getragen werden.

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Oder man wählt die urtümliche Pferdekutsche, die die Hauptstraße hoch und runter fährt. Hin und wieder hört man Gitarrenmusik aus einem Saloon kommen und natürlich hat man eine riesige Auswahl an Westernkleidung und allem möglichen Zubehör, was die Wild-West-Pferde betrifft.

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Die Rodeoarena und das zugehörige Museum sind zu besichtigen oder man geht in den Streichelzoo nahe der ursprünglichen Eisenbahnschienen. Aber natürlich ist unsere Mission unter anderem, ein Steak zu essen und wir entscheiden uns für das Cattlemen`s Restaurant. Dort wird das Steak direkt in dem Raum gegrillt, in dem man isst und das Licht ist so gedämmt, dass man sich wie in einem Pub fühlt. Das Fingerfood ist ebenfalls sehr gut und wir lernen, dass „Hot Rolls“ kleine Brötchen aus Sauerteig sind. Die Amerikaner haben übrigens nicht nur die drei bei uns gängigen Stufen rare, medium und well done für Steaks, sondern eine ganze zusätzliche Skala von Zwischenstufen, die man auf einer Art Thermometer auswählen kann. Wenn man dort isst, merkt man auf jeden Fall, dass sie ihre Steakkunst perfektioniert haben.

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Der Grand Canyon war für uns von Anfang an eins der wirklich großen Ziele. Nicht nur, weil der Canyon weltweit bekannt ist, sondern weil wir vor der Anreise das „Railway Package“ gebucht haben. Es ist eine von den teuren Sachen, für die wir uns entschieden haben, aber nach circa zweieinhalb Monaten „on the road“ waren wir etwas besessen davon, irgendwo ohne Schaben, Ameisen oder Spinnen zu übernachten. Das Paket umfasst ein Hotelzimmer, eine Zugfahrt und Essen und man kann dies über die Eisenbahnwebsite buchen. Es fällt etwas günstiger aus, wenn man die Jahreskarte für den Nationalpark besitzt. Wir kommen jedenfalls morgens in Williams an und können direkt beim Bahnschalter unsere Tickets für den Zug und die Check-In-Karten fürs Hotel und das Essen abholen. Um 10:30 Uhr geht es dann auch schon los. Man fährt mit einer Diesellock für zweieinhalb Stunden Richtung Grand Canyon und kommt dann auch direkt im Rim Village an. Die Fahrt ist nicht unbedingt die Spektakulärste von der Aussicht (obwohl man durchaus mal ein paar Tiere erspähen oder die Berge in der Ferne sehen kann und hin und wieder halbnackte Leute aus ihren Wohnwagen winken sieht). Ich lege euch diese Art an den Grand Canyon zu kommen, aber trotzdem sehr ans Herz. Nicht, dass es nur freie Snacks und Livemusik in diesem altmodischen Zug gibt, nein, man bekommt auch schnell seine Cocktails geliefert, wird per Lautsprecher über die Gegend und die Aktivitäten am Canyon informiert und sitzt richtig bequem in den alten Sitzen. Wir haben uns kein bisschen gelangweilt und die Kinder im Zug hatten eine super Zeit, als sie auf den Instrumenten der Musiker rumklimpern durften. Beim Zug kann man übrigens unterschiedliche Kategorien wählen – da wäre zum Beispiel die normale Passagierklasse (Coach & Pullman Class), die First Class, die Observation Dome Class, die Luxury Dome Class und die Luxury Parlor Class – bei der man sogar nach draußen gehen kann. Wir sind mit der Dome Class zum Canyon gefahren und man sitzt darin hoch erhoben mit Glasdach, es ist schön ruhig und man sieht sehr weit – ich würde es auf jeden Fall wieder so machen.

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Man bekommt übrigens auch Karten zum Grand Canyon im Zug und die alte Zeitung „Territorial Times“, die über die aktuellen Gefahren am Canyon, aber auch über die Entwicklung der Eisenbahn und den Nationalpark im Allgemeinen berichtet. Man erfährt beispielsweise, dass die Bahn seit 1901 in Betrieb ist und 1989, nach 21 Jahren Pause, durch das Ehepaar Biegert wieder für den Tourismus geöffnet wurde. Die Wagen mussten nach der Pause allerdings wieder renoviert werden und es gab viele Reparaturarbeiten betreffend der Gleise.
Am Canyon angekommen fühlt man sich beim Aussteigen einem Hitzeschock ziemlich nahe. Wir sind schließlich zur heißesten Zeit des Jahres dort und Arizona ist nach wie vor dafür bekannt, dass Wüstensträucher durch die Gegend rollen und die Luft sich wie ein Föhn anfühlt. Da man oben nach einem neuen Gesetz keine Wasserflaschen mehr kaufen kann, gibt es entlang des Canyons Wasserspender – ist natürlich praktisch, wenn ihr etwas dabei habt, wo ihr das Wasser hineinfüllen könnt. Nicht auszutrocknen ist gar nicht so einfach, oben am Canyon gibt es nämlich nicht sonderlich viel Schatten. Es ist ein unglaublicher Blick, wenn man die Mauern am Rand der Schlucht erreicht und in eine schier unendliche Weite der unterschiedlichsten Farben blickt. Wenn man nicht selbst auf einer Klippe mit eben diesem Stein stehen würde, wäre die ganze Sache noch irrealer. Und die Farben vor einem wechseln noch mehr, wenn die Wolken über die Schlucht hinwegziehen. Je nachdem wo man steht, kann man violette, rote, orangene und graue Felswände ausmachen, aber der Canyon hat ja auch nicht umsonst den sogenannten „Rainbow Rim Trail“. Es ist ein wahres Naturschauspiel den Wolken zuzusehen, einen Blick auf den Colorado River im Tal zu werfen oder unter den seltenen Bäumen zu stoppen, die ihre knorrigen Wurzeln tief im Felsen vergraben haben. All das wirkt vor allem so beeindruckend, weil der Canyon natürlich sehr groß ist. Er zieht sich fast 450 Kilometer durchs Land und ist fast eine Meile tief. Die Dimensionen sind nur schwer vorstellbar – sogar wenn man direkt davor steht.

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Wie immer an großen Touristenattraktionen sind die unglaublichsten Menschen auf den Pfaden unterwegs. Wir sehen wieder Menschen mit Flip Flops sowie andere in Kostümen. Es gibt sogar ein Paar, das seine vier Hunde im Kinderwagen kutschiert; einer davon hat eine Art eigenes Bobbycar, auf dem er die Hügel hochgeschoben wird. Only in America. Auf dem Weg zu den einzelnen Aussichtspunkten erfährt man übrigens auch viel zu den einzelnen Gesteinsschichten im Canyon, denn diese Steine werden auf Sockeln ausgestellt mit Jahresangaben daneben. Wer mehr Informationen haben möchte, kann natürlich auch ins Visitor Center im Rim Village gehen. Da erfährt man alles über die Bildung des Canyons, die unterschiedlichen Tierarten in der Gegend und über die Touren, die am Canyon angeboten werden. Es gibt auch Informationen zu den Indianern, falls ihr im alten Hopi House vorbeischaut. Aber denkt daran, den Kopf beim Eintreten einzuziehen, denn bekannterweise waren die Indianer nicht sonderlich groß. Das Reingehen ist eine schöne Überraschung, weil man einen guten Überblick über den Indianerschmuck bekommt, Seifen kaufen kann, die direkt in der Gegend hergestellt wurden und Kacheln mit bunten, indianischen Motiven ausgestellt sind. Abgesehen davon hat das Hopi House mit die beste Buchauswahl über den Canyon, zumindest von allen Souvenirshops, die ich gesehen habe.

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Wenn ihr Glück habt, sehr ihr sogar vor dem Eintreten eine der indianischen Musik- und Tanzvorführungen die mehrfach am Tag stattfinden. Zwei Sachen im Canyon Village möchte ich noch erwähnen. In dem Restaurant Bright Angel Lodge befindet sich auch ein Ausstellungsraum für die sogenannten Harvey Girls. Sie gehören definitiv zu meinen Lieblingsthemen aus diesem Urlaub. Die Harvey Girs wurden von Fred Harvey ins Leben gerufen. Mr Harvey war ein junger Mann, der in den 1870er Jahren aus England auswanderte und beschloss, sein Glück in den USA zu versuchen. Er reiste mit der Eisenbahn und war schnell genervt von den Zuständen in den Zügen und der Tatsache, dass es nahe dem Canyon kaum Hotels und Restaurants gab. Seine Vorschläge wurden bei den lokalen Behörden und von den schon existierenden Hotels abgelehnt, er hatte aber Glück und konnte nach einiger Zeit in Santa Fe sein erstes Hotel mit Restaurant errichten. Es war nur eins von vielen, die er über die Jahre hinweg eröffnete. Besonders erfolgreich wurde er schließlich mit seinen „Harvey Girls“. Dabei handelte es sich um junge, intelligente und sehr hübsche Mädchen, die in den Hotels arbeiteten und vom Westen des Landes in die Einöde gebracht wurden. Die Gegend um den Grand Canyon herum war dafür bekannt, dass nur Männer in den Wüstenminen arbeiteten, von Frauen war weit und breit nichts zu sehen. Die Harvey Girls an sich waren also schon Grund genug, um ins Restaurant oder ins Hotel zu kommen. Sie hatten für die damalige Zeit ein gutes Einkommen und Verträge für fünf Monate; viele von ihnen heirateten Siedler und Arbeiter, weshalb die Bevölkerung in der Gegend wachsen konnte.

Zweite Sache, die ihr euch am South Rim anschauen solltet, ist das El Tovar Hotel, das bei seinem Bau zu einem der schickesten Hotels im Süden ernannt wurde und zudem sehr gutes Essen anbietet. Solltet ihr planen, dort essen zu gehen, kann ich nur eine Reservierung im Voraus empfehlen. Es ist vermutlich das teuerste Hotel in der Grand Canyon Gegend, aber wenn euch nach Luxus ist, dann ist es die richtige Wahl und zweifelsfrei hat es eine der schönsten Aussichten überhaupt.

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Auf der Rückfahrt mit dem Zug sitzen wir dann in der First Class. Wir bekommen Countrymusik mit der Gitarre zu hören und werden von Banditen überfallen, die zunächst auf Pferden neben dem Zug herreiten und schließlich sogar aufspringen, um durch die Abteile zu spazieren und uns zu „berauben“. Dicht auf ihren Fersen ist ein schnauzbärtiger Sheriff, der das Abteil mit den Worten: „Have you seen someone who smells like he crawled through a horse and came out at the wrong end?“, betritt. Auch wenn man nicht das Hotel mitbucht, kann man natürlich trotzdem Tickets für den Zug erwerben – wir haben auf jeden Fall nur die beste Erfahrung damit gemacht.

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Wobei wir auch das alte „Railway Hotel“ geliebt haben. Es ist eines der verwinkelsten Gebäude, die wir auf der Reise sehen, aber das tut seiner Eleganz keinen Abbruch. Da es vor wenigen Jahren komplett renoviert wurde, sind alle Zimmer auf dem neuesten Stand und man fühlt sich nach so vielen Wochen unterwegs in den seltsamsten Motels, hier wie im Paradies. Im Gebäude nebenan gibt es dann auch das Abendessen. Es ist ein riesiges Buffet mit Pasta- und Grillstationen und man bekommt musikalische Begleitung durch – will jemand raten? – Countrymusik.

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Wenn ihr schon den Zug nehmt und aus Williams startet, solltet ihr die Stadt unbedingt auch einmal zu Fuß durchqueren. Williams ist vermutlich der bekannteste Ort an der berühmten Route 66 und er hat die vielseitigsten und buntesten Souvenirs, die man sich vorstellen kann. Auf Tankstellendächern thronen alte Autos, die Restaurants haben alle Grillstationen und über die Stadt selbst führt eine Zip-Line in der Form eines Autos. Und falls ihr den Ort Richtung Westen verlasst, kann ich nur empfehlen, einen Halt beim alten „Route 66 Museum“ zu machen, das direkt an der Strecke liegt.

Weitere Tipps für die Gegend? Wie waren eure Erfahrungen am Grand Canyon?

Preise:

Railway Package (Preise variieren je nachdem welche Zugklasse und welche Zimmerkategorie ihr nehmt): Zwischen 450 und 700$ (Paket umfasst Zugfahrt hin und zurück von Canyon, Hotelzimmer und Verpflegung)
Website: https://www.thetrain.com/offers-packages/
Grand Canyon ohne Zug und ohne Jahrespass:
Website: https://www.nps.gov/grca/index.htm

Tipps:

1) Railway Package im Voraus buchen, dann kann man hin und wieder Sparangebote abgreifen.
2) Sonntags fährt statt dem Dieselzug eine alte Dampflock.
3) Falls ihr später im Jahr da seid, gibt es bei der Eisenbahn die Aktion „Polarexpress“, was extrem empfohlen wird und bestimmt besonders mit Kindern ein Highlight ist (uns wurde erzählt, dass sogar Santa Clause hier seinen Auftritt hat).
4) Wasserflasche selbst mit hoch auf den Canyon nehmen – es gibt nur Wasserspender, aber ihr könnt dort keine neuen Flaschen kaufen.
5) Es gibt natürlich noch weitere Ausflugsmöglichkeiten im Canyon. Man kann sie entweder zum Zug-Paket dazubuchen oder sie selbst organisieren. Dazu gehören Touren auf Pferden oder Eseln in den Canyon oder Rafting und Kanu fahren auf dem Colorado River.

Monumente im Grünen – Wyoming & South Dakota

Monumente im Grünen – Wyoming & South Dakota

Achtzehn – Über schaulustige Großmütter, Spearfish Canyon, Devil`s Tower und Mount Rushmore

Nach Yellowstone fahren wir weiter in Richtung Osten, bis man den hoch aufragenden Devil`s Tower in einem ansonsten relativ flachen Land sieht. Der Tower ist das erste historische Monument Amerikas und umgeben von Nadelwald und grünen Feldern. Es handelt sich dabei um einen riesigen Steinklotz aus Magma, der 265 m in die Höhe ragt und dabei so uneben wie nur möglich wirkt. Der Stein ist unglaublich gerade mit geriffelten Seiten und flacher, unbewachsener Krone. Wenn man zwischen den Hügeln zum Turm hinauf fährt, kann man auf der Fahrt vereinzelt Personen ausmachen, die an den Seiten klettern. So verrückt wie das auch aussehen mag, es ist offensichtlich möglich, eine so steile Fläche zu erklimmen. Als wir auf den Turm zulaufen, sitzt eine Rentnerin auf einer Bank davor und beobachtet die Kletternden. Auf unseren Blick in Richtung Turm, zuckt sie nur die Achseln und sagt: „Mal gucken, wer heute stirbt.“ Da fragt man sich schon, wie häufig das vorkommt und wie häufig sie vor diesem großen Stein hockt. Um den Turm herum führt auch ein Pfad, der fast kreisrund und von riesigen Gesteinsbrocken umrahmt ist. Der Tower war früher nämlich noch um einiges höher und hat über die Jahre einiges an Stein verloren. Das ändert allerdings nichts an dem beeindruckenden Ausmaß, das er noch immer hat. Und es lässt einen mit beunruhigtem Gefühl zurück, wenn weit in der Höhe jemand über deinem Kopf herumklettert. Der Turm gilt übrigens auch als ursprünglicher Ort der Grizzlybären und wird von den Indianern bis heute als heilig empfunden. Man kann dort Touren besuchen, die von den Mythen rund um den Berg erzählen oder an Rangerprogrammen teilnehmen, die einen Überblick über die Gegend geben.

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Nicht weit von Devil`s Tower liegt der Spearfish Canyon. Es ist eine unglaubliche grüne Gegend mit vielen Blumen, unterschiedlichen Bäumen und hohen Felswänden, an denen zum Teil Wasser aus den Bergen hinunterrinnt. Man sieht hin und wieder kleine Wasserfälle und am Rand geparkte Autos, wo viele Pfade in den Canyon führen. Der Canyon hat so viele Serpentinen und ist so verwinkelt, dass man die Roughlock Falls fast nicht findet. Aber ihr solltet euch unbedingt die Mühe machen sie zu suchen, da die Anlage mit den Wasserfällen relativ neu angelegt ist und man einen langen Pfad am Wasser entlanglaufen kann.

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Der Park hat mehrere Stellen, wo man picknicken oder baden kann. Und natürlich sind die Hauptsicht die Roughlock Falls oder Bridal Veil Falls, die man von mehreren Plattformen aus sehen kann. Es gibt nur wenige Orte, an denen man so abgekapselt und entspannt sitzen kann und wo man nichts anderes als Wasserrauschen hört. Wir waren bei fast vierzig Grad in der Gegend und trotzdem war die Temperatur in diesem Park noch erträglich. Spearfish Canyon liegt übrigens in einem Areal mit unglaublich vielen Attraktionen. Nördlich Devil`s Tower, südlich die Badlands (Berge, die so bunte Steine haben wie eine Marswelt), westlich mehrere Tropfsteinhöhlen und östlich die Monumente Crazy Horse und Mount Rushmore. Alles zusammen ist nicht an einem Tag machbar, aber dafür kann man, wenn man in der Gegend übernachtet, mehrere Sachen sehen ohne die Hotels zu wechseln. Wir hatten leider den Zeitdruck, weiter in Richtung Ohio zu fahren und hatten schon eine Weile für den Tower und den Canyon gebraucht.

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Aber was wäre eine USA Tour ohne Mount Rushmore? Es ist vermutlich das bekannteste Denkmal in den USA und auch in unzähligen Filmen und Dokumentationen zu sehen. Die vier in Stein gemeißelten Präsidentenköpfe sind auch schon von weitem grob zu erkennen, wenn man hoch in die Berge fährt und danach Ausschau hält. Es ist schwer zu sagen, ob wirklich Mount Rushmore oder nicht doch die Natur darum herum das eigentliche Highlight ist, denn die Natur selbst ist wunderschön. Die Orte haben Westernsaloons, es gibt kleine Museen und in den Wäldern liegen versteckt einige Blockhäuser. Mount Rushmore selbst kostet keinen Eintritt – hat dafür aber eine Parkplatzgebühr, die auch für einen kurzen Stop schon fällig wird.

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Wir stehen letztendlich vor einem großen Steingebäude mit einer Allee aus Marmor, in den die Namen der einzelnen Staaten und ihre Einstiegsdaten eingelassen wurden. Über unseren Köpfen hängen die einzelnen Flaggen der Staaten und auf großen Informationstafeln stehen die Namen derjenigen, die beim Bau des Monuments geholfen haben. Der Künstler Gutzon Borglum entwickelte 1927 das Design für die vier Präsidenten, die seiner Meinung nach die einzelnen Epochen des Landes prägten. Es hat letztendlich 400 Arbeiter gebraucht, um das Denkmal in 14 Jahren fertigzustellen. Von da an kann man Lincoln, Jefferson, Washington und Roosevelt in Stein gemeißelt betrachten.

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Die Wand, die sich vor einem erstreckt, ist jedenfalls massiv und die Köpfe sehen noch um einiges größer aus, als auf den offiziellen Bildern, die man sonst so sieht. Abgesehen davon ist es wirklich erstaunlich, wie detailgetreu die Gesichter sind. Am überraschendsten ist übrigens eine riesige Bühnenanlage unterhalb der Gesichter am Fuß des Berges, die ihr von der Grand View Terrace aus sehen könnt. Es ist eine Freilichtbühne in Arenaanordnung und stellt euch vor, wie der Klang in den Bergen sein muss! Ich wünschte, ich hätte Zeit gehabt, ein Konzert hier zu besuchen. Man kann übrigens auch hier einen „Presidential Trail“ in die Bergen laufen und kommt so näher an die Gesichter heran. Und wenn man am Schluss eine Pause machen will, kann man sich im Café neben den Staatssäulen noch ein Eis oder ein Stück Kuchen holen.

 

Welches Zeichen repräsentiert für euch Amerika?

Preise:
Devil’s Tower: 20$ (pro Fahrzeug, ohne Jahrespass)
Website: https://www.nps.gov/deto/index.htm
Mount Rushmore Parkplatz: 10$
Website: https://www.visittheusa.de/destination/mount-rushmore-national-memorial

Näher am Welt(kn)all

Näher am Welt(kn)all

Siebzehn – Über den Yellowstone Nationalpark, Touristentorturen und Thermopolis

Wenn ich einen der irrealsten Orte der Erde benennen müsste, wäre der Yellowstone Nationalpark bestimmt unter den Top 3. Es ist einer jener Orte, wo man hinter jeder Kurve etwas Neues erkennt und nie weiß, welches Wetter man erwarten soll. Stefan und ich fahren um die Mittagszeit in Richtung Westeingang und reihen uns in eine lange Schlange Autos ein. Da Yellowstone mit Yosemite und Grand Canyon vermutlich der bekannteste Nationalpark in den USA ist, ist er auch ziemlich voll. Man sollte definitiv einiges an Zeit einplanen und vorher klären, wo man abends für die nächste Übernachtung sein muss, da es nicht viele Möglichkeiten im und um den Park gibt.

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Yellowstone ist das letzte, intakte Ökosystem der Erde und der älteste Nationalpark der Welt (1872 gegründet). Er enthält Vulkane, Geysire, Flüsse und Seen und es leben Grizzlybären und Wölfe in freier Wildbahn. Ich finde nicht, dass die Berge, an denen wir vorbeifahren, unbedingt nach Vulkanen aussehen. Wenn man aber an die einzelnen Aussichtspunkte auf dem Weg gelangt, erkennt man die Geysire und vor allem die bröslige Vulkanerde. Ein Grund, warum der Park trotz seiner extremen Weitläufigkeit (8987 km² ) trotzdem so überbesucht wirkt, ist die Tatsache, dass man sich mit dem Auto von Punkt A zu Punkt B bewegt. Es gibt zwar Pfade, die man laufen kann, aber die Hauptattraktionen liegen an der Straße und mehr Pfade zu erschaffen, fällt vermutlich wegen dem Vulkanuntergrund weg. Yellowstone ohne Auto? Ziemlich unmöglich – vor allem nicht ohne Tourführer. Die Hauptattraktionen sind glücklicherweise aber sehr übersichtlich gestaltet und man läuft über Holzwege und Plattformen zu Geysiren und Quellen. Bei Letzteren handelt es sich um kleine Krater, in denen kochend heißes Wasser brodelt. Im weißen Vulkansand leuchten sie in allen Farben des Regenbogens und lassen einen mit der Frage zurück, wie die Natur etwas so Unwirkliches zwischen rauem Stein und weiten Nadelwäldern schaffen konnte. Es wäre um einiges glaubhafter, wenn man den Planeten gewechselt hätte. Die unterschiedlichen Farben entstehen dabei übrigens durch Bakterien und Algen, die aufgrund der vulkanischen Quellen entstehen.

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Wir starten bei Madison, wo man nicht weit entfernt mehrere Quellen sehen kann und hellblaues, glasklares Wasser verlockend in der Sonne schimmert. Auf einmal ergeben die Unglücksfälle im Park einen Sinn. Ranger erzählen von Teenagern, die tagsüber den Park besichtigt und sich Stellen zum Baden gemerkt haben, dann abends wiederkamen und sie verwechselten. Das Wasser kann einen am lebendigen Leib kochen – die Schilder auf den Stegen zu beachten, ist also äußerst sinnvoll. Abgesehen von den offensichtlichen Punkten wie dem Boden und dem Wasser, gibt es außerdem viele Wildtiere im Park, auf die man Rücksicht nehmen muss. Man kann in Gebüschen Elche und Hirsche erkennen und oft auch Herden von Büffeln, die durch die Prärie in der Mitte des Parks ziehen. Warum manche Personen ihre zweijährigen Kinder direkt vor einen Büffel setzen oder neben einem auf der Straße halten, um Bilder zu machen, geht zwar nicht ganz in meinen Kopf, aber ist trotzdem weit verbreitet. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass überall Schilder stehen mit Warnungen, wie sehr man sich den Tieren nähern sollte, oder?

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Aber zurück zu den Vulkanen. Hören tut man eigentlich nur das Puffgeräusch, wenn ein Geysir in die Höhe geht. Riechen kann man beispielsweise den Mud Vulcano am östlichen Ausgang des Parks, der wirklich überirdisch nach Schwefel stinkt und wie ein Urzeitmonster braune Blasen wirft (zumindest stelle ich mir ein Urzeitmonster so vor, aber ich neige ja auch zu B-Movies…).
Durch die aufsteigende Hitze läuft man im Park oft durch Dampfsäulen und merkt dadurch umso mehr, wie heiß es eigentlich in der Umgebung ist. Auch wenn der Wind hin und wieder über die Landschaft fegt, bringt er keine wirkliche Abkühlung, sondern sorgt für weitere Kappen und Hüte, die in den Pools vor sich hinschwimmen oder an Klippen hängen bleiben. Yellowstone ist ein sehr raues Land mit den roten Gesteinsarten aus dem Grand Canyon, grauen Gesteinsbrocken, die an Elefanten erinnern und wildem Wasser, auf dem keiner wagt, eine Bootstour zu machen (obwohl es bestimmt auch einige intelligente Aktionen in diesem Bereich gab).

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Die bekannteste Attraktion ist mit Sicherheit der Old Faithful Geysir, der als einziger Geysir im Park eine Taktung hat und praktischerweise alle 30 Minuten ausbricht. So versammeln sich die Leute im Tal auf langen Bankreihen und erdulden in der Hitze ihr Schicksal bis zum Ausbruch. Der Old Faithful liegt zudem neben einem der bekanntesten Hotels der Welt – oder sollte ich eher sagen, das Hotel liegt neben dem Geysir? Schließlich war dieser eine ganze Weile vorher da. Das Hotel von dem ich rede, ist das Old Faithful Inn. Es ist ein gigantisches Holzhaus gefühlt mitten im Nirgendwo, das bestimmt über sechs Stockwerke hat. Während es von außen riesig und wie ein klassisches Blockhaus wirkt, ist es nach Betreten eine große Überraschung, vor einem filigranen Netz aus Querbalken und tiefhängenden Leuchtern zu stehen. Mit Geigenmusik im Ohr und den Kopf in den Nacken gelegt, kann man über sich einzelne Stockwerke und Plattformen zählen, die viele Sitzplätze erahnen lassen. Man muss kein Gast sein, um eintreten zu dürfen. Es gibt für die Öffentlichkeit einen Souvenirshop und dazu auch ein Restaurant im ersten Stock. Gast zu sein, ist übrigens gar nicht so einfach. Nach allem, was ich gelesen habe, müssen Reservierungen im Durchschnitt mindestens ein Jahr im Voraus erfolgen – es sei denn, manche Personen sagen spontan ab. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, einmal hineinzugehen, auch wenn man vielleicht nur einen Tee trinkt und dabei in einem gigantischen Wildledersessel versinkt.

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Um den ganzen Park zu sehen bräuchte man vermutlich mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen. Es gibt auf allen Seiten etwas zu sehen. Besonders schön ist der Morning Glory Pool mit hellblauem Wasser und grellgelbem Rand, der nach einem exotischen Cocktail aussieht. Und beeindruckend ist auch der Devils Thumb, eine Gesteinsformation, aus der wilde Geysire sprudeln und man ein unterirdisches Rumpeln hört. Ich wäre gerne länger davor gestanden, aber es hat von einem Moment auf den nächsten in Strömen zu regnen begonnen und sogar wenn man rennt, landet man durchweicht im Auto.

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Wir waren erst spät auf dem Weg aus dem Park hinaus und die Strecke vom Osteingang Richtung Cody ist bestimmt einer meiner liebsten Streckenabschnitte seit wir unterwegs sind. Weite Klippen ragen rechts und links vor einem auf. Die Felsen sind rot, lila, weiß und zwischendurch erhascht man einen Blick auf glatte Seeflächen und zusammengedrängte Büffelherden. Manchmal sieht man auch kahle Hänge, aber zwischen den abgebrannten Baumstümpfen zieht sich mittlerweile auch  wieder helles, grünes Gras hindurch. Kurz vor dem Ausgang bekommen wir sogar noch einen Blick auf drei Bären, die oben auf einem Felsen hocken und gelangweilt vor sich hin kauen. Logischerweise Grund für viele Touristen mitten auf der Straße anzuhalten, auszusteigen und sich darüber aufzuregen, wie unpraktisch die Bären doch für Fotos stehengeblieben sind (ist ja auch wirklich asoziales Verhalten von ihnen).

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Man fährt bis Cody nach dem Ausgang bestimmt noch anderthalb bis zwei Stunden. Zunächst in Serpentinen Berge hinunter, dann irgendwann durch Täler mit Farmland und vereinzelten Bauernhöfen. Zu unserer Irritation thront auf einem Hügel sogar ein gigantisches Blockhaus im skandinavischen Stil, das ohne wirklichen Zweck mitten im Nichts steht (für Interessierte…. es ist zu verkaufen!). Cody ist wie Jackson Hole eine Westernstadt und ebenfalls nur einer der wenigen Orte auf der östlichen Seite des Parks. Hauptsächlich ist es bekannt für sein Westernmuseum und die Rodeo Arena, in der jeden Abend um 8 Uhr die Rodeo Show losgeht. Man kann die Tribünen gar nicht übersehen, wenn man in den Ort abbiegt, da es mit Abstand das größte Gebäude ist. Es gibt zudem eine lange Hauptstraße mit bunten Shops, Leder- und Sattelzubehör und einigen Restaurants, die ihre Steaks bewerben.

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Eine besondere Sache gibt es übrigens noch auf dieser Seite des Parks. Circa eine Stunde von Cody entfernt befindet sich Thermopolis, eine kleine Gemeinde, die eigentlich nur aus Felsen und drei Thermalbädern besteht. Die Stadt liegt in einem Bergkessel mit hoch aufragendem, rot-grauen Gestein und die Thermalbäder grenzen teilweise direkt an den Berg an. Es gibt zwei Bäder, die Wellnessanwendungen und Rutschen anbieten, weshalb sie meistens relativ voll sind, aber es gibt auch ein öffentliches Bad von Thermopolis. Dieses ist für alle Besucher frei, da die Indianer vor langer Zeit bei der Abgabe ihres Landes verewigt haben, dass es für alle Zeit kostenlos für alle Menschen zugänglich sein muss. Es ist ein kleines Bad mit zwei Becken, aber schön angelegt und völlig ausreichend, wenn man mit Muskelkater in den Beinen eine kurze Pause braucht. Anschließend kann man übrigens noch zwischen den Quellen durch einen Park spazieren und über eine Hängebrücke in die Berge laufen. Und wenn man sich dann genug entspannt hat, kann man in Richtung der sogenannten Badlands weiterziehen.

 

Wart ihr schon einmal im Yellowstone Park? Was waren eure Eindrücke?

Preise:
Yellowstone (mit einem Fahrzeug, ohne Jahrespass): 35$
Website: https://www.yellowstone.org/?gclid=CjwKCAjw8O7bBRB0EiwAfbrTh2ck9IHJgyVCcao_4cidAlPAsAPQpuHty4RZD8QA3QCA2Yyx1oYf2hoCHPAQAvD_BwE

Tipps:
1) Übernachtungstechnisch in der Gegend: Idaho Falls, Rexburg und wenn ihr ein bisschen früher bucht evtl auch Cody oder Jackson Hole.
2) Immer ausreichend Wasser mitnehmen – im Park wird es im Sommer bis zu 45 Grad heiß.
3) Eine Kappe kaufen, die gut sitzt. Damit meine ich, dass sie quasi am Kopf festgetackert werden sollte, ansonsten stehen die Chancen, dass man sie verliert, relativ hoch.

Cross Country: Kalifornien bis Wyoming

Cross Country: Kalifornien bis Wyoming

Sechzehn – Über den 4.Juli, Idaho Falls und den Grand Teton National Park

Für den 4.Juli haben wir beschlossen, ein paar Tage nach Idaho zurückzufahren. Erstens ist man nach vier Wochen „on the road“ mit einem unterschiedlichen Ziel für jede Nacht ziemlich gerädert. Zweitens ist der 4.Juli vermutlich einer der teuersten Tage im ganzen Jahr, was Übernachtungsmöglichkeiten angeht. Wir sind ein Stück den Highway 101 hinaufgetingelt, um in einem Weingut zu stoppen und den Küstenort Mendocino zu sehen, der unglaublich idyllisch auf Klippen thront. Er hat viele uralte Häuschen mit verschnörkelten Veranden, ausgebaute Wassertürme und kleine Restaurants, über denen Möwen kreisen und wo man auf Dachterrassen sitzen kann.

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Anschließend haben wir den angeblich schnellsten Weg durch die Shasta Trinity Mountains  gewählt und falls ihr das jemals geplant hattet – TUT ES NICHT. Ich hatte das schlimmste Beifahrererlebnis aller Zeiten mit drei Stunden Serpentinen, schlechten Straßen, Asphalt-Absenkungen und konfusem Licht. Nach einer Stunde war mir so schlecht, dass wir sicherheitshalber im Nichts anhalten mussten. Glücklicherweise war der Rest der Strecke dann um einiges machbarer, wenn auch ziemlich trocken.
Eine interessante Station auf dem Weg nach Boise ist außerdem der Lake Abert in Orgeon; ein Alkalisee umrundet von Bergen und mit viel Schilfgras. Lange durch die Gegend würde ich dort aber nicht laufen, da es unglaublich nach Fisch und Salz stinkt (der Geruch davon hat sich sogar danach noch einen Tag im Auto gehalten). Den Unabhängigkeitstag haben wir dann in Idaho City verbracht. Morgens zieht eine Parade mit mehreren Pferden und Wagen durch den Ort, an einigen Stellen wird Mittagessen angeboten und am Abend versammelt man sich auf dem örtlichen Fußballfeld für ein Feuerwerk.

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Ich muss allerdings dazu sagen, dass wir uns davor mit Barbecue vollgestopft hatten, denn es dauert eine Weile bis es dunkel wird und die Feuerwehr mit dem Zünden beginnt. Die paar Tage im Inland sind auf jeden Fall eine gute Verschnaufspause bis wir spontan Konzerttickets kaufen und dafür nach Cincinnati in Ohio aufbrechen müssen. Zum Glück haben wir Zeit, ein paar Ziele auf dem Weg mitzunehmen. Die erste Überraschung auf der Strecke ist Idaho Falls. Circa vier Stunden von Boise entfernt erstreckt sich ein überraschend hübsches Städtchen in der Wüste mit Grünanlagen und einem Fluss, der durchs Zentrum läuft. Wer den Stadtnamen gelesen hat, kann sich jetzt auch denken, dass besagter Fluss wirklich einen Wasserfall enthält. Es gibt eine lange Wasserfallfront entlang der westlichen Stadthälfte und man kann durch einen schick angelegten Park spazieren und die Wasserfälle begutachten.

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Besonders schön ist die Szenerie bei Sonnenuntergang, weil nicht mehr zu viele Personen unterwegs sind und man genug Raum hat, um ans Ufer zu gehen. Auf dem Weg kann man sich einen „Slushy“ holen, das absolut künstlichste Eisgetränk der Welt in Geschmackssorten wie „Tropical Sunshine“ (vielleicht hätte der Name mir Warnung genug sein sollen, aber bei circa 35 Grad in der Sonne war das meinem Gewissen reichlich egal… zumindest bis ich das leuchtend rote Getränk dann im Becher überreicht bekam).

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Stefan und ich sind dann ein weiteres Stück dem Fluss gefolgt, bis wir vor einem schön angelegten japanischem Garten stehen mit moosüberzogenen Flächen, kleinen Bächen und Brunnen und Holzpavillions. Von hohen Steinvorsprüngen und Brücken kann man auf den Fluss unter sich sehen. Und wie in allen Ländern der Welt, entdeckt man auch hier gebräunte Typen in Badehosen, die sich unter den Brücken entlang hangeln. Der Garten wurde zur Freundschaft mit Japan errichtet und es ist erstaunlich, wie viele Menschen auch abends noch darin unterwegs sind und Fotos machen. Im Hintergrund sieht man den leuchtend orange-weißen Wasserturm der Stadt und gelangt durch den Park nach Downtown. Bei der Hitze und nach meinem fabulös-klebrigen Slushy, machen wir einen Stop in einem Irish Pub, um mit etwas weniger „tropischem“ zu kontern.

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Der Pub spielt alte Musikvideos ab, hat eine Bar vollgestopft mit den unterschiedlichsten Getränken und einem gotischen Flair mit gebogenen Deckenbalken und getönten Fensterscheiben. Abgesehen davon gibt es dreifarbigen Käsekuchen, der zum Niederknien i(s)st. Falls ihr die Zeit habt, ist die Stadt auf jeden Fall ein schöner Stopp in Richtung Yellowstone Nationalpark.

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Wir packen am Tag darauf unsere Sachen zusammen und planen unseren Trip zum Grand Teton Nationalpark. Zur Orientierung: Grand Teton ist ein eigener Park südlich von Yellowstone, grenzt aber an diesen an. Es gibt nicht besonders viele Orte in der Gegend, wo man übernachten kann – am bekanntesten ist mit Sicherheit die Westernstadt Jackson Hole, deren Innenstadt wie aus einem alten John Wayne-Streifen aussieht (wenn man mal von den Autos und teilweise sehr luxuriösen Hotels absieht). In der Stadtmitte gibt es einen kleinen Park mit einem Eingangsbogen aus Elchgeweihen, der von Westernveranden und vielen Parkbänken umgeben ist. In den Läden kann man Westernkleidung kaufen und es riecht in den meisten Restaurants himmlisch nach Steak. Während viele Shops durch die Touristen und Hotels ein eher schickes und elitäres Bild mit Markenkleidung zeichnen, gibt es auch die seltsamsten Shops mit den verrücktesten Souveniren. In einem der Läden steht beispielsweise ein gigantischer ausgestopfter Bär für 25 000$, direkt daneben Kung Fu Eichhörnchen mit Samuraiischwertern oder sehr seltsame Tieransammulungen wie rudernde Biber und Rehe.

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Wenn man dann genug verstörende Eindrücke gesammelt hat, kann man sich auf in den Nationalpark machen. Es ist ein weites Land, das sich neben den Grand Teton Bergen erstreckt, die so genannt wurden, weil sie angeblich an Brüste erinnern. Auch im Sommer liegt noch Schnee in den Bergen, was umso abstrakter erscheint wenn man selbst auf den Pfaden im Tal gegrillt wird. Die Landschaft erscheint endlos mit ihren langen Bergketten, Nadelwäldern, Blumenwiesen und Seen und die Anstiege können ganz schön steil werden. Als wir am Jenny Lake ankommen, ist dort bereits die Hölle los und wir finden mit viel Glück einen Parkplatz – natürlich in der Sonne. Der See ist oval mit sehr klarem, dunkelblauen Wasser und mehrere Boote fahren darauf hin und her um die Menschen auf der anderen Seite der Bucht wieder einzusammeln. Motiviert wie wir sind, beginnen wir den Pfad am Wasser entlang zu wandern – und verlaufen uns ziemlich hoffnungslos.

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Schön hoffnungslos, muss ich zugeben, denn wir gelangen zu den Teichen, an denen die Elche normalerweise rasten und laufen durch halb zugewachsene Pfade mit den unterschiedlichsten Wildblumen. Nach einer halben Stunde erreichen wir sogar einen Bergbach, von dessen Brücke aus man die Füße ins Wasser tauchen kann. Im ersten Moment ein ziemlicher Schock, weil es unglaublich kalt ist. Nach unserem Irrtum – wir enden mit Sicht auf die nächstgelegene Landstraße – müssen wir den Weg komplett zurücklaufen und beginnen danach einen steilen Anstieg um die höchste Sicht auf den Jenny Lake zu erklimmen. Die Wasserfläche unter einem scheint auf jeden Fall cool-unberührt, wenn man selbst durch den Wald und über abgesplitterte Steine läuft.

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Einige Teile der Berge bestehen nur noch aus Geröllfeldern, die sich entlang des Sees auf dem Weg zu den „Hidden Falls“ erstrecken. Der Wasserfall ist auf jeden Fall versteckt, man hört das Rauschen lange bevor man die Wasserfälle sieht und es gibt einige Abbiegungen über Brücken, die man dorthin nehmen muss. Die Sicht am Ende ist aber eine ausreichende Belohnung und eine sehr angenehme Abkühlung durch die ganzen Wassersprenkel, die man dort abbekommt. Ich gebe zu – nach unserem Irrweg sind wir nicht mehr motiviert genug, die gesamte Runde um den See zu laufen. Gut zu wissen, dass man von beiden Seiten die Boote nehmen kann. Die Überfahrt dauert nur zehn Minuten und man hat einen schönen Blick auf die umliegenden Berge, Buchten und natürlich das Wasser selbst. Schwer vorstellbar, dass die Natur sich bei unserem nächsten Ziel, dem Yellowstone Park, so sehr von diesem Ort unterscheiden wird.

 

Ich würde mich über ein Kommentar freuen 😉

Preise:
Grand Teton National Park (ohne Annual Pass): 35$ pro Auto
Website: https://www.nps.gov/grte/index.htm

Tipps: 
Außerhalb der Nationalparks schlafen und dafür mehr Fahrtweg in Kauf nehmen, die Preise in Jackson Hole sind wirklich hoch verglichen mit Orten wie Idaho Falls oder Rexburg.

Himmel und Hölle – South Lake Tahoe

Himmel und Hölle – South Lake Tahoe

Fünfzehn – Über das BurgerSpa, Vikingshom und Sacramentos Western District

Im nördlichen Teil Kaliforniens, circa auf der gleichen Höhe wie Sacramento und San Francisco, liegt South Lake Tahoe, das Urlaubsziel vieler Kalifornier und Oregonier (ja, sie nennen sich wirklich so). South Lake Tahoe ist vor allem im Winter beliebt, da es rund um den See (Lake Tahoe) Berge mit Skianlagen und viele Skiresorts gibt. Im Sommer kann man die Gondeln benutzen, um auf die Berge zu fahren und dort wandern zu gehen. Oder man schnappt sich ein Kanu, ein Fahrrad für rund um den See oder nimmt an einer Mittags- oder Dinnercruise teil. So idyllisch das alles auch klingt – South Lake Tahoe ist vor allem eins: touristisch (und dadurch auch ziemlich teuer).

Egal wie weit man heraus fährt und die abgelegeneren Motels sucht, welche zu finden, ist nicht gerade einfach. Das Hotel, vor dem wir am Schluss stehen und das im Internet seine „Sauna, Fitnessanlage und Pool“ bewirbt (und auf das wir uns deshalb sehr gefreut haben, weil die Luft nur so steht), hat im Endeffekt nichts vom Angekündigten, dafür aber ein aufgeklebtes „Sorry“-Schild am Pool. Der Pool ist leer, die Sauna nicht geöffnet und im Fitnessraum (ein Kabuff mit zwei Fenstern in der Größe eines Schuhkartons) liegen drei Gewichte. Der Gang zu unserem Zimmer wurde mit einem Teppich ausgekleidet, der verstörend braun-rote Sprenkel aufweist. Ehrlich gesagt, wäre ich beim Blick auf das Gebäude und die zerfetzte Hollywoodschaukel am liebsten sofort wieder umgekehrt, aber die Zimmer sind einigermaßen in Ordnung und noch spontaner in Lake Tahoe zu buchen, treibt die Preise nur noch weiter in die Höhe. Wir sind umgeben von weiteren Hotels, Casinos und nicht weit entfernt von der Strandpromenade mit Luxushotels und Beachbars. Das Wetter ist abends am angenehmsten und wenn man spät vor die Tür geht, trifft man allerlei Leute auf der Straße, die zu Live-Musikveranstaltungen gehen oder zum Strand, denn der orange-rote Sonnenuntergang ist spektakulär und hin und wieder gelangt man auch zu Stellen, an denen man baden gehen kann. Die Essensauswahl in Tahoe ist genauso vielfältig wie die Nationen der Touristen und auch dementsprechend teuer – man kann aber ein paar gute italienische und asiatische Küchen auftreiben. Am wenigsten einleuchten tut mir das sogenannte „BurgerSpa“… mit abgedrucktem Jacuzzi auf dem Schild. Bedeutet das etwa, dass man seinen gegrillten Burger in einer Imbissbude IM Jacuzzi isst?! Ich war zu verstört um es auszuprobieren, aber vielleicht nutzt irgendjemand von euch ja mal die Gelegenheit!
Am schönsten ist eigentlich der Westen von Lake Tahoe, wo man weit hinauf in die Berge fahren kann und einen tollen Blick auf das hellblaue Wasser im Tal bekommt. Die Berge sind teils noch mit Schnee bedeckt und man kann vereinzelt Pfade zwischen ihnen laufen oder auch an der Strecke stoppen, um Bilder zu machen. Der schönste Stopp an der Straße ist vermutlich Vikingsholm am Emerald Bay, eine kleine, mittelalterliche Festung, die von Laura Knight in den 30ern gebaut und von ihr als Sommerresidenz genutzt wurde. Sie heiratete einen reichen Geschäftsmann, der in der Firma ihres Vaters arbeitete und half ihm und vielen großen Investoren (Wells Fargo, Union Pacific etc.) mit der Buchhaltung, weshalb sie das Geld für ihre zwei Wohnorte und Wohltätigkeitsveranstaltungen nutzte.

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Zu der Anlage führt ein längerer, kurviger und steiler Weg nach unten, wo viele große Bäume stehen und das eigentliche „Haus“ erstmal verdecken. Wenn es dann in Sicht kommt, ist es auf jeden Fall eine Überraschung, etwas wie diese winzige Burg mitten in Kalifornien zu finden. Sie hat je einen großen Turm auf den zwei Hauptseiten und ist eine Mischung aus Stein- und Holzfassaden. Im Endeffekt sieht es vor allem durch die geschnitzten Holzelemente so skandinavisch aus und durch die tiefen Dächer mit ihren verwinkelten Verzierungen. Der Innenhof ist ein großes Viereck, das zum Teil im Schatten liegt – eine von Knights Bedingungen beim Bau war der Wunsch, dass alte Bäume nicht abgeholzt werden dürfen – deshalb stehen sie nun in der Burg und darum herum. Wenn man auf der Frontschwelle des Eingangs sitzt, versteht man auch, warum sie diesen Ort gewählt hat: Es ist mit Abstand der schönste Blick auf den Lake Tahoe. Eine kleine Insel befindet sich nicht allzu weit entfernt im Wasser mit einem kleinen Türmchen darauf. Leute paddeln mit Kanus oder schwimmen im abgesicherten Bereich und das Wasser ist mit Sonneneinstrahlung fast schon türkis. Am schönsten ist die Tatsache, dass rundum nichts verbaut wurde, weil Laura Knight damals die komplette Bucht mit dem Bauland zusammen erwarb. Tickets für die Haustour kann man im Visitor Center erwerben und mit einem Eis in der Hand warten wir darauf, dass es losgeht. Die Gruppen sind meistens nicht allzu groß, aber das ist auch gar nicht so schlecht, da die Decken in der Burg eher niedrig sind und man nicht ganz so viel Bewegungsfreiheit hat, wie von außen angenommen. Die Zimmer sind wie das Äußere mit skandinavischen Möbeln im antiken Stil und hellen Farben gehalten, man bekommt viele Einblicke in Küche, Schlafzimmer und die Wohnanlagen der Bediensteten im Innenhof. Vor allem das Esszimmer ist besonders schön mit großer Glasfront, aus der man direkt zur Insel sieht. Wenn man auch nur ein bisschen Fantasie hat, kann man sich gut vorstellen, wie schön dieser Ort für ihre Übernachtungsgäste gewesen sein muss.

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Die Insel und zuvor erwähnter Burgturm war übrigens eine weitere Idee der Gastgeberin, die regelmäßig eine Teezeit in besagtem Turm anbieten wollte. Letztendlich hat sie es aber nur einmal gemacht, da der Transport von Stühlen und Tischen relativ aufwendig und der Anstieg zum Turm in ihrem Alter zu anstregend war. Außerdem ist es nicht einfach dort mit dem Boot anzulegen. Nach der Tour haben wir die Zähne zusammengebissen und ein völlig überteuertes Kanu für eine Stunde gemietet. Bereuen tue ich es nicht, weil es eine wunderbare Abkühlung bietet, die Hände ins Wasser zu tauchen und eine Stunde ausreicht, um einmal um die Insel zu paddeln und über Land den Turm zu erreichen. Wir haben uns dabei trotzdem ziemlich dumm angestellt, weil wir nicht am besten Punkt geankert haben und die Schuhe an Land zurückgelassen hatten. Aber was soll´s – man kann auch ohne Schuhe nach oben kommen und hat von dort aus einen weiten Blick über Berge, Wasser und natürlich hinüber zu Vikingsholm.

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Der Turm ist dabei wie eine kleine Aussichtsplattform angelegt und nachdem man den Aufstieg durch Gebüsch und unebene Felsen gemacht hat, fragt man sich schon, wie hier früher überhaupt eine Teezeit stattfinden konnte. Nach Laura Knights Tod gab es übrigens zwei weitere Besitzer, letzterer hat Vikingsholm schließlich dem Staat übergeben, damit jeder etwas von der Anlage hat und die Bucht auch in Zukunft nicht zugebaut werden kann.

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Wir beschließen am Tag nach unserem Trip noch die Ostseite des Sees abzufahren, um anschließend nach Sacramento zu tuckern. Ost und West könnten nicht unterschiedlicher sein. Da man im Osten leichter an den See gelangt, ist der größte Landanteil zugebaut mit Hotels, Privathäusern (sehr schicken und teuren Privathäusern) und Wasserparks (wobei man sich fragt, warum so viele Wasseranlagen überhaupt notwendig sind, wenn man so klares Wasser direkt davor hat). Die Leute reihen sich nebeneinander an den Stränden auf, als warteten sie nur darauf, wie die nächste Hotdog-Wurst gewendet zu werden und die Straßen sind so zugeparkt, dass man mit dem Auto kaum durchkommt. Wir sind dann eigentlich ganz froh, als wir das Tal hinter uns lassen und weiter hoch in die Berge fahren.

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Sacramento ist das ziemliche Gegenteil von South Lake Tahoe und das auf allen Ebenen: Es ist flach, hat nicht allzu viele Teiche und die Gebäude erinnern an Kolonialzeiten und harte Arbeit. Das Einzige, was die Städte teilen, ist die enorme Hitze, die über 40 Grad erreicht und es einem schwer macht, sich überhaupt auf irgendetwas zu konzentrieren. Wir sind an Tag eins zugegebenermaßen so ausgeknockt, dass wir im Hotel bleiben und zwischendurch mal zum Pool dackeln. An Tag zwei schaffen wir es dann in den historischen District mit Westernsaloons, der historischen Eisenbahn und dem Hafen, bei dem man auf Restaurantbooten essen und Touren mit ihnen machen kann. Es gibt auch Fahrten mit Kutschen innerhalb des Districts und hin und wieder sieht man auch jemanden, der wirklich wie ein Cowboy gekleidet ist. Der Westernteil ist auf jeden Fall weiterhin gut in Schuss und man erlebt eine bunte Mischung aus Süßigkeitenläden, Souvenirshops (mit durchgeknallten Eisenbahnen) und Restaurants. Besonders beliebt ist hier die „Sacramento-Pizza“, eigentlich einfach nur ein großes Stück Pizza aus fluffigem, dickem Pizzateig, nachdem man sich wie ein aufgeblasenes Michelinmännchen vorkommt.

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Nicht weit entfernt liegt übrigens der Financial District;  man passiert dabei eine goldene Brücke, schicke Hotels und steht am Schluss in einem sehr gepflegten Park mit Blick auf das Staatshaus und die Bibliothek. Vielleicht war es euch auch nicht bekannt, aber Sacramento ist die Hauptstadt Kaliforniens. Ziemlich irritierend, wenn es weitere Riesenstädte wie LA, San Francisco und San Diego gibt. Aber dafür repräsentiert Sacramento ein um einiges älteres Stadtbild und ist allein wegen dem Westernlook einen Blick wert.

 

Welcher Ort ist noch Himmel und Hölle zugleich?

Preis:

Tour Vikingshom: 10$ Erwachsene, 7$ Studenten/Schüler, Kinder freier Eintritt
Parkplatz Vikingsholm (anders kommt man dort nicht hin): 10$ (ganzer Tag)
Website: http://vikingsholm.com/
Kanu leihen am Emerald Bay: 35$ für eine Stunde

Tipps:

1) South Lake Tahoe weiter im Voraus buchen, wenn man wirklich ein gutes Hotel haben möchte.
2) Badesachen mitnehmen, wenn man unten schwimmen möchte oder Kanu fährt – man wird so oder so nass.
3) Schuhe im Kanu mitnehmen. Ist vermutlich angenehmer, als barfuß über die Insel zu laufen.

Warum man Idaho nicht unterschätzen sollte – 7 Things to do in Idaho

Warum man Idaho nicht unterschätzen sollte – 7 Things to do in Idaho

Da wir sowohl an der Grenze, als auch im Land oft Kommentare gehört haben, die größtenteils lauteten: „Was zum Teufel wollt ihr in Idaho?“, habe ich beschlossen, ein paar Gründe zu finden, die für einen Aufenthalt in dem Kartoffelstaat sprechen. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht wirklich suchen musste. Mir ist der Staat ans Herz gewachsen, schon allein aufgrund der Tatsache, dass er die Gelassenheit aus Westernzeiten ausstrahlt und die Leute alle sehr entspannt und zufrieden mit ihrem Leben dort sind. Abgesehen davon hat Idaho eine wunderschöne Landschaft mit Canyons, Flüssen und Seen, Bergen und vielen Pfaden, die man laufen kann und im Winter kann auch eine Menge Schnee fallen. All diese Ereignisse finden natürlich immer wieder mit Country-Hintergrundmusik statt (wenn sie grillen, läuft irgendwo ein Radio, wenn sie unterwegs sind, nehmen sie eins mit) – egal, ob du Country magst oder nicht… am Ende musst du es mögen, du hast schließlich keine andere Wahl.
Aber kommen wir zu den Dingen, die auf Anhieb zusagen:

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  • Quad fahren

Oder sollte ich eher, wie hier üblich, „ATV“ sagen? Idaho kann im Frühling unglaublich grün und strahlend sein, im nächsten Augenblick aber auch an eine Wüste erinnern. Egal welches von beidem zutrifft, mit dem Quad eine Tour durch die Umgebung und die Orte zu machen, ist eine der besten Erfahrungen überhaupt. Es macht Spaß; es ist aktiv, man sieht viel von der Gegend und man wird definitiv wach durch den Adrenalinkick, der beim Fahren einsetzt. Solange man vor der geplanten Tour die umliegenden Routen gecheckt und getankt hat, kann eigentlich nichts schiefgehen. Wasser mitzunehmen ist übrigens erlaubt, bei Essen sollte man eine Art geruchsdichten Kanister namens „Bear Can“ besorgen – Idaho hat einige Sicherheitsvorkehrungen wegen Bären und Pumas.

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  • Wasseraktivitäten

Mit dem Boot fahren oder fischen gehen, steht weit oben im Kurs, wenn es um die Wochenendfreizeit geht. Um die Hauptstadt Boise herum gibt es viele Gebiete mit Stau- und Schwimmseen. Die Stauseen schlängeln sich dabei ein Stück weit durch die Canyons und man kann an einigen der Häfen Boote für einen Tagesausflug leihen.

  • Hot Springs

Da ich gerade schon beim Thema „Wasser“ bin… Der kleine Ort Idaho City (ca 40 Minuten von Boise entfernt) hat eine fantastische kleine Therme mit Sauna, Jacuzzi und einem angegliederten Café. Die heiße Wasserquelle kommt direkt aus den Bergen und man genießt aus dem Becken den Blick in die Idylle. Am Pool dürfen Getränke bestellt und getrunken werden und natürlich bekommt man jederzeit seine Eiswürfel ins Wasserglas. Wenn man mehr Wert auf die Privatsphäre legt, gibt es auch einige Hütten mit eigenen Becken darin, die man für sich oder als Gruppe reservieren kann.

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  • Idaho City

Falls jemand auf der Suche nach dem klassischen Wilden Westen ist, kommt er vermutlich nicht näher dran, als in dieser ehemaligen Goldgräbergegend. Hier steht die Zeit still und man kann die beste, selbstgemachte Eiscreme auf einer weiß-pinken Veranda essen, von der man sich bestens vorstellen kann, wie früher Pferde an sie angebunden wurden. Alle Eissorten sind einzigartig und garantiert ungewöhnlich; Namen wie „Death by Chocolate“, „Birthday Cake“ und „Rocky Road“ tauchen im Sortiment auf und ihr solltet sie alle dringend probieren (schließlich sind zum Teil Smarties, Kekse, Streusel oder Marshmellows darin verborgen und mal ehrlich…wer würde das nicht wollen?!).

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Wem Eis zu süß ist, der kann auch einfach ins Restaurant nach nebenan schlendern. Trudy’s Kitchen bereitet alles zu, was man mit Amerika verbindet – in Portionen, die man mit Amerika verbindet. Die Tische sind mit weiß-rot-karierten Decken belegt und von der Decke baumeln die seltsamsten Küchenutensilien – auf jeden Fall sollte man das Steak und den Chocolate-Rasberry-Cheesecake probiert haben.
Und für diejenigen, die ohne Hunger in den Ort kommen (ich kann euch allerdings nur raten, VIEL Hunger zu empfinden) – der Ort hat einen kleinen Souvenirshop mit handgemachtem Schmuck, ein winziges Museum, das einen guten Überblick über die Goldgräberzeit gibt und den verwunschensten Friedhof, den ich je gesehen habe. Aber ein bisschen was zu Idaho City werden ihr bestimmt noch am Ende unserer Reise hören.

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  • Boise

Die Hauptstadt ist gefühlt nicht besonders groß, zumindest nicht so groß wie man sich eine Hauptstadt vorstellen würde (die Einwohnerzahl liegt hier bei ca 223.000). Sie hat aber eine gute Auswahl an Shops, wie beispielsweise die Boot Barn, wo man sich selbstgemachte Cowboystiefel besorgen kann und eine Menge Outletcenter, wenn man auf die Schnelle ein paar günstige Kleinigkeiten benötigt. Außerdem gibt es im Zentrum mehrere Bars, die selbstgebrautes Bier anbieten – auch wenn die Marke, die am meisten getrunken wird Coors heißt und es sich dabei um ein sehr helles Bier handelt.
Die Stadt ist außerordentlich gut strukturiert und sauber, es gibt viele kleine Brunnen im Zentrum und größere Flächen für Märkte oder andere Veranstaltungen. Einen Besuch ist sie auf jeden Fall wert!

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  • Birds of Prey

Etwas außerhalb von Boise befindet sich die Birds of Prey Jagdvogel Anlage. Die Station für die Vögel ist nicht besonders groß, dafür aber sehr übersichtlich gestaltet und man kommt unwahrscheinlich nahe an die Tiere heran. Von Geiern über Bussarde und Adler bekommt man viel zu sehen und man kann in Einzelvorstellungen gehen, wo man mehr über die Tiere und ihre natürliche Umgebung erfährt. Ich empfehle den Ausflug auch für Familien; schon allein deshalb, weil die Orientierung der Anlage sehr praktisch gestaltet ist und die Kinder an alle Käfige herantreten können.

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  • Baked Potato oder Potato Salad essen und ein Coors trinken

Idaho wird auch der „Kartoffelstaat“ genannt. Grund dafür: Aus Idaho stammen die bekannten, großen Kartoffeln die zum Füllen und Aufbacken verwendet werden. Und sie werden ihrem Image so gut wie immer gerecht: sie machen die besten Kartoffelsaladkreationen überhaupt und man bekommt sie in jedem Diner, das man passiert! Um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung mehr, wie viele unterschiedliche Sorten Kartoffelsalat ich mittlerweile gegessen habe, aber keine hat dem anderen ähnlich geschmeckt…
Klassisch wird zum Kartoffelsalat meistens ein Bier gereicht – so unterschiedlich sind die Deutschen und die Amerikaner scheinbar auch wieder nicht- und natürlich wird ein Steak gegrillt (und nein, auch wenn ich vom Wilden Westen gesprochen habe, dieses Steak wurde von uns nur im Supermarkt gejagt und nirgendwo sonst!).

 

Besteht Interesse an einigen Rezepten aus Amerika? Ich komme hier ganz gut rum und überlege, am Ende ein paar Sachen zusammenzufassen 😉

Preise:
– Hot Springs Idaho City: http://www.thespringsid.com/
Eintritt: 11$ Kinder, 17$ Erwachsener
– Eisdiele Idaho City: https://www.facebook.com/sarsaparillaicecreamparlor/
– Trudy’s Kitchen Idaho City: https://www.facebook.com/trudyskitchen/
– Birds Of Prey: http://www.peregrinefund.org/visit
Eintritt: 5$ (4-16), 10$ Erwachsener, 5$ Senioren

Tipps:
– Versucht niemals den Radiosender zu wechseln, wenn ihr mit den Amerikanern unterwegs seid. Sie finden es nicht lustig, wenn man etwas anderes als Country zu hören versucht… abgesehen davon gibt es eigentlich kaum Sender, die KEINE Countrymusik abspielen.
– Wenn ihr euch ein Quad für den Aufenthalt besorgen möchtet, checkt einfach mal die Tankstellen in der Umgebung. Viele von ihnen vermieten ihre ATVs.